Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 35.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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noch nicht«.*) Die „Kreuzzeitung' perorirt gegen di« .wider» christlichen' Konsequenzen de« bloßen Racenftandpunkte«, denen die Stellung de« Volke« Israel in der Weitgeschichl« allerding» ein RLthsel bleibe« muß.' Sir find aui die LLsnng de« RLthsel« seiten» der „Kreuzzeitung' gar nicht neugierig, und glauben zu wißen, welchen süßen Kern-die Hülse bwtat: .Der Eongreß in Dresden hat, wenn er die positiven Erwartungen auch nicht erfüllt, hoffentlich wenigsten« da« Gute, daß er zu einer klaren Sonderung und Scheidung zwischen den beiden Anschauungen führt." Also doch etwa« .Gute«". Wir erinnern un« dabei, daß man in Leipzig beim Gemeindebunde gerade von Dresden an« ein Regierung-reskript erhielt, da« von zu erwartender „Störung de« konfessionellen Frieden»' — seitens des Gemeindedunde«**) sprach, da halfen die von vem seligen Rachod in Dresden nachgesuchten Audienzen nicht«. Und nun: Istoczy! — ja Jude, da« ist ganz etwa« Andre«. Roch hoffen irir auf eine Jnhibirung de« Spektakel«. Jedenfalls aber wollen wir unfern grave» Weg gehen und un« nicht von den Fußangeln und Fallen der Etöckerianer zu Falle bringen laffen. Ob Hammerstein oder Dühring, ob Stöcker oder Glagcu — „un« will e« fast be> dü»ken, daß sie alle beide — hinken.' Herr Dühring, den sein Fiasko mit der „Uebersetzung Leffing«', erst recht zum Größenwahn eniporgeschraubl hat, ist oorverband nicht gefährlich. Oder sollt« man in der Thal al» verdiffener Privatdozent ein Recht haben, antisemitische Aufwallungen (etwa außerhalb Denischland«) wie folgt zu charakterisiren: „Die Bewegung ist eine europäische, ja weiter als europäische; sie wird vorauesichtlich eine Bewegung aller modernen Kulturvölker werden und auch in Rordamerika weitere Wellen schlagen, al» bisher der Fall gewesen. „Die Ruffen haben freilich, wie in allen politischen Dingen, auch hier eine andere Methode, die Manchem al» energischer erscheint.' (Herr Dühring nähert sich hier, wie weiter ersichllich, dem Rihili»mu».) Und allerdings haben wir, d. h. alle gemäßigten Element« in Deutschland eine Alliance gegen den drohenden Riytltömu« nüthig, fall» Rußland eu« dem Leime geht, aber nicht mit der „Kreuzzettung'. — Richt lange, und die Juden Rußland« werden bei den Zuständei« dort von Stürmen heinigesucht werden, gegen die unser Loo« ein paradiesische« Ruhen. Ob auch wir dann so rührig sein werden im Werke der Humanität, wie jetzt der international« Nntisrmltencongrcß im Werk der Bo«heit? Und ob e« nicht bester wäre, e« riese die wahrhaft konservative Alliance J«raälitr schon heute zur Arbeit aus gegen den Dämon der Zerstörung, der über der Heimath von 4 Millionen Jude» brütet! Die Alliance ISraeitte Universelle und die internationale Antisemiten-Bereintgung. Arme Alliance J«ra-lite Universell«! Wa« hast du nicht schon Aller verschuldet! Welch wunderlich« Vorstellungen, welch Stspinnste erzeugt deine Existenz in den Köpfe» unserer r! Wenn wir versichern und durch handgreifliche Thalunter Bewei« stellen, daß dt« Alliance nur den Zweck hat, für die moralisch« und geistige Hebung der Juden zu wirken und ihnen wirksame Unterstützung da angedeihen zu •) Man ongl. dagegen weiter unten „Reuest« Rack>rtchi»n" unter .verlt».« **) Dessen «eiliger Präsident, Herr Prosetsar Lazaru«, jetzt »ine« Orden erhielt. lasten , wo sie in ihrer Eigenschaft al« Juden leiden, dann begegren wir nun dem Hohnlächeln unserer Gegner Jahraus, jahrein verkünden die ultramontanen und conferoatioen Blätter ihren Lesern, daß die Alliance ein« Bereinigung aller JSrae iten der Welt fei, gegründet zu dem Zwecke der Unterjochung und Bekämpfung der christlichen Welt, der Etablirung eine« , jtdischen Weltreiche». Di« Alliance soll den Bewei« lieserr. daß der Jnde kein Vaterland hat. daß nicht da« Wohl der Geburtsland«« ihm am Herzen liegt. mit dem er durch tausend Bande verknüpft ist, besten Enltur er in sich ausgenommen, sondern daß ihm da» Paterland nur die Kuh ist, tie ihn mit Butter versorgt Unsere Gegner verstehen e« «btr. nicht — sei e», daß sie e« nicht begreifen können oder r icht vegreisen wollen — daß die Juden, die nur noch durch di« gemeinsame Religion und gemeinsame historische Remini-cenzen mit einander verbunden sind, Geld und Mühe für d e Erreichung idealer Zwecke — denn nur solche erstrebt die Alliance — nicht scheue». Und doch sollte »hnen der Gustav-Adolph Verein. de» Schrei der Entrüstung, der durch die ganze protestantische Welt ohne Unterschied der Rationalität ging, al« ein tyroler Bischof den protestantischen Gemeinden Tyrol« da« Lebenslicht ausblasen wollte den Gedanken nahe lege», daß die gemeinsame religiöse Ueberzengung Institutionen schaff!, die ihren Wirkungskreis nicht aus de» engen Raum eine« Lande» begrenzen, sondern ihn über die ganze civilisirtt autdehnen. Aber Wahngebilde und Uebeiwollen last.'» sich »ur schwer bekämpfen, und so ist man denn aus den Gedanken gekommen, ein Gegengewicht gegen die Alliance zu schaffen. Der Bater diese« originellen Gedanken» scheint der Antisem tenhäuptling H e n r i c i zu sei», denn schon vor Monaten verkündete er in einer Berliner Bolk«ve>san»niu»g, man müffe der Alliance einen Verein entgegenstellen, der die Antisemiten von ganz Europa umfaßt. Seine Idee ist auf fruchtbaren Bode , gefallen, wenngleich die europäische Antisemitenverbrüderui.g vorläufig »och nicht zur Reise gediehen ist. Aber tsie Antifemite» Deutschland- und Oesterreich-Ungarn« reichen sich die Hand zu brüderlichem geineinsaiiien W'rken. Bewei» dessen ist ein Circular, da« die „Preffe', trotzdem noch ein tiefet Dunkel über den vorbereitenden Schrillen der Haupt- und Staat«action schwebt, mitzntheilen i» der Lage ist. Da« Sircular fordert die Adressaten aus. zur .Besprechung der nächsten Ziele der judenseindlichen Bewegung' aus der am 11. September b. I. in Dre-ven im Weiße» Saale des Helbig'- scheu sogenannien Elb-Etablistemenl« statlfindenden Versammlung zu erscheinen. Die Einladung trügt folgend« Unter» schrillen, die wir hierinit der Rachweit übergeben: Dr. phil. Ernst Henri«, Präsident de« Berliner Socialister verein«; Earl Fritz, königlich baierifcher Major und Kämmerer, Ehrenpräsident de« westfälischen Handwerkerverein«; Victor Jstoczy, ungarischer Reich«tag«abgeordneter; Dr. thecl. Gustav Hoffmaun, Präsident de« Breslauer deutscher Resormverein»; Gejza Onody. Gut«besitzer und Reich«' tagSabgeordneter; Wilhelm Pickenbach, Präsidenl de« Berliner deutchen Resormverein«; Ernst Schnieilzner, Verleger und Präsident de« Chemnitzer deutschen Reiormverein«; Richard Szh.lla, Großindustrieller und Präsident de» mährischen Re» soriiivereln«; Dr. Adolph Stöcker, tüniglich preußischer Hotprediger und Mitglied de» deutsche» Relchttage«; Baron Earl Thüngrn-Roßbach. Grundbesitzer; Pinkert-Walvegg, Präsident de« Dresdener deutschen Resormverein»; Edmund Winterfeidl. Grundbesitzer; Earl R. von Zerban, Präsident de« Wiener Resi-rmverein«; Ferdinand Zingler, Bicepräsident de» Bre«- lauer Rrsormveretn«. — Da hätten wir sie Alle, und wenn wir di« ckii minoruw gentium der Unterzeichner der Einlaladrng bei Seite lasten und nur die Hauplacteure in« Auge sastin, dann finden wir. daß sie Repräsentanten der verschiedenartigsten Interessen find, die sie durch da« überwuchernd« Jutenthum bedroht glauben, varon von Thüngen, der Agrarier par exoellence, bekämpft da« Kapital, da« nach srinrr Ansicht den Grundbesitzerstand schädige, Herr Hofprediger Stöcker spielt sich al« Ritter de« von den Juden angeb-