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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 32. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 32.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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n-"-,’ '»-■^’yr'.TiyynjfPwp«. — 2-tÜ.— V t der gekommen war da« Licht der Erkenntnis auch unter die Heiden zu verbreiten und da« Lute zu fördern, ohne jedoch im Sinne der Kirche un« zu ihm'zu bekennen und von dem reinen Monothcitma», von dem Bckenntniß de« Linzig-Einen, abzuweichen. — Anderseit» haben auch di« Christen im «llgenieinen eine bessere Ansicht vom Judenthum sich zu eigen gemacht und viele der früheren Borurtheile gegen dasselbe abgelegt. Diese« kan» man tagtäglich von gebildeten und ungehildeteir Christel: wahrnehmen. Insbesondere ist in neuerer Zeit gar manchevon einem aus dem Boden christlicher Gläubigkeit stehende« Theologen verfaßte» Werk erschienen, in welchem die jüdische Lehre in einem so schönen Lichte darg.ftellt wurde, wie diefrüher nie geschehen ist. Ich erinnert hier nur an die »Theologie de» Allen Testament»' von Professor O e h l e r (Tübingen 1873, i Bände). Ich bal* auderselben iw meinem Buch«: »Da- Gebetbuch und der Religion«unterricht' X. auf L. 37 zwei Citate aufgesührt, auS welchen zur Genüge ersichtlich ist, wie Herr Prosesior Oehler bestrebt war. den dem Judenthum« früher geuiachten Borwurs, als forrere e« von seinen Bekeuncrn nur Gesetzesgerechtigkeit. aber keine Glaubensgerechtigkeit, nur Loyalität, aber nicht Moralität, mit schlagenden Gründen zurückzuweisen. Wie erstaunlich und höchst betrül>«nd zugleich mußte eS daher erscheinet», al» einige Judenfeind« sich erdreisteten, die dunkle TiSzr-Eßlar-Affaire dazu zu benutze», um das alte Märchen, als ob die Juden für cultuelle Zwecke des Blute», gar de» M e n s ch e n- resp. C h r i st e nblutes bedürfen, wiederum auszufrischen und den» Judenthum; einen Makel anzukleben. Denn gesetzt, der Schächter habe wirklich da- Mädchen ermordet — wa» könnten hierfür die andern Juden? E» ist jo statistisch bewiesen, daß 'eine Moidthat, von einem Inder verübt, zu den größten Seltenheiten gehört, und die Antise miten werden sich wohl hüten, dem jüdischen Charakter Mord - sucht oder Blutdurst oindicire» zu wollen. Allein demungeachtel könnten die Juden nicht solidarisch dafür hafte», daß nicht ein Mörder unter ihnen erstehe. *) Da» wäre Sache der Unmöglich - Ccit. Und angenommen, der Schächter habe sich eingebildet und et unternommen, da« Blut de» Mädchen« für cultuelle Zwecke vei - «enden zu wollen, so konnte er die» nur im Zustande der Verrück!« heü und de« Wahnsinne» gethan haben **), wobei es noch immer ein psychologische« Räthsel bleibt, wie innerhalb de» Judenthumt, wo di« Borstellungen „Blut' und „cultuelle Zwecke' himnielweit von einander getrennt sind, Jemand zu einer solchen vei» kehrten falschen Jdeenassociation gelangen konnte. Die Religion hat den Juden hinsichtlich de» Blute« in Zucht genommen, sie hc t hm sogar den Genuß de« t hie rischen Blute» verboten, so daß er gegen diese» einen angeborenen tiefen Abscheu und Widerwillen empfindet, um wie vielmehr gegen M r n s ch e» b l u 1. Und gi.t nicht im Judrnthume der Grundsatz ganz allgemein: Mai ns3 rrrajr .n-aya »Ei» Gebot, da» Jemand durch Uebertreturg eine« Verbot» erfüllt, wird selbst zu einer Berbot-übertretur g und Sünde? Wenn z. B. Jemand Mchl stiehlt, sich Ma>» zoth darau« bereitet, sie am Pessach ißt, um da» Gebot ti» Mazzothefsen« zu erfüllen, so venoandelt sich ihm die Gebot»» *) Sn denkt hierbei nicht an de» Antwort jmil |Ut. junt Aicht» platz geführten Delinquent«», dem »er tttdet da» „tz«»p hepp Jud ■" «nchrief »Staubt Ihr denn, dag der Satge« nur für di» Christ»« allein da ist» ,««,.) •*) Bit glauben, so «errllrkt kan» gar kein Jud« sei». (Mtk.) erfüllung in Verbot-Übertretung, in Sünde. Umwievielmehr, wenn er «in göttl. Gebot durch ein« Rordthat zu erfüllen gedächte Siebt e« wohl eine« Juden, der nicht wüßte, daß der Mord da« grüßte Verbrechen kn? Nicht nur in dem auf Sinai verkündeten Zehngebot ist er verboten, wozu al« Ergänzung die gleich nachherfolgende Vorschrift tritt: »wer einen Mensche» i erschlägt, soll getövtet werden'; sondern sein Verbot wird auch unter den Noachidischen Gesetzen ausgezählt, so daß e» al« ein Weitgesetz erscheint Rur ein Wahnsinniger *) konnte möglicherweise ans de» Gedanken kommen, mit dem Blute eine» von ihm Ermoroeten einen cultuelle» Zweck zu erfüllen, da« Judenthum ist unschuldig daran. — Wenden wir uns nun zu den am 10. Juni c. im ungarischen Reichstag staltgefundenen hieraus lezüglichen Verhandlungen. Ein Redner, dessen Name mir entfallen, wie» die Judenfeinde mit Recht aut die Hexenoerbrennung der früheren Jahrhunderte hin. Denn wenn dieselben jenem im 14. Jahrhundert ans« gekommenen Märchen Glauben schenkte», so inüßten sie folg.« richtig auch glauben, daß den mehr al» 50.000 Frauen, die al» Hexen den Feuertod erlitte», kein Unrecht geschehen sei. daß sie wirklich Hexe» waren. Letztere», sügc ich hinzu, müßte ihnen uin so glaubhafter sein, al» bei de» Meisten e>n ordentliche» christliche» Verfahren stattgesunden, viele Tausende unter der Folter und auch Viele au» freiem Antriebe da» Geständniß gemacht haben, sie feien mit dem Teufel verschworen. hätten ein geheimes Bündniß mit ihm geschlossen, Buhlschaften mit ihm getrieben rc. Die Antisemiten werden sich wohl schäme», öffentlich nur vorzugebe», daß sie der, wenn auch amtlich bewusenen Hexerei Glauben schenken; aber dem Judenthum einen unverdienten Makel anzuhesten, dafür besitzen sie kein Schamgefühl. — UebrigenS hätte der wahrheitsliebende Redner im ungarischen Reichstage bei der Sache selbst, also bet der Bluibeschuldigung, bleiben können, um von ihr au« die Böswilligkeit und Absurdität der Antisemiten darzulegen. Denn die Bluibeschuldigung war ja »ifprünglich nicht gegen die Juden, sondern gegen die Christen gerichtet. Schon im ersten Jahrhundert nach Entstehung de« Christenthum» wurden in Alexandrien seiten« der Heiden schweie Beschuldigungen gegen di« Sittlichkeit der Christen crhoben, die sich später in Rom sortsetzten und einige Jahrhunderte lang erhielten. Man beschuldigte sie. daß sie bei ihren geheimen Versammlungen di« au»schwcise»dsten Orgien feierten, Meuschenfteisch genöffen und nach Verlöschung der Lichter i» Unzuch: und Blutschande schwelgten. Diesen Verleumdungen, sagt Lecky in seiner »Sittengeschichte Enropa'«' B. l S. 361, leistete der Kirche dadurch Vorschub, daß sie den Nichtgetausten alle Kenntniß von einigen der mystischen Dogmen vorenthiell und wenigsten« rinnt ihrer Bräuche in große Dunkelheit hüllte. Dunkle Gerücht« über die Abendmahl»feier, zu der bloß getaufte Christen zugelaffen wurden, und die der Priester weder den Katechumene», noch den Laien erklären durste, waren dem Anscheine »ach die Beranlaflung zur Beschuldigung de» Kannibali-mu»; «ährend die Agapen oder LiebeSmahle, die Ceremonie de« LiebeStuffe» und die eigenthümlich«, den Westen rrttgilser Wahnsinn s»hi, ist, deineift un« »in vrtspiel. da« in Shkel'S Geschichte de« ersten kkrenzzu,»« «. SOI »rMli wie», da« dt« volkSmenq» einen «beeisende« dringen »rfchlnqen wollt». um sein« Gebeine al« segnend«, Besitz in »er G>,dt ,u erhalten.

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