Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 37.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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all der gegen dt« Heiden", »die Stellung der Christen argen di« Jude« wird am besten dadurch gekennzeichnet, da» der christlich« ftUnil in die Kirchengebet« «in« Fürbitte für die Juden aufnahin, während dal Haupt der Jndrnschast, Rabbi Gamaliel, durch de» Rabbi Samuel in dal täglich« Gebet der Juden eine Verfiuchungssormel der Mmim. d. h der Judenchristen, aularbeiten ließ." Di« verschiedenen Gewaltakte gegen die Juden von Seiten der Christen werden auf sehr unlogisch« Art beschönigt. So sagt der Artikel von der Bertreibung der Juden aul Spanien (S. 400s: „Daß ein solcher Gewaltakt nöthig wurde, ist im Interest« der Menschlichkeit zu beklagen, aber andrerseit» kann nian sich nicht verhehlen, wie in diesem großen Ereigniß auch eine höher« Fügung sich kund giedt. Ich meine nicht bloß, indem hier die Juden di« Vergeilung für jenen Verralh an den Westgothen traf, sondern vielniehr in Hinblick auf die Zukunft. Zwei Jahre nach der Vertreibung der Juden haben die Spanier Amerika entdeckt. Denken wir uns die ungeheuerlichen Folgen, welche diese Entdeckung zur Zeit der Judenherrschaft in Spanien gehabt hätte. Durch die Entdeckung Amerika'! wurde Spanien die erste europäische Weltmacht. Schon damall hätten die spanischen Juden sich in Folge dieser Stellung zur ersten Welt- und Grldmacht erhoben, denn Spanien hatte schon damals seinen Rothschild gehabt an dem Diego de Suso», einem Jude», der die für jene Zeit ungeheure Summe von 8 Millionen zusammengebracht hatte. Dal Gold Amerika'! wäre alles in jüdische Hände gefloffen, schon damals hätte sich eine goldene Internationale gebildet, aus deren Fesseln Europa sich nicht mehr hätte befreien können, Fefleln, welche stark genug gewesen wären, auch die höchste Geisteskultur, die christliche Idee, zu erdrosseln. Wir haben also allen Grund, die wunderbare Fügung der Vorsehung zu ehren, welche die Ereigniste so lenkte, daß damals die Welt vor der Judenherrschaft, welche! die Geldherrschast ist, bewahrt blieb." Gegenüber dem Borwurs, als zeigte» die Juden nicht genug Sympathie sür das neue deutsche Reich, wirft ihnen gerade dieser Artikel zu große! Streben nach Rechtseinheit zu. »Hier haben wir be?i tiefsten Grund, warum gerade die Juden so eifrig für den Einheitsstaat und für Rechtseinheit und Rechtsgleichheit eintreten, denn mit jedem Sonderrecht, da! fällt, fällt auch eine Schranke der Herrschaft des Juden- IhumS." Reben andern antisemitischen Lügen wie z. B.: „Man vergißt, daß der Jude zu allerer» Jude und dann erst Semit und weiter Orientale und erst zuletzt Mensch ist und nicht umgekehrt", „die Juden find feit ihrer Zerstreuung berufen, ein imernationales Volk zu fein mit internationaler Stellung und Aufgabe", „der Jude hat eine tiefe Antipathie nicht gegen die Christen, aber gegen da» Chriüenthuni, während e» bei den Christen umgekehrt ist, sie habe» Antipathie nur gegen die Jilden, aber nicht gegen dal Judenthum," finden sich auch manch« Worte der Anerkennung, so z. B. S. 4üs: „Mosel Mendelssohn erwarb sich seiner Zeit da« überschwenglich« Lob aller Stillen im Lande von Zürich bis Königsberg, all er den Gebildeten seiner Zeit diesen Gedanken (b«r Unsterblichkeit der Seele) wieder anl Her» legte all einen vernünftigen, menschenwürdigen Gedanken, u. S. 404: „Sie haben sich in wenigen Jahrzehnten aul dem Staude ohnmächtiger, zertretener cuitur- und dildungsarmer Paria'l auf die Höh« unserer Künste und Wistenschaften zu stellen vermocht". Der ganz« sehr lesenswerlhe Artikel gipfelt in vem Satze: „So tauge der Jude Jude bleibt, kann er kein echter Deutscher «erben, so lange er seine >üdische Religion behält, kann er sein« Nationalität nicht ableg,n." Möchte ein« geübt« Feder dem Artikel in der „Conserv. Mouatlfchrift" eine recht objektto« Entgegnung zugehen lassen; sie würde, da st« unstreitig Ausnahme findet, bei melen Gliedern dieser Partei ersprießlich tür unser« Stellung wirken. l»r tzt. Mrnßerg, 4. September. Der hiestge Bürgermeister Seiler hat am Grabe bei Herrn Bankier«Anton Kahn solgende Ansprache gehalten: „Ich bin dessen überzeugt» daß ich nicht rur anl de« Herzen aller Mitglieder der städtischen Kollegien, sondern auch aul dem Herzen einel großen Theill der hiesigen Bürgerschaft spreche, «enn ich d.« selig Berblicheren, dem wir auf seinem letzten Gange dal Geleite ge- «eben haben, aul bewegter Brust den Abschiedlgruß zurufe. Herr iankt-r Anton Kohn, seit dem X. Januar 1873 bürgerlicher Mazijtratsrathl der Stadt Nürnberg, dann Mitglied des HanoeiSrathS und des LanvrathS von Mittelfranken, ist uni ein lieber, treuer Amtlgenoff« gewesen. All Mitglied V«S VerwaltungSau». schuffes deS Magistrat» hat er an der Berathung aller wichtigenAngelege,heilen der Stadt Theil genommen. Seine umfassende Perso ralkenutniß, seine kaum übertroff,»e Geschäftsgewandtheit fat er mit strenger Gewiffenhaitigkeit zum Besten der Stadt verwerthet, die ihn als einen der ersten Israeliten als Bürger ausgenommen hatte. Ein wohlwollender Charakter, hat ei stets seine Meinung mit Freimuth bekannt, ohne Jemand zu verletzen. IX»» schien er fast ein unentbehrlicher Rathgeber, r nd er selbst hatte sein öffentliches Amt so lieb gewonnen, daß er selbst in den Tagen, in denen bereit« seine Kraft durch Krankheit erlahmte, sich nicht von demselben loSreißen konnte, sonde.n immer noch in unserer Mitte erschien. Er ist uns allen ein lieber Freund gewesen. Darum sei der Grub, den wir ihm bringen, ein Dank, ein Dank der Stadt, um die er sich wohl verdient gemacht hat. Und wenn wir ihm eine Thräne weihen, so sei Diese» nicht nur ein Opfer unserer Hocha htung und Freundschaft, sondern auch ein offene» Zeugniß Dessen, daß wir unsere israelitischen Brüder mit Liebe als d:s Unsrigen ausgenommen haben. Mögen Männer wie Kohn diesen Bund, diese Einheit mehr und mehr befestigen l Bewahren wir dem theuerenVerblichenen ein treue» Andenken!" Frankfurt a. M Wie bereit» gemeldet, heirathet Freifräule>» Bertha o. Rothschild den Prinz.-n Alexander v. Wagram. Da» ist nun in kurzer Zeit der zweite Fall, daß ein Kind au» dem Frankfurter Hause Rothschlld, wo lange Zeit i-iudurch in dem Aufrechthalten str.ng jüdischer Tration ein gewisser Stolz gesucht wurde (sind ja die Bureaux de» Frankfurter Hauies noch immer Sonnabend geschlossen j. zur k r. t h o l i s ch e n Kirche Übertritt, und gleich ihrer Schwester, welch« vor einigen Jahren den Herzog o. Guiche heirathete, bring! Fräul-in Bertha v. Rothschild die Millionen ihre« Vater» über den Rhein. Man erzählt sich, daß der Einfluß der ltreng bigotten Gouvernante schon seit langer Zeit bei den Damen eine gewisse Hinneigung zunr KalholiciSmu» habe enlste >en lassen. Derartige religiöse Beeinflussung ist int Haus, Rothschild nicht neu; sie wurde schon früher einmal versucht, freilich mit ganz entgegengesetztem Erfolge. Der jünger« Bruder des Vater» der Braut, Freiherr Wilhelm v. Rothschild, wnrde von einem Hauslehrer erzogen, der, wie sich später herausstellte, im Dienste der Jesuiten gestanden haben soll »nd es sich angelegen sein ließ, seinem Zöglinge die Segnungen der alltinselizinachenden Kirche in de» hellsten Farben zu schilvern. Ader vielleicht durch ein« innere Reaction gegen jene Erziehung ist Herr Wilhelm v. Rothschild dazu zekommrn, daß er nicht nur unter den reichsten, sondern «ich den s-ömmsten Juden aus dem iveiten Eroenrunde genannt werden kann. Seftsame Brüder sind» fürwahr, die an der Spitze bei allberühmten Frankfurter Wellhause« stehen, und Viele«, was mau sich von ihrem Thun und Treiben erzählt, muthet Einen an. wie Schilderungen au» einer vergangenen Zeit, aul einer ganz kremdartigen Welt. Man kann sich nicht leicht einen größeren Gegensatz denken, als er zwischen de» beider Brüdern öesteht. Freiherr Wilhelm Karl biete», abgesehen von seinem Reichthum und seiner Frömmigkeit, nicht viel de» Interessanten. Ungleich bedeutender iit Baron Mayer Karl, der Pater der oben erwähnten Braut, «in Kaufmann in großem Stile, wie man sich dt« Handelsfirmen de» MütrlaUers denkt, der für g> oße Finanzoperationen einen außerordentlichen Scharfblick zeigt und u»längbar etwas Geniales i» seinem Welen hat. Er if. ein vollständiger Misanthrop; körperliche Leiden — sein« zunehmend« Schwerhörigkeit und fein immer wachsender