Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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jidoch Mtfen Anträgen lebhaft «ntgegenaetreten und endlich auch durchgesetzt, daß man sich darin einigte, jede einzelne Richtung solle auf dem Longreß ihr« Ansicht und de». Anträge vertreten." Berlin, 10. August. Im Verein .Lhristlich-deutsch« Gerechtigkeit" hielt gestern Abend Herr l)r. von Kirn einen Bortrag über „die christlichen Stützen der jüdischen Kapitalmacht". (Sr versuchte »ach,«weisen, daß die Juden direkt und indirekt von den Christen »gestützt" würden. Zu den direkten Stützen rechnet er den übermäßigen Andrang der Juden zu Gymnasien und Universitäten, da« Heroordrängen derselben im Handel und Berkehr. Die christliche Bevölkerung müsse dafür sorgen, daß durch Jsolirung der Juden diese Uebelstände beseitigt würden. Die hauptsächliche indirekt« Stütze sei die große Indolenz und da« gering« Zusammenhalten der Christen. Während die Juden eng zusammenhielten, dächte die Mehrzahl der Christen: »Jeder ist sich selbst der Nächste." Berlin. Der hiesiaen jüdischen Alter«oersorgung«anstalt ist mittel» Allerhöchster Ordre die Genehmigung zur Annahme der ihr von dem verstorbenen Ehepaare Kommerzienrath Sally, gen. Siegfried Simons ob n, mittel« letztwilliger Zuwendung vermachten 9000 Mark und der von den Eheleuten Geh. Kommerzienrath Meyer Cohn schenkung-weise überwiesenen 18,000 Mark ertheiit worden. Havuover. 26 August. Gestern Bormittag 0 Uhr trafen 51 ruffische jüdische Au-wanderer (Männer, Frauen und Kinder), welche, von Amerika znrückkehrend, wieder nach ihrer Heimath reisen, auf hiesigem Staatsbahnhose ein, wurden durch - da« hiesige HülsScomitv im Wartesaale ll l. Klaffe mit Kaffee, ' Brot und Wurst verpflegt und setzte» nach etwa einhalbstündigem Aufenthalte die Reis« über Berlin fort. Lyck. Am 83. August fand hier di« zweite Generalversammlung de» ostpreuß. Synagogengemeinden-Berbandestatt. Nähere« in nächster Nr. Altoua. 20. August» In auswärtigen Blätter laman ü» letzier Zeit, daß die Wirtwe des Philosophen Mendelssohn an der Seite ihre« Gatten auf einem der israelitischen Friedhöfe Berlinruhen solle. Diese Mitteilung ist eine irrthümlich«. Die Ueberreste der Großmutter de« beventenden Componisten MendelSsohn-Bartholdy ruhen hier in Altona auf dem Friedhöfe der hochdeutschen J-raelitengemeinde. Bor einigen Jahren wurde da« einfache Grab auf Beranlaffung der Fimilie MendelSsohn-Bartholdy mir einer Einfriedigung verseh'n; seitdem ist wenig für die Ruhestätte geschehen, auf «eiche: Ära« und Unkraut wuchert. Der Grabstein trägt die Nimmer 5845 und befindet sich fast am norwestlichen Winkel de« nahezu 300 Jahre alte» umfangreichen Friedhofe». Während auf der Borderseite sich h britische Worte befinden, trägt die Rückseite folgende erst in neuerer Zeit eingesügte Inschrift; „Hier ruhet Fra» Fromcl, geb. Gugenheim, Wittwe Mose» Mendelssohn'«, geb., am 2. Oct. 5498 <1738), gest. am IS. März 5572 (1808). *;ttflbnrg, 21. August. Hiesige medizinische Fachblätter dringen die Mittheilung, von Seiten de» Krieg«mi»isterium« sei vrrfügt worden, daß die Anzahl der jüdischen MUitärärzte nicht mehr al» ü pLt. der sämmtlichen Militärärzte betragen düife. Dieselbe Norm sei «uch bei der Aufnahme jüdischer Studenten in die militärisch-medizinische Akademie zu beobachten. Auch solle da» Avancement der jüdischen Militärärzte nur bi» zur fünften Rangklaffe unter Beobachtung derselben Norm gestattet sei». Petersburg. Am IS. August w«r in Prenr, Gouvernement Suwalki, großer Judenkrawall. Die Bauern der Umgegend überschwemmten und plünderten die Stadt, die In« I denhäuser wurden bi» auf die leeren Wände au«geraubt. Die Behörden verhalten sich theilnahailo«, katholisch« Geistliche, «elche zu Gunsten der Juden interveniren wollten, wurden jwßhandelt. In LI«» sauden, «,« von dort dem Petersburger .Goto»' telegraphirt wird, vor einigen Tagen wieder ernste Juden Hetzen statt, deren Urheber Niemand Geringerer, al» der dor.-ige .Gehilfe" oder Stellvertreter de» Poltzrimeitter», Name»,« Schiwoglt/.'ooff, gewesen. Derselbe befahl nämlich am 20. d. M. allen noch in Kiew ansäffigen Juden ohne Unter. schi:d deren Stande» oder Beschäftigung die Stadt binnen 21 Stunden zu verlaffrn und al« nach Verlauf dieser Frist noch einige jüdische Famllien, die seit urdenklichen Zeiten ihre Häuser und Realitäten in Kiew besitzen, noch zögerten, diesem kanarischen Befehl nachzukonimen, ließ der rohe Polizeigewaltige die betreffenden Familie» sammt und sonder» auf die Gaffe setzen und daun zum Stadtthor hinausjagen. E» läßt sich leicht denken, daß diese nicht-würdigen Maßnahmen der Polizei in Kiew von großem Spestakel de« dortigen Pöbel«, welher wieder nach Herzen-lust plündern und stehlen konnte, begleitet wurden. Ein Polizei-Oberst, ivelcher den Avorduungen Einhalt thun wollte, wurde von den .Gehilfen" dr» Po, lize meister« einfach seine» Dienste» entlaffrn. So geschehen' unt:r der angeblich .gerechten" Regierung de» ebensall» angeblich .unparteiischen" Minister» de« Innern Grasen Tolstoj! In Schwinza» hat der Rabbiner R. Jsjchak Jacob Reine» mit Erlaubniß der Regierung ein« Art Rabbinersemuiar eröffnet. Talmud, Hebräisch, Ruffisch, Deutsch, Mathematik. Geographie. Geschichte, Hauptslücke der Naturlehre, bilden die Lehrgegenstände. New Jork. Nach dem Bericht de» Lecretär« der hiesigen .Hebrew Emigrant Aid Society" trafen hier während de» Monat» Juni zusammen 237g flüchtige Israeliten aus Rurland ein, von denen 1012 Männer, 4'2o Frauen und 917 Kinder waren. Seit dem 30. Juni bi» zum 8. Juli sink weitere 750 Flüchtlinge hie^ gelandet und vor den» 1. Juni waren hier 3693—2143 Männer, 506 Frauen und 104.0 Kinder — eingetroffen, zusammen also in diesem Jahre bi» zum 1. Juli 6822. New Jork. In New-Jersey will man eine Ackerbauschi.le für die ruff. Emigranten errichten (Arch. i«r.) Feuilleton. Aus dem Leben eines Autodidakten. Bon A. 11. (Fortsetzung ) Kaum waren diese »venigen Anordnungen ick Schlafgemach de« Patienten vollzogen, al» die Thür mit einem Ruck aus log. und ein junge«, kaum 18jährige« Mädchen im weißen Gewände, Blumen in den halb aufgelösten Locken, und Angst und Schreck in den wunderschönen tÄesichtrzügkn, hereinstürzte. Sie hatte zuerst die Abwesenheit de» Bruder« bemerkt, da» leise Zischeln der Dienerschaft und plötzliche« Berstuirmen bei ihren wiederholten Fragen erweckten in ihr die Ahnung nahenden Unheile« und so war sie athemlo« die Trepp« heriiusgeeilt, um ihre Furcht bestätigt zu finden. Rathlo« stard sie jetzt vor dem Bette de« geliebten Bruder». Sollte sie den Papa rufen laffen, die Gesellschaft zum Ausbruch treiben. um den Arzt schicken, wa« sollte sie thun'k So weit die eigene Sorge e» zuließ, suchte Magnu« die Aufgeregte zu beruhigen; er versicherte, daß vorläufig nur ein leichte« ilnwol lsein zu bemerken sei. daß er übrigen«, damit nicht« versäu nt werde, selbst die Nachtwache übernehmen und den Doctor holen laffen wolle, sobald eine irgendwie bedrohliche Veränderung eintreten sollte, und rietv vorerst den Grasen nicht zu ala-uriren. Da« Rädchen blickte auf die hohe, etwa» vorgebeuzt« Gestalt, in da« bleiche, ernste Gesicht de» Redende» und unwillkürlich gewann sie dir Ueberzeugung, daß nur Wahrheit von diesen Lippen fließen könne. Mit stummem Gruß verließ sie, ein wenig ruhiger, da» Zimmer. Die Nacht ging ohne Störung vorüber; am Morgen dagegm traten so heftige Fiebersymtome ein, daß der eiligst her-