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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 31. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 31.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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249 aulaffen uni, von dem Streite Notiz zu nehme». Wir hielten e» bi«her als den höchsten Vorzug der Union, daß in ihren Grenzen die nationalen Schranken kein« Existenzberechtigung haben, di« verschiedenfarbigen Schlagbäume, die in Europa Volk von Volk, Stamm von Stamm trennen, dort keinen Loden finden Wir trauten darum kaum unseren Augen, all wir lasen, wie man bestrebt ist. so ein paar europäische Schlagbäumchen nach dem freien Boden Amerika's zu tmportiren. Etwas anderes ist el doch nicht, wenn man über die Srößere oder geringere Bedeutung der Inden aus Deutschland, sngland, Frankreich rc biKutirt! Wir müssen rt freilich dem „American Jsraelitc* überlassen, den Beweis für seine Behauptung zu bringen, daß in der jüngsten Zeit Deutschland wenig Werthvalle« für die jüdische Wissenschaft gegenüber den Leistungen in Paris, Oxford, Eambridge, Amsterdam und Leyden geliefert habe, und wir tragen gerechte Zweifel, daß er ihm gelingen werde. Kana er ihn aber liefern, so versprechen wir, den Lorbeer einem der genannten Länder neidlos reichen zu sehen. Wir freuen uns des Guten, wo sich'» auch zeigt, genießen der Blume Dns», ohne erst zu fragen, aus welchem Boden sie gewachsen. Sollten unsere amerikanischen Eolleginnen bei ihrer Polemik nicht auch diesen Standpunkt einnehmen können? Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Wis wir erfahren, beabsichtigt Herr Dr. Strack, Professor an der Beiliner Universität, einer der bedeutendsten Nenner der orientalischen Literatur, angeregt durch den Fall Esther Solymossy, demnächst eine streng wissenschastlich« Widerlegung der verwerstichen Blutbeschulbigungsmythe zu veröffentlichen. Wir n.achen ganz besonder« den Ausschuß des D. I. Gemeindebunde» hieraus ausmerksam, damit er behufs größtmöglicher Verbreitung jener Widerlegung sich mrl dem hochgeehrten Autor resp. Verleger baldigst in Verbindung setze. Berlin, 3». Juli. »Der Geheime Kommerzienrath Louis Reichenheim ist gestern nach kurzem Leiden im 77. Lebensjahre in E m s verschieden. Neben seinen geschäftlichen Fähigkeiten trat ganz besonder» der Wohlthätigkeittsinn de» Verstorbene» hervor. Deiselbe gehört« zu den Mitbegründer» des hiesigen „Reichenheim'schen 4vaisenhauses* und war Mitglied des Aeltesten - Kollegiums der Kaufmannschaft. In der Berliner Bürgerschaft und Gemeind« ist dem Verstorbenen da» ehrendste Andenken gesichert. — Sanitätsraty Dr. Bär, Bezirks-Physilu« und Oberarzt an dein Strafgefängniß zu Plotzensre, eine Autorität auf dem Gebiete der durch Trunksucht verursachten sanitären und sozialen Schäden, ist von der „American Anaoeiuiion lur the Cure of Inebrimc*“ zum Ehrenmitglied ernannt worden. Ans dem Hannovkk'schrn erhielten mir folgende Zuschrift: „Für Ihre Entgegnung aus die Beschiinpsung de» sel.!>r. Meyer im „Israelit" sprechen Ihnen verbinplichen Dank aus mehrere Schüler des sel. LandrabbineiS* Wir beincrken bei dieser Gelegenheit, daß der Anrschuß de» Deutsch Jsr. Gemeindebundes die „Miltheil ung* über daehrende Andenken, das derselbe dem Selige» in der Sitzung vom 19. Juli geweiht, auch dem „Israelit* zum Abdruck übersandt hat. Diese« Blatt bringt'» unter den „Inseraten* in kleinster Druckschrift. — Also: beschimpft wird im redaktionellen Theil, womöglich mit Feltschrist, Ehrende« wird in Petit auf der Jnseratenseite zwischen „koscher Restauration* und „ekelhaften Krankheiten* abgedruckt. Wozu sendet man auch solchen Blättern erst die „Miltheilung?* Sarburg. Zum Generalrath für den Bezirk ist der Notar Herr Julius Leoy mit 1500 gegen OOOStimnie» gewählt worden. Leyden. Die >uristische Facuilät der hies. Universität hat dem 8luck. S. Simon« von, Haag für die beste Lösung der im Jahre 1881 ausgeschriebenen Preisfrage die goldene Medaille verliehen. Wie». Die auf den 20. Juli hier anberaumt grwesene tHonferenz von Delegirttu der verschiedene» Hauptcomitü's in Solchen der russischen Flüchtlinge ist auf den 2. August vertagt worden. — Herr Makower, der Vorsitzende des Berliner Ciomltä'*, war vor. Woche in Broby, um etwa »0 der russischen Kinder auszusuchen, die au« der Veretnskasse in kjerlin erzogen werden sollen. Wien. Es verdient bemerkt zu werden, daß die Schwester U» Ritters v. Schönerer 500 Gulden für die ruff. Juden gespendet hat. Krakau, 12. Juli. Hier sind etwa 15 jüdische Familien lammt Frauen und Kindern aus Egypten angekommen. Dieselben (Galizianrr) wurde» von Alexandrien di» hierher aus Kosten der österreichischen Regierung befördert; sie erzählen, tmtz die Rettung österreichischer Unterthane» in Alexandrien nur der Energie und Vorsicht des österreichischen General- «ioiisul« zu verdanken sei. Die Flüchtlinge sind hier aus Kosten der hiesigen israelitischen Eultu«gemeinde >» Privatvohnungen untergebracht. An« Lemberg meldet man der „Pol. Eorr.*, daß die aus Rußland flüchtig gewordenen und nach Amerika ausgearanderien Juden, da sie sich in ihren Er,vartungen getäuscht sihen, wieder nach Galizien zurückzustrorae» beginnen, daß an 100 derselbrn bereits zurückgekehrt sind und eine noch größere Zahl ihre Rückkehr angezeigt Hai. Dieselben iverden mit den anderen noch in Galizien weilenden Flüchtlingen auf gleichem Fuße behandelt und, ungeachtet ihrer Abneigung dagegen, zumeist nach Rußland zurückgesandt werden. F«t»skircheu. Unser Rabbiner l)r. Kohut hat einen ehrenden Rnf nach Großwardein erhalten und angenommen. Nhiregtzhaza, 29. Juli. Soeben publizirte der Untersuchungsrichter über die abgeschlossenen Borerhebniigen die Verfügung, wonach gegen sämmtliche zehn de» an der Esther Lolymossy begangenen Mordes Beschuldigten die Einleitung der Untersuchung und die Fortdauer der .Haft angeordnet wird. Desgleichen wird die Untersuchung auch gegen die de« Leichenschmuggel« Beschuldigte» unter Ausrechtha'.tung der Hast wegen Vorschubleistung verfügt, dagegen das Verfahren gegen viel weitere Personen, einen totaler und zwei marinaroser Juden, eingestkllt. Die Lrtzeren wurden sofort entlassen. Die Motivirung berust sich aus cie aufgenommenen ProlokoUe, beziehungsweise Aussagen, ohne deren Jnhalt^nizusühre», und ist den Vertheidigern auch weiterhin Einsichtnahme in die Akten nicht gestattet. Petersburg, 22. Juli. Der Verwaltung der russischen Südwestbahnen ist gemeldet worden, daß da» Eonutü für Auswanderung der Jude» in Brooy beschlossen habe, sechstausend Juden nach Rußland zurückzuschick-n und zwar sollen täglich vierhundert beiördert weroen. — Die Zeitung „Sarja* behauptet, daß die Polizei im Kreise Kanew die Bauern aufgesordert habe, die jüdischen Schankwirih« zu vertreiben, welche« auch vor zwei -Wochen geschah. Balta. Da» hiesige Kriegsgericht Hit einen Angeklagten wegen Todtschlag. begangen bei Gelegenheit der Judenhetze», zum Tode durch den Strang und drei wegen Plünderung zu 15 Jahre» Zwangsarbeit verurtheilt. Damaskus. Unter 882 gewerbtreibenden Juden hier sind 050 Handwerker und nnr 275 Kaufleute und Krämer. Au» Tripolis, 29. Juli, wird lelegraphirt, daß unter der dortigen maltesische» und jüdischen Bevölkerung lebhafte Befürchtungen herrschten. Die Eousuln suchten die errreglen Gemüther zu beruhigen und der Gouverneur habe erklärt, j für Aufrechterhaltung der Ruhe einzuftehen.

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