Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 33.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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uk« gesät den nattonÄen Rechtttitel der Jude« etwa» atchaben. Unsere NattonalUät soll un» niemal» »nr Schande gereichen, wenn wir ihre Gesetz«, ihre erhabenen Trvditionen auch gegenllber ve» Richtjuden zur wolle» Weitung bringen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft müsse» bei un» Juden in stetem Zusammenhang« sei« wie die e«igeu Flu» then der Meere. Der Rückblick in die Vergangenheit, der Hinblick auf di« unsterbUchen Erscheinungen in unserer Geschichte und deren Heroen gewähren uns Math und Au»daurr für die Zukunft. Wir haben gelebt und geduldet wie kein anderer Volk auf Erden, wir werden leben und dulden, bi» der Sieg fich auf unser« Seit« neigt. Aber die Gegenwart, al» die Schwelle der Zukunft, darf nicht mehr so unvernünftig verrinnen. Die Gegenwart hat die heiligst« Pflicht, un» für eine würdige Zukunft vorzubereiten. Den Jndifferentitmu« in jüdischen Sachen sollen wir au» unseren Herzen bannen. Zurück zu den Folianten unserer jüdischen Literaturschätze, zurück zur ausgespeicherten Weisheit, -welch« von den edelsten Geistern unsere» Volke» gesammelt wurde. Sin Jude hat eben mehr Lernpflicht al« der Nichtjude. Er muß zuerst sein Nationalstudium und da» weltlich« Wisse» in sich ausgenommen haben. Wir könnten mit Daten dienen, denen gemäß sich darthut, daß Männer, welche an dem Buche der Bücher auserzogen, ihren Verstand an den radbinischen Schriften geschärft haben, in kurzer Zeit Ueberrafchende» und Hervorragende» auch auf dem Gebiete der nichtjüdischen Literatur in der Kunst und Wiffenschaft geleistet haben. Der Jude soll aber kein einseitiger Gelehrter sein. Di« jüdische Wiffenschaft muß ihr« Renaisenc« feiern. Die jüdischen Gelehrten sollen von ihren Brüdern nicht wie Bettler, sondern wie Fürsten im Reich« der Gedanken ausgezeichnet behandelt und auf chie ehrenhafteste Mise gestützt und gefördert werden. Demgemäß wäre ein Kongreß aller bestehenden Repräsentanten der Judenheit einzuberufen, um diesen Gedanken vor ihr Forum zu bringen und zum Beschluffe zu erheben. Ein solcher Kongreß wäre auch der Welt gegenüber ein vernehmliches Zeugniß der Solidarität der Juden der ganzen Welt und ein Eentralorgan für alle Eventualitäten geschaffen. Die Juden müssen eingedenk ihrer brüderlichen Zusammengehörigte'! Ue Einheit im Innern herzustellen suchen. Wa« die Wiener jüd. Gemeinde anbelangt, so hat dieselbe mit gutem Beispiele voranzugehen. Die Wiener Gemeinderepräsentanz recrutirt sich wohl au» den reichsten und angesehensten Männern dieser Gemeinde, di« unter allen Umständen unsere Ächtung verdienen, allein die oberste jüdisch« Behörde einer Gemeinde solle wohl au» Männern zusammengesetzt sein, di« auch jüdische Intelligenz besitzen, da» ist ein Grundsatz, welcher durch Jahrtausende in Israel festgehalten und nur seit mehreren Dezennien fallen gelassen wurde zum großen Schaden de« Judenthum». Da« wesentlich« wurde zum Unwesentlichen, da» Unwesentliche zum Wesentlichen gestempelt. Ueberall Hohlheit und Form, nirgend« Inhalt. Da» Hebräische, di« jüd. Wiffenschaft wurde au» dem Religionsunterrichte gestrichen und die jüdisch« Jugend hat dadurch ihren ganzen jüdischen Halt verloren; man hörl e» au» dem Munde halbreifer Gymnasiasten und Realschüler, daß sie Deutsche sind und mit dem Judenthum nicht» gemein haben wollen. E» müffen eigen« Schulen für da« jüdisch« Wffsen errichtet, welch«, nach Klaffen eivgetheilt, de» Lehrstoff der Volksschule und Mittelschule pflegen. S» müssen ferner durch Stipendien die Liebe und der Eifer »um jüdischen Studium geweckt werden. Die unnütz« Zeitvergeudung mit der vibellektüre in deutscher Uebersetzung muß dem gründlichen Nlnttkrichte in de« hebräischen Urtexte Platz machen. Da« [ ethische Moment, da» Beseeligende der jüdischen Religion, : ergiebt sich an der Hand der Urbibel viel eindringlicher nnd geht bei richtiger Benutzung de» Stoffe« viel leichter zu Äe-! müthe, al» die Katechetik der modernen Religion«macher. j Wir schließen unsere Epistel, die nicht vom blinden Eifer i de» Zeloti»mu», sondern vom nüchternen Standpunkte de» Judrnthum» diktirt ist — mit dem Wunsche, daß da« antise- I mitisch« Bist anregend auf unsere Glaubensbrüder wirke, auf daß sie von ihrer inneren und äußeren Krankheit geheilt werden und zu einem neuen hoffnuug»oolleu Leben sich auf- ' raffen. Einig nach innen, stark nach außen. Die jüdische Gemeinde fttiro’i. I Die jüdische Gemeinde Kairo'« ist nächst der Alexandrien« > wahrscheinlich die älteste Egypten». Die alte Synagoge ■nu rroja — Synagoge Djudjar — wird von dem alten arabischen Schriftsteller Makrizi beschrieben. Nach ihm reicht ihr Altcr hinauf bi« auf den Propheten Elia den TiSbiten. Man mag di« Angaben dieser Tradition für übertrieben halten, , so steht doch fest, daß die Synagoge Alschammijin — V'SKSPH — nach einer über ihrem Hauptportale befindlichen Inschrift erbaut wurde: im 33G. Jahre nach dem Tod« Alexanderde» Großen, 45 Jahre vor der Zerstörung de» 2. Tempel» durch Titu» und GOO Jahre vor der Hedjirah (der Flucht) Mahomed». Ja dieser Synagoge soll auch — nebenbei bemerkt — die Tharorolle aufbewahrt worden sein, welche E»ra Wort für Wort geschrieben hat. Sei dem nun auch, wie ihm wolle, die Tradition beweist wenigstendie alte Ansiedelung der Juden. In früheren Zeiten scheint Kairo nicht f «eniger al» 10 Synagogen gehabt zu haben Makrizi nennt I 3 karattische, 3 rabbinische und 1 samaritanische» Bethau». . In späteren Tagen scheinen nur 3 Synagogen bestanden zu ' haben und zwar eine für jeden der beiden Theile, nach denen sich die Juden sonderten, die schon genannte Synagoge I Alschammijin für die syrischen und die Synagoge Alyxackin I für die babylonischen Juden. Beide Theile waren in ritueller , Beziehung in manchen Punkten verschieden. So hatten die . Babylonier von jeher den einjährige», die Syrer dagegen den dreijährigen Kyclu» beim Porlesen der Thora, l Die jüdische Gemeind« Kairo'» übte eine Oberhoheit über l alle andern Egypten« au». Von ihr wurden deren Vorleser, I Lehrer und Rabbiner ernannt. Ihre Seelenzahl belief sich; gewöhnlich zwischen 3 und 4000, selten mehr al» die letztere und selten weniger al» die »rstcre Zahl. Ihre Geschichte I erinnert an den gewöhnlichen Wechsel, dem unsere Nation - stet« und überall unterworfen war. Ruhigen und glücklichen Zeiten folgten plötzlich die heftigsten Verfolgungen. Die Re» I gierung El-Hakim'« war besonder» eine unglückliche für »den I Ueberresl der Gefangenschaft" ii» Kairo zu nennen. Sein; Nachfolger, Razir, war toleranter, bi» er durch eine Gesandt- I schüft vom Sultan von Marocco anderen Sinne« gemacht wurde. Dein Vorurtheil und Beispiel diese« Fürsten folgend, der vorgab, von einigen Nicht-Mohamedanern beleidigt worden zu sein, wurden di« alten Edicte gegen die Juden erneuert und e» folgten bald Niedermetzelungen unschuldige» Volke», Verwüstung der Häuser, Zerstörung der Synagogen. Di« jetzt al» halbe Ruine noch vorhandene Moschee Jl-Hakim könnte manche Geschichte von Judenverfolgungen erzählen, und der Okalet-el<djllah d. t. der Lentralsklavenmarkt, tönte gar oft wieder vom Jammergeschrei jüdischer Mütter, wenn dies« den letzte» Blick warfen aus ihr« hilflosen Töchter, die mau von ihrem Herzen, au» ihre» Armen geriffe», um al» bedauern»«