Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Berichte und Lorrespoadcuzeu. Le»tfchUmd. Berli«. Da« in der Tt«za-E<zlarer Affaire von der .Ostend»Zeitung" herausgegebene Extrablatt, welche« vor einigen Wochen auf offener Straße und in öffentlichen Localen kolportirt wurde, hatte, wie mitgetheilt wird, den Vorsitzenden de« Borstande« der hiesigen jüdischen Gemeinde, Geheimen Kommerzienrath und Stadtrath Magnu«, veranlaßt, bei dem Herrn Minister von Putttamer vorstellig zu werden. Da« Blatt enthielt einen Bericht über die Verhandlungen de« ungarischen Reichttag» vom 23. und 24. Mai d. I. Ohne irgend welchen Antrag zu stellen, glaubte Herr Magnu« nur konstatiren zu sollen, daß au« dem offenbar tendenziös abge» iaßten Berichte die Lbstcht einer Beschimpfung der jüdischen Religion«gesellschasl klar hervorleuchlete und die Verbreitung solcher Schmähschriften in ihren Folgen bedenklich werde» könnte. Die gehässigen Schmähungen trügen den Steinpel eer Verleumdung so sehr an sich, daß sie von jedem gebildeten Menschen mit sittlicher Entrüstung zurückgewiesen werden müßten. Bedenklich erschienen dieselben jedoch gegenüber der tieserstehenden Bevölkerung. Angesicht» der Greuelthaten in einem Nachbarland« seien Verdächtigungen u.id Verlästerungen der Bekenner de» jüdischen Glauben«, ihrer Lehre und ihre« Leben« dazu angelhan, ungebildete Maffen gegen sie auszureizen und dadurch den öffentlichen Frieden Zu gesährden. In dem aus diese Vorstellung ergangenen Bescheide bemerkt der Herr Minister, daß er sich hinsichtlich der Verurtheilung .de« nach Inhalt und Form gleich verwerflichen Machwerks" in voUtomnlener Uet>«reinstimn»lng init Herrn M. befinde und auch keintSweg» die Gefahre» unterschätze, welche die Verbreitung solcher Preßrrzeugiiiffe unter de» jetzigen Verlrältniffen!»i Gefolge haben tonnte. Durchaus korrekt wäre demnach von der hiesigen Polizeibehörde insofern verfahren worden, al« dieselbe — da sie in Ermangelung des Thalbe,'lande« einschlägiger Bestimmungen de« Strafgesetzbuches nach 8 23 de« Reichs-Preßgrsetzes zil einer selbstständigen vorläufigen Beschlagnahme des Extrablattes nicht befugt war — sofort die dieferhald erforderlichen Anträge bei der königliche» LtaatSanwaltschait gestellt habe. Von letzterer ist auch, wie in dem Bescheide des Herrn Miilister« heroorgehoben wird, gegen den verantwortlichen Redakteur der .Oflend-Zeitung" Anklage w.gen Vergehens gegen § IliO des Strafgesetzbuches (öffentliche Beschimpfung bestehender RiligionSgesellschaften oder bereu Einrichlungeil und Gebräuche) erhoben uns gleichzeitig die Beschlagnahme des Extrablattes beantragt worden. — Diesin Ausführungen gegenüber dürfte die Frage wohl berechtigt sein, wie es denn möglich ist, daß trotz der Beschlagnahme des Extrablattes dasselbe »och in sehr vielen öffentlichen Läden aufliegt und vielfach »och an den ZeitungsverkaufS» Nellen seilgebolen wird. — Wir knüpfen daran noch die iveite Frage: Wie kommt e«, daß der beaufsichtigende Polizist Brandreden, wie die jüngst von Henrici im socialen ReichSvereln gehaltene, bis zu Env« mitanhörl? Sollte Herr Stadtrath Magnus nicht auch g gen diese Judenhetzerei vorstellig wert»»? Da« gesprochene 'Wort ist oft noch g.sährlicher »lg da« gedruckte. Die „Köingsb rger Harlung'fche Zeitung" läßt nch aus Berlin schreiben: Gegen derartige Skandale, ivie gegen die jüngste Brandr de Henricr'S. hat sich auch die annäudige couservalive Preffe erklärt. E» bleibt jedenfalls deinerkenSwerth, daß der Minister des Innern es jetzt öffentlich ausspricht, wie de»arlige Auswüchse doch geeignet seien, den öffenllrchrn Frieden zu gesäbrde». In B a r e r n z B. hat man von derartigen Exceffen nicht« gehört, weil dort sogleich eine Mruisterialoerfüguiig an alle Regierungen gerichtet wurden, mit allen Mrtleln die antiseinitische Bewegung »u Keime zu ersticken, während »r Preuße», speziell »r Berlin, aus alle Begrüßungen antisemitischer Versammlungen an de» Reichskanzler Dankcstelegramm« eiutrafe». — Der vom Minister von Pullkamer dem Herrn Magnus zu theil gewordene Bescheid läßt doch vielleicht daraui schließen, daß man sich veranlaßt steht, den antisemittschen Skandalen und vor Allem den Skandalmachern etwa« schärfer aufzupaffen. Berlin, 27 Juli. Luch Herr Baron v. Kirn behandelte gestern in seinem ueubegründeten Lnttsemiten-Berein, der de, sonderbaren Namen .christlich-deutsche Gerechtigkeit" in de: Taufe erhalten hat, die Ti»za-ESzlarer Affarie. Sr will die? Thema bi« zur Beendigung der schwebenden Untersuchung mi: Vorsicht behandelt wissen und dem Verdacht der Verbreilunf gehässiger und tendenziös entstellter Gerüchte au« dem Wego gehen. In der Behandlung der Judensrage aber scheide fldi der Verein von den Antisemiten, welche — oft im Stunn — tbeil« Sachen erstrebten, welche entweder garnicht oder nur allmählich zu erreichen seien. Der 'Redner abstrahir: > vorläufig von der TiSza ESzlarer Affaire und erzählt, wie 1840 ein Pgter Thomas zu DamaScu« von den Juder. geschlachtet worden zu rituellen Zwecken: da» Blut deffelbei fei in die ungesäuerten Brode gebacken worden, wie e» eir geheime» Gesetz, dar vom Vater immer nur auf einer. Nachkommen vererbt zu werden pflegte, vorschreibt. Damalt j habe, wie di« dem Redner zur Disposition stehende (?) Akten j besage», der türkische Pascha au» Gefälligkeit (?) die jüdischen Mordgesellen nicht hinrichten lassen. In der Bibel zwar s steh« nicht« von Christenmolden beim VersöhnungSsest (?), wohl : aber gestatt« die Fortsetzung der Bibel (?), der Talmud, i Freiheiten, die von manchen frommen Sekten auf da» Schänd I lichste au-gebeutel würde». Redner kommt zu dem Resultat, i daß Juden und Christen in keinem Staate nebeneinander I leben könnten — der verschiedenen Gesetze wegen, nach oenen > sie lebten. Rach Palästina will Herr v. Kirn die Jubel nicht schicken, auch de» Ausschuß nicht ander» Völkern anbiete», die vielleicht selber noch genug von der Sorte haben; besser sei es schon, die Jaden unter den Augen zu bel-allen und ihnen ihre Rechte auf demselben Wege, wie sie sie erhalten, zu nehmen. Unrecht erworbenes Gut müsse auf geseylicheia Wege den Betrogenen wieder zurückgegeben und so allmählich die Gleichheit unter den Christen wirderherge,stellt werden. — Hiera» knüpft ein zweiter Redner noch einige allgemeine Betrachtungen über das Verhalten der .Judenpresse" in d r TiSza-Eszlarer Geschichte und wünscht, daß man sich rn die göttliche Ordnung füge und die Pest ertrage, bi« die Christi n erst selbst wieder zurnckgekommen seien aus ihre alten GlaubenSsatzungen; denn vorläufig gäbe es unter ihnen eine schlimmere Sorte von Juden als die Juden selbst. (Hat der Redner bei dem letzten Satze vielleicht auch an sich gedacht? Daß er da« Gespenst voil Damaskus herausbeschwört, ist sehr unklng von ihm; denn danrals «ing ja die Unschuld und da» Jntriguenspi.l der Judenfeind« der Juden sonnenklar hervor.) Kassel. In verschiedenen LandeStheile» hatten dir isrrrlitischcn Bewohner gegen dir schlimmsten Ausschreitungen >er antisemit. Agitation de» Schutz der StaatSanwiltschaslenangernsen und sich gegen deren ablehnenden Bescheid bei den Ober» Staatsanwaltschaften beschwert, ihre B-schwerdcn wurden ,edoch stet« für unbegründet erklärt Unter den in solche Weise ergangenen ablehnenden Bescheiden ist ein solcher ter königlichen OberstaatSanwallschast Hierselbst dem rkenSwer h, weil er Auffassungen wiederspiegelt, welche an amtlichen Stellen vielfach geth'ilt werden dürften. Der Vorstand unserer k e» menlde hatte sich über einen ablehnende» Bescheid der dortig m Slaaisanwaltschast beschwert, und der Oberst,atSurwalt fü rt zur Mativirung der Abweisung der Beschwerden u. A. an: .Die .... Artikel de» .Kasseler Journals" behandeln die van einer politischen Partei ausgestellte sog. Judensrage, d. h. die vermeintlich erforderliche Abwehr des das Volksleben r >d den Volkswohlstand bedrohenden Einflnsses der Juden. Diese auch von dem Kasseler Journal betriebenen Agitation ist ni ht gegen die Gesanimtheit der Bekenner de« jüdischen Glauben» gerichtet, sonder» gegen diejenigen Juden, welche auf dem Gebiete des Handel», der Preffe nnv der 'Wahlen nach Ansichk der von dem .Kaffeller Journal" vertretenen Partei sich Ueb r»