Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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vpferstocke« mit btn Worten |t> verabschiede«: .Zur Deckung der Unkosten, »ein« Herren!" — Dt« Almosen stoffen reich' sich; denn der große Kcklabreser de« Herr« Rnppel, verstärk! durch mehrere andere sociale Kopfbedeckungen wie« bet seiner Entleeruna «in Sümmchen von 'SS Mark und einig« Groschen ans. »>u«* für di« gut« Sache", murmelt« der unberufene Kaffirer, al« er den g'.Li« »enden Geldhaufen allmählich in di« unergründltchen Taschen »einer Unaussprechliche« gleiten ließ; doch er sollt« die Rechnung ohne den wirth gemacht haben, denn der wirkliche Schatzmeister fordert« alsbald i« Verein mit andern Vorstandsmitgliedern gebieterisch den Mammon z.-rück, da zunächst .die TageSkosten" zu decken seien, vergeblich wies der .freiwillig" (9000) abgetretene ReichStagSkandtdat darauf hin, daß die Versammlung seinen Antrag, .SO,000 Ti«za.E»zlarer Flugblätter drucken und gratis ver» theilen lasten zu wollen" angenommen und da« Resultat der Kollekte zu diesen« Zureck« bestimmt habe. Sein SlrLuben half ihm nicht«. .Flugblätter", erwiderte man, .sollen allerding» gedruckt «verden, — nur nicht in der Offizin der .Ostend-Zeitung". Al« schließlich, wie immer in Geldsachen, die Semüthlichkeit auszuhören drohte, mußte sich der soziale Reichshäuptling Nr. Henrici selbst in« Mittel legen, um dem strebsamen Drucker die veure wieder abzujagen. Diesem blieb denn auch nach gegenseitigem Austausch der üblichen Höffigkeiten nicht« andere« übrig, al« die im Schweiße feinet Angesicht« gesammelten Nickelstücke, die in seiner Tasche kaum warm genrorden, «weder an« Licht zu ziehen. Rach dieser schmerzlichen Operation verließ der Gemaßregelte mürrisch unt> ohne Lebewohl die ungastlichen Räume de«chr«stlich-sozialen Klubhauses. Ob aber auf „Ninimerwieders.hen", hat er nicht gesagt. Verli», S. August. „Unsere jüdisihen Mitbürger." s, lautete da« neue Thema eine« alten Vorträge«, welchen Herr Df. Henrici gestern Abend vor au«verkauftem Hause zun« «Vesten gab. Wie sonst, mußte auch gestern wieder die Mähr von den Morden zu jüdisch-rituellen Zwecken herhalten, m« die Versammelten mit mehr oder weniger Erfolg aus einige Stunden angenehm zu unterhalten „Die Juden zapfen un» da« Blut ab, nachdem sie einen wirthschastlich-rituellen Schnitt an unfern« Volkskörper vorgenommen," ist der erst« zündende Ausspruch, den der Redner unter donnerndein Apvlau« de« Auditorium« in der Einleitung vom Stap-.l läßt. .Me nian einen fremden Leichnam in die Kleider dir Esther Solyinosty hüllte, so versucht man heute durch eil e schlau eingesäveite Politik den« deutsche» Michel Sand in di« Augen zu streuen: Die Fortschrittler wollen beioeisen, daß sie der Juden nicht bedürfen und daher jüdische (Saudidaten weder für den Landtag noch für die Stadtverorinetenversammlung ausftellen. Durch solche Manipulation«» lasten wir un« nicht täuschen, wir, die erdrückende Majorität de« deutschen Volke«, aller anständigen Leute. Mögen Judet» knechte, wie Vtrchow, Richter, Hänel und wie die ganz« Gesellschaft heißt, die ein so versumpfte« Geschlecht von Deutschen au»macht, die vergessen haben, daß sie deutsche Brüdrr haben, niag diese Gesellschaft, au» der, wie Strohmann ri<?- ttg sagt, Sumpfmia«nien steigen, immerhin tokrtttren mit den« fremden Geschlecht, da« nicht« weiter w«ll al« un» wirtscha t> ltch und viklleicht auch körperlich schachten, — wir «verdrn auf diesen Küver nicht andeißen l" Dir« war der zweite A»«- ruf, der sreuetischen Jubel hervorrtef. Am packendsten wir! te dt« Parole:»Wählt nur Antisemiten! Alle« Ander« ist «in Verrath an unfern« Vaterland«, ein verrath an unseii» Volke!" So g«ng e» weiter bi« zu der Prophezeiung: .In Deutschland, ja, da ist allerdings Platz iür alle vertriebenen Juden: denn anr haben rin Gesetz, welche« g«ftat:et «n« abzuschlachten; da« hat un« die Partei gegeben, dt« l>ie Frechheit hat, sich Fortschrttt«par'.ei zu nennen! Aber der T»g ist nicht «nehr fern, wo di« Juden ihr Bündel schnüren müffen, wo «» mit tti König« Namen unterzeichnet steht: Di« Juden haben Deutschiaud mit dem heutigen Tag« zu verlaffeal" — Nachdem Herr Vr. Henrici Schmähdriese zitirt, dt« er erhalte« habe« »iS, u. s. »., sagt er zu« Schluß, daß die Antisemiten aus.der wacht stände«, da« deutsch« Kntserthum zu schützen gegen da« verrottete Judenthum .bi« zum letzten Athemzuge. (Sie lang«' «och. wird dt, Polizei solche« Unfug in der Hauptstadt dulden k) wetz. Der Mainzer .J«raeltt" hat die hiesig« Gemeind« heftig angegriffen und ihr vorgeworfen — und zwar etwa« sehr poai kvstum, — daß sie den 2« jüd. Soldaten der Garnison am Pestach Koschereffen veriveigett und höhnend den darum Bittenden gerathen habe, sich da« Esten von Hause schicken zu lasten. Der Sekretair der Gemeindekommiffion, di« mit der Peffachverpflegung der Soldaten betraut ist. Herr Elle Lambert constatirt dagegen im .Arch. i»r.", daß, «vährend vor der Annexion höchste.«» lü—20, in diesem Jahre 10S jüd. Soldate.» dort w«re>«. Die jüd. Gemeinde dagegen hat inzwischen mehr al« die Hälfte und zivar die vermögendste Hä'fte 'hier Mitglieder verloren. DeSivegen wandte der Rabbiner sich a.« dea General - Gouverneur« (wie die« ja auch an v elen Orten De»tschland« üblich ist. Red.) mit der Bitte, den jüdischen Soldaten am Pestach Urlaub in die Hrimath za ge'ien. damit der Gemeind« die religiöse Pflicht nicht zur unerträglichen Last werde. So wurden in diesem Jahre 58 beurlaubt. Von de» Zurückbleibenden wurde der Rachvci« der A.muth e.ngesordert, da man bemerkt hatte, daß selbst Wohlhabende es für richtig gesunden halten, diese Wohithat der Gemeinde a. -..«nehmen. Ein Einziger hat da« bez. Att-ft gebracht. Bei den Anderen hat man sich mit der «nündlichen Versicherung begnüsi, uni so sind 18 auf Kosten der Gemcinde getpeist warnen, d. h. Alle, «veiche sich ge- «neldet haben von de» übrigen 27 scheint kein kleiner Theil religiös indifferent sein! (Un« wun rer. der verkehrte Eifer de« .Jtraelit". Mainz a'S Garnison^stadt sollte dein Herrn Redakteur doch genügcnde Beimise geliciert haben, wie gar manche vom Peffachefien hiniveg, in die Bierwirthschaftea gehen, um dort da« ersparte Me.iagegeld zu verjubeln! Ueberhaupt, warum Pr stach allein? Enlivedcr Ihr gründet einen Verein, der in allen Gar.riionstäsle.r den jüo. Soldaten da« ganze Jahr hindurch für da« Menagegeld koscheres Este» in die Ka fernen liefert — die einzelne» Gemeinden habe« in den meisten Fällen nicht die nöthige.« Mittel — oder man verzichte daraus, die da» ganze Jahr hindurch Tresa - Estenden an« Pestach «n streng rituell-sromme Juden umzuwandeln. Daß hier rn: daraus steht, genirt jene Herren sehr weirig. ebensowenig wie die Entweihung de« Jou« kippur. ©ir haben überhaupt in dieier Beziehung hier in Magdeburg eigenthümliche Erfahrungen gemacht. Wir halten vor 15 Jahren beim hiesigen Gouverneur für die jüd. Soldaten die Erlaubniß erwirkt, jeden 4. Sadbath vormittag» vom Dienste frei zu sein, um dem Gottesdienst beiwohnen zu bürten; zweidreimal kommen sie, dann blieben sie au»; Die Richterschienenen anzeigen, — wie von der Militärbehörde verlangt wurdt — wollten wir nicht, so verstel di« ganz« Institution. Wir deschränkten un« bann darauf, zu sämintlichei« Feiertagen un« Befreiung der jüd. Soldaten von jedem Militärdienst rinzukominen, da« Gouvernement bewilligte e« bereitwillig, — sogar den Rüst tag de« Pestach und de» Jom kippur —, da mußte man'« erleben, daß bei einer diesbezügliihei« Mitkheilung (beim Appell) einige jüd. Freiwillige hervottraten un crklätten, daß sie von der Erlaubniß keinen Gebrauch mache« wollten, der Militärdienst gehe ihnen vor Gottesdienst! Warum sollten auch die meist ohne Religionsunterricht ausgwachsenen jüd. Söhne unserer moderne» Inden im Milttärrock frömmer sein, al» mit der Elle und Scheere in der Hand und der Feder hinter dem Ohre? Wir verwende« un» sottan nur für diejenigen, denen e« wirklich daran liegt, die Festtage religiö« zu begehe» und nicht blo« die Festjpetfen, Wein und MazzeklüSchen zu genießen. Red.) Ar«»kretch. Pari«. Au» den vefchlüfien und Berathungen de» Eonsistorium« im ersten Halbjahre 1582 fei erwähnt: 1) da«