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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 30. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 30.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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180 Einwanderung muß auf natürliche» Wegen und wie M anderen Völkerschaften stattflndrn. Die Etnzeln«n, die durch eigenen Entschluß und mit eigenen Mittel» herüberkommen, besitzen natürlich eine ungewöhnlich« Energie und Assimilation,« fähigkeit. Solche, mit gröberer Thatkraft und selbstständigerem Geiste auägestattete Ind.vidue» brechen sich hier Bahn. D e Massen aber, die man herüberkomme« läßt, sind hie: ga> z außer ihrem Element. Die meisten von ihnen sind au» dein Regen in die Traust gefallen. Je mehr der Plan «in,r Masieneinwanderung der ruffischen Juden um sich greift, desto toller, verderblicher erscheint er. Selbst wenn die meisten d« r Unglücklichen Ackerbauer wären, würde die plötzliche und massenhafte Einwanderung mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden sein. Wie einmal die Verhältnisse sind, ist de Verpflanzung von vielen Tausenden fremdsprachigen, hall" zivilisirten Handelsleuten geradezu Wahnsinn." Hoffnungsvoller und trostreicher gestaltet sich da» Bi.d nach der „DeboraK"; sie schreibt: „Die Frage ist: wa« soll jetzt geschehen, um da» Entstehen eine» jüdischen Proletariat» zu verhindern? Allen Ruffen, mit denen wir in Berührung kommen, ertheilen wir folgend« Auskunft: Unser große» Vaterland besitzt noch Millionen Morgen freien Boden», unendliche Strecken uncultivirten Lande», da» die Einwanderer au» all n Weltgegenden hieher zieht. Da» Gesetz giebt jedem Bürger und Jedem, der Bürger werden zu wollen beschwört. IlO Acker Land, wo immer er e» in Besitz nehmen will, für zwi lf »u achtzehn Dollar» Grundbuchgebühren. Der Colonist nimmt da» Land sofort und steuerfrei in Besitz und nach sünsjäh: igem. ununterbrochenem Besitze deffelben, wenn er ein Hau» darauf gebaut und etwa» an dem Boden gethan hat. ist er Eigenthümer der 160 Acker, ein kreier Mann und Gut-tesitzer, wofür er dann der Regierung ein und ein Bier el Dollar per Acker zu bezahlen hat. Wer den Muth hat, zu arbeiten und zu entbehren, wer Verstand und Pflichtgefühl genug hat, für seine eigene Zukunft und für die Zukunft seiner Familie zu sorge», das sagen wir jedem Ruffen, vergehe hin, suche sich 160 Acker RegierungSlanb au» und gehe fofcrt muthig und thalkräftig an die Arbeit. Dahin muß es komme»; e» ist da» probate Mittel, da» Land gegen da» Entstehen eine« Proletariat» ^u beschützen, da» soll und muß die Union, wer» sie die Mittel haben wird, in einem großen Maßstab« auSsühr m. In Cincinnati haben sich ca. 20 russisch« Familien zu einer Eolonie vereinigt, die sich sofort auf RegierungSlanb niederlaffen wollen. Die Leute sind gesund und kräftig, rnternehmend und arbeit-lustig, haben praktische Bauern unter sich und verstehen den Ackerbau Sie haben auch den Säckler einer Ackerbauschule und einen Schachet in ihrer Mitte und erwarten nebst anderen Dingen auch eine Sepher Thora zu bekommen. Ein junger Enthusiast hier, Herr Davi», l>at die Eolonie organisirt uud mit allen betreffenden Behört>«n correspondirt und sich genau unterrichtet. Bor einigen Wock»en hat die Eolonie au» ihrer Mitte zwei praktische Vertrauensmänner gewählt und nach dem Westen geschickt, um Länder«.«» aufzusuchen. Sie reisten bi» nach dem südwestlichen Kansr», wo sie an einem Strome, zweiundzwanzig Meile» von einer Eisenbahn, für sich sofort 320 Acker Lande» gesetzlich in in» spruch nahmen und für die ganze Eolonie 160 Acker ür Jeden insofern sicherten, al» da» Gesetz diese» erlaubt, n>eil jeder Ansiedler selbst im Landamt« erscheinen muß. Run ist die ganze Eolonie schlag- und reisefertig, sofort sich aus Iia« beanspruchte Land zu begeben. Dies« Thatsachen wurden in einer Extra Versammlung dem Eincinnatier Somit» für raff. Einwanderer vorgestellt und e» wurde einstimmig brschlosen, daß die Herren llr. Wise, Joseph Abraham und Abraham Trounstine al« ein Executiv-Eomttü mit der Durchführung diese« Eol»n'.sation«plane« betraut sein soll, dir erfordert»««» Mittel zu beschaffen, um die Eolonie zu unterstützen und zioar unter der Aegtde und Eontrolle de« Eincinnatier Unterstützung«- Verein« für rufftsche Emigranten. Gelingt diese erste freie Eolonie, so können und wrrden Tausende dem Beispiele folge« und wir haben für die ruff. Juden, für den jüdischen Namen, für dt« Sach« der Humanität und für da« Vaterland etwa« Bleibende« und Ehrende« gestiftet, deffen sich Kinder und Kinde«ktnder noch rühmen werden!" War tst zu tfyun? Ein veitra, z»r Lösung der ruff. Judeafrage. Sion »in-m rnssilchkn »»««anderer. (Schluß.) Selbstverständlich ist e» nöthig, einen Emigrantenfond» zu gründen, und man kann deffen sicher sein, daß da» Volk dabei sich nicht geizig zeigen wird, daß jeder zu diesem Rettung-sond sein Schärflein bettragen wird. Zeigt sich nur ein paffende» Territorium, so ist e» nithig dort Land — je mehr desto bester — einznkausen, ja man muß alle freien Landstücke in einer Ausdehnung von wenigsten» einigen Quadratmeilen ankaufen und dahin müßte man alle die hinschicken, welche Lust haben, diesen Boden in Besitz zu nehmen und mit Lichtern wird man solche Lesitznehmer Nicht juchen müffen. Diese Vesitznehmer wird man mit Gerälhen und Gewehren versehen und ihnen ermöglichen niüffen, sich Dörfer zu baue» und in denselben gesahrlo« durch den Ertrag ihrer Hände wohnen zu können. Für den Fond sind ,wei Millio ncn Rübe l hinreichend. von deren Hälfte man sofort wenigsten» lausend Familien aus da« gewählte Territorium senden und sie mit allem dazu Gehörigen versehen könnte. Für die Zinse» der anderen Hälfte de« Fond» aber, zu denen noch die allmähliche Aus zahlung der Eolonisten zukommen wird, könnte nian Landstücke einkausen un^ dahin weitere Eolonisten Varthien schicken. Der Fondwird selbstverständlich noch keinen jüdischen Staat ausmachen. Seine Mittel werden noch allzuschwach sein, um auch da» erste kle ne Städtchen auszubauen; allein er wird dem Volke da» gewählte Territoriuin sanktioniren und dann wird auch die Bolk-kraft erwachen. Bald nach der ersten Parthie, die auf Mittel de» Fond» herangeschickt wurden, werden zahlreiche Parthien von Uebersiedlern „auf eigene Kosten" nachströmen. Den Unterstützungrsond» wird nur die erste ländliche Einwohnerschaft zustande bringen, während für da» schnelle Emporwachsen der Städte schon private jüdische Gesellschaften Sorge tragen, denen e» sehr vortheiihasl sein wird, ein nicht allzugroße» Eapilal auf den Einkauf eine: Quadratmeile Land zu verwenden, darin dm ersten Markt und Alle» wa» da» Emporwachsen einer Stadt auf gegebenem Platz garantirt und Einwohner herbeizieht, einzusühren. Ihr Kapital wird ihnen hierbei großen Gewinn abweräen. vielleicht wird die Gründung eine» allgemeine» Fond« sich al» unmöglich Herausstellen, dann können private Unterstützungen, ja sogar private kommerzielle Unternehmungen die Thätigken eine- Fond« ersetzen. . . — Auch Euch, ruffische Juden, liegt die Pflicht ob, den Anfang zu einer Zusammenlösung, zu einer Zusammenfügung de« jüdischen Volke» zu machen Da» ruffische Volk liebt euch doch nicht, obwohl ihr angesangen habet euch Iwan oder Nikolau» zu nennen Euch betrachtet man al» eine Landeöplage, die man lokalisiren muß und sroh wäre, ihrer ganz lo« zu werde». Jede» Stückchen Brod da« ihr verzehret, betrachtet man al» Raub, auf jede« bi«chcn Lust, da» ihr einathmet, guckt man mit Zähneknirschen. Eo erbittet doch di« letzte Gefälligkeit bet der, dt« euch auch immer Stiefmutter bleiben wird: daß sie euch erlaub« wegzuziehen, um sie dadurch von eurer lästigen Anwesenheit zu erlösen. Ihr werdet nicht mehr den gut» müthigen leichtgläubigen Bauer berauben; eure Kinder werden nicht mehr die Wiffenschaft für sich wegnehmen, die den Kindern der Eingeborenen hätte zu Theil werden können, ihr werdet nicht mehr dem Staate „Hunderte von Millionen Rubel jährlich kosten." Ihr werdet durch eure eigenen Kräfte Rußland von eurer schädlichen Anwesenheit befreien und werdet

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