Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 873 — wird jur »«zeige gebracht und eine Untersuchung hierüber verlang». I» dem ersten Gesuche werde» mehrere Personen genannt, au« denen der Untersuchungsrichter Baru durch tagelangen Dunkelarrest und schwere körperlich« Mißhandlungen Geständniffe zu erpressen suchte. Der Einfluß, den der Abg. Onody und andere Privatpersonen seiner Besinnung aus jeden Akt der Untersuchung nahmen, wird geschildert uiib die Ungesetzlichkeit autgesührt, mit welcher fein GerichtSralh» sondern ein Vice-Notar mit der Untersuchung in dieser Ayaire betraut wurde. Die Bertheidiger verlangen zur Untersuchung der Gesetzwidrigkeiten und strafbaren Handlungen de« Untersuchungsrichter» eine gerichtliche Untersuchung. Zn einem zweiten Gesuche protestiren die Bertheiviger dagegen, daß der Untersuchungsrichter Vary die Akten in seiner Prioatwohnung verwahrte und damit manipulirte. ES werden Vorkehrungen verlangt, damit kein Stück dieser Akten zufällig oder durch dose Absicht verloren gehe. Zn eurer dritten Ängadf verlangt der Vertheidigcr de» verhafteten Tempeldiener« Scharf die gerichtliche Untersuchung wegen der unter drn Augen der Behörde in ESzlar geschehenen Zerstörung der Schari'schen Wohnung und de« Mobiliar« unv Entweihung der ESzlarer Synagoge, die fast gänzlich demolirt und geplündert wurde. Au« Pest, 21. August, wird noch der »Wiener Lllgem. 3*0 “ telegraphirt: Zn Folg« der Eingabe de« Scharf'schen Bertheidiger« Karl Eütvö« an die Ober. Staatsanwaltschaft bat diese den Leiter der Nyiregyhazaer Staatsanwaltschaft angewiesen, in Angelegen beit der Zerstörung der ESzlarer Synagoge und der Schars'schen Wohnung, sowie der Entweihung von gottesdienstlichen Gegenständen unv Entwendungen, die daselbst verübt worden sein sollen, die sofortige Untersuchung einleiten zu lasie». Petz. Die Freimaurer Loge .der Großorient von Ungarn" hat folgende« Circular an sämmtlich.' Brüder erlagen: »Zum Ruhme de« Großen Baumeister« aller Welten. Der Grog-Orient von Ungarn an sämmtlichc unter seinem Schutze arbeitende» Logen und aller regtlmäßigen Brüder Freimaurer. -- Dreifacher Gruhl Geliebte Brüd.r! Schon seil geraumer Zeit erfahren wir au» den Zeitungen, daß in verschiedenen Ländern Europa« .ine sogenannte antisemitische Bewegung sich bilde, welche nicht« andere« al« der Au-fluß nationalen, und theilrveise religiösen Fa»ati«mu« ist. Diese Bewegung, von welcher wir bither dlo« aufmerksame Zuschauer waren, hat in neuester Zeit auch ^n unierm Baterlande begonnen, und verbreitet sich in Folge eine« bedauerlich«» Falle« in immer weiteren streife», so zwar, daß jeder denkende und da« Vaterland aufrichtig liebende Mensch mit berechtigter Bangigkeit in die Zukunft blickt, und auf jene traurigen Folgen welche, auder Erregheit der Gemüther enlspringcu können. Bei diesem Stande der Sache halten wir e« für unsere Pflicht, die Aufmerksamkeit der Brüder auf diese Bewegung hinznlenken. Die politische Seile der Bewegung, al« un« nicht berührend, lasten wir unberücksichligl und wollen blo« die sociale Bedeutung derselben andeuten. Tie Freimaurerei braucht in dieser Frage nicht Stellung zu nehmen. Unser Standpunkt kann nicht fraglich sein. Die B>fi« derselben ist in unseren Statuten und Grundprincivieu uiedergelegt. Demzufolge können wir keinen Monienl in Zweifel sein, wa« zu thun sei. Seine Existenzberechtigung würde der Bund verl.ugnen, welcher den idealsten Humanismus auf seiner Zahne trägt, wenn er unthätig bliebe, da die gefährliche Hydra der Borurtheilr, di« wir für ewig bekämpft wähnten, zu neuem Leben erwacht, den abscheulichen Raceuhaß osten predigt und zwar mit religiösem Anstrich, also mit Ausbietung der gefährlichsten, >oeil mit einfachcn Gründen nicht zu bekämpfenden Argumente. Geliebte Brüder. Stet« klagen wir, daß wir keine genügend« Thätigkeil entfalten. Der Moment ist da, wo wir ein« für Freimaurer in jeder Beziehung würdig« human« Arbeit vollbringen können, wenn wir Alle unseren. Einfluß eatsprechend, dir in angedeuteter Richtung sich zeigenden Borurtheile zu bekämpfen, die erregten Gemüther zu beschwich tigen, und unsere geistig zurückgebliebenen Mitmenschen auszuklären u.i« ernstlich bestreben, indem wir trachten, daß Letztere ihre Menschenwürde erkennend, nicht nur gute Menschen, sondern auch nützliche Bürger de« Staate« werden. Eine schöne und große Aufgabe ist e«. geliebte Brüder, zu deren Lösung wir sie im Namen der reinen Humanität auffordern, überzeugt, daß wir aus diesem Gebiete bei feste»; Willen und aufrichtigen Streben eine segensreiche Wirksamkeit entfalten können. Also auf, geliebte Brüder, zur Arbeit, vrren baldige Inangriffnahme wir im Interesse der Dringlichkeit der Sache, Ihrem frischen Eifer' empfehlen. Wir begrüßen Sie in der un« heiligen Zahl. Heinrich Zby. Georg Joanooic« stanzleidirector. Groß-Meifter." Broty, 20. August. ES befinden sich hier nur noch etwa 1000 ruffische Familie» mit über 4000 stopfen-, die Rücksendung nach Rußland nimmt aber einen ungestörten und glatten Verlauf, nachdem Graf Tolstoy angeordnet hat, daß den Remigranten Päste bezw. LegrlimationSkarten zum lieber schreiten der Grenze anstandslos zu ertheilen seien, sofern die Zurückkehrenven nur Nachweisen können, daß sie russische Untcrlhanen sind. U.n Viesen Nachweis zu erleichtern, ist hier mit Genehmigung des österreichischen Ministerium« de« Inner; der dem ruffischen Consulate attachirte GenSdarmerie-Capitain Debil eingelroffen. In Folge dieser wohlwollenden Disposition des ruffischen Ministers, welche die Furcht vor einer Bestrafung wegen unerlaubter Auswanderung beseitigt, in Verbindung mit den ungünstigen Nachrichten über da« Schicksal der nach -Nordamerika geschafften und zum Theil berritcwieder zurückgekehrten GlaubenSgenoffen regt sich bei den Juden selbst mächtig der Wunsch, in ihre geivobnten Berhältniffe wieder zurückzutreten. Nur Diejenigen, welche sich dem Heere« - bleuste entzogen haben, können »ach Rußland nicht zurück. Sie sollen nach andern Ländern, besonder« nach Frankreich und England, verschickt werden; es ist dies eine nicht zu erhebliche Anzahl, ungefähr 100 Familien. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die ganze Angelegenheit in der ersten Hälfte des September erledigt sein. Das ist um so erfreulicher, al« beim Herannah.n der rauhen Jahreszeit ein großer Bedarf an stleidungsstücken zu decken sein würde und an manchen Orten Galizien« ^i»e epidemische strankheit uuszutreten beginnt, welche vorerst nur Cbolerin« genannt wird, aber einen nicht gutartigen Charakter zu haben scheint. Vermischte und neueste Nachrichten. Berlin, 24. August. Die »Post", eine« der Hauplorgaae der Henrici-Ruppel'schen Richtung, bringt heule Abend folgende» Bericht: »Die Führer der Anlisemitenbewegung in Berlin traten gestern Abend aus Einladung eines für die ReichShauptstadt provisorisch gebildeten Co»lit«rS im Vereinihause der christlich sozialen Partei zu eine:, vertraulichen Besprechung in Betreff des internationalen Äntiseiniten-Congresse« zu Dresden zusammen. E« waren etwa 70 Personen der Einladunq gefolgt, unter ihnen fast sämmtliche Vorstandsmitglieder der vier gröberen Vereinigilngen Berlins, der christlich-sozialen Partei, de« deutschen Votk-verclnS, de« deutschen Resormvereins und de« sozialen Reich-oereinS. Aufgabe der Besprechung war, so viel wir hören, hauptsächlich, die Frage zu erörtern, ob und inwieweit die Berliner Parteigenoffen al« solch« in ihrer Äesamintheit zu den bezüglichen Fragei» Stellung nehmen sollen. Von Seiten de« sozialen sttrichSoercin« wurden eine Anzahl Anträge unterbreitet, di« dir bekannten Forderungen der . urch den Verein vertretenen Richtung, veausstchtigung der Synagogen u, s. w. präzisirten. Bon Seiten der Vertreter der christlich-sozialen Partei wurde