Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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geführt würden. Daß die» aber geschieht, dafür bürgen vor allen Dingen die Namen der wohwekanteu dentschen Lomitö- Mitglieder, insbesondere der Herren Hospredtger Stöcker und der Freiherren v. Thüugen (Roßbach) und v. Fechenbach (Laudenbach), welch« ebenso, wie der Borsitzend« de« Eenrral-Au»schuffe« der deutschen Reformpartri. die Iudenirage innerhalb gesetzmäßiger, erreichbarer Grenzen behandelt wissen wollen, nicht aber in etan Weise, welche nur Unerfahrenheit und politisch« Unklugheit dictiren können. Weise« Maßbalten ist freilich nicht Jedermann« Lache, aber e« ist die Borbedingung jeden Erfolge«; daran zu mahne», halten wir angesichts de« Kongreffe» für unsere Pflicht.' Dresden. Die neueste Rümmer de« »Eentralorgan« der Antisemiten', die hiesige »Deutsch« Reform' meldet, daß die Besprechungen de« antisemitischen Kongresse« einen »vertraulichen' Charakter tragen werden, und daß nur die Eingeiadenen Zutritt haben, durch ihre Delegirten an den Besprechungen Theil zu nehmen. Da« Blat' fügt hinzu daß der Zersplitterung in der antisemitischen Bewegung Einhalt gethan und eine Einigung über deren positive Ziele herbelgeführt werden müsse. — »u« vorstehcnder Mittheilung geht hervor, daß die sächsi'che Regierung den Herren in Dresden bereits einen Wink gegeben hat. Bei dem ursprünglichen Projekt deS Congresie« wollte man keine »vertrauliche', sondern recht laute, lärmvolle Perhandlungen. Bezugnehmend aus die unfreundliche Haltung, welcher der geplante »ntisemuencongreß i» den »reisen der Regierungen begegnet, schreibt dasselbe Blatt: »Wenn inan un» für staatsgesährlich hält, so geben wir denn doch zu l»edeuten, daß die der anti-jüdischen Bewegung außerhalb BerlinS i» der Hauptsache zu Grunde liegenden Ideen >m Jahre 1879 in rin-r Broschüre: »Di« Judensrage gegenüber dem deutschen Handel und Gewerbe' nieoergelegt sind, daß diese Broschüre an alle Monarchen und Fürsten Deuschland» versandt worden ist, und daß der Verfasser deiselben uiit Antworten, Zustimmung-- und Dankschreiben von höchster und allerhöchster Stelle ausgezeichnet worden ist.' (Man sieht hieraus, wie thätig und einflußreich unsere Gegner sind!) Rordhausen, 23. August. (Or.-Corr.) Heute wurde unser Gemeindeältester, der Rentier Herr Lazarus Schön heim, nach erreichtem 82. Lebensjahre zur Erde bestattet. Er gehörte zu denen, n:io>o ms 'diS2 D’poiyn. denn mehr als ein halb» Jahrhundert stand er im heiligen Dienste der Gemeinde» Bleicherode (seine GeburtSstädt) und Rordhausen di» Ehrenämter eine» Lynagogen-Vorstehrr«, Repräsentanten und Armenvater» bekleidend. Mehr al« sein Geschäft interesiirten ihn da» Gemeindeleben und die religiöse» Institute, insbesondere die Arnienkaffe» - Verwaltung, die er über 4V Jahre mit größter Umsicht und Gewissenhaftigkeit testete. Bon seinem sronimen und wohlthätigen Herzen zeugt ein Legat von 400 Thalern zum Andenken an seine verstorbene Frau, dessen Zinsen alljährlich an deren JahrzeitStag« vertheilt werden. Aber auch für Wiffrnfchaft und Kunst hatte er Sinn und Berständniß: Er war einer der ersten Adonnente» auf die vom jüdischen Lsteratur-Jastilut herauSgegebenen Werke und einer ihrer eifrigsten Verbreiter; cr war Mitglied des hiesigen BiidungSverein«, einiger Musik- und Gesangsvereine, die dennauchmitihren Fahnen sich an feinem Leichenbegängniß zahlreich betheiligten. Ern großer Zug folgte seiner Bahre, an welcher der Gemeiuderabbiner vr. Leimdörfer an der Hand de» Texte» Jesaia» SK. S: »Ich »erde ihnen geben in meinem Haufe und in meinen Mauern Macht und Ramen besser denn Söhn« und Töchter.' — Herr Schönheim starb kinderlos — da« segensreiche Wirken de» Verblichenen in ergreifender Red« schilderte. Redner leitete ein mit den Worten: »Im Geburtshaus« eine« alte» weltberühmten Hebräer» (Wilhelm Geseniu«) starb der alte in westen Kreisen geachtete Hebräer, unser Vater Lazaru» Schönheim, der für unser« Gemeind« so viel Gute« hat gestiftet.' Bor und nach der Grabrede execulirten die vereine »Eoncordia' und »vrpheu«' erhebende Gesänge, di, »inen tiefen Eindruck auf elle »uwesendra machten. De« verdiente» Ranne« Andenke t sei un« »um Segen! XI. Krtehßerg, Hessen. 20. August. (Or.-Lorr.) Im Ansflluß an die dieser Lage ftattgehabten Realschulprüsungen fand am 12. d. M. im Locale der Augustiner-Realschule unter Leitung de« Herrn Lehrer Heß und in Gegenwart de« Großh. Realchuldirector« Herrn ve. Müller, einiger Vertreter der höheren Schulbehörde und Geistlichkeit, sowie mehrere andere Lehrir und Angehörigen der Schüler eine sp ezie.ll« Prüfung derulraelitischen Realschüler inderReligion«lehrevonder achtel bi« zur ersten Klaffe statt. Ohne aus die Einzelheiten derse den näher einzugehen, sei uns gestattet zu berichten, daß da« Ergedniß im Ganzen «in recht befriedigende« gewesen und von der Vortrefflichkeit der jetzigen Einrichtung und dem vereinten Streben des Lehrers und der Schule Zeugnrß ablegte. Sämnnliche Examinanden bi« auf verschwindend kleine Ausnahmen bewiesen durch die schnelle und correcte Beantwort rng der an sie gestellten Fragen ihre gründlich« Bordereitutg in de» ihrem Alter entsprechenden Religionswissenschaften. al«: Glauben»- und Pfllchtenlehre, biblische und nachlablische Geschichte, Literaturgeschichte dis etwa zur Zeit Mos, » Mendelssohn». Die Prüfung wäiirte nahezu zwei Stunden and folgten die Zuhörer derselben mit sichtlichem Intereffe. — sticht unerwähnt wollen wir laffen. daß auch an der hiesige» Mufterschule der fragliche Unterricht in gleicher Weise geordnet ist und wir diese segensreichen Veranstaltung n nicht allein den neuen Schulgesetze», sondern auch der Jnitativ« de« Stadtrath» Herrn Eouaro Hirsch verdanken, der nit Hülse der hiesigen Schulbehörde und de» genannten Lehrer« Herrn Heß System und Plan in diesen Unterricht»- zweij brachte. Zu wünschen wäre noch, daß auch den facu tativ hebräi'chen Fächern eine eben solche Aufinerksamkeit seilen» der Rabbiner und Vorsteher zu Theil werden möge. Oesterreich. Aus Pest sendet man der »Wiener P.effe' folgenden senk Uionellen Bericht: Die Tisza-ESzlarer Affaire beginnt jene Wendung zu nehmen, welche nach den von antisemitische" Seite heroorgerusenen Uedertreibungen und Hetzereien und angesichts der An. wie die gerichtliche Untersuchung be> triewn wird, vornuSzusrhen war. Die Eigenmächtigkeit de« »nt der Untersuchung betrauten BicenotarS Ba^zz. eine« noch nicht 24jährigen jungen Manne», der im Oktober erst sein Freiwilllgenjahr avdient, haben zuerst'die OaerstaatSanwaltfchoft bewogen, dem Staatsanwalt in Ryiregyaaza eine schärfere Eontrolle gegenüber diesem Untersuchungsrichter anfzutragen. Daß ei» Vertreter des Justizministerium« unter dem Eirfiuffe einer gewisse», »amenrlich im »»garischen Justizministerium mächtigen, Strömung unberechtigter Weste die Instri.ltionen de« ÖäerstaatSanwal« desavuirte, hat den Oberstaatsanwalt bewogen, dem Ryiregyphazaer Staatsanwalt unier seiner Verantwortung zu verbiete», den Weisungen de» Minifterial-Commisiar» zu gehorchen. Das Justiz»«inifterium versucht in einer Zuschrift an de» „Pefter Lloyd' abzuleugnen, daß sein Vertreter in Ryiregyhaza sich in die Sache eingemengt habe. Der „Lloyd' hält jeooch die Meldung von derr Eonflitl zwischen Justizministerium und StaatSanwallsch ist ausrecht. — Die Bertheidiger der ESzlarer Angeklagteir, ReichStagSabgeordnete Eöivü«. Horanszky und Funtak, haben an den Ryiregyhazaer Gerichtshof dcer Eingaoen gerichtet, welche die Art und Weise der geführten Untersuchung in unerhörter Weise kennzeichnen. Folterungen von Zeugen und Ur schuldigen durch den Untersuchungsrichter Vary, dl« Einflußnahme de« Abgeordneten Onody auf di« Untersuchung ») Dem LiceftaatSanwall ist neuesten «iachruhten zusolg« von der OterstaatSanwaltschast die rompelenz abgesprochrn worden, in dieser »faire al« Staatsanwalt zu sungiren. <k« wir» destzaid al« ««>« Aichsolgrr — da der vtaat«»n»alt«p»sten in Rvire-vhaz» seit dem Sldstmord« Bsth'S nach immer »acani ist — »niweder eiu promiorischer Ersatzmann ml bar defteUt, «der »t« Besetzung de« »acanten S aa»«anwa1t«paftrnl unverzüglich »orgenommrn »erden.