Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 36.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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tan Judenthunt «ine Mol nationale Berechtigung vtndlzire« zu «ollen. Dal Judenthnm stehe, wie jede monotheistische Religion, hoch über der Rationalität, «l ist ja bestimmt, in dem Sinn« eine Weltreligton zu werden, all di« ganze Menschbest dereinst den Grundprinzipien desselben, tan reinen Gottelglavben und der allgemeine« Herrschaft der Menschenliebe, huldigen soll. Indessen weisen doch alle Prophezeihuzigen daraus hin, daß gerade Palästina, dal Land, von welchem der reine Sottelglaube aulgegangen, auch dazu bestimmt sei, in der Zukunft der Mittelpunkt der reinen Sottelverehrung zu werden. Seit mehr den 18 Jahrhunderten haben die über die ganz« Welt zerstreuten Juden, ein Geschlecht nach dem andern, stell darauf gehofft und vertraut, dag sich die Wort« der Propheten erfüllen und der Gotteltempel aus dein Zionlberge wieder erstehen würde, um ilicht wieder unterzugehen und um eine dauernde Stätte zu bleiben der Verehrung aller Völker für den Einig-Einzigen. Ist nun auch die Herstellung einer jüdischen Kolonie in Palästina nicht grade di« logisch« Verbindung für die Wiedererrichtung drl Weltgottelhausel, so enthLlt sie doch die wahrscheinlich« Voraulsetzung, und darf man all sicher annehmen, daß gerade diejenigen Juden, weiche sich den Glauben an die dereinstige Errichtung del dritten Lempell am wärmsten bewahrt haben, sich diesen ohne dal Vorhandensein einel größer« jüdische» Gemeindewesenl in Palästina nicht denken können. Die Gründung und dal Aufblühen einel solchen Gemeindewesenl würde für den größten Thetl der Judenheil die Hoffnung und die Sehnsucht von Jahrhundenen, wenn auch nicht voll ersüllen, doch die Erfüllung vorbereitcn. El ist nun nach der politischen Lag« del Orientl, der ganz offenbar einer grdßen Unigestaltung e>ltg,gengeht, gar nicht undenkbar, daß noch!m Lause diesel Jahrhundert! der Versuch einer Kolonisation Palästina'! durch Juden im größer» Maßstab« gemacht wird, und daß gerade europäische Mächte und christliche Nationen die Hebammen dteiel Zukunstlkindel sein werde«. Hat doch di« zweite Hälfte unsere! Jahrhun. dertl schon so manchen heißersehnten Wunsch großer Völkerkreise verwirklich«, hat sie dem deutschen, dem italienischen Volte dt« Einheit, den Millionen ruffischer Leibeignen, amerikanischen Sklaven die Freiheit gebracht; nun, »I fehlen noch 17 Jahre bil zur Vollendung diesel merkwürdig:» Läculuml, wer kann wissen, wal diese Jahre noch in ihrem Schooße bergen? Vielleicht sind sie bestimmt, auch die Erfüllung derjenigen glühenden Hoffnungen anzudahnen, an welchen viel«, viele Genrrationen gläubiger Juden auch in den traurigsten und entsetzlichsten Zeitläuften sestgehalten, die ihnen Standhaftigkeit verliehen haben gegen alle Schande und Schmach, gegen alle Qualen und Martern, welche bltndwüthtger Fana» tilmui aus sie gehäuft hatten. Fragt man nun, sollen wir Juden versuchen, direct mitzuwirken an den Dingen, die sich im Orient vorzuderetten scheine», sollen wir jetzt schon groß« Vorbereitungen treffen für di« Kolonisation Palästina'!? Wir glauben diel verneinen zu müssen. Halten wir Juden all solche uni in diesen polillschen Dingen zur Seit«, arbeiten wir ruhig weiter, uni selbst festzuhalten in dem alten Gotteiglauben, erziehen wir unsere heranwachsrnd« Jugend in Gotteierkennt, niß und in den Vorschriften unserer Heilltehre, damit ste stell und überall gute und würdige Mitglieder der «ensch. siehe« Gesellschaft und del Staate! werden. Unterstütze» «er unsere gedrückten Glaubenlbrüder ich'-Oriente, daß sie arl ihrer Versunkenheit sich auftiaffe« »nd sich wieder dem al:e« edel« Gewerbe ihrer Vorväter, dem Ackerbau. zuwenden. In di« großen Geschicke der Politik deran einzugreisen, ist niemall Sache de! Judenthuml gewesen und soll el auch in der Zukunft nicht sei«. Halten wir fest i« vertrauen ai.f die Vorsehung, welche schon die Weg« finde» wird für die Erlösung der gesammten Menschheit durch Gottelerkenni, niß, Gerechtigkeit und allgemeinem Frieden. Wir Jude» htben ja stet! auf die Führung und di« Fügungen Gone» m ttraut, vielleicht wird auch für die d r i t 1 e Erlösung gelte», wal bei der ersten direct aulgesprvchen wurde und bei der zweiten sich thatsächlich bewäh« hat: othi 03^> onT p*nnn. „Gott wird für Euch streiten, Ihr aber verhaltet Euch ruhig." Berichte und Correspoadenzea. Deutsch»««». Mezdebnrg. Wa» von Besonnenen voraulgefehen und auch warnend voraulgesagt wurde, daß die ruffisch«» Flüchte linge nicht nach Palästina gehen sollten, wenn sie kenn Subsistenzmittel mitbrächten, ist riimetroffe». Di« aller Wai. nungen ungeachtet dennoch nach Jerusalem gegangen, find «on der dortigen M i s s i o n I gesellschast umgarnt, «l sind .etwa 30 junge Männer und mehrere Familien", wie «l m tem „Rettunglrus" de! Herrn Rabb. lae. Salvendi tn der t orwöchentlichen Extrabeilage heißt. Wir glauben, daß ti einet l «sondern Sammlung für dies« 30—40 Personen nicht ledarf. sondern, daß die ruff. Hils-comito'i und die Vereine für die Eolonisation Palästina'! die Pflicht haben, für dieselben in der Weise einzutreten, daß die Arbeitltüchtige» zur Colonisirung im Lande bleiben und Beschäftigung erhalten, die andern uiügen zurückdeföroert werden. — Ueberdiee wird soviel in Mainz, Würzburg, Dürkheim, Aniste rdam für Palästina gesammelt, daß man nicht für jede» speziellen Fall gleich in die „große Posaune" zu stoßen brauch! 'Die Eingewanderten gehöre» jetzt zu den „Armen Palästina'!" und haben sonach Anspruch an den sür dies« h»>- gesandten Spenden Dresden. Im „Dreldener Journal", dem offiziellen Organ der sächsischen Regierung, lesen wir unterm Uti. August: „Mehrere Blätter haben ernei Gerüchte! erwähnt, e» verd, im sächsischen Regierunglkrelfin die Frage dilkutttt, ob rer Kongreß, weichen dir „deutskhe Rrforinpartei" (sh- „Antisenitenpartei." Red.) in den Tagen des 11. und 13. September in Drelden abzuhatten gedenke, zuzutaffen oder zu yintertreiben sei, und daß, wenn auch ein sörmlich«! Verbot nicht wahrscheinlich sei, doch aul A»deurungen, die in maßgedenden sächsischen Kreisen laut geworden fiten, entnommen werde» müsse, daß der geplante Kongreß nicht gerade erwünfchl se>, und daß derselbe sich jedenfalli einer scharfe» polizeiliche» Kontrolle zu unterwerfen haben werde Sicherem Vernehmen nach ist die obig« Miitheilung unbegründet, indem die Regierung bil jetzt durchau! keine Veranlassung Vorgelegen hat, bezüglich jene! Kongress«! irgend ein« Entschließung zu fassen, und keinerlei Umstände vorhanden sind, welch« dt« Anordnung besonderer polizeilicher Maßregeln nothuundig erscheinen lasse» könnten." Rach dem jetzt veröffentlichten Programm des in der Zeit vom v. bil 13. September in Drelden tagenden Antisemiten- Eongressel finden dt« Verhandlungen „vertraulich" unter Ausschluß der Oesfentlichkett statt. Zutttt« haben nur Einaeladene und Mitglieder antisemitischer Vereine, welch« sich sämmtlich