Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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931 DL««««»*. 8. W. im 3u*l (Or.'Sorr.) Mn« mm die »ielen Berichte von den Sammlungen für unsre verfolgter Glaubensbrüder aus Rußland, di« in den kleinsten jüdische r Gemeinden stallfinden, lieft »nd von bierau» nicht« der Art bis jetzt in den resp. Blättern mitgethellt worden; so könnt, man leicht glauben, et wäre hier gar nichts geschehen; dies veranlaßt mich. Folgendes mitzutheilen: Schon im vor. Sommer wurde eine im Verhältnisse za unsrer Gemeind« gewiß sehr bedeutende Summe durch da» hbstge Somitä an di» Alliance Jsraclit Universelle geschickt wie da« in dem Srmestral-Berichte der'elbe» niitgetheilt ift;, während nebenbei unser Herr Oberrabbiner extra kleine Sum > me» nach Memel geschickt hat. Sodann veranlaßte derselbe einen öffentlichen Anfruf in den Tageblättern, welcher vor folgenden Männern unterzeichnet wurde: Pros. Brix, Jnspector und Reichstagsmann; Peter Eeghorn, Groffrer; Pro', zur. GooS, Reichstagsmann; Ludwig Hanse», Banquier; E. E. Henrichsen, höchster Gerichlsadvocat und Präsident der Büigerrevrä'knlaiitschast pp.; E. L. Hersorth. Ober Gerichts-Prccurator und Bürgerrepräsentant; Severin Jensen, Bürgern - Präsentant; Kaiser, Bicepräsivent der Bürgerrepräsentantschast; Lehmann, P>os, Oberarzt Ur. inert.; Moritz G. Melchioi, Etat-rath u. Inhaber de« Groß -Kreuz; E. Emil von Rosenörp, Oberpräsident. Kammerherr und Groß.-Kreuz; Ehr. F. Stell,, Kaufmann; Georg Wilhelm, Kaufmann; Oberrabbiner Pro', vr. A. A. Wolfs; (NB. 12 Christen, 2 Juden.) Der Aufruf hatte sich eine« sehr günstigen Erfolges za erfreuen. Bi« jetzt stad nämlich weit über 30,000 Rmk. eingekonimen. Da inzwischen viel« der Auswanderer ihre« Weg über Stettin nach hier gelegt haben und sich ein paar Tage vor Abgang des Dstnpsschiffe» »ach Amerika hier aujhallen ulüffe», so hat sich rin besonderes Comilö unter Borst z de« Hülfs>abbiner« Herrn Ile. Simonsen g,bildet, welche» gleichiallü einen gedruckten Aufruf an die hiesigen Gemeindeglieder ergehen ließ, um Kleider und Geld zur Bespeisunz zuzusende» (dieser Aufru» ist von 12 Damen und ü Herrei Uttl.^schrieb.ii) und ist besonders an Kleidern ei» großes Magazin überfüllt, auch sind viele Geldbeiträge eingegangen. Das Neueste, da« gestern die TageSblätter brachten, tf:, daß Herr Eommerzienrath I. W. Heyman zum Etatsrat he vom König ernannt wurde. PakLfttna. ll Jerusalem, 2 t. Juni. (Or-Corr.) Di« heilige Stat t ist vor einigen Tagen durch die nächtlicher Weise geschehene Ermordung de« R. Salomon Telser und die lebensgefährliche Berwunbung feiner Frau durch eingedrungene Räuber in die schmerzlichne Aufregung vers.tzl woroen. Sämmtlich« jüdisch« Läden waien bei rer Beerdigung diese« frommen und geachteten Manne« geschloffen. Bon de» Miffethätern fehlt natürlich j,de Spur. Seitdem ich hier lebe, sind mehrere 'chänbliche Moidtbaten verübt worden, man har auch jedesmal eine Untersuchung ang,stellt, aber e« ist nicht gehört worden, daß ein Verbrecher zur Rechenichaft gezogen wurde. Die Unsicherheit i» Egypten und der sich mehrend« Andrang armer jüdischer Einwanderer au» Rußland und Rumänien tragen dazu bei. unsere Lage höchst unbehaglich zu inachen. Die Leute sind meiftentherl- Handwerker und würden bald irr Stand« fein, sich wenigttenS ihr Brod zu verdienen, wenn maa ihnen zur Einrichtung nur einige Unterstützung gewähren könnte. Aber wir werden von Europa gänzlich in Stich gelassen Wenn sich nicht eine Gesellschaft »wa amerikanischen Herren und Damen, die sich feil etwa einen Jahre hier niedergelaffen haben, unserer bedrängten Brüder auf wahrhaft großherzige Weise annähme, so würde schon da» Schlimmste erfolgt sein. Diese würdigen Kinder der großea Republik haben u. A. auch die Bedürftigen unter den kürzlich aus Armen hier eingewanderten arabischen Jude» mit Wobnung und HauSgrräth und dem ersten Unterhalt versorgt. Ei« speisen etwa hundert von ihnen au« eurer durch ihr« Mittel erhaltenen Suppenlüche und haben, nachdem 'die arabisch« Gemeind« sich constitntrt hat. eine Würdig« Synagoge für dieselbe eingerichtet. Auch für arnre Rnffe» sorgen sie in liebevoller Welse, soweit höchst bedürftige Fälle zu ihrer Kennt, niß kommen. Wir Juden sind nicht ganz ohne Schau», daß es Christen find, di« sich unserer Brüder annehmen müffen. 8. Jernsale» Bon den ruffischen Emigranten bekommen wir ein gut Theit zu Gesicht, meisten« blutarm« Leut«, die hier kein« Beschäftigung finden, demnach eine willkommen« Beute der Mifftonäre werden. E« ist erstaunlich, daß auch Leute, die doch die Berhältniffe Palästina'» kennen» der sogenannten Colouisation Palästina'« da« Wort reden, Sch «indel, nicht« al« Schwindel. Infame Agenten, die hier alle« käuflich« Terrain zur Spekulation anfgekaust haben, sind e«, die durch ih e Verbindungen in allen jüdischen Journalen die Werbetrommel führen. Leider gehen ihnen Biele auf den Leim. Man laffe sich doch von diesen Schwindlern nicht de» tdö.en, eb.»sowenig von den Schwärmern, di« die hiesigen Berhältniffe zu wenig kennen. Hier giebt e« nur wenig Terrain zu verkaufen. Denn die Bauern (Fellahen) dürfen gesetzlich ihre Grundstücke gar nicht verkaufen. Höchstens nur einige Pnvatperionen, die aber horrende Preise jetzt fordern. Wa« soiist zu haben war. ist von jüdischen Spekulanten aufgekaust, die nun brillant« Geschäfte machen wollen. Thun Sie also Ihr Möglichste«, um de» Strom der Einwanderung von hier abzulenken, sonst werden Sic bald von einzelnen hiesigen Privatpersonen, di« gewö,«- lich nicht controlirt zu w-rden pfiegen, um Spenden sür die Eingewanderten angegangen werden Uel'rigen» hat schon Herr Retter, der gewiß eben so kompetent als uneigennützig ist, sich gegen die Einwanderung nach Püästina entschieden au-gesprochcn.' Und er hat Recht. RutUnt. Petersburg. »Hameliz* mahnt daran, rechtzeitig bet der Regierung vorstellig zu werden, daß die au«gewand«rten Militärpflichtigen von der Litte gestrichen werden, damit der Judenhaß »,cht in der Verdächtigung. die Juden eiltzikhen sich dem Kriegsdienste, neue Nahrung finde. Den beiden früheren Rabbinckichulen, jetzigen Lehrerbildung«fchulen, in Wilna und Eltomir, wie aufgehoben w.rden sollen, hält daffelbe Blatt eine keineswegs rühmliche Grabrede. Sie haben ln beiden Gestalteii nicht» als doch Unzulängliche» geleistet. Aber wa« wird an ihre Stelle tretenk Auf Anregung von Tiflis au» wird Herr Baron Potiakow die Gründung jüv. Ackerdaukolonien im Kaukasus dem Comitä vorschlagen. Gras Tolstoi, der zeitige Minister de« Innern, hat Herrn S. Poliako« gegenüber c« ausgesprochen, daß er keinen Unterschied zwischen Jude und Christ aneikennc. Herr P. hat deshalb ein Promemoria cingcreicht. daß nur die Gestattung de» Wohnen« in alle» Theilti» de« Reiche« da« Elend »lindern könne. Auch au« Duboffvr wird berichtet, daß jetzt die Plünderer ander« d. straft werden. Da« Gericht am 21. Juni hat 3 Schuldige zu 5 und 3 Jahren Zwangsarbeit und dann Berbannung nach Sibirien verurtheilt. Da» Haus Ignatz E p h r u s si <L Co., das 183s begründet, jetzt in Wien domikülrt. hat seinen Agenten »»gezeigt daß e« vom I. Juli ab feine geschäftlichen Beziehungen zu Rußland aufgiebt. Judenhetzen haben den Bater de« jetzigen Inhaber« bewogen, Rußland zu verlaffen, die Judenhetzen haben auch den genannten Schrill verulsacht. — Bom 1 Januar 1883 sind von der Kopfsteuer befreit die Stadtbewohner und die Bauern, die kein Feld haben. Da« kommt den armen Juden zu Gute und hat den Wegfall vieler Plackereien im Gefolge. Dagegen soll befohlen sein, die Anzahl der jüd. Militärärzte auf 5 */. Aller herabzumindern. Die Apothrkensrage scheint noch in der Schwebe zu sein. Die hier Juden gehörigen sind neulich einer Revision unterzogen worden, welche mit einer Ausnahme da» günstigste Resultat ergab.