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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 37. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 37.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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der .Magdeb. Zeitg." nach, «eil e» von Bedeutung ist, daß diese» ebaslnßreich« Blatt seinen Protest dagegen au»- spricht. daß ein mtt den Insignien der »mttichkeit »»«gestattete« Kreisblatt sich zum Lolporteur crasser anttsemitischer Verleumdungen hergiebt.*) Der Lrttkel lautet wir folgt: .Da» .Deutscher Krei»blatt" ein au« der große« Anzahl ähnlicher Erscheinungen dadurch hervorragende» Localblatt, daß e» gewöhnlich dir Anschauungen de» Herrn v. Rauchhaupt, de« .Führcr» der Conservativen," wiedergrebt, bringt in seiner letzten Rümmer eine Darstellung der bekannten Vorgänge in Tr«»a-E»lar in Ungarn. Die Darstellung ist allem Vennuthen nach eine», anlisemitffchen Hetzdialte entlehnt. Daraus deutet eben so wohl die stimmungsvoll« Ueberschrift .ein jüdischritueller Mord," wie die sonstige Druckeinrichtung de» Artitikel», der den a m t l i ch e n Charakter de» abgedruckten Acten» stacke» geschickt verwerthet und die Worte .Beschluß" und .Gründe" durch Fettdruck hervorhebt. Da» Blatt versichert die Angelegenheit diSher mit voller Absicht verschwiegen zu haben; e» glaubte, .kein Oel in die antisemitische Bewegung gießen zu sollen, bevor nicht actenmäßige» Material über diese» schmähliche Verbrechen vorliegen würde." Diese» Material ist nun nach seiner Ansicht vorhanden und deshalb .darf" da» Blatt seinen Lesern den Thatbestand nicht länger vorenthal. ren, sondern theilt da» betretend« Actenstück mit. ES läßt dabei die Möglichkeit völlig außer Acht, daß trotz de» Beschiuffe» de» Untersuchung-richler», die Angeschuidigten in fernerer Untersuchungshaft zu behalten, da» Untersuchung»- verjahren zur Freisprechung der de» Morde» bezichtigten Juden führen kann. E» stempelt vielmehr, die thatsächlichr Begründung der Anklage vorausgesetzt, die verbrecherische Handlung einiger im religiöse» Irrwahn befangener Menschen zu einem .jüdisch-rituellen" Mord, einem solchen also, der im jüdischen Ritu» seine Begründung hat, der sich, da die bezüglichen Vorschristen für alle Juden verbindlich sind, vielleicht auch bei un» wiederholen kann. Denn daß da» Blatt für di« verbrecherische Thal Einzelner da» ganze Judenthum verantwortlich machen will, zeigt sich im Verfolg de» Artikel» ganz un,weiselhast. ES stimmt schlecht zu dem zuweilen mit Vorliebe betonten .christlichen" Standpunkt« de» .Delitzscher Krei»blat- »»," daß es so wenig dem Gebote de» Stister» unserer Religion, .Alle», wa» ihr wollt, da» Euch die Leute thun sollen, da» thut ihnen auch," nachkommt. Doch nein, e« gehört dazu nicht einmal ein besonder» ausgeprägter .christlicher Standpunkt," sondern nur die bescheiden« Eelbsterkenntniß, daß kein Voll so hoch steht, e» Hab« denn auch seine Verworrenen, denen nicht«, selbst da« geweihte Haupt der Fürsten nicht mehr heilig ist. Wa» für ein Sturm de» Unwillen« würde sich im deutschen Volke erheben, wollte man seinen nationalen Werth nach den Thaten jener Ketzerrichter oder Judenverbrenner de» Mittelalter» bemksien, die ihr sinsteret Werk auch au« .religiösem Fanatismus" trieben, wie die in religiösem Fanati»mu» befangenen Juden in T>»za-E»zlar de« getrieben haben sollen?! Run. da« .Deutscher Kr«i»blalt" wird sich ja i» dieser Bezieh» seinen Raßstab gebildet habe», den anzulegen ist sein Recht. Bedauerlich muß min e» aber um de« konfessionellen Frieden« willen finden, daß derartige Aeußrrungen unter dem a m t l i ch e n A d l e r in da« Land hinausgehen, trotzdem sich da« Blatt bewußt ist, damit .Oel in die antisemitische Bewegung zu gießen," jene Bewegung, die der Kronprinz .eine Schmach und Schande sür unser Zeitalter" nannte. — Wa» aber den fraglichen Artikel zu einem auch über die localen Verhältmflc hinaurreichend Merkzeichen macht, da» ist da« au« der Mittheiiung de» Actenstücke« gezogent Ergedniß: .Wir fragen: Hat da« Juventhum. in welchent sich im 10. Jahrhundert noch solcher religiöser Fanati«mu» zeigte, in dem christlichen Staate «in Recht auf bürgerliche Gleichstellung?" Man wird wohl kaum sehlgehen, wenn man diese Auffassung al« ein wesentliche» Stück der Weltanschauung zahlreicher Conservativen ») «u« diesem »rund« deabsichtii» man auch, wie wlr von Ber- »on erfahren, mtt gutem Recht gegen jene« AmtSdlatt strasrechiltch lirzugehen. überhaupt beztlchnet, und wenn man in Verfolg dies«» Gedauken« b«t ihnen die Absicht vermuthet, den Inhalt de« verfaffu»g«paragraphen, welcher di« staat-bürgerliche« Rechte unabhängig vom Slaubentbekenntniß macht, zurück zu Zuständen welch« wir in unserer nationalen Entwicklung f ü r immer überwunden zu haben glauben." G. Straßburg i. Elsaß. (Or.<2orr.) Freitag Nachmittag, den 1. Sept., kam eine Schaar au» Rußland geflüchteter Juden in Straßburg an. Da- Straßburger Comitö empfing sie am Bahnhofe und geleitete sie in den .Gasthof zum deutschen Hau»" auf den Gerbergraben. Die Schaar besteht au- 66 Erwachsenen und 13 Kindern. Eine der Frauen mußt« in da- Hospital gebracht werden, wo sie stündlich ihrer Entbindung entgegensieht. Unterweg« war eine» der Kinder au» dem Eisenbahnwaggon gefallen und hatte sich dabei am Kopse nicht unerheblich verletzt. Dasselbe wurde von einem Straßburger Arzt mit noch einigen andern Kranken der Schaar in menschenfreundlichster Weise unentgeltlich in Pflege genommen. Die Leut« sind alle verarmt, dabei aber guten Muthes. Die .Straßburger Post", der ich diese Mittheilung entnehme, fügt hinzu: Wenn man sich unter diesen Flüchtlingen etwa sogenannte schmierige polnische Inden mit lockigem Haar und langem Kaftan denkt, so irrt man sich. Die Leute machten sammt und sonder» einen recht guten Eindruck. Wie au» ihren amtlichen Zeugnissen heroorgeht, sind diese Flüchtlinge keine-weg- Kaufleute und Wucherer, al» welche sie durch manche Zeitungen verschrieen worden sind, sondern mit Ausnahme eine» Apotheker» und eines Handlung-beflissenen lauter Handwerker. Wir fanden unter den Männern: Bierbrauer. Schreiner, Schneider, Schuhmacher. Graveure u. a., und unter den Frauen Weißnäherinnen, Klewermach rinnen n. s. w. Alle itammen au» den Umgebungen von Kiew und Odessa. Sie sprechen zumeist ein ganz gute« Deutsch. Ihre Schicksale sind trauriger Natur. Unter lhränenden Augen und mit von Schmerz entstellten Zügen erzählt« eine Mutter, wie man ihr einziges vierjährige» Söhnchen vor ihren Augen zu Tode gemartert. Ein älterer Mann halte eine Bierbrauerei angelegt, die einen Werth von 20,000 Rubel halte. Sie wurde eine- Tage» an allen vier Ecken angezündet. Jetzt steht der Mann ohne Geld mit einer Familie von >0 Personen hülflo» da. Einer Weißnäherin wurde am Hellen Tage der Laden au-geräumt. Alle Flüchtlinge mußten ihr Hab und Gut im Stich« lasse», um nur ihr Leben zu rette». E» ist nicht etwa der Haß, welcher die Leute zum Erzählen bringt, sondern nur mit Mühe und Roth bringt man sie aus ihre traurigen Schicksale zu sprechen. Da» Straßburger Hüls-comitü hat diesen Flüchtlingen in Pariein Unterkommen verschafft. Sonntag Abend reiste» dieselben nach Pari». 8. An» Snddentschland, 3. Sept. (Or.-Corr.) Sie haben in Ihrem geschätzten Blatte schon mehrfall» Citate au« der .Konservativen Monattschrist" angeführt, weßhalb ich Sie und di« verehrten Leser auf dieselbe wiederholt aufmerksam zu machen mir erlaube. E» läßt sich nicht verken» nen, daß die Artikel derselben, die sich init der Judensrage beschäftigen, eine Vertrautheit mit jüdischen Berhältniffen zeigen, theilweise auch mit jüd. Schnstthum, die manchen jüd. Leser frappirt und vielleicht anziehe» würde, wenn nicht unbegründete Hypothesen von dem absichtlichen Eindringen der Juden in alle socialen und staatlichen Verhältnisse behuf» Erlangung der Weltherrschaft, oder von dem natürlichen Haffe der Juden gegen da« Ehristenthum wieder einen natürlichen Aerger über solche Verleumdungen erregen müßte». E» ist mir oft unbegreiflich, wie konservative Schriftsteller, die doch gerne da« Prinzip der Objektivität und Gründlichkeit sür sich in Anspruch nehmen, auf solche wahnwitzige Hypsthesen verfallen können. So begegnen wir wieder im Jahrg. 1881 (S. Bd. E. 383) einer sehr umfangreichen Arbeit von g. tz.: .Die historische Weltstellung der Juden und die nwderne Judenfrage". Wir finden darin Sätze, wie: .Der Haß der Juden gegen die Mimim, die Ketzer, die Christen, ist größer

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