Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 31.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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idealen Güter gelobt. ES giebt kein höchste« Gut außer der Humanität, außer dem Adel menschenbrüverlicher, toleranter Gesinnung. Zumal für den Menschheitsbund, für die Freimaurer ist kein Ideal ohne die Wahrheit allumfassender Lieb« und Duldung haltbar. Freisinn ist Höchst»». Er verurtheilt das frevelhafte Unterfangen de« GlaubenSpöbe.!», durch rohe Agitation und freche Gewaltthat gesellschaftliche Fragen lösen zu wollen. — Auch die Wissenschaft betzt nicht. Eie mahnt zu einträchtiger, verständnißvoller Arbeit im Sinne der EntwickelungSgesetze. Auch da» Specisischgermanische im reichSländischm VolkSthum drängt nicht zur Hetzerei gegen andere Raren. ES hat vielmehr von jeher seine ideale Befriedigung darin gesucht, vermittelnd und versöhnend über die Erde zu schreiten und seine eigenthüinlichen Gaben zur Sänstigung der menschlichen Sitten, zu gemülhvoller Vertiefung de» CulturfortfchritteS. zur Ausgleichung der LivilifationScontraste geltend zu niachen. Die hutigen Juden Hetzer im preußischen Reiche sind vollständig au» der deutschen Arr geschlagen. Trotz ihre« geckenhaften Prahlen« niit Germanen- und Ehrisrenthum sind sie doch nur nieorig« S ch «i n deutsch«, wie sie oberfaule ö ch «i» chrislen sind. Und mögen sie sich mit akademische» Titeln und offiziellen Würde» brüsten, ihr Geist hat kein«, lebendigen Theil an deutscher Wissenschaft und reltgiöser BolkScultur. Ihre Marke täuscht Niemand mehr; sie sind Barbaren von der Sohle bi« zum Scheitel. Bor dem Richterstuhl de« sich seiner Würde und Mission bewußten Germanenthums ist der Stab über ihr schändliche« Werk gebrochen. Nicht weniger nachsichtslos muß es vom Bunde des freien Menschen- und Weltbürgerthum«, von der Fr ei maure rei, verdammt uxrde». ES genügt nicht, daß unsere* Meister und Aufseher wachen, daß kein Judenhetzer der Schwelle unserer Bauhütten nahe und unser BundeSheiligthmn besudle; eS ist auch unsererseits dafür zu sorgen, daß dem barbarischen Treiben Einhalt geschehe, bevor e« epidemisch um sich greift und weite Bolkskreise vergiftet und entehrt. Jene Logen aber, welche au« blindem Refpect vor verkehrten Traoitionen oder aus dogmatischer Bnchstabengläubigkeit bisher den Semiten die Aufnahme verweigern zu müssen glaubten, sind dem beleidigten Menschengesühl unsers erhabenen allumfassenden Bunde« die EatiSfaction schuldig, jene übelberufene Schranke in der Zeit der Judenhetze keine Minute mehr bestehen zu lassen! Magyarisches. Seid umschlungen, Magyaren! So ungefähr lautete der Refrain der vielen Loblieder, die mehrere Ihrer österreichischen Correspondenten dem Ungarthum gesungen. Aber leider sind diese Lieder wirkungslos verhallt. — Herr Isidor Singer sollte in Sack >mv Aiche Buße thun ob seiner soviel Lärm machenden Broschüre „Wien, Berlin uitb der Antisemitismus" und e« war gut, daß Sie, Herr Redacteur, in der Recension für Berlin refp. Deutschland eingetreten waren. — Wir vielgeschmähten Stockpreußcn sind doch so übel nicht, man erwäge nur Folgende«: E« ging bei »n« auch zur Zeit der Hochfluth der Antisemitenbewegung heiß her, die Luft war gewitterschmanger, und schließlich entlud sich da« Gewitter, und in Hinlerpommern vergriff man sich in einigen kleinen Städten an dem Eigenlhum der jüdischen Mitbürger, an ihre Personen aber wagte n:an sich nicht heran. Unsere Regierung hatte vorher bet Gelegenheit der Interpellation oe« „Judenknechw* Hänel — da« ist da« neuest« Henrici'sch« epitheton ornaos de« Kieler Professor« — erklärt, sie beabsichtige nicht an der verfassungsmäßig gewährleisteten Gleichberechtigung der Eonfeffionen zu rütteln, sie hatte aber kein Wort der Verdammung für da» anttsemitifche Treiben, ihre Erklärung war, wie Birchow mit Recht constatirt«, kühl bi« an'r Herz hinan. Ganz anders der Ministerpräsident Tisza im ungarischen Abgeordnetenhaus: schon lange vorher, al« Herr Jstoczy eininal das Bedürfniß fühlte, seinem gepreßten Herzrn Luft zu machen und sich in den schmählichsten Angriffen gegen die Juden erging. Herr TiSza erklärte uuter lautem Beifall der liberalen Regierungspartei, die antisemitische Bewegung ' sei culturschändend und die Regierung werde sie im Keime i ersticken. Und wie verhielt sich das Land zu dieser Erklärung? s Eympathisirl es mit den wohlwollenden Intentionen, der Regierung? Der Antisemitismus greift immer weiter um sich, Herr Jstoczy kann schon mit Recht davon sprechen, daß er eine Partei im Abgeordnetenhause habe, und man vergreifl sich in vielen unaansche» Städten und Dörfern nicht blo» am Eigenthum, sonder» auch an den Personen der Juden.! Und wenn eS noch nicht zu Ausschreitungen gekommen ist, l wie wir sie schaudernd in Rußland erlebt haben, so verdanken l da« die Juden nicht der wohlwollende,i Gesinnung der Ungarn,! sonder» der Furcht vor den Bayonetteu der Soldaten. Zur i Ehre Preuße»« sei es gesagt, solche Hetzreden, wie sie jüngst! i,n ungarischen Parlamente — also vor der Elste der Nation | gehalten wurden, sind in unserm Abgeordnetent>ause unmöglich, auch der dunkelste Dunkelmann wiro nicht wagen, in unserm Parlamente die wahnwitzige Beschuldigung vorzubringen, daß die Juden Ehristenblut zu rituelle» Zwecken brauchen. Aber die Träger der ungarischen Eultur und Bildung, die Stockungarn. die ultranalionalen Chauvinisten, d>e radicalen LinkSmänner operiren getrost mit den mittelalterlichsten Borurtheilen. Wir sagten „un,arische Cultur." Giebt e» denn eine solche? Haben die Magyaren eine» Dichter, eine» Philosophen, einen Künstler hervorgebracht, der sich rühmen könnte, internationale Bedeutung erlangt zu haben? Petüfi, Eötvös, Jokai, Deal, Liszt, Muncaczy — letztere übrigen» deutscher Abstammung — alles respectable Name», aber keine Bahnbrecher. Haben die Ungarn Grund, so übcrmüthig auf ihre Nationaltäl zu pochen? Ihre Cultur ist nicht original, sie ist aus deutschem Boden entsprossen, ja ihre Gelehrten n,:d Staatsmänner schrieben bi» vor noch gar nicht langer Zeit nur deutsch. Habe» Sie Grund, die Juden als rin fremde« Element anzusehen, da» ihre Nationalität bedroht? Sie sollen doch wissen, daß die Ämiten die Hauptträger magyarischer Wissenschaft sind, und wenn sie es vergessen sollten, dann können sie ihr Gedächtniß wieder durch die Lectüre der Abhandlungen von Friedrich Schütz ausfrischen. Die ungarischen Juden sind viel zu magyarisch gesinnt, sie sollten nicht jede Brücke zumDeutschthum abbrechen, vielmehr ihrem großen Landsmann, dem Dichter Karl Beck, nachstreben, der die Verbindung zwischen Deutschthum und Magyarenthum zu verinittln suchte, weil er einsah, daß die magyarische Cultur sich nur entwickeln könne durch die Säfte, die ihr die deutsche zusührt. Ungarn soll den Ungarn gehören, nicht de» Juden, da» ist der Schlachtruf der nationalen Chauvinisten. Ist eS denn gar so lange her, fragen wir, daß sich die Ungarn, eine asiatische Bölkerschait, in Europa festgesetzt haben? Die Jahrhunderte ihre» AnfenthaltS in Ungarn kann inan an den Fingern abzählen. Eie sind nicht aulochlhon und schon lange vorher, eh« sie noch daran dachten, nach Europa zu kommen, waren Juden in Ungarn ansässig. Also, ruhige« Blut, Ihr Herren Magyaren! Euer ChauviSmuS ist absolut nicht berechtigt. Geht in Euch und sorgt dafür, daß Ihr die Schmach, die di« jüngsten Debatten in Eurem Abgeordnetenhaus« bem ungarischen Namen zugesügt. tilget. Sorgt dafür, daß sich da» Wort Eure« großen Franz Pul-ki, „daß Ungarn keinen Racrnhaß, speciell keinen Judenhaß kennt/ bewahrheite, schafft Euch Jstoczy und Genossen vom Halse. U—t. •) Ich kenn« s« ziemlich Österreichisch« Zustände, da ich mich ze- «thnlich u> jede« Jahr« 6 stochen tn Oesterreich aushaUe.