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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Ver»We nnl «e»e-e Rachrichte«. Berli». Lin christlicher Kaufmann hat« sich «tt einer Jüdin verlobt und den Akt gerichtlich feststellt» lassen. In de« Dokument war eine Lonventionalstrase von SO,000 Mark festgesetzt, welch« der schuldige Thetl »u zahlen habe, fall« die Verlobung nu» einem gesetzlichen Lrund« rückgängig werden sollte. Um ihren isterlobtea zu erfreuen, war di« Braut ngch s«ch»mo«atlteher Vorbereitung bei einem Gastlichen zum Lhrtstenthum übergetrrien und überraschte den Bräutigam am letzten WeihnachtSheiltgenabend mit dieser Mtlthetlung unter dem Ächtsbaum. Doch der Bräutigam, der inzwischen eine Partie" gefunden hatte, macht« darauf hin die Verlobung rückgängig und klagte di« 90,000 Mark Lonventionalstrafe ein- Tenn Retigion«wechfel ist ein gesetzlicher Grund, der Verlöbnisse rückgängig gemacht. Der Richter mutzte dem Kläger dt« 00,000 Mark zusprechen. (Line t Heu re Taufe! Wer wird nun der getauften Braut sich erbarmen?) Berit». Die „Ostend - Zeitung" theilt mit, datz bereit» drei ihrer ungarischen Berichte über den Fall von TiSza- L»zlar zu Antlagen resp. gerichtlichen Vernehmungen ihre« Redakteur« geführt haben. Haunever. Die interimistische Verwaltung der hiesigen LandrÄbinatSgeschäfte hat die Regierung dem benachbarten Landrabbiner Vr. Guttmann überirogen. Erfurt. Unser Rabbiner 1>e. Caro hat sich schlietzlich dennoch entschlossen, die Rabbinerstelle in Pilsen zum 1. Oktober anzunehmen- Hier wird sein Fortgang sehr bedauert. Würztzirg. (Or.-Eorr.) E« verdient in Ihrer „Wochenschrift" regiftrirt zu werden, datz zur Feier de» Universität«» jubiläum» der Rabbiner gleich den Vertretern der beiden christl. Confesiionen zur offiziellen The'lnahme eingeladen. und der jüd. Festgott-Sdienst neben dem christlichen auf dem Festprogramm au'geführt war. Die Synagoge feierte da« Jubiläum durch Psalmen und Predigt. Lomft, 27. Juni. Nachdem die Wahlperiode der bisherigen Beigeordneten I)r.*von Zagrodzki abgelaufen, wurde der bitherige Stadtverordneten-Vorsteher Kaufmann Moritz Lohn für die nächsten 6 Jahre zum Beigeordneten hiesiger Stadt von der Stadtverordneten Versammlung gewählt, von der königlichen Regierung zu Posen bestätigt, und am 23. d- M. durch den Magistratsdirigenten Bürgermeister Seidel in fein Amt eingeführt und verpflichtet. Petz. Die Voruntersuchung über dar Verschwinden der Esther Salymoffy ist nunmehr geschlossen, und der untcrsi.chung«richterliche Bescheid durch den königlichen Gerichtshof in seinem ganzen Umsange acceptirt worden. Gegen die drei Schächter Salomo» Schwarz, Leopold Adolf Brau» und Abraham Buxbaum ist im Sinne des § 278 des ungarischen Strafgesetzbuchs die Anklage wegen unmittelbar verübten Mordes, beziehungsweise wegen der direkten Teilnahme an demselben erhoben, und «ine Anzahl anderer Personen ist wegen Vorschubleistung zum Verbrechen und absichtlicher Irreführung der Behörden in Anklagezustand versetzt. Sobald die Verhandlungen über die räthselhafte Affaire ihren Anfang genonimen haben, werden wir au«führlich darüber berichten. 8. Bubutzest. (Or.-Eorr.) Die TiSza- ESzlarer Affaire wirkt noch immn deprimirend auf di« gelammte Judeuschaft Ungern«. zumal d« e« der antisemitischen Partei endlich auch gelungen ist. einen nicht gar judenfreundltchen Richter dort Sitz und Stimme zu verschaffen. Letzterem aber ging r» kürzlich nicht am Besten; er erlaubte sich nämlich aus eigene Faust, um 12.-Uhr Mitternacht« in das Arrestlokal zu begeben und dort 2 ringesperrt« J«raeliten rasch vom Schlafe zu «rwecken und fett* in Verhör zu nehmen. Diese Heldeuthat wurde vom Verthetdiger LödveS dem Oberstaatsanwalt angezeigt, worauf dieser eifrige Richter vneu derben Berweiä erhielt mit de« Bemerken, so er >•# nochmal« wagen sollte, ohne erngeholteLrlaubnitz in di« Räume de« Kerker« einzndringeu, er seine» Posten« »athoben «erben wird. — Und so Ist zwischen de« Richter »nd Staatsanwalt eine Dt»har«ont« etngetreten, »a« zur tinurtgen Hoffnung berechtigt, datz dt« Sach« zu ihrem End« rrinltat nicht so bald kommen dürste, und dt« armen Dettnq ernten noch laug« im Kerker schmachten werden müssen. Brodtz. Bier wird nun der auf der Wiener Sonserenz a ffatzte Beschlutz, di« hier noch weilenden russ. Flüchtlinge nach SAtzland zurückzusenden, und fle mit Geld au» dem gesamnelten Unterftützung«fond« zu versehen, damit st« in der Hei. n ath eine neu« Existenz begründen können. Rutzlaud- Rach der Ernte bi« Nachlese. Einzelnnglück, einzelne Rohheiten, einzeln« Gutthaten füllen di« Spalten uiserer Zeitungen Daneben wird für ober wider d>« Eolrntsatton gekämpft, und nicht unmöglich ist'«, datz die dabei entwickelten Theorien die Keime zu geistigen Kämpfen entsa.» ten. Au« Wolotschtk wird gemeldet, datz die PodwolotscziSker „Ehaffidim" die Austreibung der russ. Juden au» Galizien von der Regierung erbeten haben, uin den Grenzhan» tut allein zu behalten. Sie sollen dabei die antisemitischen Schlagwörter (-Exploitation" rc.) ganz gemüthlich gebraucht hc-ben. Segen diesen Unfug haben gebildete Juden energisch piotestirt Die Brände find unzählig. Am 17. Juli Kopi« sö»ak (5 Judenhäuser), am 18.: Maakerllt (bei Echedlttz) ganz, am IS.: Sakelow (80 Judenhäuser), am 20.: Wüko» w,«ti (70 Häuser), am 24.: WitebSk (4 Häuser), in Baresawka brennt'» unaufhörlich, 28. Juni: Dissna (700 Häuser, alle Synagogen und Bote Midrasch). 23. Juli: Rivziwil (3S0 Häuser, 8 Bote Midrasch). — In Bielz (vesiarabien) hat dir Regierung sich bereit erklärt, unverzinsliche Darlehen zum Liederausbau der niedergebrannten Geoäude zu geben. vitedSk, 5. Jul» Gestern Nacht versuchte eine Bande Ruhestörungen heroorzurusea. Die Polizei schritt energisch ei» und machte dem Unwesen ein Ende. 14 wurden oer» hastet und schon um 12 Uhr Mi.iagS mit 3—«wöchentlicher Haft bestraft. — Einer der im vorigen Jahre nach Anierika Ausgewanderten hat schon seine Eltern Nachkommen lassen. Gothenbnrg. 6. August. (Or.-Corr.) Anfang« Juni brachten auch die hiesigen Zeitungen einen u. A. von oen R''ichStagrabge"rdnetkn Dr. Hedlund und Dr. Dirks on, den Mitgiiede der Academie L>r. Rydderg, dem Rabbiner und dem Präse» de« Vorstandes unserer Gemeind« unterzeich« ne:en Aufruf zur Unterstützung der russisch-jüt>. Flüchtlinge. D rrch die hierauf veranstaltete Sammlung kam die Summe von ca. 16000 Mark (14213 Kronen 50 Oere) zusammen, di« dem „Eentralcomit^ in Berlin" zugesandt wurde. Feuilleton. A«s dem Leben eines Autodidakten. «on A. M. (Fortsetzung.) Da stand er zerschmettert, vernichtet, auf der Stratze. Der letzte Strahl war erblichen, der letzte erwärmend« Funke v« -löscht, ringsum nur Dunkelheit und Oede. Er rannte nach Hcuse, warf sich auf sein ärmliche« Lager und weinte wie ein Kiad. Doch nicht lange, bald sprang er in di« Höhs, er mutzte etwa« thun, irgend etwa«, um dem Wahnsinn zu ent» gelien. Er zählt« seinen Geldoorrath, e» waren nur noch we« nige Gulden vorhanden und diese gehörten dem Wirth«. Seine Rcchnung zahlen und, wie von den Furien getrieben, aberma!« aus die Stratze stürzen, war da« Werk eine» Augenblicke«. Er wollte Steinklopfer, Tagelöhner, wa« immer «erden, nur nicht Schuldenmacher oder Bettler. Aber ein Blick auf seine» schwächlichen Körperbau reicht« hin, um den Erfolg diese» ver« zweifelten Ringeu» mit der hereinbrechenden Roth vorher«»» besttmmeu. Allerwärt« wurde er, bald mitleidig, bald roh abgewiesen. — Run war aber auch die letzte Kraft gebrochen. > Ei» Tag um den andern schwand dahin, ein Stück nach dem auiieren seine» dürftigen Besitz«» wandert« in die Trtdlerbud«, bi» er da» letzte »tt stumpfer Gleichgültigkeit de« hungrigen

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