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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— rsL — in den letzten Jahren eine unerträgliche geworden ist, unerträglich in Folge zahlreicher Willtürmaßregeln Seitender Gesetzgebung und der öffentlichen Verwaltung. Alle in den letzten 4—5 Jahren geschaffenen Gesetze ökonomischer Natur athmeten einen judenfeindlichen Geist und hatten zum Ziele, die Juden au» allen ihren Stellungen hinau-zudrängen, sie zu Grunde zu richten. Und wa» auf dem Wege der Gesetzgebung nicht bewirkt werden konnte, da» thaten, unter dem Bestalle der künstlich gegen unü ausgestachelt«» öffentlichen Meinung, die höheren und niederen Organe der Administra« lion. So wurden im Laufe von etwa zwei Jahren Tausende von jüd. Familien, vorzugsweise in der Moldau, buchstäblich drotlo» gemacht. Es ist natürlich, daß unter so bewandten Umständen die Agitation für eine Auswanderung auf sruchtbaren Boden fallen mutzte, umsomehr als 'Niemand im Ltande war, den Zeitpunkt einer günstiger» Gestaltung unserer Lage vorher zu sagen, und alle Schritte, der feindseligen Strömung gegen unS irgendwie Einhalt zu thun, sich erfolglos erwiesen. Die Auswanderung gilt daher bei Allen ohne Ausnahme als da» einzige Mittel, au» der unhaltbar gewordenen Lage derautzukomme». Eine andere Frage ist es aber, wohin der ström der Auswanderung geleitet werden soll. Um für die Eolonisation Palästina'» Anhänger zu werden, wurden verschiedene religiöse Momente geltend gemacht. Einige Schwärmer träumten schon von einer ballige» Wiederherstellung der alten politischen Grötze Israels. Wer damals seine Stimme gegen diese» unbedachte Vorgehen erhob, wurde verhöhnt, verspottet und in den Bann gelegt. Mit vielen unserer verdienstvollsten GlaubenSbrüder im Auslande hatte auch Schreiber dieser Zeilen da« Geschick zu theilen, den Haman'S, den Korach'S, den Meraglim beigezählt zu werden. Unser Kampf hatte doch da» Eine zur Folge, datz raS inzwischen in Galatz eingentzte Eentral-Eomitä sach maxi,er vorging, die ganze Angelegenheit in praktischer, realistischer Weise auffatzte und ihr, im Gegensatz zu den Schreiern, den religiösen Charakter, der ihr niemals beigelegt werden konnte, abstreifte und aus ihr eine Vrotfrage machte. Es erklärte: .Wir empfehlen den Auswanderern Palästina, nicht veil dieses das heilige Land, unsere einstige Heimath, sondern weil e» nach unserer Ansicht der Boden ist, auf dem sie leichter al» irgendwo in der SLelt, das Brot, welche» ihnen in Rumänien entriffe» wurde, finden können." Wir können uns auch mit dieser Wendung der Frage mcht befreunden, obschon sie in diesem Sinne fortgeführl, weniger verderblich in ihren Folgen sein kann, al» sie es in chrer anfänglichen Auffaffnng war. Zu bedauern ist die Hast, die Ueberstürzung, mit welcher di» EolonisationSfrage von Hause aus betrieben wird. Äan gesteht selber ein, datz die türkische Regierung den etwaigen Eolonisten keinen ausdrücklichen gesetzliche» Schutz zugelast hat, wenn man von den Versprechungen, die im Orient ganz besonder« billig sind und die man unter den verschiedensten, stet» bereit gehaltenen Vorwänden zurücknehmen >wn, adsieht. E» scheint im Gegentheil sestzustehen, datz «ne Maffrneinwandrrung behust Eolonisalion Palästiua'S «der Syrien» nicht willkommen ist, datz man höchstens die Ansiedelung von einzelnen Familien zu dulden geneigt ist. La» wird mit den Eolonisten geschehen, wenn sie zu Hunderten von Familien angewachsen, zu Dörfern sich werden »«reinigen wollen, werdrn sie dann auch, so fragen wir deliimmert, denjenigen gesetzlichen Schutz finden, der »othivendig »nd unerlätzlich ist, um sich mitten feindseliger Ausbrüche, «o* denen die ersten Spuren, vorerst wohl nur gegen Ehrten, in Beirut und anderen Orten sich schon zeigen sollen, behaupten zu können? Ohne un» aus «eitiäustge politisch« Erörterungen «inzulaffen, sind wir der Ansicht, datz die heub-e politisch« Lage der Türkei, datz dt« unvermeidlich« Schmähung, die ihr durch da» kraftvoll« Vorgehen England» in E-,pt«n droht, und dt« sie zwingen wird, da«, wa» sie »«ch besitzt, nicht leichten Kaufe« «u» den Händen zu geben, sondern ängstlich zu vertheidigen, der ColonisationSfrage nicht weniger al» günstig ist. Wir meinen, datz eS die Aufgabe de» CentralcomiW'» in Galatz wäre, den AuiwanderungSlusti» gen da» Abwarten ruhigerer Zeiten anzurathen. Es darf sich nicht von der Absicht leiten taffen, zu beweisen, datz die Gegner der Eolonisation im Unrechte sind; e» mutz vielmehr sich zur Ausgabe machen, das LooS der Eolonisten, so weit eS möglich ist, im voraus aus gesetzlichem Wege sicher stellen zu lasten. Kein loyaler Gegner wird ihm wegen dieser Vor- und Umsicht einen Vorwurf machen können- Ueberhaupt hat alle Gegnerschaft in dem Augenblicke ausgehört, da Hungerte unserer GlaubenSbrüder in Palästina bereit» angelangt sind, jetzt sind; wir Alle an deni günstigen Erfolge der Eolonisation in gleicher Weise interestirt. Da» Centralcoinitä mutz auch die Kraft besitzen, dem stürmischen Andrängen auS der Milte der zur Auswanderung Entschlossenen Widerstand zu leisten und sich zu keinem unbedachten Schritte verleiten zu lasten. Wo e» sich um da« Wohl und Wehe so vieler Glaulen»- brüder handelt, ist e» vorzuziehen, den Vorwurf der Aengst« lichkeit al» den der unüberlegten Handlungsweise auf sich zu laden. Wa» wir also dem genannten Co-nitä dringend empfehlen. ist: Vorsicht, kühle, ruhige Prüfung! Bukarest, l. September 1882. st. B. Berichte und Correspondeuzen. Deutschland. Magdeburg, 13. September. Der erste internationale Antisemitencongretz in Dretden hat seine Sitzungen beschlossen. (Wir bringen unter Dresden den ausführlichen Bericht.) „International" kann man den Congretz eigentlich nicht nennen — es waren im Wesentlichen nur die deutschen An» tisemiten und einige ungarische Heitzsporne der antijüdischcn Bewegung dort anwesend. Zum Beschluß wurden vor, der Versammlung, wie e» beißt einstimmig, acht Thesen erhaben, welch« man im Wesentlichen als ein Elaborat Stöcker'» wird betrachten können.*) Ihr Charakter ist auch, formell betrachtet, ganz da» hohle, hochtönende Wortgeklingel und die sich spreizend« Phrasenhaftigkeit, welche alle Reden und geistigen Erzeugniste jene» BolkStribunen auSzeichnet. Somit hat die Stöcker'sche Richtung — schreibt die .Magd. Ztg " — auf dem Evngreste gesiegt, d.h. die Richtung, welche sich selbst die gemäßigte nennt. Mäßig ist an ihr besonder» der Gedankengehalt und die Logik Allein da» hat der Berliner Hosprediger allerdings in Dresden durch seinen Sieg über die r a d t c a l e, aber in ihrem barbarischen Beginnen wenigstens konsequente Henrici'- sche Richtung erreicht, daß der Antisemitismus vorläufig »och salon- und sacristeisähig bleibt, auch dem Strafrichter nicht direkt in die Arme fällt, da er nicht sans phriutu die Aufreizung zum Klastenhatz und zur Gewaltthat predigt. Wa» die acht angenommenen Theseit enthalten, ist z. Th. recht unklar und unter mannichfachen Wiederholungen zusammengefaßt, etwa dastelbe, wa» die große Antisemitendebatte im Abgeordnetenhaus (welche von linksliberaler Seite nicht gerade mit taktischem Geschick aus'» Tapet gebracht worden war) von Seiteil der conservatioen und klerikalen Gegner de» Judenthuin» zu Tage förderte. An die Spitze gestellt wird der Ausspruch, daß e» de» internationalen Zusammenwirken« bedürfe, um die Macht de« Judenthum» erfolgreich zu brechen. Ueber die Anbahnung einer solchen Action scheint man sich begreiflicher Weise ans dem nur von zwei Rationen besuchten Songreffe nicht klar geworden zu sein. Daß di« Juden! rag« nicht dlo» Racen- und RellgionSfrage, sondern zugleich ein sociale« und poltltsche» Problem sei, war kaum nöthig ai.«zusprechen. Sodann werden die Juden für unfähig erklärt, zum »organischen Bestandtheil irgend eine« christlichen Volke» zu werden." E» folgt dann die Forderung, daß die Juden nicht völlig den Christen bürgerlich gleichgestellt werde» sollen, d. h. sie obrigkeitliche Aemter oder Lehrämter an christl'chen »1 Wie dringen die etMn'Kfen Thesen in nächster Kr.

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