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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 33. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 33.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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- 359 - MoloL in bttt Nachen aenorfen und nun, stieren, thrtnenlo« se« Blicke«, von den eiserne» Krallen de« Elend« sich um» klammert sah. Tine« Abend« schlich er, der einst so verhätschelt«, hungerig «nd frierend durch di» hellerleuchteten, von Menschen wimmelnden Straßen der Residenz. Die funkelnd« Pracht der Juwelen in den Auslagen, da« sinnverwirrend« Wagengeraffel, da« Drängen und Stoßen heiterer Theaterbesucher, die allent. halbe» fühlbar« Earnevalostimmung bildeten einen so bitteren Gegensatz zu seiner schmeizlich empfundenen Verlassenheit, daß er zürnend den großen Pulsadern de« hauptstädtischen Gewühle» den Rücken kehrte und plan- und ziellos einer entlegenen Vorstadt znsteuerte. Dort, wo im dunkeln Gäßchen di« Prolelariat mit seinem Gefolge von Hunger und Kälte nistet, überlegt« er, an einem Laternenpsahl gelehnt, ob er, der «S nie über sich bringen konnte, die Hand bittend einem Reichen hinzuhalten, ob er einen Armen, einen LeideaSgenoffen. der der hohläugigen Misere alltäglich in'» Antlitz schauet, um da» vrudertheil eine« Stückchen Brod angehen sollte. Der Hunger that gar weh, schon wollte er mit zitternder Hand an da» nieder« Fenster eine« kleinen, windschiefen Hause» klopfen, al« «in älterer Herr, in einen Soldatenmantel gehüllt schnell aus ihn zuschritt, und ihn bat, da er in der fremden Vorstadt, in der Dunkelheit, sich nicht zurecht fänoe, ihm au» dem Gewirr kleiner Gaffen, einen Ausweg zu weisen .Mit Vergnügen sagte Magnu«, schnell bereit zu freundlicher Dienstleistung, und halb für sich fügte er. mit trübem Lächeln, hinzu: .Ach, wenn e» nur so leicht wäre, au» dem Labyrinth verwirrender Lel>«n»rathsel, dunkler, böser Gedanken einen Au-gang zu finden " Die Worte, der Ton. die reine, vom Wienerischen Dialekte unberührte Aussprache, ein gewiffe» Etwa» in der Haltung de» fichtlmr der äußersten Armuth Anheimgesallenen, scappirte» den Fremden drrmaße», daß er stehen blieb; ein Blick in da« bleiche, abgehärmte Gesicht veranlaßte ihn zur theilnehmenden Frage: .Wer sind Sie eigentlich und war machen Sie hier allein, in diesem unheimlichen Stapto>ertel?" — „Ich bin ein Fremdling in dieser Stadt, ein Paria in der menschlichen Gesellschaft und möchte doch zum Nutzen und Frommen derselben." sagte er mit bitterem Humor, „ein Problem lösen, um da» sich bis nun. meine» Wissen», noch Niemand gekümmert, — das Problem, wie lange der menschliche OrganXmu« dem Anstürmen von Hunger und Kälte widerstehen kann, ohne zu unterliegen. Und ist die» auf die Minute au-gerechnet, so wird die Gesellschaft wiffen, wie lange sie zögern darf, ehe sie den verschmachtenden zu Hülse zu kommen hat." Verwundert blickte der im Militärrock abermals in die leidenden Züge de« Sprekhenden und verstohlen ein Goldstück in seine Hand drückend, bat er ihn. morgen, in den Frühstunden, unter angegebener Adresse, ihn auszusuchen Tag« darauf stand Magnu» vor dem Portal einer PalaiSartigen Behausung, in eine der schönsten Straßen der Residenz. Nur dir eigenhändig vom Fremden geschriebene Adresse vermochte den ansang» mißtrauisch dreinschauenden Portier, ihm den Weg in da« Innere de» Hause» zu weisen, wo er, immer vermittelst de» geschriebenen Sesam, alle Thüren sich offne« und von Lackeien zu Lackein, endlich voin Kammerdiener in da» Privatkabinel de» Herrn sich befördert sah. Beläudt von dem unerivarteten Anblick ver aus jedem Schritt »V73j »»««Htch« «nrtm |<l)m entgegentretenden. gediegenen Pracht,' stand ü'jinK Inftrt (a billigsten Preis«» bei reellster Bedienung tzCnmAkbaoo»»» in Franksurt Buchhandlung MnOor feiner elegant autgefiaUtttr [>974 Gratulationskarten p'i> ’JBMt uroll"nd,-urrn w-6 »eisende« Cuf verlangen geult» und fe«»e« Frankfurt a/M. sßolbr. in «roßor Au«wntzl. W. T«pll«**aky, <E*ln a «h. Jsr. Töckter-Penstonal u. höhere Anlerrichlsailstalt, > gegründet 1861 . j von Fran Direktor Thtrei« Ci mm»«. Berlin, 3n Ni Zolim 13, »on Witt« September ab: Hindorsin Straße 3, am »onigsplatz. Aufnahme v. Zögliiigen. Prospekte auf Wunsch, Einig« Pocanze» s. junge Mids eben z. Sriernung d. HauShatte», fremder Vpra- , wen u. Musik. rrmSiigt. Preis. [2SSb , er zögernd am Eingang de« Zimmer» und merkte c» nicht einmal, al« die entgegengesetzte Tapetenthür geräuschlos aufging und der verirrte von fester» auf ihn zukam. Erst al« er, deffen hohe Gestalt, mit ihren feinen, aristokratischen Formen und der Ehrfurcht heischenden Haltung, lm hellen Tageslichte sich deutlicher adhob, die Hand auf sein« Schulter legte und mit freundlichem Kopfnicken ihn begrüßte, erwachte er Halbweg« au» seinem traumhaften Zustand und folgt« mechanisch der herablassenden Handbewegung, die Ihn zum Sitzen einlud. Der Herr selbst nahm den bereitstehenden Fauteuil vor dem Pulte ein, und behaglich sich zurechtrückend, begann er lächelnd: .Ehe wir weiter gehen, muß eine gegenseitige Vorstellung stattfinden. Ich bin Gras Z.. General de» —ten Infanterie-Regiment« — und jetzt habe ich auch ein Recht zu fragen, wen ich vor mir habe?" — Magnu« nannte leise vor- und Zuname. — „Gut, damit ist e» aber nicht abgethan. Um eiuem Menschen näher zu treten, ist e« durchau» unerläßlich, etwa» von seinem vorleb:» zu wissen Wollen Eie mir vorangehen, oder muß ich auch hier den Anfang machen?" Bor diesem Tone gewinnender, soldatischer Biederkeit, vor diesem offenen Wesen, schwand jede Scheu und Schüchternheit, wie die Eiskruste vor dem warmen Blick der Sonne schmilzt. Da» kindliche, hingebende vertrauen, der Grundzug in Magnu»' Eharakter, der durch die Gewalt störender Verhältnisse nieoergehalten, doch nie ganz unterdrückt ward, trat jetzt unbehindert in den Vordergrund. Schlicht und einfach, wie er gefragt wurde, berichtete er von seinen ersten Studien, seinem späteren abweichenden Entwickelung-gang, von den Resormplänen, di« ihn beschäftigten, selbst von seinen letzten Erlebnissen in der Heimath, die ihn zur Flucht gezwungen halten. Zum Berständniß der Sachlage war e» geboten, die socialen Zustände, da» Eoterietreiben seiner Vaterstadt, den Panheihader und deffen Motive näher zu beleuchten; und mit der ihm eigenthümlichen, in seiner Besonderheit begründeten Mischung von ruhig-erwägendeni Verstände und leidenschaftlicher Empfindung, bezeichnet« er geiviise Mißstände, al» Wirkungen vorangegangencr Ursache», al» logisch nothwendige Eonsequenzen gegebener Bedingungen, die er aber nichtsdestowenigei., in demselben Atbemzuge, mit glühendem Eifer und Wahrbeit«- sinn geißelte und brandmarkte. Der Gras blickte erstaune in da» vom Feuer der Begeisterung geröthete Angesicht de« Redenden, und indem er neugierig, an der Hand de« Erzähler«, ein ihm ganz unbekannte» Terrain betrat, gewann er allmählich die Ueberzeugung. daß der ihm den Einblick in die fremde Sphäre gewährte, ihm auch gleichzeitig eine ganz aparte Individualität enthüllte. Die Gediegenheit und den Umfang dieser von innen herau» wachsenden, organisch entfalteten Geistesgebilde» konnte er freilich mehr in dunkeln Umrissen ahnen, al» deutlich erkennen; aber auch die» genügt«, um eine Idee, die während der Erzählung in ihm angeregt wurde, zum Entschlüsse reifen zu lassen. Der Graf war Wittwer, Vater einer einzigen Tochter und zweier halberwachsener Söhne. Für den Unterricht der Letzten hatte der bisherige Hauslehrer sich al» unzulänglich erwiesen. Diese zufällig vacante Mentorstclle bot er, kurz resolvirt, dem Zeugniß- und Heimathlosen an. (Fortsetzung folgt.) DUCKT in großer Auswahl. Frankfurt a>«. J. Buchhandlung. sionat und höhere Töchterschule von Frau Dr. Levernon, Hann«vor, rtziorcartrnftra»« 4. , Aufnahme oon Jbglingen zu jeder steit. Allhere« durch Prospekt«. [7416) r

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