Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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— 227 — vermischte nab neueste Nschrichten. Vtagbcbari, 13. Jnli. Die hiesig« Gemeind« hat einen herben Verlust erlitten. Ihr langjähriger Vorsteher — und di« zum Auftreten seiner Krankheit auch erster Vorsitzender — Hcrr Bankier Iuliu« Alenseld, starb am 10. d. M. in Thal«, wo er sich zur Kräftigung seiner zerrütteten Gesund» heit seit einigen Wochen aufhielt. Seine Leich« wurde hierher gebracht »nd heute in seinem Familienerbbegräbniß beigrsetzt. In welchem Ansehen der Verstorbene hier bei Juden und Ehristen stand, davon gab die Trauerversammlung, die zur Erweisung der letzten Ehre auf dem jüdischen Friedhose erschienen war, beredte« Zeugniß. E« war di« Elite der Magdeburger Bürgerschaft, an ihrer Spitze unser erster Bürgermeister. Die Trauerieierlichkeit wurde durch ergreifende Gesänge de« Synagoge»'Gesangverein«, dessen Bestrebungen der Verstorbene stet» gefördert batte, würdig eingeleitet. Die Trauerrede wird auf Wuwch der trauernden Gattin (geb. Bei fuß. au« dem Rothschild'schen Hause in Frankfurt a. M.) gedruckt werden; eine in de» seiden hervorgehobene Aeußerung de» verstorbenen: .Wenn ich für meine Glaubentgenossen arbeite, so glaube ich einen Gottesdienst zu verrichten", characterisirt den mit Vorzügen de» Geiste« und de« Herzen« au«geslattelen edlen Man», dessen Andenken lange gesegnet sein wird! Brruburg. Die hiesige Zeitung — AmlSblatt de« Kreise« Bernburg — schreibt: Von dem bekannten und di« in ferne Gegenden verbreiteten, durch Landrabiner l»e. Herxheim er zu Bernburg verfaßten Katechismus zum Unterricht in der >«r. Religion wird gegenwärtig da« Erscheinen der neuen und zwanzigsten Austage vorbereitet. Der greise, jetzt im 81. Leben«jabre stehende gelehrte Verfasser läßt e« sich nicht nehmen, di« zeitgemäße Umarbeitung seine« praktischen Buche« selbst durchzusühren — rin Bewei« von der ungebrochenen geistigen Frische diese« zu so hoher Lebentstufr emporgtstikgenen Gelehrten. Lieguitz. Zur Unterstützung bedürftiger und würdiger Wittwen und Waisen von verstorbenen KultuSbeamten hat der in Münden am «. August 1880 verstorbene Renner E Deutschm in» der Liegnitzer Lynagogengemeinde eine Hypothekensorderung von über 3000 M. vermacht, deren Zinsen dazu ver wendet werden sollen. — In lkydtkuhne« wurde der Minist.r v. Pultkamer u. A. auch von dem dortigen Eomit«^ für die au« Rußland au«- ivmdernden Juden empsaiigen. Der Vorsitzende diese« Eomilö't erklärte dem Minister, daß sich dass.ide auflösen werde, iveil sonst der Zudrang von Juden au« Rußland nicht aushoren würde. Der Minister v. Pultkamer äußerte den Wunsch, da» Eomitü möge sich noch nicht auflösen, er wolle »och über diese Angelegenheit mit dem auswärtigen Amte >» Verhandlung treten. Prodh. Hier verlautet, daß Herr Justizrath M a k o w e r, der Vorsitzende de« deutschen Eentral-Eomita'« in Berlin, hierher kommen werde, um wegen der T>iusende hier noch lagernden russ. Flüchtlinge eingehend zu b.rathen und Entschluß zu fassen. Ungar«. Der Justizminister har in der vorigen Woche eine halbamtliche Rote veröffentlichen lassen, nach weicher die Untersuchung noch gar kein Resultat ergeben und nicht einmal sestg stellt habe, ob di« Esther Eolymossy wirklich ermordet worden sei. Zugleich erklärt der Minister, daß er einen autsührlichen Bericht über den Gang der Untersuchung von der lokalen Gericht«behörde eingesordrrt habe und denselben der Orffentlichkeit übergebe» wolle. Da« letztere ist bisher nicht erfolgt. Pari«. Dem vernehmen nach ist im neuen Budgetanschlaae de« Präsecten Floquet jeder Eredit für die Eulte fortgelassen. Am härtesten werden dadurch von jüd. Seite die Rabbiner getroffen, denen damit der Wohnung«zuschuß entzogen wird. Da« Gesetz über da« Begräbntßwesen droht de» Konsistorialkaffen ein bedeutender Verlust. -- S« kommen so viel Russen hierher, daß die dazu bestimmten Räume nicht auäreichen «nd die Flüchtlinge in Hotel« untergebracht werden niüffen. Da« soll in einem Monat mehr al« 1000 Frc«. erfordert haben. Part«. In den Blättern findet sich viel Antisemiterei. Der Reichthum einzelner Juden giebt, wie überall, die Handhabe, über da« Judenthum zu schimpfen. Der Ertrag der Sammlung, welche einige Danien am 20. Juni in der Ausstellung der schönen Künste für die Russe» vorgenommen, war 19,803 Frc». 00 Eent. Italien. Die „Unilti cattolirn“ versichert, daß der Papst nicht allein einen Hirtenbrief an die katholischen Bischöfe der Länder, in welchen Judenhetzen stattsinden, gerichtet hat, um sie auszusordern, alle« Mögliche für die Jude» zu thun, sondern auch, daß er an die Souveräne Europa'« in diesem Sinne geschrieben habe. London. Herr L. Mayer, Direktor de« Gaiety-Tbeater«, hat den Ertrag, der zu seinem Benefiz von der Truppe Sarah Bernhardt'« gegebenen Vorstellung mit 3000 Frc». dem Lord« mayor für die russ. Juden übersandt. Petersburg, 9. Juli. Einer Mittheilnng de» „RegierungSanzeiger«" zufolge sind die Berichte auswärtiger Zeitungen über die am 26. v. Rt. gegen die Juden irr Okna gerichteten Gewaltthätigkeiten, wie die Untersuchung erg»den habe, stark übertrieben gewesen, dieselben vcschränkten sich vielmehr aus die Berauiung zweier jüdischer Kaufläden durch eine geringe Anzahl von Jndividueu, welche fast sämmtlich durch die Polizei und Ort«bewohner festgenommen wurden. Prtersburg, 10. Juli. (Indirekt, da die direkte Depesche von der russischen Eensur gestrichen wurde.) In einem Eir» kular vom 21. Juni (russisch) schärst da- Ministerium de« Innern laut dem «Goto«" den Gouverneure» die strengste Beachtung de» von Lori« Melikoss erlassenen Eirkular« vom 3. April 1880 ein, »ach welchem Juden, die sich bi« zu jenem Tage an Orlen ausgehalten, m denen sie kein AufenthaltSrecht besahen, doch unbehelligt dort zu lasse» sei-», weil viele bei selben daselbst kommerziell industrielle Unterirehmungen in» Leben gerufen, deren Auflösung den gesammten Iheilnehmern empfindliche Verluste bereiten würden. Gleichzeitig wurde den Gouverneure» anbefohle», vom 3. April ad nicht niehr die Ansiedelung von Juden an Orten zu erlauben, woselbst ihr Ansiedeln ungesetzlich sei. — Ein zweite« Eirkular (Tolstoi'«) vom 21. Juni bestehlt den Gouverneuren, die Agcntea streng zu überwachen, welche die Juden durch betrügerische Vorspiegelung zur Auswanderung veranlaßten, und dem Treibe» dieser Leule energisch entgegen zu irrten. Constantinopel. von hier sind viele Russen nach Salo» nicht, Smyrna, Brossa und Rhodoi befördert worden, ivo ihnen niit Hilfe der staatlichen Organe Arbeit verschafft wird. Außer in Adana, Aleppo und Mesopotamien dürfen jüd. Eolonien im Norden Palästina«, zwischen Lataka, Tripoli und Beiruth in Stärke von 200 bi» 250 Familien angelegt werden. Im Innern de« Lande« dürfen Riederlassungen, doch nicht in solcher Masse, stattsinden (und nach mündlicher Versicherung, die dem amerikanischen Gesandten geworden ist, am Flusse Oronte«.) (JeSreel.) Romäi i'U. Die Sendboten, welche Land für die erst« Eolonie in Palästina ankaufen solle», sind abgereist. Rührend — man mag noch so skeptisch denken — sind die Worte, die .JeSree" ihnen zürnst: JSrael« Augen sind auf Euch gerichtet, auf Euch hassen Tausende und Abertausende u. s. w". Den bestebenden Gesetzen gegenüber, ziehen die Rumänen e« vor, Land in der Türkei zu kaufen und e« nicht al» Geschenk von der Regierung anzunehmen. Kleine Abtheilungen wandern schon jetzt au«, zumeist Vermögende.