Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Erfahr ersten Range«, umsomehr, al« dasselbe kraft seine« die christlichen Staatsgrundlagen negirenden Zuge« an der Pfleg« der Revolution-gedanken besonder« Theil nimmt. Die Finanzmacht der Juden ist ein Hinderniß selbstständigen Staat»- ledenS, ihr Börlentreiben die Wurzel verderblicher Richtungen de« GeschäftSleben«, ihr Einfluß aus Industrie und Gewerb« durch die Usurpation eine» die Arbeit bedrückenden Zwischenhandel« der Grund mannigfacher BolkSnoth. VII. Di« Uebelstände, welche der jüvische Geist in Handel und Wandel, 'in Industrie und Landwirthschast heroorruft, sind durch eine, die Kapitalmacht einschränkend« Gesetzgebung zu bekämpfen. Christen knüpfen ihre Geschäftsverbindungen möglichst mit Christen an. VIII. Rur durch die Verleugnung der christlichen EtaatSide« und de« nationalen Gedanken« im öffentlichen Leben und in der Gesetzgebung sind christliche Völker in Abhängigkeit von dem Judenthum gerathen. Rur durch Hochhaltung der christlichen Wellanschauung und durch Geltendmachung der nationalen Vedürfniffe im wirthschaftlichen Leben, in der Gesetzgebung nnd Verwaltung werden sie ihre naturgemäße Selbständigkeit wiedtrgewinnen. Die Regierungen und gesetzgebenden Körperschaften sind daher um ihre Initiative zu ersuchen, daß sie durch die Pflege de« christlichen Geiste«, sowie durch die Bekämpfung de« jüdischen Geiste« in der Literatur, der Tag««prefft, im stattlichen, wie im kommunalen Leben die jeder Ration nothwendige Eigenthümlichkeit und Freiheit vertheidigen. Rassel. Die.Kasseler Zeitung" veröffentlicht unterin 18. September folgenden von nahezu 100 christlichen Notablen der Stadt Unterzeichneten Aufruf: .Mitbürger! Bereit« im Mär, vorigen Jahre« sah sich ein« Anzahl hiesiger Bürger, unter welchen sich die geachtetstea Namen befanden, durch di« damal« mit Hilfe auSwSrtiger Redner erstrebte Ausbreitung der Antisemiten'Agitation in unserer Stadt zu einer öffentlichen Erklärung veranlaßt, welche mit Entschiedenheit gegen de« versuch, die Eintracht mit unseren jüdischen Mitbürgern zu störe«, Verwahrung einlegt«. Seitdem, hat diese Agitation, namentlich durch Entstehung eii^r antisemitischen Presse, welch« an Zügellosigkeit der Sprach« kaum irgendwo ihre« Gleiche« finden dürft«, einen Umfang angenommen, welcher schon jetzt den guten Rnf Kassel« in empfindlicher Werse zu schädigen geeignet ist und welcher jeden ruhig Denkenden im Hinblick aus die Zukunft mit ernster Besorgniß erfüllen muß. Die Maßlosigkeit der betreffenden Blätter läßt den angeblichen Zweck, wirklich bestehende soziale Mißständ« zu beseitigen, völlig zurücktreten gegen eine Bekämpfung de« Judenthum» an sich, bei welcher man sich nicht scheut, sowohl einzelne durchaus «hrenwerthe Mitbürger mft Schmutz zu bewerfen, al« auch gegen da« Glaubentbekenntniß und die Gesammtheit der Israeliten die unerhörtesten Beleidigungen und Verdächtigungen fortwährend zu wiederholen und so einen Haß zu erregen, welcher zu den verde» blichsten Folgen führen kann. Wenn wir hiergegen laut und öffentlich Verwahrung einlegen, so geschieht die« nicht sowohl um von unfern eigenen Gesinnungen Zeugniß abzulegen, al» vielmehr deshalb, um alle Diejenigen, welche den von un» verurtheiften Bestrebungen nicht ablehnend gegenüberstehen, zu ernstlicher Erwägung über da« unsittttche und Gefährliche dieser Agitation aufzusordern, welche, wenn sie gelänge, ein unberechenbare» Unglück über unser Vaterland herausbeschwören würde. Einig mit allen wohlgesinnten jüdischen Mitbürgern in Bekämpfung wirklicher Mißständ« wollen wir durch Wort und Thal dahinstrebea, unserer Vaterstadt den schwer gefährdeten konsessionellen Frieden zu erhalten, auf welchen sie bisher stolz sein konnte." Diese mannhafte Sprach« verdient alle Anerkennung. Bromber«. Au» Anlaß de« Bericht« der .Germania" au« Bromberg über di« Feier der Grundsteinlegung zur Synagoge, an welcher sich der evangelische Eivilpfarrer Serno und der evangelisch« DivifianSpsarrer Moldenhauer betheiltgteo, während die katholische Geistlichkeit sich der Theilnahme an diesem Akte «nthielt, hat die .Kreuz-Zeitung" nähere Erkundigung,en eingezogen. Die Szene wird ihr folgendermaßen geschillert: Die üblichen drei Hammerschläg« «hat zuerst der Oberr,gierung«rath Hahn namen« der königliche« Regierung. Im Anschluß an die Worte der Festpredigt wünschte er, daß die E bauer und sämmtlich« Anwesend« die Vollendung de« Werkel erschauen mögen und das in dem Haufe da«, wo« beim Beginn der Feier die Musik gespielt habe: .Allein Gott in der Höh' sei Ehr'", auch stet« autgesührt werde. Landrath rou Oertzen that di« Hammerschläge unter dem Ausspruch; .Wo mi Herr nicht da« Hau« bauet, arbeiten umsonst, di« daran bauen." Der evangelische Pfarrer Serno sprach: .De« Herrn Wort ist wahrhaftig, und wa» er zusagt, da» hält er gewiß " Auch die anderen Herren, Ober-Postdirektor Hirsch, Steuecrath Jaech, Bauinspeftor Muttray, sowie Konfiftorial» rath Taube und DioisionSpfarrer Moldenhauer sprachen zu den bei Hammerschlägen; auf die evar.gelischen Geistlichen folgte» unmittelbar die Rabbiner L)r. Gebhardt und Thedor. — Daraufhin erging an die .Krruz - Zeitung" die Anfrage, ob die KabbinetS-Ordre von 1821, welch« den christlichen Geist! chen die Theilnahme an gottesdienstlichen und religiösen Feierlichkeiten der Juden untersagt, etwa später aufgehoben sei. Da« Blatt antwortet: .Soviel un« bekannt, ist di« allerhlchste Kabinet« Ordre vom 27. Juni 1821 und der darauf ergänz«« Zirkularerlaß de« Minister« v. Altensteia vom 9. Juli 1821 nicht aufgehoben. Da» Konsistorium z« Posen hat noch durch eine Verfügung vom 12. Dezember I8S9 den Geistlichen der Provinz den Erlaß von Neuem znr genauen Rachc chtung eingeschärft, und in neuester Zeit ist im Jahre 1880 die Theilnahme eine» evangelischen Geistlichen an »ine« jüdisöien Leichenbegängnisse gerügt worden." — Der.Reich«, dote" bemerkt hierzu: Wenn die Redaktion der .Kreuz-Zeitung" nicht xrsicherte, daß diese Geschichte wirklich vorgesallen, würden wir sie nicht glauben. Bei der Musik, welche den christlichen Choral : „Allein Gott in der Höh' sei Ehr'" spielte, könnte «an sagen: .Sie wissen nicht, wa» sie thuu" — aber von den evaagelischst Geistlichen kann man da« doch nicht annehmen. Im I Hinbtck auf di« Erfüllung der altteftamentlichen WeiSsagnn-! gen in Christo, welch« von der Synagoge verworsen werde«, I mag c» wie schrille Ironie, wenn Herr Pastor Serno sagt«: .Del, Herrn Wort ist wahrhaftig «."*) j Tilsit Am Freitag Abend wurde die hiesige Synagoge »acht«« sie nach «Ojähriger Benutzung einer gründllchen Reni vation unterworfen war, wieder ihrer eigentlichen Bestimirung, ein Gotteshaus zu fein, zurückgegebeu. Der Eintrete rd« empfängt einen überaus wohlthuenden, freundlichen Eintruck durch die «dl« Einfachheit und doch hohe Eleganz, «Kid* ihm überall entgegenspringt. Der Raum ist in Weiß und Gold gehalten. Ein schwerer dunkler Sammetvorhang, von dem sich eine goldene Inschrift sehr wirksam adhebt, verhüllt da« Allerheiligste. Biel innige Kronleuchter hängen von der!v«cke herab, mächtige Kandelaber umgeben den Altar und erfüllen da« Gottethau« mit einem Lichtmeer. Die Einrichtung der Ga«beleuchtung ist für die Synagoge ein« große Verschönerung. Die Feier begann mit dem Bortrage eine« Psalm« von Herrn Kan:or Wollküh« nebst Chorgesang. Dann trat der Rabbiner Her, Frirdderg auf und hieU eine von wahrer Humanüät dnrchgeist gtc Predigt. Im Eingang« seiner Red« gedachte er dankbar der«-, die dazu beigetragen, dem GotteShause den gegenwärtigen Schmuck zu verleihen, einen Schmuck, der nicht ihnen allein, nicht nur der Gemeind«, sondern der großen Allgemeinheit z« Gute kam ne, denn der Glaubenssatz Israel» ,e« ist nur eia all* mächtiger, unsichtbarer Sott" führe weiter zu dem Satz«: ,eS ist mr eine Menschheft!" und zum Gebot« »Lieb« Deinen Nächsten wie Dich selbst." — Und doch werde dem Volke Israel« vorgeworfen, «» hänge nur am Erwerb; da« Ringen und Kämpfen für da» Ideale, da« in Israel seft jeher leberüng | T •) Sine etziathitmliche L«»tt M ^XcichSSotk»" I Darf et» Pastor »in«, alttesta»«»tltch«» Per« nicht mehr etttrenk Oder ist Gotte» Wort port Chr. natu» nicht mehr «ahchafiig?