Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 34.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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i'.iwjw .lunnummwMMju — 8(14 — nutzigen Elaborate zu lesen. Da» Schamloseste sei da» Einmischen der Preßjaden in Angelegenheiten der Kirche. .Was geht die Inden zum Teufel unsere Kirche an? Sie sollen fich um ihre Synagogen scheeren und sehen, daß da Alle» in Ordnung ist!" (Lebhafter Beifall.) Da« habe er ihnen oft schriftlich gegeben und e« drucken lasten. (Redner ist Redakteur an dem Liebermann'sche» Blättchen.) So eifert« der sog. »Kneg-müller" (er ist nämlich Bibliotheks-Assistent der königl. Kriegsakademie) weiter und trat da» Thema bizur au-gksprochensten Langweiligkeit breit. Ihm schließt sich ein Herr Detweiler an, der im Parlament ein Gegengift, er möchte e» Ratzengift nennen, gegen Eugen Richter geschaffen wiffe» will. Hierzu schlägt er den l)r. Henrici vor, welcher diese Ehre vorläufig ablehnt, fich für späterhin aber, wenn er da» vorschriftsmäßige Aller hatzs, zur Verfügung stellt. Nachdem noch ein Herr Langheim sich über eine ironische Kritik altttstamentlicher Personen (llr Henrici hatte Joseph einen »Kornjuden" und Moses einen .Wechselbalg" genannt) beschwert hatte und ihm daher da- Wort entzogen worden war, nahm die Versammlung zum so und sovielten Male die Resolution an, die Staat-regierung zu bitten, daß den „Judenblättern" amtliche Inserate enlzogen werden möchten. Gegen dieselbe hellte merkwürdiger Weise nur Herr Pickenbach gesprochen, der da meinte, daß eine liberale Majorität, wie di« künftigen Landtag-wahlen sie voraussichtlich schaffen dürften, vielleicht einnial Gleiches mit gleichem vergelten und so die conservative Presse unterdrücken würde. Berlin. 18. August. Herrn Stöcker wird e» nachgrade vor den Antisemiten bange. Der .ReichSbote" protestirt heute energisch gegen die Versammlungen und Reden des vr. Henrici, der da« antisemitische Demagogenthum jetzt auf eigene Faust als Metier weiter betreibt. DaS Stöcker'sche Blatt schreibt: , Nachgrad« haben wir ehier nicht blos mit einer aujugendlichem Eifer erklärbaren Leidenschaftlichkeit, sondern mit einen« gefährlichen Fanatismus zu thun, der leicht die Bolksuraffen zu Ausbrüchen fortreißen kann, «velche nicht blo» die Juden, sondern diese Volk-masten selbst in- Unglück stürzen und eine Blutschuld <mf unser Volk wälzen könnten; dem n«uß mit aller Energie entgegen getreten werden. Wo soll es hinführen, wenn Herr Dr. Henrici in einer solchen Volk». Versammlung in die durch seine Worte aufgeregte Menge Hineinrust: .In der Judenfrage giedt ekein Zuviel" — und die Maste dann unter seiner Billigung schreit: »Juden raus!" Oder, wenn er selbst ruft: »Wir werden nicht eher rilhen, bi» der letzte Jude mit seinem Bündel über die deutsche Grenz« ist." Wo hat je ein wirklicher Historiker so über Joseph und vor allem über Mose«, den auch die religionslosest« Profangeschichte als eine der grüßten Gestalten «er Weltgeschichte anerkennt, geredet? Nein, das ist nicht die Sprach« de« Historiker-, sondern des blinden Fanatiker« Und nun gar diese Sprache in einer Versammlung, von welcher der Vorsitzende erklärt, daß sie eine christliche seil Wenn wir uns nun denken, daß Dr. Henrici — wenn er so von den größten Männern de« alten Bunde« redet — wohl von den Männern de« neuen Bunde», welche dem Fleisch« nach auch zum Volke Israel gehörten — reden würde, so ballt sich vor unsern Augen rin Knäuel von Fanatismus und Unwahr« haftigkell zusammen, gegen den auf« entschiedenst« protestirt «verden muß." Gegen dieser Art. die Judensrage zu behandeln, muß vom christlichen, sittlichen, humanen, wie vom Standpunkt d«r nationale« Ehr« Deutschland« protestirt «erden. Oder sollen wir in Berlin den Juden gegenüber erleben, was man in Rußland den Juden und in Egypten den Christen gegen, über erlebt hat?" (Jetzt möchte man seine Hände in Unschuld waschen und ist ärgerlich, daß di« gerufenen G«ister nicht auf Commando wieder verschwinden «ollen. Wir wollen, b«»or «Ir Stöcker» Rückzug constattren, erst fein Verhalten auf dem Drtsdner Antisemirencongreß abwarten; dt« Einladung zu demselben ist nämlich von Stöcker und Henrici unterfchrieben. Red.) Hamburg, 17. August. (Or.-Sorr.) Die Zahl der milden Stiftungen in der hiesigen israelitikchen Gemeinde wird wieder um eine wachsen. Herr M. Rordheim, welcher schon vor einigen Jahren, wie seinerzeit von uns in diesem Blatte berichtet worden, einen Betrag zur Erbauung eine» gemeinsamen Schulhause« für di« beiden hier bestehenden öffentlichen Schulen für i«raelllische Mädchen bestimmt hat, unter der Bedingung, daß der Staat einen Platz dafür unentgeltlich anweise, (wa« kürzlich geschehen sein soll) beabsichtigt, etwa dreißig Freiwohnungen für arme Israeliten zu errichten. Er hat deshalb da» bisher dem gleichen Zwecke dienlich gewesene Lazaru« Gumpel'sche Stift in der Sch'.achterstraß«, welche wegen Baufälligkeit in der Nähe neu aufgchaut worden ist, angekauft, läßt dasselbe niederreißen und ein anderean dessen Stelle setzen. Der dafür gezahlte Preis soll M. lOO.OOu die Baukosten dürften etwa M. 130,000 betragen. Bor einigen Wochen ist der Bescheid de» Senataus die Petition de- Vorstand» und der Delegirten de- Synagogen Verbandin dem Sinne erfolgt, wie nicht ander» zu erwarten war; nämlich abweisend. In den Motiven ist ausgesprochen, daß um so weniger ein Grund vorläge, auf dieselbe ei zugehen, als ersten« in dem Vertrage mit der Gemeind« nicht» von Kirchhof-dauer gesagt sei, sondern: daß selbst, nachdem der Centralfriedhof aufgehört habe, Begräb nißzwecken zu dienen, der Friedhof der Israelitischen Gemeind« gesichert bleibe und der Platz ihnen nur entzogen werden könne, wenn der Staat desselben nothwendig bedürfe und zwar nicht im Wege der Verwaltung, sondern nur der Gesetzgebung. Daß ferner den Supplikanten, welche nur einen Bruchtheil der Gemeinte bildeten, nichteingeräumt werden könm, waman den Vertretern der Gemeinde schon im Jahre 1879 verweigert habe, die Erwerbung eine» Platze» auf fremden Territorium zur Einrichtung eine- BegräbnilßplatzeS. Wiesbabe», IS. August. 'Nach dem eben erschienenen »Adreßbuch der Stadt Wiesbaden" wohnen hier 1202 Israeliten. Hierunter sind jedoch die der sogen, alti-raelitischen Cultu-gemeinde angehörigen Separatisten mit einbegriffen. — Am 14. d. M. fand die ordentlich« Sitzung de- Eynagogenrath« der israelitischen CultuSgemeinden devormaligen Herzogthum- Nassau unter dem Vorsitze de» Herrn Regierung-rath» und Kammerherrn von Bertouch statt. Als Synagogenräthe waren anwesend die Herren Rabbiner Eü«- kind und Hochftätter, sodann die Vorsteher Herren Dav. Fay von hier und Strauß von Höchst, sowie Herr Kirchberger von Weilburg. Die vorjährige Rechnmg wurde ans einen Ueberschuß von 1043 M. 2t> Pfg. abgeschlossen. Der diesjährige Bedarf des Centralcultussond« beziffert sich auf 3*449 M. 32 Psg. und e« ist di« Erhebung von S pCt. der Staat-steuer erforderlich. Hierzu hat die Cultu-gemeinde Wiesbaden 1741 M. 31 Psg., di» übrigen Cnltu-gemeinden, 80 an der Zahl, haben 2108 M. 21 Pfg. dazu beizutragen Oesterreich. Lemberg» 12. Juni. Zu den beliebtesten und breitgetretensten Anklagen gegen die Juden gehört der Vorwurf, daß sie alle mit schwerer Arbeit verbundenen Gewerbe meiden und nur leichteu Gewinn, darunter mit besonderer Vorliebe de» angeblich so überaus lucrativen Handel und das Geldgeschäft suchen. Man rückt zum Zwecke der Bewei-sührung mit dem schweren Geschützt der statistischen Daten, dieser modernsten Waffe, ins Feld und zieht dann Schlüsse auf Charakteraulagen, Fähigkeiten und Neigungen der Juden. — Dabei kümmert man sich herzlich wenig darum, wie die- Alles geworden und wie vian de» Juden durch eine jahrtausendalte, konsequente Gesetzgebung alle anderen Erwerbszweige verboten und ihnen derart im Kampfe um da» Dasein, diese Fähigkeiten und Neigungen ausgenöthigt hat. Das jüdische Volk war während der ganzen Dauer seiner staatlichen Unabhängigkeit wesentlich ein ackerbautreibendes, aus dieser Grundlage baut« sich seine Gesetzgebung und erblühten seine religiösen Feste, — während der auswärtige Handel von den Phöniziern besorgt wurde. Nachdem die