Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 32.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wenn wir auch, nachdem schon seil einer Reihe »an Jahren — wie die» von öffentlichen Blätter», und »war ieider uni Recht, fortwährend behauptet wurde — ein« schlimme Perlaumdungöära in manchen civtlisirten Staaten angebrochen ist und unterhalten wird, in der di« verschiedenen Parteien, Klassen und Stünde sich gegenseitig verdächtigen und der Schädigung de« Gemeinwohles bezichtigen, nicht» Andere» erwarten konaien, al« daß auch aus dte Juden, diesen ollen Prageiknabe». mancher «ohlgrsührte Hieb niedersallen würde, und in diesem allgemein entbrannten Jntereffrnkampie nicht bio» ihre poltttsch« und bürgerlich« Gesinnung, sondern auch überhaupt ihr Thun und lieiben. ihr Handel und Wandel weide geschmäht, verdächtigt und verunglimpft werdrn: so haben wir un» dennoch der Hoffnung hingegeben, daß in unserer aufgeklärten Zeit, nachdem Philosophie und Ratursorschung »ine ganz andere Mllanschauung geschaffen und die glühten Denker und edelsten Geister schon seit dem 17. Jahrhundert mit größter Eindringlichkeit zur!oleranz und Humanität stet» ausgesordert, e» keinen ctvilistrt sich nennenden Staat geben «erde, in welcheni Christen aufstehen könnten, die sich nicht entdlödeteu, da« Judenthum, d. h. diejenige Rtttgion, au« welcher da« Christenthum hervorgegingen, zu schmähen, tzeradzuwürdigen und ihm unfittitch« Bräuche auzudichten. In dieser Hoffnung, bah man wenigsten« di« jüdisch« Religion in Ruhe laffe« »erb«, bestärkte un» folgender Umstund. I« Mittelalter pflegten di« Ehrinen von Zett zu Zeit dir Juden im Ramen und Aus trage Jesu zu »erfolgen und zu martern, auszutreiden und zu tüdte«; und indem diese jenen glaubte», daß Jesu wirklich die» befohlen habe, konnte I «» auch nicht fehlen, dah sie in ihm «inen Abtrünnigen erblick- I len, der ausgestanden wäre, um sein« eigenen Glaub«n»genossen, in deren Mitte er ausgewachsen und in deren Schulen er seine Bildung erlangt hatte, mit Feuer und Schwert von seinen Anhängern auörotten zu laffen, und daher Schimpf und Spott aus seinen Ramen häuften. Mit dem Evangelium gänzlich unbekannt, erfuhren sie von seiner Lehre nur da», wa» ihnen ihre Gegner in entstellter 'Weite davon mittheilten. Die» ist j-tzt ander« geworden. Wir kennen di« Evingelien und ihre allmählich« Entstehung, wissen auch zu unterscheidtn zwi. scheu der ursprünglichen Lehr« Jesu und dem, wa» man im Laus« brr Zett in sie hineingetragen und au» ihr gemacht hat. Ai« man (Matth,!1!1, a«—40) Jesu« tragt«: Meister, welche» ist da» vornehmste Gebot im Gesetze! antwortete er: »Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott von ganzem Herzen rc." Die» ist da« vornehmste und grüht« Gebot. Da» ander« ist dem gleich: »Du sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst." In diesen zwei Geboten hanget da» Gesetz und die Piophete». — Wir sehen also, bei Beantwortung dieser HSchstwichtigen Frage fußte er aus den Pentateuch: den ersten Ber« cilirle er au« d. Mos. V. «. und den zweiten au» 3. Mos. 1», 18. — Und die ander« bekannte Stelle (Matth. 7, 12): »Alle« wa« ihr wollt, daß euch die Leute thun sollen da» thut ihr ihnen" sprach er au« im Sinne und Geist« der Schul« Hillel« (Gamaliel»), der, al« ihn ein Heid« bat, er möchte ihm da« Gesetz tn wenigen Worten lehren, zur Antwort gab: »Wa« Dir verhaßt ist, da« thue auch Deine« Nächsten nicht; dte« ist da» Gesetz, alle» Uebrige ist Erklärung. Geh« hin und lerne es." — Selbstverständlich erkennen wir demgemäß in Jesu, abgesehen von der Frag«, ob er nicht zunächst sei«« Miffion. darin erblickte, da« jüdische Volk von der gotttvidrigen Macht der Römer zu befreien, einen Gotte»bot«n,