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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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247 — Heiden vielleicht unverständlich« Redensart, wonach dt« Christen sich für Linen Leib und Gliedei in Christ» erklärten, di« ander« Beschuldigungen herbeigesUhrl haben mögen." Jq, noch «ehr. Die orthodoxen Christen wollten da« Schwert de« Verfolger« auf di« ketzerischen christlichen Seiten htnlenken, darum beschuldigten sie diese, daß sie jene schändlichen und fabelhaften Handlungen wirklich begingen. Im vierten Jahrhunderte versichert un« der heiligt Epiphaniu«, daß einige ihrer (gnottischen) Secten gewohnt waren, die in ihrem unzüchtigen fleischlichen Umgänge gedornen Linder jn lobten, mit Spezereien zuzuberriten und zu verspeisen. Die Häretiker «icherum wälzten gern die Beschuldigungen aus die Orthodoxe« zurück x." (Lecky a. a. O. S. 363). — Glauben wohl Jstoczy und seine antisemitischen Genossen, daß die Christen der ersten 4 Jahrhunderte, mögen sie Orthodoxe oder Häretiker gewesen sein, solche schändlichen Handlungen begangen haben? Wir Juden glauben e» nicht, und hoffentlich werden jene keine schlechteren Begriffe von den Christen haben wollen a!« wir. Aber daß im Judenihum unsittliche Bräuche Vorkommen, da« glauben sie, wenigsten« geben sie sich einen solchen Anschein, obgleich da« Judenthum weder Dogmen noch Bräuche hat, die in Dunkel gehüllt find, also durchaus kein« Veranlassung zu eineni so schmählichen Glauben bietet. Nehmen wir da« Mazzoth-Gebot. Ein jede» Schulkind kennt den Grund diese« Gebot». Die Israeliten wurden um dies« Zeit von dem Cclavenjoche der Egypter befreit, und da sie in Eilfertigkeit auSzogen, konnten ne ihren Teig nicht säuern lassen, sie atzen daher ungesäuertes Br»d, und zur Erinnerung an die Wohlthat, die Gott, ihr Helfer, ihren Vätern mit der Erlösung au« Egypten erwiesen hat. genirtzen noch heute die dankbaren Nachkomnien am Pesachsesle ungesäuerte» Brod, Mazzoth. lleberdie« pflegen seit undenklicher Zeit die Mazzolh bei christlichen Bäckern bereitet zu werden und Christe« dabei milzuwirken. Und so wie eS mit diesem Brauche beschaffen ist, so giedt e» im Jurenihume gar keine Bräuche, die sich in« Mystische, Dunkle, Heimliche hüllen. Wenn man die« bedenkt und dennoch Mensche» nuftretrn sieht, die ohne Veranlassung da« Judentüum unsittlicher Bräuche beschuldigen, nur um Verfolgungen herauszubeschwören, da wird man unwillkürlich an Jesaia S3 erinnert, wonach Israel Unsägliche« zu leiden und zu dulden haben, aber gerade dadurch der Zweck Gotte» gelingen werde, n^rvra '.i Darmstadt, im August 1882. M. Mannheimer. Berichte und Correspoudenzev. Deutschland. Magdeburg. Herr Professor l>r. Strack von der Universität zu Berlin hat an Herrn Ur. Jellinet, wie dieser un» mitzntheilen die Freundlichkeit hatte, solgende« Schreiben gerichtet: .Berlin W., ao. Juli 1882. Sehr geehrter Herr Doclor. Zu meinem lebhaften Beoauern wird in österreichischen und in deutschen Zeitungen, ja sogar in Volksversammlungen der Fall Esther Satymoffy immer häufiger in einer durchaus nicht zu billigenden Weise besprochen. Manch« Stimmen erklären e« kür „möglich", datz da« genannte Mädchen von Juden zu rituellen Zwecken" getödter worden sei, andere sprechen von Wahrscheinlichkeit, noch andere selbst von *) «Piptzaniut, >d». (ur lib. 1. Harr. 16. Gewißheit. Da «in« gründliche uud, Gott gebe, erfolgreich« Untersuchung im Gange ist, scheiut mir zu der Befürchtung, daß «in« Vertuschung eintreten und alle« im Sande verlaufen «erd«, kein Recht vorhanden zu sein. Daher fehlt der Presse jetzt, so lange die Untersuchung schwebt und >»och keine gerichtliche Verhandlung stattgesunden hat. jede vefugniß durch immer neue Mitcheilnngen, die au« authentischer Quell« gar nicht herrühren können, da« Publicum aufzuregen, und war um so mehr, ol« durch solche Mittheilungen der Er» olg der Untersuchung höchsten» gefährdet werden kann. Daß die ebenso grundlose, wie schreckliche Beschuldigung „zu rituellen ZwÄen" nicht wahr sein könne, ist mir seit sie anstauchte, klar gewesen: der Umstand, daß man aus Grund derselben die jüdische Religion zum Gegenstand« verwerflicher Angriffe mach:, hat mir den Anlaß gegeben, die einschlägige Literatur von neuem durchzusehen und ist dadurch meine von Anfang an gehegte Ueberzeugung lediglich bestätigt worden. Mit Rücksicht auf den unheilvollen Einfluß, welchen die in Rede stehende Beschuldigung, so lange sie nicht auch von Christen wieder zurückgenommen ist, auf die unwissende Menge auSübe» kann und bereit» ausübt, habe ich mich für verpflichtet erachtet, da« Resultat meiner Studien in einem Aufsatz« niederzulegcn, welcher in einer der nächsten Nummern der jetzt von Prof. Vr. Otto Zückler in Greis«w.'^e herauSgegebenen .Evangelischen Lirchenzeitung" erscheinen wird. Ich werde Ihnen den Artikel seiner Zeit zusenden, wollte Sie aber schon jetzt nieine Ansicht über die erwähnte Anklage wiffen lassen. Mit hochachtungsvollem Grütze Ihr Ihnen sehr ergebener Dr. Hermann L Strack." Berlin, 2. August. (Or.-Corr. l Ihre Anregung betreff» des Strack'fchen Artikel» für den Gemeindebund ist von Wichtigkeit, da der Fall Solomoffy ungeheu-ren Zündstoff auch für Berlin enthält. Nur bezweifle ich, daß der Gern. Bund jetzt einiritt. Der Vorsitz mde ist z. Zeit in Larlrbad, und der Sekretär hat lediglich subalternen Dienst. Warum Professor Lazaru« noch nicht« hierüber von Stapel gelassen, ist unbegreiflich; da« „Decembercoinit6" hat zu solchen Abwehrzwecken noch Gelb liegen. Jn nächster Woche erscheint endlich da« erste hiesige Heft der .Miltheilungcn". Dasselbe enthält aber lediglich den Bericht über den Gemeindetag vom Februar. Eine Gemeinde ist leider ausgetreten. Die mit Aufwand von sianzlisten rc. betriebene .Statistik" liegt bei der Negierung, fix und fertig und beim Gem. Bund kan»'» noch viele Jahre dauern und Unsummen Geineinse-Geld verschliiigen, ehe sie zu Stande kommt. Ob der Gein.-Bund seine jetzige Haupiidee, Centralbehörde der Juoen Preutzen« zu werden bei der Regierung durchsetzen wird, und nach unten behaupten kann, ist die Frage. Vom Eentralconritä ist nicht« Neue« zu melden, e» wird adgewickelt. Er sind diese Woche ca. 2&0 russ. Flüchtlinge, theil» an» Amerika, theil« au« London zurückkommend, nach Rutzland repatrilrt worden. Datz im VerpflegungScoinitä bereit« ein Raum für die Unterbringung von ca. 4» sechsjährigen Lindern au« Brody fertig ist, wiffen Eie wohl. Später soll ein eigene» Asyl in Blanko w entstehen. Die Beiliner Reiche» setiren aber noch vorläufig den Parfisal — Erlösungsblech — und die junge» Herren fahren spazieren. Auch da« BerpflegungScomitL machte eine Landpartie nach «chulzendorf zum Besten der Flüchtlinge.*) Berlil«. „Mit dem Hute in der Hand, kommt man durch'« ganze Land," — schreibt di« .Vottszeit." — mochte der Buchdrucker Ruppel denken, al« er vor Lurzenl mit enlblötztem Scheitel an der Au«gang»psorle de« chrifttichsocialen Vereiiiihause« Posto faßte, um die Mitglieder de« socialen Reichsverein« unter krampfhafter Bewegung de» improvisirten -> Li» un« mit|ft»riU »irt, ist im D-p»l Langet an Kleidun««» fttttfai I»r «Lnner un» Lei»m«Iche jeder »r, (fttt «dimer. Frauen und Kinder) »ingetreten. Die Sammlungen sin» alto tirtzujetzen un» Sendungen an Herr« Sigt«mun» Simmel, Berlin, HeUig«- -eistsirage >1 zu richten.

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