Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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265 Inden sich in di« ganze Weit zerstreuten und ihnen überall vor >lle« der Grundbesitz, sowohl in der Form von Eigenihu« al« auch in der von Pacht, uuzugäuglich war, muhten sie eben gezwungen sich dieser Grundform des Erwerbe« entfremden. — Erst seit Jahrzehnten hat die Gesetzgebung in den meisten, aber noch immer nicht in allen europäischen Staaten den Juden da» Gewerbe de« Ackerbaues gestattet und schon schreit man in allen Ecken und Enden: Warum treibt Ihr keinen Ackerbau? Der Ackerbau hat, wie uns die historische Entwickelung dc« Menschengeschlechtes lehrt, Seßhaftigkeit, Ständigkeit, die geregelte Arbeit und die Liebe zum Heimathlaud« zur Folge gehabt. — Im Großen und Ganzen übt der Ackerbau auch beute noch eine ähnliche Wirkung, er knüpsr ein unzerreiß. bares Band zivischeu dem Menschen und der Scholle, welcher dieser die Saat vertraut, und die er im Schweiße seine« Angesichtes bearbeitet. Der Ackerbau zwingt ständige, geregelte Arbeit auf, deren Früchte durchschnittlich gleichmäßig sind und sich daher ungefähr gleichmäßig erhoffen lasten. Ganz ander« ist e« beim Handel und Geldgeschäfte, hier ist da- Risiko nieist ein so bohe«. die Ehance eine so verschiedene, daß ein glücklicher Zug oft für das ganze Lebe» entschädigen muß. Die Landwilthschast giebt die Sicherheit des Erträgnisse» und der Deckung bescheidener Bedüriniste, und da unsere Glaubensgenossen durch Enthaltsamkeit, Nüchternheit und Sparsiun sich auszeichnen, so werden sie gewiß, wie dies übrigen» unzählige Beispiele lehren, sehr bald auch auf dieseni Gebiete recht heimisch werden. Speziell u»sere galizischen Glaubensgenosten betreffend, scheinen uns noch andere Gründe dafür zu sprechen, daß sie sich in größtmäglicher Zahl dem Ackerbau zuwenden. Galizien ist ein agrikoles Land, die Landwirlhschast ist in demselben die weitaus bedeutendste Quelle der Gütererzeugung und die verbreitetste Art productiver, allgemein nützlicher Arbeit. Bei jedem anderen Gewerbe sind viel größere Schwierigkeiten zu überwinden und das Resultat ist immer zweifelhaft, der Handel existirt nur im engen Rahnien so recht kümmerlich und ist viel größeren Gefahren alS in den westliche» Ländern ausgesetzt, von Industrie kann noch gar keine Reoe sein, lleberdie» gehört der Ackerbau nach den Traditionen unseres Landes zu den meist geachteten Gewerben und ist bei demselben auch die Konkurrenz, jene böse Quelle giftigen Haffe« fast gar nicht vorhanden oder richtiger fast ganz unwirksaoi. Wir würden es daher auch als höchst rühmenswerth und nützlich erachten. schreibt der „Lcmberger Israelit", wenn sich private oder eigene Bereine mit der Verbreitung des Ackerbauunter uiiseren Glaubensgenosten beschäftigen würden, wir würde» es freudig begrüße», wenn sich die dumpfen Stadtwohnungen und di« engen lustarmen Gäßchen von Juden recht ausgiebig leeren und wenn diese stille Bauernhöfe inmitten grüner Dörfer beziehen wollten, um hinter dem Pfluge jene Sicherheit, Ruhe und Unanfechtbarkeit zu finden, welch« ihnen Handel und Geldgeschäi'l« versage». Schwede». R#. Stockholm, 18. August. (Dr.-Gorr.) In unserer Rachbargemeinde Gothendurg wurde jüngst dem Herrn l)r. S. H. Gan« zu seinem 70. Geburtstage eine wohlverdiente Ovation zu Theil. Der Geieiererte war 4« Jahre hindurch al» hochangesehener prakt. Arzt thätig und wirkt« mit seltener Uneigennützigkeit 32 Jahre lang al« Armenarzt der Ehewrah»kadtscha, zu deren Ehrenmitglied er nunmehr crnannt wurde. Von der Hochachtung und Beliebtheit, deren sich der Jubilar in hohem Maße erfreute, legte da» ihm zu Ehren stattgehabte Fest beredte« Zeugniß ab. In einer längeren Rede hob Herr Radb. Dr. Wolfs die edlen Eigenschaften de« Jubilar», tnsbesondcre die aufopfernd« Bereitivilligkeit, mit der Herr Dr. Gans den Armen seinen Beistand leistete, hervor. Auch die Gesellschaft der Aerzte brachte den, Nestor ihre Huldigung dar und in den vielen Festreden wurde besonder» das Verdienst betont, daß der Jubilar einer der Ersten war, welche schwedische Dichtung der Weltliteratur einverleibten. Herr vr. G. hat nämlich die Arbeiten der Schriftstellerin Frederika Bremer der deutschen Lesewelt zugänglich gemacht.) In tiefgefühlten Worten dankte der Jubilar für die zahlreichen Beweise der Liebe. — Viele,» Lesern dieser gesch. Zeitung, insbesondere Cantoren, dürste die Mittheilung von Interest« sein, daß Herr Eantor A. Vaer in Gothenburg am 8 Sept. d. I. sein 25jährige» Avitsjubiläum begeht. Seine Gemeinde, die unstreitig zu den nobelsten zählt, wird sicherlich diesen Ehrentag ihres ebenso pflichtgetreuen wie tüchtigen Beamten, der durch sein allgemein gerühmtes und werthvolles Werk „ilaal teinloh“ in der Eantorenweli einen klangvollen Namen sich erwarben, würdig zu feiern wissen. — Gegenwärtig concertirt hier in Stockholm unter Leitung de» Musikdirektor- Herrn Farkas Mor ein .ungarischem Orchester, besten Leistungen sich großen Beifalls seiten« de« Publikums erfreuen. In unserer Zeit, wo leider allzuhäufig Künstler so gern ihr Judenthum verleugnen, verdient es besrnders hervorgehoben zu werden, wie Herr Dir. Mor, der auch im Allgemeinen viel Anhänglichkeit für seine angestammte Religion bekundete, stetunter der Zahl der Andächtigen in unserer Synagoge zu bemerken ist.' Ad vocem Synagoge wolle» wir beim Herannahen der hohen Feste nicht unterlassen, an dieser Stelle aus die „Breslauer Synagogengesänge" componirt von Herrn Obercintor Deutsch nachdrücklichst im Jntereffe de« Gottesdienstes hinzuweisen Diese Gesänge, deren Vorzüglichkeit längst von kunstverständigen Fachgenosten anerkannt ist, sind auch in unsore Synagoge eingeführt und üben einen gewaltige» Eindruck auf die Zuhörer au«. — Rußland. Petersburg. Der unermüdliche Redakteur de» „Hameliz", Herr Zederbauin, hat Audienzen bei den Minister» des In- »er» und d«S Eultus gehabt, aur Grund deren er Vorschläge für Organisation de» Schulwesen» und der Verminderung der Ueberoölkerung unter den Juden verspricht. Eine k-estaltung der Eolonisation Palästina'» hält er nicht für ausgeschloffen. Die ücnsur hat einen Artikel de» Herrn Konstantinowsky an« dem „Hameliz" gestrichen,*) weil er für die Emigration sprach und demnach al« voik-aufrührerisch angesehen wurde. Da« genannte Blatt will übrigen-, wenn die Abonnenten die Erhöhung de» Pteiseauf v Rubel jährlich bewilligen, vielleicht schon vom >. Oktober cr. an zwein«al wöchentlich erscheine». (Von Herzen wünschen wir Herrn Zederbanm Glück und freuen uns mit ihm der Ehre, die seinem Lohne zu Theil geworden. Der wegen seiner physiologischen Arbeu in Berlin p.eisgekronle Student ist der ältere Sohn de« Herrn Z., der zum Kaufmann bestimmt, zwar auch als solcher Tüchtige« geleistet hat, aber keiire innere Befriedigung in diesem Stande fand — und nunmehr >n Berlin zum i)r. med. promooirt worden ist. Red J Petersburg. Viele Echuldirigenten haben die jadenfeindliche Bewegung dazu benutzt, die jüdische» Schüler zu.n Schreiben am Sabbath zu zwingen. Deshalb stellt „tzameliz" eine Anzahl von Ministerialerlaffen seit 1850 zusainmen, welche d irthun, daß bei uns, wie in Deutschland, aus Berlnngen der Eltern die Kinder vom Schreiben, ja vom Besuch der Schule am Sonnabend zu dispensiren sind. Doch übernimmt die Schule keine Verantwortung für da« dadurch verursacht« rtwatge Zurückbleiben. Al« gesetzliche Feiertage sind bezeichnet. die beiden ersten und beiden letzten Tage Priach, die beiden Tage Echowuos. Tischah beaw, 3 Tage Roschhaschonoh, Jomkippur und der Nachmittag de» vorhergehenden Tage», die beiden eisten und beide» letzten Tage Succos und *) IBir erhielten vor »int,er Reil von einen« Abonnenten in Rußland mehrere Rümmer n uni. »I. zurück, in denen hiaut Rußland bezügtichen Artikel mii llrnlurschwärz« üderzov-n waren: wahrlich, dl« rechle Farbe für dirlrauri,-schwarzen russisch«» Zustände! (Red.»