Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 30.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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384 s«chung«richter b«n veschetd über den weüere» Verlauf der LiAza-E»»lar«r Affair« entgegenzunehmen. Vermischte uu- «eueste Nschrichte«. Ma>»eb»r>. Für die verfolgten russischen Juden sind bereit« nahezu vier Millionen Mark gesammelt. Davon kouzmen auf England 1,400.000 M-, aus Frankreich 300.000 M, aus Deutschland über 000,000 Mk„ auf Oesterreich 400,000 M., auf die anderen europäischen Länder etwa eben so viel. Der Fond« de« Londoner Manston House-Eomitä, «eiche« vorzugsweise die »»«Wanderung besorgt, beläuft sich aus 1,890,000 M.. einschließl ch 300,000 M.. welche demselben zu diesem Zweck von festländischen Eomitö» eingesandt find. Freilich ist auch der Bedarf ein sehr grober, vi« Ende Juni waren vom E-M -Eomitä ca. 8000 jüdisch« Auswanderer nach den Bereinigten Staaten, Eanada. Australien und dem Cap befördert worden. Berlin Da« hiesige Lentralcomitv hat nach Eydtkuhnen da« Ersuchen gerichtet, keine russischen »»«Wanderer nach Deutschland weiterzubefördern, sondern sie mit allen zulässigen Mitteln nach Rußland zurückzusenden. Berli», 19. Juli. Der soziale Reich«verein hielt gestern eine antisemitische Versammlung ab. Henrici feierte den ungarischen Abgeordneten Jstüczy, der jüngst im Parlamente die Judenirage zur Sprache gebracht habe. Die »ssaire von Tiha-Eßlär sei ein Wendepunkt, von welchem da« End« der Judenherrschast datiren würde; angeficht« dieser »ssaire gelte ««, ein Fanatiker zu sein. Henrici empfiehlt sodann Maffenstrike« gegenüber den jüdischen Richtern; alle jüdischen Richter müßten beseitigt werden. Der Vorstand de« socialen Reich«- verein» wird schließlich ermächtigt, an Onody und Jstüczy Dankadresie« zu erlaffen; kerner wird «ine Resolmion angenommen, die Regierung auszufordern, ave Juden und speziell alle Synagogen unter Polizeiaufsicht zu stellen. Bre-la», 18. Juli. * Wie die „Br. M.-Ztg." berichtet, hat die Mutter von Ferdinand Laffalle zum Andenken an ihren Sohn testamentarisch ein E »pital von 30,000 Mark zur Begründung einer Stiftung für arme Arbeiter und kleine Handwerker «»«gesetzt. Diese Stiftung, welcye wegen de« der Gräfin von Hatzfeldt im Testament au«gesetzten lebenslänglichen Z»a«genuffe« jene« Capital« erst nach deren Tod« wirksam «erden konnte, ist nunmehr durch CabinetSordr« au« Em« vom 19. Juni d. I. bestätigt worden. Verwaltet wird die Stiftung von dem Oberbürgermeister Friedensburg, Geh. Eommerzienrattz Isidor Friedenthal und dem Stadtrichter a. D. Friedländer hierselbst. Frankfurt a/M. Wie weit c« glücklich die Rothschild'« gebracht haben! Der Herzog von Wagram, dem die 30jährig, Tochter diese« Hause» verlobt ist — hat da« respektable Alter von 46 Jahren. Da heirather da« Geld den Abel und der Adel da» Geld — und die Religion geht dabei in die Brüche! Wesel» 8. Juli. Der gestrige letzte Zu; von .Hamburg führte über 300 Auswanderer nach Lmerika mit sich, darunter viele ruffischt Juden. Einer der letzteren war hier ringe, schlafen und verpaßte dadurch den Anfchluß »ach Emmerich. Beim Erwachen vermißte er eine Geldsumme von über IOC Mk., die er m der Brusttasche ausbewahrt hatte, ferner waren ihm seine Taschen geleert und sein Reisegepäck verschwunden Der verdacht richtete sich sogleich gegen einen Reisegc'ährten. der sich besonder« an ihn aageschloffen hatte und von ihn öfter« regatirt worden war. Di« in Emmerich infolge einet Telegramm» angestellte Untersuchung ergab die Richtigkeit de«, verdacht«, da sich bei dem Betreffenden da« Geld und bir vermißte« Sachen sämmtlich vorfauden; er wurde sofort i» Hast genommen. Budapest, 33. Juli. In der Tißa Eßlarer Affaire werden Nachrichten colportirt, welche, wenn wahr, die Verläßlich - keil, vielleicht auch die Unparteilichkeit de« Untersuchung«-«, richte« sehr in Zweifel zu ziehe» geeignet wären. Der Lutersuchungärichter scheint selbst von dem Boruri heile desäugen zu sei», daß de« verbreche» religiöse Motiv« zu Grund« lieaen. In dieser vesaaaenheit wird ohne Unterlaß und oh»e Wahl verhaftet, so. daß die Arrest« die verhaftete» nicht «ehr aufzunehmen vermügrn. Wie». Der .Tagesbote au« Mähren" ineldet, der österr. Episkopat Hab« aus Anregung de« Erzbischof« Ganglbauer eine Lurrend« an den Kleru» erlassen, um denselben vou der vetheiligung an antisemitische« Wühlereien abzumahne«. Bei dieser Gelegenheit wurde constatirt, daß sich der österreichisch« Kleru«, wenige Mitglieder «»«genommen, dieser Agitation fernhal'e. Br»dh Mit Schluß 8. Juli befanden sich noch hier: 3817 Männer, 2304 Weiber. 3933 Kinder von mehr al« zehn Jahren und 3879 Kinder unter zehn Jahren, zusammen 10.838 ruffisch-jüdische Emigranten mit einem Ersorderntff« von 9320 st. wöchentlich einzig und allein für die Verpflegung ohne die enormen Repatriirung«kosten. Die Anzahl der Repatriirten hat sich auf 3000 gesteigert. Uugarisch-Hrabisch, 18. Juli. An den Gaffenecken der Stadt ÜLefsely wurden dieser Tag« Plakate aufgeklebt gesunden, deren Inhalt geeignet ist, Judenhetzen zu provoztren. Die eingeleitetr Untersuchung ergab, daß der dortige Orgauist Lukschik der Urheber dieser Hetzversuche sei Derselbe wurde heute hier verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. R>»i»ie«t. Ei» höchst diplomatisch abgesaßte« Schreiben dc« Herrn Elieser Rokeach au» Konstantinopel vom 4. Juli, in welchem er über Alle« spricht, nur nicht über die Fortschritte EolonisationSbewegung, läßt wenig Tröstliche« erhoffen. Angedeutet wird, daß da« Elend der völlig mittello« Einwandernden die hohe Pforte bedenklich gemacht hat — und daß eine regierungseitige Förderung der Einwanderung durchaus nicht so sicher zu erwarten ist, wie in jüngster Zeit au»- posaunt wurde. Die Voten der Gemeinde Maineschti haben am 10. Juli Land in der Nähe von Saphet gekauft und schon sind 8 Foneilien (27 Personen) in Galatz bereit, da« nächste Schiff zur Uebersahrt dorthin zu benutzen. (Je»reel.) Pari». Zu RrbbinatSadjunkten sind am 29. Juni gewäblt worden: Herr David Haguenau, Rabbi von Luneville, der graduirte Grandrabbi, Herr J-rael Levi/ und der Sefängnißfeelsorger, Herr Raphael Levy. — Eine Reih« von Ehrenlegion-Verleihungen (4) an GlaubenSgenoffen ist wieder zu verzeichnen. In Wilua ist da« Lehrerseminar schon geschloffen morden. Der Brand in Dißua hat 18 Tage angehalten, 600 Häu'er, darunter 6 Synagogen zerstörl und 4000 Personen obdachlos und mittello« geinacht. Au« Odessa sind 80 Familien nach der Türkei au-gcwandert, die sich verpflichtet haben, türkische Unterthanen zu werden und nicht in« eigentliche Palästina zu ziehen. In ruff. Rad»« hat Herr R. Beckerman» am ersten Jahrzeittage seiner Mutter 38,000 Rubel zum Bau einer AlterversorgungSanstalt gespendet. Feuilleton. AuS dem Leben eine» Autodidakten. vou A M. Der Strom der neuzeitlichen Geistesbewegung hat, nächst manchen andere» auriquirten Cutlurrrscheinungra, auch eine eigenthümliche geistige Specialität, den Autodidaktiömu«, in seinem unaufhaltsamen Lause mit sortgeschwemmt. Unsere Zeit, al« Erbin der intellectuellen Legate vergangrner Jahr-