Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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enormer Umfing — erschweren ihm den Verkehr mit der Gesellschaft, »u dem er ohnehin nicht viel Neigung hat. Baron Mager Karl gehört zu dem leidenschaftlichsten Sammlern. Sein Antiquitäten» Labtnet rrprflfenllrt einen unschätzbaren Werth, der. Dank der unermüdlich.« Sammlertugend und der große» Sachkenntnis» seine» Besitzer», immer wächst. Einzelne Stücke der Sammlung sind mit einer halben Million bezahlt worden, und Manche», wa« schon früher in Kennerhänden war, ist erst durch Freiherrn Istayer Karl nach seinem wirk» licheu Werthe erkannt worden. Ara«kreich. Pari». Die Kammerfrau der Rachel ist kürzlich aus dem Kirchhof Montmartre zu Pari» beerdigt worden. Diese würdige Matrone, der e» deschieven war, ihre berühmte Herrin so lange Zeit zu überleben, hat ein Alter von einundacbtzig Jahren erreicht. Mit Rose — unter diesem Namen kannte man sie nur in der Künstlerwelt Frankreich» — ist ein Schatz theatergeschichtlicher Erinnerungen begraben worden. Sie war eine wandelnde Bühnenchrontk gewesen, die über die bedeutsamsten künstlerische» Ereignisse Frankreich» interessante Ausschlaffe zu geben vermochte. Im Jahre 1836 trat sie i» den D enft der Rachel und verließ sie seitdem nicht mehr. Bon der Rachel mehr als Freundin den» als Dienerin behandelt, theilte sie alle Triumphe brr großen Tragödin und war die stete Begleiterin derselben ans allen ihren Gastspielreisen nach Rußland, Amerika. Egypten re. Sie stand am Sterbebette der Rachel und drückte der Verblichenen die Augen zu. Sie war e» auch, welche nach dem Tode der Rachel al» Siegelbewahrerin erwählt wurde. Die hingebende Liebe zur Rachel bewahrte sich Rose über da» Grab hinan» und bekundete dieselbe in einem rührenden, pietätvollen TodtencnltuS. Die Rachel liegt aut der jüdischen Abtheilung des Pstre Lachaife begraben, in der Nähe d>» Rothschild'fchen Erbbegräbniffe«. .Häufig pilgerte Rose nach dem (lernen kapellenartigen Monument, das sich über dem Grabe der Rachel erhebt, und schmückte da» Bild der Herrin mrt Immortellen. Die Familienangehörige» der Rachel hatten die Greisin zu sich genommen und bi» zu ihrem letzten Lebenslage mit wahrer Verehrung behandelt. Die beiden noch lebenden Schwestern ver Rachel, Dinah Felix von der Eomeoie träne ufe und Hia, pflegten sie in ansopterndem Wetteifer während ihrer letzte» Krankheit. Schweden. . R. Stockholm, 28. August. (Or.-Eorr.) Unser Land ist doch Gottlob von dem in Deutschland und Rußland immer noch vorherrschenden RischuS verschont geblieben. Al» Beweise hierfür dürsten folgende eklatante Anerkennungen, die zweien unserer GlaubenSgenoffe» zu Theil geworden, gelten: In der schwedischen Grenzstadt Malmö wüthel seit mehreren Jahren eine heilige Ruhrepidemie, der bereit« viele Opser anheimsielen. Die dortigen BezirkSärzie haben nun in einer Eingab»' an die Behörden den Antrag gestellt, daß die auf diesem Gebiete größte Autorität unsere» Linde», Herr Proseffor E. Hey man, um Rath und die geeigneten Mittel zur Bekämpfung der Krankheit angegangen werde. Unser Synagoaenvorsteher Herr I»r. Lamm ist mit dem Mandat der hiesigen Regierung nach Genua gereist, um aus dem dort statlsindenden Eongreß der Aerzte Schweden zu repräsentiren. Nutzlan». Petersburg. Die „Pel.reburger Post* zeigt deutlich daraus hin, wie unsagbar lächerlich e» ist, überall die Juden al« öündendöcke hinzustelle». Del Zucker in «Heuer — die Juden haben« verschuldet; der Holzprei« >st gestiegen — die Inden sind schuld. Die Juden nlasten sich am Fette de» Lande« — man muß ihnen Kausen und Pachten von Grundstücken verbieten. Diese« Gesetz wird gegeben — und die Grundbesitzer sind noch unzusrieoener al« vorher, denn die Bauern wollen kaum die Hälfte de» Pachtwerlhe« geben, da die Eoncurreuz der Juden beseitigt ist. Rach d.m „Will" besitzen in Polen »68 Juden Dörfer und Güter. In Kischinef will ein jüd. Anwalt. Namen« Josielowitz, seine christlich!« Dienstboten trotz der Mtnisteriaiverfügung nicht «ntlaffen. Bon der Polizei de»halb angeklagt, erklärt er die Bersügu ig zu kennen, behauptet jedoch, daß nach dem Gesetze weder er, noch sein Dienstbote bestraft werden dürfe. Der Richter hat ihm 10. seinem Dienstmädchen ü Rubel Strafe zudtkl.tt. Auf den Au»gang der eingelegten Appellation ist man allseitig gespannt. — Frau Sara Xumartin au» Rogatschow hat te» Dr. Rabbinowicz „Kwai »ur le judaimne, son poMÜ et son avenir1' in« Russische übersetzt und wird da» Werk dieser Tage mit einer Borrede de« Bersaffer» erscheinen. Daß die jüd. Militärärzte fortan nur bi« zur fünften Rangstufe a»fsteigen dürfen, hat darin seinen Grund, daß die vierte (Wirklicher Staat-rath) den erblichen Adel-titel verleiht. Daß einzelne Juden diese Beförderung erhielten, scheint nicht gemundet zu haben — In Nie mir ow hat die jüdische Gemeinde die 2üjahrige Amtsseier veS dortigen GymnasialdireetorS Risimowsky durch einen Festgottesdienst gefeiert, dem der christliche Jubilar anwohnte und wobei ihm eine prächtig gebundene Bibel zum Zeichen der Anerkennung für seine humriie Behandlung der südlichen Schüler überreicht wurde. (Hameliz.) Kiew. Die Zweiseelenwirthschast wird am besten illustrirt durch die famose Rede de« hiesigen Generalgouverneurs Dreute len. Am 18. Aug. hat er in Balt a die christlichen Stndt» vertreler getröstet, daß sie nur die Schuld träfe, den Pöbel nicht durch gute Rathschläge zurückgehalten zu haben. Den Juden aber ries er zu: Sie reize» durch Ihre Handlungsweise Alles gegen sich auf. Die Abgeordneteil nach Petersburg schimpft er Berläumder — da» Gnadengesuch Der Juden für die zum Tode Berurtheilten nennt er Heuchelei — kurz an diesem Gouverneur liegt es nicht, wenn die Hetzen sich nicht erneuen. Dagegen besänftigt, tröstet und ermuntert der Äouoerneuer von Minsk die Inden auf feiner Rundreise. — Zu dem Berichte über die eigen thümliche Rede de» Generalgouverneurs Drentelen in Balta ist noch nachzutregen, daß der Herr Posnansky, der in Petersburg die Behörden verklagt hatte, noch zur Privataudienz berufen, dort seine Behauptungen ausrecht erhalten und den Beweis der Wahrheit anzutrelen sich erboten hat In Kiew, wo man alte Handwerker einer. Prüfung unterwirft. deren Nichlbestehen den Verlust des Wohnrechtes nach sich zieht, ist der Sladtrath und Bankdirektor Herr Abraham Kopereck zum Kaffirer der städtischen Armenkaffe, die mehr al- 1 Million Rubel besitzt, gewählt worden! vermischte und neueste Nachrichten. Breslau, 8. September. Der seit 3 Jahre» an der Spitze de» jüd.-theologischen Seminar» stehende Rabbiner l>r. David Jotil — Bruder de« hiesigen Gemeinverabbmer» I>r M Jovl i"u — ist plötzlich gestorben! (Wir werden in nächster Nr. einen au«sührliche» Nekrolog über diesen bedeutenden radbtnischen Gelehrten bringen, deffen Andenken gesegnet sei! Red.) Berlin. Im besten Manne»alter verstirb hier Heer Rechtsauwalt I»r. Moßner. Eine überall» große Trauerversammlung erwie« dem Berstorbene» die letzte Ehre. Zahlreiche politische und Hnmanität»vereine, denen der Verstorbene angehörte, ließen durch Deputationen ihr Beilelo au»drücken und reichen Blumenschmuck aus den Sarg niederlegen. Ein prächtiger Lorbeerkranz mit Schleife trug die goldgestickte Inschrift: »Der deutsche i«raelitische Gemeinde - Bund in Trauer und Dankbarkeit." Auch der geschäft-führende Ausschuß de: deutschen Fortschrittepariei hat auf sein Grab einen Lorbeerkranz mit Schleife, welche die Inschrift trug: „Die deutsche Fort« schrittepartei ihrem treuen Anhänger", mederlegen laffen. Berlin. Der Abg. Ludwig Löwe ist 'Namen» de» deutschen