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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 34. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 34.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 163 Senator«, (EfttPtwn, Grasen unb Fürsten, Grandseigneur« und Besitzer von großen Ländereien mögen ihr« Aristo krat»- Hände aus dt« Steve legen, wo ein Her» uermuthet wird, und aufxichtig antworten: Die Anden. Wer schafft Käufer für Gettetd« und Land»«produktt, wer taust ste selbst, wer schafft Eapltall» au« dem Ausland«, um die zahlreich» Produkte an Ort und Stell« zu bezahlen? Wer beschafft die Fuhrwerke, die Säcke und Emballagen, um die La »de« Produkte nach den Eisenbahnstationen zu bringen? Wer expedirt die Waaren nach den Handelscenlren und tzaienstädlen? Wer exportirt Lptritu». Zucker rc. rc. Antwort: Nur die Juden Während der Grandseigneur in den ruffischen Club» oder gar im Auslände bei den Karlen und ähnlichen nützlichen Sachen da« russische Geld vrrdusten läßt und seine auf den Gütern zurückgelaffenen Bevollmächtigten sich bereichern, arbeitet ver ruffische Jude bei Tag und Nacht, um den geringen Unterhalt für seine Familie zu verdienen und für die Tage de« herannahenden Alter« zu sparen und verdient im ganzen Jahre kauvi da«jenige, wa« der Grandseigneur an einem Abend verjubelt. Durch diese« anstrengende Arbeiten für seine Familie verwe-.thet der ruffische Jude zugleich di« Lande«- produkt« der Bauern und Besitzer und schafft die Balance gegen da« Geldoerschwenden der Graudfeigneur« und da» SichdereichelN von deren Bevollmächtigten. »Die Juden exploitiren die andere ruffische Bevölkerung" war die Parole zu ihrer Plünderung und Verfolgung. Rach einer so brillanten Ernte, wie sie Rußland zuletzt gehabt hat und von einer in Aussicht stehenden sehr guten, vielleicht noch befferen Ernte, müßten jetzt täglich viele hundert Waggon« Getreide in die einzelnen Hafenstädte ankommen, während thatsächlich kaum der fünfte Theii davon ankömmt. Wo bleibt der Rest? Antwort: Die Juden wollen die ruffisch« Bevölkerung nicht mehr explottiren, geben kein Geld, schaffen kein« Fuhrwerke, Säcke, Käufer rc. und: da« Gatreid« verfault theil« auf den Gütern, theii« wird r« von den Mäusen »«rfreffen. Da» ist dt« erste Abzahlung für di« Judenverfolgung in Rußland, die größer« Heimzahlung erfolgt vor und nach der dieöjähngen Ernte. Welchen Einfluß da» jetzige Sichfernhalten der Juden von Geschäften für den Handel in ruffischen Lande«pr»dukt» und deren Export nach sich ziehen wird, kann nur derjenige deurlheUen, der ruffische VeryäUniffe genau kennt. Selbst diejenigen jüdischen Händler, welch« auch fernerhin da« Geschäft betreiben wollen, werden nicht mehr wie früher im Stande sein, auöwärtig« Sapitaliften zu bewegen, viel Geld nach Rußland vorher zu senden. »n« Mangel an Sapital, an der nöthige« Intelligenz und a» Lust zur Arbeit Seiten« der Producenten dürfte rin großer Theil der künftigen Ernten in Rußl«nd nicht mehr an di« Märkte kommen und für immer verloren gehen. Berichte und Correspoadenze«. Dentschlnnd. Gkugbebur». Der Aufsatz de» Herrn Pros. Dr. Sirack gegen die Blutdeschnldigung ist erschienen und liegt un« vor. Der Raum gestattet un« nicht, dies« gründlich« wissenschaftlich« Widerlegung in dieser Nr. schon vollständig zu bringen; wir geben hier di« einleitenden allgemeinen Sätze, und behalten un» vor in nächster Rr. «inen größeren Au-zug daran« mitzutheilen. Herr Pros. Strack schreibt: Mette: Men lügt »eru aus dt« Leut«; darum glaub« »tcht Alle«, MM bu Mrft. »Strach 19, ls). Der Tod eine« ungarischen Mädchen«, Esther Saiymoffl. und da« rächselhaite verschwinden chre« Leichnam« erregen nicht nur in Ungar», sondern auch «eit Über die Grenzen diese« Laude« {Statt« große«, täglich wachsende« Aussehen. E» ist Grund zu fürchten, daß die erregt» Leidenschaften der Menge sich tu blutig» oder doch gewaltsamen, den Ehristenuam» schändenden Thal» Luft machen «erden. Da ist t» mir Pflicht, da« Meiuige zur Aufklärung und dmutt zur Beruhigung zu thuu, indem ich durch vermtttluna diese« in unserer Geistlichkeit so viel gelesenen Blatte« Ander» da« Material biete, durch welche« st« in weiter» Kreis» belehrend und deruhig»d wirken können. Al« zwetsello« darf angenommen werden, daß Esther Solymoffi ermordet ist, sowie daß eine Mehrzahl von Person» nicht nur bei der Verbergung de« Thäter«, beziehungsweise der Thäter, sondern auch bei der Fortschaffung der Spuren de« Verbrechen« betheiligt ist. Gewichtig« Anzeichen, (wir bemerken, daß un« nur Zeitung»nachrichl«n zur Verfügung stehen) sprechen dafür, daß diese verbrechen ganz odcr theilweise von Juden verübt sind. Speziell wird der Llabbiner Rosenberg de« Mitwirken» bei der erwähnten schweren Htzhlerei beschuldigt. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange. Sie wird init Eifer geführt und sie wird, io hoffen wir. Erfolg Hab». Selbstverständlich beabsichtigen wir nicht, ihr irgendwie vorzu« greif». Eine einzeln« Anklage aber, wrlch« man auf Grund der That und angeblicher oder wirklicher Zeugenaussagen nicht sowohl gegen die Judenschast, als gegen die jüdische Religion erbebt, darf und muß schon jetzt um der Wahrheit und de« Frieden« willen (Sacharja 8,,.) zurückgewiesen werden: die Beschuldigung, daß Esther Soiymffi von Juden „zu vitu« ellen Zweck»", Manch« setzen sogar hinzu, „in der Synagoge", getödtet, „geschlachtet" worden sei. „Da» llsteckßt zur Ablegung eine« Zeugniffe» in dieser Angelegenheit nehme ich au« meiner langjährigen eiageh»dm Beschäftigung auch mit der nachbibiischen jüdischen Literatur und au« meiner Bekanntschaft mit jüdischen Sitten und Gebräuchen. Die Pflicht resultirt für mich au« der Ueberzeugung, daß dies« Beschuldigung »eicht wahr sein könne, «ech 9mm nicht wachr fet, wenn sie t»on zwei »der drei Zeugen beschn»»re« »»erde» s»llte, und au« der darau» sich sittlich erg«b»den Slothwendigkrit, di« fiilfchltch Beschuldigte« zu vertheidigen." Berlin, 17. August. Der soziale ReichSverein veranstaltete gestern seine zweite große Volksversammlung auf dem Berliner Bock. Herr Ur. Henri« sprach daselbst vor etwa 1500 Personen über „Die Macht de« Judenthum»". Selbstverständlich mußte da« „Bintegelgeschiecht" der au« Rußland vertriebtuen Juden wieder herhalten, die Krankheiten ioiportirtm und im Gänsemarsch an der kgl. Eharitä vorüberzögen. „Diese fremdländischcn Bummler ziehen, um nicht so sehr aufzufall». ihren Kaftan etwa« in die Höhe, damit sie nicht darauftreten " Die Sozialdemokraten, meint l»r. Henrik» ferner, müßten die Spitze ihrer ganzen Arbeit gegen da» Judeothum richten und, wie die Antisemiten, nicht eher ruhen, al« dt» der letzte Jude mit den» Bündel ans dem Rücken Deutschland aus immer verlaffe» habe. (Ungeheurer Beifall.) Denn da« sei da« Endziehi der Jud» »trage: Wie schaffen wir di« Juden au« Deutschland heran«? (Huudsrtstimmiger Ruf: ,'raus!" Bestall und Heiterke»t..> Wenn Fürst Bisnmrck di« bekannte Petition auch nicht beontwortel habe, wa» mau ihm sehr Übel nehme, so wolle man doch ausharren ini Kampfe Fanatiker sein und bleiben aber „kühl bi« an« Herz hinan". (Bravo.) Man werde mit dem Kepf gegen die Wand rennen bi« er berste, dazu sei der germanische Schädel auch dick genug. (Beifall.) Haben wir da« Joch der Römer, da« J«ch der Franzosen abgeschüttelt, so werden wir auch die Ketten brechen, welch« da« Judeuthum un« hat schmieden wall». (Lebhafter Beifall und nicht end«nwoll»de HochSauf Dir. Heurici.) In der Di«kuffion ergreift zunächst ein Herr Müller da« Wort, um die „Judenpreffe" zu charafteristr». Uuoerl'chSmtheil sei die Flagge, unter der sie segle, Schamlosigkeit ihr Panier. Da Herr Müller „Phi!»iog" zu sein behauptet. muß sein« Sprache auch „klassisch" sein: Jndcujuag», di« noch nicht trock» hinter d» Ohven seien, bekämpf» in ihren Blättern die Politik eine« Bi-marck; solchen Redakteur» müsse man Ei»« hinter die „Löffel" hauen, anstatt ihre nicht«-

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