Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Aentral-Komitä« nach Pari« und Laudon -»reist, um mit de« dotti-rn LandeS-Komits« über gemeinsam» Schritt« »ur Für» sorg« für dt« rnfftsch-jüdlsche« Flüchtling« «ine Verständigung herbeizuführen. — Für da« l» den letzten Zügen liegend« Ruppeisch« Blatt werden auch bereit« die letzten Geldsammlung«versuch« gemacht. Man steht, daß da« Ungesund«, nur ln stttltcher Fäulntß vegeiirende, nicht lang« existiren kann. vremderg. An der Grundsteinlegung der Synagoge de« thetllgten sich dt« Herren Konsistorialrath Taub«. Plärrer Gerne und Dtvision»predig«r Moldenhauer. Dl« „Kreuzztg." fordert dies« Herren auf, sich dtrserhald zu verantworten. Ai« katholischen Geistlichen batten der Einladung zur Theilnahme an der Feier nicht entsprochen.) Dresden, den 10. September. Zu dem morgen beginnenden Antisemitenkongreß sind bt« heute Abend etwa 100 Delegtrte rlngetroste». Die grob« Mehrheit besteht au« Berliner«, unter denen man Leute von Bedeutung vermißt. Außerdem anwesend: der österreichische Reicht«tag«abgeordnete Ritter v. Zerboni (Wien), die drei ungarischen Reich« tagSabgeordneten v. Jstoczy, v. Onody und von Einionyi (Budapest.) Sonst find nur noch Breslau, Chemnitz und Dretden vertreten. Da« übrige Deutschland und Oesterreich scheint stch theilnahmlo» zu verhalten. Die hiesige Bevölkerung, mit Ausnahme einiger Hotelwirth« und Restaurateure, verhält sich gegenüber den, hier auszuführenden Schauspiel vollständig passiv. Heute früh, gleich nach Ankunft der berliner Delegirten fand eine gemeinschaftlich« Sitzung der „Deutschen Reform-Vereine" statt, in der jedoch lediglich Interna besprochen wurden. Alsdann gab e« ein gemeinschaftliche» Diner, bei denen di« Toaste Legion bildeten. ErwähnenSwerth ist, daß Ritter v. Zerboni (Wien) ein Hoch auf den Fürste,» Bismarck, „den stärksten Förderer der antijüdische» Bewegung", ausbrachte. Der Abg. v. Simonyi hielt eine längere antisemitische Rede. Er sagt u. A: „Die Juden verhänge» den wahren Fortschritt der Menschheit durch Geld und Zeitungspapier und den Tatar de» Rabbiner», der von Blut tritzfr." (Aber nicht von Ehristenblut. Red.) — Weißwaarenhändler Pmkert (Dresden) zeigte hierauf da« von v. Onody in Oel gemalte Bild der in TiSza-ESzlar angeblich ermordeten Esther Salamofly. Thora. Herr Dr. Horwitz. Lehrer am hiesigen Gymnasium, ist zum Oberlehrer ernannt worden. Cm«, 3. September. Gestern hat der BezirkSrabbiner Herr vr. Hochstädter seiner Predigt über den CycluS der 7 prophetischen Trostreden eine kurze Festrede angereiht über den vaterländischen Sieg bei Sedan, wozu ja auch die deutschen Krieger israelitischer Conseffion vor 12 Jahren mit ihrem Gut und Blut beigetragen hatten! Dabei äußerte der Redner zwei gerechte Wünsche:!) daß da» siegende Volk in keinem seiner Bestandtheile übermüthig oder gar frivol werde — wie sich dir« leider erst jüngst in den so,s. Antisemitenversammlungen zu Berlin zeigte — und 2) daß da« besiegle N achbarvolk sich von allen Rachegcdanken entfernen möge l Nürnberg, 5. September. Wie der „Fränk. Kur." hört, hat sich Herr Kapellmeister Levi au» München, der Dirigent de« Parsisal in Bayreuth, mit Fräulein v. B ü l o w. einer Stieftochter Richard Wagner'» verlobt; derselbe wird (wie gerüchtweise verlautet) zum Christenthum übertreten. (Herr L. dementtrt Beide«. Red.) Metz. Bon hier sind für die Russen 7500 Mark an die Eomitü'» (London, Pari«, Frankfurt) geschickt und «in Rest kür di« Durchreisende» zurückgehalren worden. Br«»y. 150 Personen sind nach Pari» befördert; ihnen werden noch 350 in diesen Tagen folge». Hoffentlich werden sie in Frankreich «her Brod finden, al« in Amerika, wo viel Humbug getrieben worden ist. D. i. den großen Redensarten entsprach daS Thun durchaus nicht. Doch ganz verunglückt ist die Sxpatriirung dorthin nicht. Dafür bürgt, daß. «achdnu von den amerita». Localcomttä'« den Ansuchenden bescheinigt worden ist. daß sie Weib und Kind zu «nähren im Aland« stad, am SO. August- 52 Frauen mit ihren Ktndern ihren darum bittenden Männern nachgeschtckt worden find. Etwa 5000 warten hler noch auf Erledigung d« Paßfrage um wieder hetmzukehren. Herr veneztanl hat nicht allein um dies» sich verdient gemacht, sondern auch für dt« Stad warmen aller Eonsessianen 2000 Gulden gespendet. (Jwrt) Pest. 2. September. Graf Johann Palffy spendet« zu Hänten de« Obrr-StaatSanwalte« Kozma 500 Fl. zur verpflegnng der in der Tt«za Eszlarer Affaire verhafteten Juden und will nöthigenfall« noch eine zwelte Spende im gletchen Betrag« dem nämlichen Zwecke widmen. — Der Knabe Movtz Schars wird in Folge Entscheidung de« Mtntsterlum« de« Innern »ach Pest gebracht, um di« zur Beendigung der Verhindlung ti. der Li«za'E»zlarrr Affaire ln einem Haupt städt'ichen Humanitäts-Institut untrrgedracht zu w«d«n. Pari«. 3. September. Fräulein Bertha von Rothschild au» Frankfurt, welche sich hier mit dem Fürsten Alexander von Wagram vermLhlt, hat gestern in der Kirche Saint- Pier« die Taufe empfangen. Bevor der Pfarrer ihr die Taule «rtheilte, ließ er sie eine Erklärung unterzeichn.«, ln wel^cr sie ausdrücklich und in aller Form den jüdischen Glauben rdschwört, wa» sie unter Tbränen that Louöou, 27. August (Or. - Sorr.) Bor einiger Zeit bilde:« sich hier «in au« lauter Richtjuden bestehender Verein zur Lolonisirung Syrien« mit russischen Flüchtlingen, dessen Präsident der Earl os Shaftesbury ist. Diesem Verein ist e« nun gelungen, einen kleinen Landstrich im Norden Syriens zum besagten Zwecke käuflich zu erwerben, und werden bereit« diese Woche 45 Familien nach dort befördert werde». Der Bau einer Synagoge. Schlachtbank und Mitwa wird ihnen auch in Aussicht gestellt. Freilich verstehe» die Häupter d.eser Familien mehr oder weniger den Landbau. denn nur solch: wurden gewählt, die keine Arbeit scheuen und sich in ihre, neuen Heimath nützlich machen könne». Auf Wunsch schenkte ihnen der besagte Earl zun, Abschiede eine SepHer-Thora, die mit dankbarer Rührung in Empfang genommen wurde. Warschau, 2. September. E» läßt sich immer weniger leug ien, daß unter dem Tolstoi'schen Regime ein den Juden günstigerer Wind weht. So wurde zu Jgnatiew'S Zeit, nach Emonirung der die Niederlassung«- und AusenthaltSberechtigung. sowir die juristisch« Handlungsfähigkeit der Juden beschränkend:» Verordnung, von Seiten hiesiger Notare die Aufnahme von Kauf- und Pachtkontrakten, iu welchen Juden al« Käufer oder Pächter ländlichen Ärnndbesitze« austraten, beanstandet. Ich habe Ihnen s. Z. darüber berichtet. Gegenwärtig ist von Petersburg au« diese Frage zu Gunsten dahin entschieden worien. daß jene Verordnung auf da« Königreich Polen keine Anwendung finde. Rumäniro. Hier schmeichelt man sich mit der Hoffnung, die „Alliance" wolle 100 Fannlie» aus dem zur Ackerbauschu.e gehörenden Laude ansiedeln. Graf Eamondo hatte kürzlich?: ein« Audienz beim Sultan, in welcher die Ansiedetung«- srage das Gesprächsthema gebildet haben soll. (Je»reel.) Palästina. Reben der ernst zu nehmenden ersten rumä nifdifH Kolonie — bestehend au» 228 Personen, die mit allein Inventar versehen am 1. EUul mit der Theti« abgcreist sind (die Aermste» lasen Titu«, und riefen: Titu« hat un« au« unserem Land verjagt und Titu« bringt un« wieder bin! und di«Erklärung abgegeben haben, daß sie türkische Untrrthanen werden — hat auch der unter Leitung de« H«rn Levanti» stehende Verein '/. Stunden von Joppe Land erworben. D« Genannte will 8 russisch« Familien dort angeied.lt haben, ab« der Anfang schon ist Bettelei.