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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 35. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 35.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 271 — sich verhöhnten Lhristenthum» auf, die Her«« Hemici und Jstoczy find wüthig« Verfechter der Theorie von der Verfluchtheit der semitischen Race. Wa» nur die Herren auf der Versammlung |u Tag« fördern werden! Herr Jstoqy schwärmt für eine gewaltsame Luötreibung; .mögen die Juden un« auch «eifiia überlegen sein, so declamirte er nicht im ungarischenAbgeordnetenhaus«, wir besitzen doch die physische Uebermacht und zu allerletzt ist die Faust doch stärker al« der G e i st. vielleicht daß den edlen Ungar die Rücksicht aus einen Paragraphen des deutschen Strafgesetzbuches, der in Dresden auch für ihn verbindlich ist und di« Aufreizung zuGewaitthätigkeil«» mit empfindlichen Strafen belegt, abhalten wird, Mord und Todtschlag zu predigen Herr Stöcker, als Berkünder der christlichen Lied«, wird sicher dafür Sorge tragen, daß der Geist der Milde und Versöhnung auch diese mittelalterliche Versammlung beherrschen und daß die Verhandlung einen mehr akademischen Charakter tragen wird. Doch wozu wollen wir jetzt schon den Schleier lüsten, der un» ein» der kulturhistorisch bedeutendsten Ereignisse des IS. Jahrhundertnoch verhüllt‘i Bezähmen wir unsere Neugierde! Das aber können wir schon heute prophezeien. Die Versammlung wird vielleicht v.rübergeheni den schon im Absterben begriffenen Fanatismus wieder entfache» i noch einmal wird die Flamme de» Nacenhaffe» ausloder», dann aber wird sie erloschen, denn wir glauben an den Fortschritt de» Menschengeschlecht«. Die Alliance Israelit« llniverfelle wird bestehen, denn sie entfaltet da- Banner der Humanität und M e n s ch e n l i e b e, ihr Zerrbild aber, die iniernationale Antise» mltenvereinigung, wird in da- Meer der vergeffenheit liuch-„, denn sie eiitsaltet da» Banner de« Neide» und Hasses. ir — t. Scrichtc und Correspondeuzell. Deutschland. Magdeburg. Wir erhielte» solgenden interessanten Brief einer juv. Dame, die sich eine» Name» aus dem Gebiete de« volk-küchenwesen», .Haussrauenverein» u. s. w. gemacht, und auch an den Bemühungen für die Verpflegung der russ. Flüchtlinge rege» Antheil genommen. Der Brief der fern von Berlin die Sommerfrische genieß,»denDame enthält vl> lBeherzigenswerthe«: .Baden b. Wien, 16. August 1882. Sehr geehrter .Herr Doktor! Bisten Dank tür Ihre Nachrichten, wenn diese selbst mich auch nicht erfreuten. E» scheint sich also b.'ivahrheile» zu haben, daß die Juden, die nach Amerika geschickt wurden, ein gelobte» Land erwartete», in d,»> ihnen Manna vom Himmel fallen würde, ohne daß sie den Boden zu beackern und mit ihrem Schweiße zu tränken brauchten. Nicht allein Unsumme» von Geld sind also verschwendet, sonder» Hoffnungen, daß der unglücklichen Generation durch eigene Krastanstrengung zu helfen sei! Wohin sendet man die Nückkehrendenk Sind sie nun nicht doppelt elend k — Die Jubensrage ist in Europa leider noch lange nicht beantwortet und ich fürchte, sie wird »och blutig di»eutirt werden. Wo ich aus meiner Neis« hinkam, fand ich die Absonderung und die Abneigung mehr denn je und besonder» in B S h m e n wächst der Antisemitismus und man spricht, wen» der Nacenkamps zum Ausbruch kömmt —wa» gar nicht a> der» bei der große» Gereiztheit sein kann — dann wird der Jude von beiden Seiten der Prügeljunge. In Oesterreich nehme» dir Juden eine bevorzugte hohe Stellung ein und sind mit» unter «nornr reich, aber rbe» darum hat Nitter v. Schönerer leichte« Spiel, die Gemüther zum Neide auszureizen und wo dieser schlimme Geselle sich zeig«, find alle bösen Leidenschaften entflammt! In Berlin scheinen sich die Henrik!'« und Stöcker'« ja auch wieder zu regen! Wa« un» am meisten obliegen muß, ist die Sittlichkeit wieder unter den Juden zu hebe», da» Familienleben und die Pietät wieder zu erwecken, den Sinn für di« recht« schafsene Arbeit zu fördern, die Fahne de« Jdeali»« mu« hoch zu halten und nnser« Jugend zu retten, daß sie nicht de« Materiellen ganz verfalle. Die reichen Juden ruiniren un», die Söhne find lüderltch, ihre Töchter voll Hoffahrt, sie selbst und ihr Prunken erregt die Mißgunst! — Reichen wir un» alle die Hand, zu beffern, wo e» £$1* M^zen Rabbiner und Prediger bei ihren Predigten an den nahenden hohen Festtagen diese Mahnung beherzigen! Berlin. Dem ReligionSbekenntniß nach bestand di« Berliner Bevölkerung au» 982.871 Evangelischen, von denen 10,662 nicht zur Landeskirche gehörten, aus 79,877 Krcho« liken, 3676 Diffidenten, 1173 Christen ohne Angabe der Eonsession. 5 3,9 10 Juden und 917 anderer Religion und ohne Religionsangabe. Abgesehen von den Personen ohne Religion oder mit unbestimmter Con-ession hoben die Dissidenten am stärksten (um 22,76 pCt) zugenommen. dann die Juden um 18,69 pCt., die Katholiken um 18,01 pCt-, die zur evangelischen Landeskirche Gehörenden um 16,61 ,Ct., dagegen hat die Zahl der evangelischen Separatisten um 11,41 pCt. abgenommen. Die Juden machen jetzt 4,80 ptt., die Katholiken 7, 12 pCt. der Bevölkerung au«, gegen 1,71 bez 7,01 pCt. bei der »origen Zählung. Bo» der männlichen evangelischen Bevölkerung Berlins heiratheten 2 pCt., von der weiblichen 1.9 pCt.. von der katholischen Bevölkc. ung 2,4 bez. 2.2 pEl., von der biffiventischen 2,1 bez. 0,93 pEl-, von den Juden 1,3 bez. 1,4 pEl. Innerhalb der Confrision heiratheten von den Evangelischen 92,3 von den Kathc.ike» 27,1, von den Diffidenten 7, von den Juden 8 6,2 pCt. Mischehen wurden 1490 geschloffen. — Di« Zahl der Taubstummen in Preußen betrug bei der letzte» Volkszählung nach der Star. Eorresp" 27.794, d. s. 10,2 aus je 10,000 Einwohner. Seit 1871 ist die Zahl der Taubstummen um 3.479 oder 1v pEl gestiegen, während die Bevölkerung nur u»» 10,6 pCt. zunahm. Bei 9468 Personen ist die Taubstummheit al« angeboren, bei 71 »6 al» später erworben bezeichnet, während eine gl, ich« Angabe bei 11,130 Personen fehlt. Auffällig ist e», daß während von 10,000 Evangelischen 9.89 und von 10,-100 Katholiken 10,39 taubstum»« waren, die gleiche Anzahl Israeliten unter si ch 14,38 T a u b st u m m e zählte». Diese» Ergebniß kann die Annahme unterstütze», daß da» Heirathen unter Verwandten wie e» bekanntlich bei den J-raelicten am häufigsten vorkommt, die Entstehung der Taub tuinmheit begünstige. Nach der Statist. Korresp. hat die Zahl der Blinden in Preußen seit 1871 erheblich adgeuommen. Auch bei den Blinden ist die schon für die Taubstummen ermittelte bemelken»werthe Thatsache zu konstatieren daß di« J«raeliten einen »er« hältnißinäßig größten Antheil liefern, al« die christlich« Eon« sessionen. Während »nter 10,000 Personen 8,2 evangelische von 10,000 katholische 8,4 blind waren, gab e» unter der gleichen Anzahl Israeliten 11 Blinde. Berlin Die „Kreuzztg." schreibtClerüchtweise verlautet, e» werde in sächsischen Regier»»g«kreisen die Frage diSkutirt, ob der für Dre«den aiigesagle Anllsemiteii-Kongress zuzulassen oder zu hintertreibe» sei. Ist e« auch nicht gerade wahrscheinlich, daß ein förmliche» Verbot de» Kongreffe« werde ausgesprochen werden, so wird au» Anoeutungen, die in maßgebenden sächsischen Kreisen laut geworben sind, entnomnen werden müffen, daß der geplante Kong»eff nicht gerade erwünscht sei Jedensall« würden sich die dresdner Bersammlun )«n einer scharfen polizeilichen Kontrolle zu unterwerfen habe i" — In Bezug aus diese Mittheilung der „Kr.-Ztg" schreibt di« „Deutsche Rfform*: „Wir haben dem gegenüber zu erklären, daß wir un» selbstverständlich an kompetenter Stelle über die Zulaffung de« Kongreffe» rechtzeitig befragt und die Antwirt erhalten haben, daß einer internationalen Besprechung der Juden frage keine Hinderniffe im Wege ständen, io.'»»» erstlich die Verhandlungen vertraulichen Charakter» und zweitt«» auf dem Boden der bekannten, von der Polizei genchmiglen Programme der deutschen Reformer und der thristlich-Sociclen

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