Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — mttfl«, und aus dies« Weis« anderthalb Milliouen Franc« vergeuden, ohne der Sache näher gerückt zu sein, «mt die österreichisch« Regierung, «eich« auf eine Räumung vrody'« dringt, die« nicht selbst durch eine summarische Au«weisung bewerkstelligt. Die« wäre wirkllch ein nicht« weniger al« ehrenvolle« Ende, wenn wir «ach den vielen Lonferenzen und all dem Lärm da« Schicksal der Tausende von Verbannten nur noch verschlimmert hätten. Wir müssen un« also an'« Werk machen, ohne Zeit zu verlieren. Da« erste, wa« wir thun sollten, wäre un« genau Rechenschaft über unsere Ressourcen zu geben, und wenn solche nicht an«reichen. sie zu ergänzen zu suchen. Jede« Comilü würde an einem gewissen Tag«, die Ziffer der Summe, über die e« gebietet, seststellen, die Verbindlichkeiten abgerechnet, die e» übernommen haben sollte. Di« Gesammtsumme würde dann da« Kapital de« gemeinschaftlichen Werke« bilden. Zu gleicher Zeit müßte jede« der groben Hilföcomit6« einen mit Vollmacht zu versehenden Delegirten ernennen, der dem Hauptcomitä in Vrody beiwohne und die Wahl und Besürderung der Emigranten in letzter Instanz bestimme. Diese Operation würde nur wenige Tage beanspruch.»», denn di« Materialien dazu sind ber.it, und die Ausführung selbst könnte ein Localcomil^ übernehmen. Alle«, wa« ich hier gesehen habe, gibt mir oie Versicherung, daß man aus dessen Eifer rechnen kann. E« wären damit alle die Schwierigkeiten beseitig«, welche den verschiedenen Controllen in Lemberg, an der deutschen Grenze, in Hamburg und Liverpool anhängen; die Züge könnten von Vrody direct zu ihrem Bestimmungsorte abgehen, und die armen Menschen wären aller ihrer Äengste ledig. Ich bitte Sie, Herr Präsident, im Namen der 12,000 Unglücklichen, die ich hier vor Äugen habe, diese Vorschläge Ihren, Somit« zu unterbreiten. Wenn sie. wie ich e« hoffe, in Erwägung gezogen werden, so wäre da« Schicksal dieser armen Leute gesichert, unsere Ehre gerettet und' sür unser respectim» Vaterland vielleicht ein Contingent guter und nützlicher Bürger gewonnen. Ich bezweifle nicht, daß die Frelgebigkeit unserer Finanzgrößen uns mit hinreichenden Hilfsmilteln aurstattet, die Beispiele fehlen nicht. In diesem Falle inüßte man nur mit den Gemeinden in Unterhandlung treten und sie bitten, ihre Änlworl unverzüglich abzugeben. . . . Venezia ui. (Au« Vrody erhalten wir direct die authentische Nachricht, daß sich die Zahl der hier noch weilenden ruffischen Flüchtlinge jetzt nur noch auf ca 7000 belaufe. Red.) Au« Uuguro. Der .Egyeterte«" veröffentlicht zwei Eingaben, welche die verhafteten Juden von TiSza-ESzlar an den Gerichtshof in Nyiregyhaza gerichtet haben. In der einen Eingabe machen die Jnhastirten darauf aufmerksam, daß sie zwar bereit» zwei Monate in Untersuchungshaft seien, daß aber die Sache sich noch immer im Stadium der Vorer- Hebungen befinde und im Gegensätze zu deu gesetzlichen Bestimmungen die ordentlich« Untersuchung gegen sie noch nicht ringeleitet worden sei. Die Jnhastirten fordern daher, daß der Untersuchungsrichter angewiesen werde, gegen sie die ordentliche Untersuchung anzuordnen, oder aber, wenn zur Einleitung der Untersuchung nicht hinreichende« Material vorhanden wäre, da« Verfahren eingestellt und die Verhafteten auf freien Fuß gestellt werden. In der zweiten Eingabe wird Protest gegen die Jncorrecthell erhoben, baß bei der Ägno«cirung und Obduktion der angeschwemmten Leich« die Vertheidigung nicht hinzugezogen und gefordert, daß den Verthechiger» Einsicht in die über diese Acte ausgenommenen Protokolle gestattet werde. Pest. Zur Affaire von Ti«zla - E«zlar wird nach der „SB. A. 3/ von jüdischer Sette folgend« Version über da« Verschwinden der Esther Solymoffy mitgetheilt: An dem betreffenden Tage ging die Esther an dem vor seiner Hau«thür stehenden Schächter vorüber und verhöhnte ihn. Der Schächter, d» «her und gewattthätiger Mensch bekannt, ließ sic, Hinreißen und führt« mit voller Wucht einen Faustschlag aus den Kops de« Mädchen«, da« sofort bewußtlos zusammerbrach. Der Schächter eilte, bestürzt über dies« Folge seiner Gewiltthat, zum Rabbiner, und dieser gab ihm der Rath, dem Mädchen zur Ader zu laffen, dann werde e« wohl bald wieder zu sich kommen. Man trug nun die Le'- lole in den Tempel und dort ließ ihr der Rabbiner z».r Ader, doch ohne allen Erfolg. Da« Mädchen war tobt. Man war nun nur noch bemüht, den Leichnam zu verde.« gen. — Alle« Weitere ist bekannt." Pest. Der Judenjung«, welcher in Sachen der Esther Sol j» moffi einziger Belastung-zeuge ist, ist bekanntlich der 14jährige Sohn de« Schammeß Joses Schars. Er wird von seiner Stüfnlutter oft mißhandelt, so daß er bei einer Nichtjüdin Zuflucht u> d Schutz zu suchen sich gewöhnt hat. Dieser leistet er o-S Gänse- und Schweinehirt Dienste. Der Abgeorvnete G» ><r Onady, der in Ti«za-Eßlar wohnt uuv Anhänger Jstoczy'« ist, gehört zu den Freunden der Protektorin diese« Knaben. Da« ist rin Wink für den Untersuchungsrichter, denn Ne Frau seine« Vater« hat der Knabe 'bezichtigt, da« Blut der Ermordeten ausgesange» zu haben! Pest, 19. Juli. Au« Änlaß der Verbreitung antisen.itischer Flugschriften in vielen Gegenden de« Landes hat ixr Minister de« Innern an die Jurisdiction eine Eircular-V> rordnung erlaffen, die darauf hinweist, daß die bestehenden Gesetze und Vorschriften, betreffend die polizeiliche Beaussihtizung deS Verkaufs von Preßproducle.i durch die VerwrltungSbehörden nicht in allen Jurisdictionen mit der ersord'rliche» Pünktlichkeit und Strenge befolgt werben; auch in jü, g» ster Zeit werden allenthalben im Wege der Kolportage Karikaturen und Flugschriften verbreitet, deren itterschleiß, da sie Racenhaß gegen die Juden predige», behördlich unmöglich gestattet wordeil sein konnte. In Anbetracht deffen ord ret der Minister an, daß die obenerwähnten Gesetze und Vorschriften in Hinkunft strengsten» gehandhabt werden soll »; die EhesS der Local - Polizeibehörden seien unter persönlicher Verantwortlichkeit gehalten,!:ie Colportage der durch sie zain Verkauf nicht zugelassenen Preßproducte zu verhindern, so che Druckschriften zu confiSciren und gegen die Verbreiter lerselben vorzugehe». Die ersten Beamten der Munizipien s, >en gleichfalls unter persönlicher Verantwortlichkeit verpflich et, darauf zu achten, daß die oieSbezüglicken Gesetze und Verordnungen buch alle Organe der Jurisdictionen geoiffenl aft beobachtet werden. «rnerika. K. In jüdisch amerikanischen Blättern herrscht eben ein Streit, der den besten Gegenbeweis zu den Behauptungen und Verdächtigungen unserer Antisemiten abgiebt. ES ist ja eine bekannte Thatsache, daß die Deutschen in der neuen Welt vor allen anderen Nationen sich dein amerikanischen Volk nicht nur am leichtesten affimiliren, sonder» auch nnt Vorliebe olS Amerikaner austreten und demzufolge von ihrer Muttersprache, die ihnen doch immer noch geläufiger sein muß, als daS später erlernte Englisch, gar oft nichts mehr wiffen wollen. Es gebührt sich darum wohl hervorgehobcn zu werden, mit welcher Vorliebe die Deutschen jüdische» Glauben» sich ihrer Muttersprache im neuen Vaterlande annehm«n und dieselbe in Schule und Gotteshaus erhallen wiffen wollen. Betreffs der Schule läßt inan ihnen selbstverständlich freien Spielraum. Eie ist frei und es ist ganz allein dem Ermessen des Vater« überlaffen, welche Schule er für die Erziehung seine» Kinde« ain zweckentsprechendsten hält — eine vornehmlich deutsche oder englische. Ander« verhält er sich mit der Synagoge. Der Federkrieg, der sich zwischen dem »Zeitgeist" und dem „American JSraelite" entspannen, wird mit ziemlicher Heftigkeit geführt. Die Fehde läßt uns kalt; denn e» kann uns gleichgiltig sein, in welcher Sprache der Prediger in Amerika zu seiner Gemeinde spricht. Nur die Argumente, welche die Gegner zu ihrer gegenseitigen Rechtfertigung Vorbringen, ver»