Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 39.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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und ich mit einem Regenschirm bewaffnet war, waren wir auf alle Eventualitäten gefaßt.) Der Einbermer war noch nicht erschienen und wir hatten Zeit, uni umzusehen. Vor Allem war viel Inkognito da. Wer daffelb« durchschaute (rin Superintendent a. D, ein Lehrer n. a. t:aten bald au« demselben heran«), erkannte hier den geistlichen Talar, dort den Waffenrock de« Krieg«gotteS, da saß der judenfeind(iche Ekribler und daneben unter einem kühnen Kalabreser «in agitirendes Studentlein. Mein Nachbar zeigte mir College», mit denen er am Vormittag an einem Tische in der Bibliothek de« Reichsjustizamtes gearbeitet. Die Hauptzahl aber waren — catilinarische Existenzen, reducirte Leute, die nicht» mehr zu verlieren haben — antisemitische Stammgäste. Diese begrüßten auch mit lebhaftem Händeklatschen den Einberufer und Hauptredner Pastor de le Roi, der jetzt die Tribüne betrat und das Concevt des Abendaus der Tasche zog. Redner schickt seinem Vortrag« die Bemerkung voraus, daß man e« bislang unterlaffen habe, die heil. Schriit zur Grundlage innerhalb der Bewegung zu machen, aber in den Wirrwar der Judenfrage, in dem wir un» befinden, könne nur die h. Schrift Licht bringen. Durch den Dresdener Congreß sei die Antisemitenbewegung in eine neu« Phase getreten, da die Bewegung in Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Rußland (viel) zusammengefaßt worden sei; nunmehr heiße e« Mittel zur Lösung au« der h Schrift ausfinden. Man sieht also mit diesen» Betonen der h. Schrift für eine der jämmerlichsten Hetzen der Weltgeschichte die Spaltung thatsächlich herbeigesührt, die Dühring herbeiwünschte, zwischen sogen, „christlichen" und „aufgeklärten" liberalen Antisemitismus. Ueber den Gedankengang in der Benutzung der h. Schrift, konnte Niemand mehr zweifeln, der da wußte, daß der Vortragende in siinem täglichen Berufe (Tagelohn) vor der Berliner Universität jüdische Studenten zu Bekehrung-Versuchen anzuhaUni pflegt. Eben so viel Widerspruch und Heiterkeit wie sonst sollte der Redner auch hier Hervorrufen. Die meisten Besucher waren in Erwartung eine« amüsanten Abend« grkomnien und nicht um ihren hieb- und stichfesteil Antisemiti»mu« von einer „au« der Tief« de« christlichen Bewußtsein« entspringenden Ueberzeugung von dem hohen Berus de« jüdischen Volke«" ablösen zu laffen. Au« diesen Kontrasten ergab sich für den Abend eine oft zwerchsellgesährliche Komik. Für eine ganze Reih« von Missionären, wie u. a. Heman (Heimanus) ii» Basel, der ein Buch über di« historisch« und religiöse Weltftellung J»rael« geschrieben und di« zugleich Phtlo- und Antisemiten sein wollen, ergtebt sich darau» ein» heilsame Lehre. An Schmähungen, die un» da» Blut in« Gestcht trieben, leistete auch de le Rot etwa« Erkleckliche«. Den Ianatiömu« der zuhörenden An!ifemtten aber einmal au« nächster Näh« angesehen zu haben, hat für un« immerhin Werth. „Todt schlagen", „Hunde" u. s. w. waren Lteb- UngSzuruse, durch die der Redner trotz der Ermahnung de« aristokratischen Borfitzendeu all« Augenblick« unterbrach«» wurde. Der Bortrag begaun mit der Ausstellung von S Thesen, von denen di« Erwähnung der dritte« genügen dürft«. Sie lautet '• „Um un« und die Jude» vor den unheilvollen Folgen der Emanzipation zu schützen, sollen di»Juden nach Palästina/ vorerst aber nach Egypteu, repatrttrt «erden." Der Redner schildert zunächst dt« „orthodoxen" Jude«, wie st».dicht gedrängt «ohne»,! Unsauberkett sei da zu Hause, der-„Gottesdienst ein wüste« Gebrüll", die Reformjuden hätten sich mit den Einwohnern affimilirt, saugten dies« aber au«. Sinn kamen jene von Stöcker schon öfter producirten Erzählungen von Wucherei und Schwindelei, bei denen un« der insvicirend« Polizeilieutenant am meisten leid that. Seil 3 Jahren nämlich schi eiben die beaufsichtigenden Organe der Polizei in diese« Versammlungen die interessanten Pointen aus und berichten sie nach oben." Wem hätten nun die Juden die Assimilation zu danken? dem Evangelium. Die „liberalen" Christen ziehen sich von den Juden gesellschaftlich zurück, so i„ B. die Freimaurer, die kirchlich gesinnten begegneten ihm« mit Liebe." Um einen Unterschied zwischen jüdischer und christlicher Toleranz zu statuiren, verweist Redner aus Les sing (ein „Nathan" sei al« Jude unmöglich) und „Mose n t h a l", dessen „Königin von Saba" sich Redner im „Jr.ieresse seine« Berufs" im Opernhause angesehen hat. „Während im „Nathan der Weise" von einem Christen ein Jul e mit allen Tugenden ausgestattet geschildert wird, sei bei letzt-rem die Liebe Affad'» zu einer Heidin al« ein mit dem Tote bestrafte« Verbrechen dargestellt." Redner verschwieg hier in - einer gänzlichen konfusen Inhaltsangabe der auch uns ans anderen Gründen (u. a. gefällt e« un» nicht, da» Allerheiligste de« Salomonischen Tempel« im Zusammenhang« mit dem Ballet de« Berliner Opernhauses sich öffnen zu sehen) nicht gernd« sympathischen Oper, daß Affad seiner jüdischen Braut vor dem Altar« die Treu« bricht und den Hohenpriester »erhöh at, .dem Judenthume flucht. Uebrigen» hat Molenthal, der Jude, den Stoff nicht geschaffen und am allerwenigsten ist nrSJudenthum für Mosenthal verantwortlich. Das hinderte den Pastor nicht, im „Interesse seine« Beruse«" diese Op«r al» einen Akt jüdischer Intoleranz seinen fanatifirten Zulörern hinzuftellen. „Die Aufführung solcher jüdischer We cke sei ein Zeichen christlicher Humanität, aber sie sei zu bedauern, da viele dadurch in ihrem Glauben noch wankender gemacht würden." Mit allerhand Seitenblicken aus di« deniüthige „christliche Liete" fährt Redner fort: Der Mißbrauch der Emaneipation durch die Juden erfolge durch di« Mitschuld der Christen. Die christlichen Dienstboten werden bei den Juden in Lohn. Kost und Frehett «eit splendider gehalten (Unruhe), sie verlieren aber ihre christlich« Gesinnung. Auch mache die jüdisch« Herrschaft «ich so viel Aussehen«, wenn kleine Veruntreuungen Vorkommen. Redner unterzieht nun den Jude« al« Gut»besitzer, Kaufmann und Bürsenmann einer Krttck und resumlrt seine Ideen dahin, daß man aus Seite der Christen besser rechnen lernen und nicht selbst dem Börsenspiele huldigen solle. Al« Richter steh« der Jude dem Christen ganz ferne; der Jude habe ein andre» Ehrgefühl, wenn man auch sagen müsse, daß in manchen! Juden «in Sehnen nach wahrem Glauben sei. (Rufe: Elic« Cohn!) — Wa« schließlich den dritte« Punkt aubelangt, so >uf« die Bibel die Juden zur Vollendung ihre« Geschicke« und zur Bekehrung nach Palästina zurück. Reduer hält diese Repatriirung für die günstigste Lösung. Juden und Christen steh-m sich erbittert gegenüber; die Jude» brüte» Rache, wie sie reu Christen schaden können und aus Seite dieser Christen sei ik einzige -Lösung: Juden rau«l Aber «ehiu s Di« heil. Schrift «eist di« Jude« nach Paläftiua 'zurück. Reduer habe «in« -wahr« HerzeuSaugst. um sei» Polt und um dt« Juden- Der» wen» di« Berbitternug »och länger «uhalt^ so ko««sa