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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 294 — jüdischen Presse? Zn ihr können nur solch« Preß:rzeugniffe gerechnet werden, die ausschließlich den jüdischen Interessen gewidmet sind und ihnen dienen. Unter der Unmasse der in Deutschland erscheinenden Zeitungen und periodischen Zeitschristen — die Antisemiten allein sollen über ISO verfügen — können ungefähr 5—6 zur jüdischen Presse gerechnet werden, i denen allen es nicht im Traume einfällt, christliche Instirn- ' tionen herabzuwürdigen. Was jedoch diejenigen Zeitungen oder! periotischen Zeitschriften nnbelangt, bereit Inhaber oder Re» i dakteure zwar Juden, die aber nicht ausschließlich den jüdi» j scheu, sondern den allgemein politischen und socialen Ver-! hältniffen gewidmet sind, so versteht eS sich von selbst, daß ' dieselben durchaus nicht zur »jüdischen Presse* gehören; außer-! dem aber kann man versichert sein, daß, wenn einmal eine Besprechung der christl. Religion darin vorkommt, diese von j einem christl. Mitarbeiter herrührt. (In diesem sinne hat voriges Jahr ein starkoerbreiteteS polit. Blatt kundgethan, e» seien von ihm 2 christliche Theologen engagirt, ein katholischer und ein evangelischer, deren Aufgabe eS sei, in vorkommenden Fällen christliche Anschauungen und Institutionen zu besprechen.) Und sollte sich einmal ausnahmsweise ein JSraelit unterfangen, in irgend einem Blatte das Christenthum zu schmähen, so hat ein solcher Mensch ganz gewiß da« Iudenthum längst hinter den Rücken geworfen und in bereit und gewillt, auf dieses noch mehr Spott und Hohn zu häufen al« auf jene«. Wen» die jüdische Presse da« Christenthum schmähete, so würde sie ihren Berus, die jüdischen Interessen zu wahren, gänzlich verfehlen, und ebenso unklug al« intolerant handeln. Und außerdem: welche ehrbare Mutter schimpft öffentlich auf ihre Tochter, hält sie die« nicht für eine Selbsterniedrigung? Ist aber denn nicht da« Christenthum die Tochter de« Iudenthum»? — ES fällt keinem vernünftigen Israeliten mehr ein, EhristuS dafür rsirantwonlich zu machen, wa« seine falschen Bekenner gegen den Stamm verüben, au« dem er hervorgegangen und au« dessen Mitte er sein« Bildung erlangt hat. Rein, nicht die Juden greifen da» Christenthum au, sondern die Christen selbst Wer waren denn die englischen Freigeister de« 17. Jahrhundert«: Hobbe«, Bolingbrok», Ehaftesburp rc. und di« französischen Encyklopädisten de« 18. Jahrhundert«: Diderot. Holbach, Lamettrie, Voltaire rc.» welche da« Christenthum auf» schärfste angriffen, waren e» Christen oder Juden? Man lese nur »Voltaire, sechs Vorträge von David Strauß* (von S. 252 bi« S. 275) und frag« sich, ob sich je «in Jude solch« Angriffe auf die Trtni» tälSlehre erlaubt habe? — Dahingegen ist r« notorisch, daß sich dt« Antisemiten gegen da« Ihedenthum Alle» erlaubt haben, ohne dabet zu fragen, ob die Objecte ihrer Angriffe in Wirklichkeit vorhanden oder nur Chimären und absichtlich« Erdichtungen seien. Rohling« .Talmudjude* wurde von denselben in vielen Tausenden von Skemplarrn verbreitet, ungeachtet er längst von gelehrten Rabbiner» widerlegt und bekanntlich seine falschen Uebersrtzungen. entstellten Text», Entstellungen durch Verschweigen, seine falsche« Deutungen und Tonsequenzen, dt« unbilligen Lerwerthungen und Monstrositäten au« entlegenen Winkeln, von einem auf den Boden der christlichen Gläubigkett stehenden Professor (Delitzsch) unumstößltch dargethan sind, von letzterem auch zugleich nachgewtesen worden ist, daß »« derselbe Rohling sei, der im Jahre 1875 zu St. Loui« «in Buch herau«g»geben habe, welche« den Titel führt: .Der Antichrist und da» Ende der Welt', worin er (S. 59) diejenigen, welch« den Protestantismus in« Leben gerufen, al« Schurken erklär, die Lehren Luther», .in welchem sich (S. 58) der Brunnen de« Abgründe» aufgethan habe*, und Calvin« als .Schc ndlehren* bezeichnet, und die Lutheraner, überhaupt die Eoanticlischen. für Rohling mit den Talmudjuden in Einer Berdammniß liegen. .Wie verblendet sind also alle evangelischen Christen, ruft Delitzsch au«, welche hinter diesem blinden Fanatiker gegen die Juden marschiren!* — Der katholischen Bevölkerung Deutschland» dient e« zum Ruhme, daß sie, mit seltenen Ausnahmen, jcnen Hetzschriften und Brandreden der Antisemiten Auge und Ohr verschlossen haben. Die« beweist hinlänglich, daß der RatholiciSmu« mit Toleranz und Humanität zu vereinigen ist. — Aus der seit mehreren Jahrer betriebenen antisemitische» Agitation de« .Grenzboten* seien ijier jene Artikel erwähnt, welche den tollen Unsinn der J Chasiillw in Polen und Rußland erzählen: ihre Gebräuche ' bei Verlobungen, Heirathen, Niederkünften der Frauen, Be- , schneitungen, Bar - Mizwa rc. Nach meinem Dafürhalten rühren diese Artikel von einem Polak her, der in einem Winkel genannter Länder, wo noch krasser Aberglauben herrscht, geboren und. vielleicht gar ein Convertit, sich dazu hergiebt, de« schnöden Golde« wegen, seine Slammesgenossen zu erniedrigen. Warum nahm aber die Redaction solche Artikel auf? Doch sicher au« keinem anderen Grunde, al« um da« , Iudenthum lächerlich zu machen. Und einem solchen Gebahren ' gegenüber wagt man die jüdische Presse, die sich nie solche (Verhöhnung christlicher Gebräuche zu Schulden kommen läßt, fortwährend zu verdächtigen? Uebrigen« sind die Israeliten gegen jene Verächtlichmachung ihrer Gebräuche fast ganz unempsindlich und da» mit Recht. Die Wahrheiten der jüdischen Religtnn sind auf so festem Grund« gebaut, find so vernunftgemäß, daß sie von keinerlei Angriffen in ihrem Bollbestand verletz werden können. M Mannheimer. Ais-wanderung rumänischer SlzrubenAdrü-er nach Palästina. Lange und heftig, nicht immer mit ehrlichen Waffen, wurde für eine Auswanderung der Juden au« Rumänien, resp. für eine Colonisatio« Palästinas durch dieselben, gekämpft. Ru» scheint die Zeit herangekommen zu sein, da diese großartige, weitverzweigte Agitation ihr« Früchte zeitigt. Zuerst'einzeln, in kleineren Zügen, sind di« vorige Woche endlich mit dem Loydschiffe .Theti«* auf einmal 228 Personen oder 39 Familien, meist ru« der Moldau, nach Palästina au«gewandert. Demnach haben die Urheber und Anstifter dieser Auswanderung«- frage Recht behalten, Thatsachrn unterstützen ihre Ansichten; während die Gegner, zu denen auch Schreiber dieser Zellen gehört beschämt zurückweichen müssen. Obschon wir heute vor einer vollendeten Thatsach« stehen, di« nicht mehr rückgängig kann gemacht werden, und die un« »ivingt, den günstigsten Erfolg der Auswanderung, resp. der C»lonisation in Palästina zu wünschen, da htervoi» nun da« tzöohl Tausender unserer Glauben«brüder abhängt, so möchten wir deanoch Mäßigung und genauere Prüfung aller Ixt dieser Frag« in Betracht kommenden Rebenumftänd« angele zentltchst empfehlen. Daß die Colonisatton Palästina'« durch rumänische Au»« wandecrr gelingen wird, ist durch dt« Thatsach« alleüt, daß die Zecht der Ln»«anderung»luftigen eine unüverfehdar groß« ist, noch lang« nicht bewiesen. Da« Vorhandensein so »leier Hetmath«müdrn beweist nur, daß dt« Lag, der rum. Jude«

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