Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938091--4658-5376940
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schließe« mit dem Wunsch«, daß e« Herrn Hosch noch lauge vergönnt sein möge, dt« wohlverdient« Ruh« ,« genießen und sich der ihm gewordenen Audzeichnung zu erfreuen. Oefterre1ch-U«g«r». Aut Bößwen (Or.-Corr.) Ihr Eorrespondent »vom Rhein" hat in der vorvorigen Nummer der .Wochenschrift" die Bettetet eine« sogenannte» Rabbiner« au« hiesiger Gegend mit vollem Recht an den Pranger gestellt. Ihr Eorrespondent au« Böhmen, der den netten Herrn kennt, geht einen Schritt weiter und warnt Jedermann, dem Bittsteller eine Zdokoh zu verabreichen. Den» schlechter könnte wahrlich eine solche nicht angewendet werden. Hier die Gründe: Ersten» ist der Mann nicht nur kein Rabbiner, sondern alle« lalmudischen Wissen» völlig baar. Zweiten« ist da« sogenannte Werk, auf Grund dessen er die Leute brandschatz:, sehr schlecht und alle Räthsel sind au« einem in Böhmen erscheinenden odscuren Blättchen abgeschrieben. Endlich Dritten« ist der Mann der Unterstützung nicht nur nicht würdig, sondern auch nicht bedürftig. Denn er hat eine im Berhältniß zu seinen Fähigkeiten sehr gute Stelle al« Lhasa». Reben freier Wohnung hat er ei» Einkommen von mindesten« 1000 st. — 2000 Mk. in Baarem und b>zieht auch Emolumente in Naturalien. Einem solchen Manne etwa« geben, ist keine Mizwa. Arakau, 2. Juli (Or-Eorr.) Herr Dr. Adolf Brüll hat dem verstorbenen Einhorn »nt einem Portrage, gehalten bei dem Mendelssohn« Pereine in Frankfurt, einen au-sührlichen Nachruf gewidmet. Der begeisterte Resormrabbiner Einhorn hat einen begeisterte» Rachrus allerding« verdient; jedoch hat er, mindesten« in Galizien, sowie seine Porgänger Holdheim und Geiger, der guten Sache niehr geschadet al» genützt; denn der EhaffidiSmu« hat sich, durch die Furcht vor dieser excentrischen Reiorm umsomehr gestärkt, intensiv und extensiv. Will man diesen schwäche», so mutz m>» aus der positiv historischen Bahn au«haire» aber keinesweges die Fahne dieser Männer auspstanzen. Der Ehaff>di«»iu« in Galizien ist eine Trotzpartei, die« zeigt sich sogar aus dem Gebiete der Wohlthätigkeit. Während von de» gebildeten und fortschrittlichen Parteien mit vollen Händen für die ruffischen Juden gespendet wird, machen die sogenannten .Machasrke Havat" einen furchtbaren Lärm, und behaupten, dag man die Religion der rufflschen Auswanderer untergrabe; dadurch haben diese Frommen einen doppelten Zweck erreicht: ersten« befreien sie sich von der pekuniären Therlnahme; zweiten« habe» sie Gelegenheit, die Wohlthätigcn zu verdächtigen und zu beschlinpsrn. Die Opfer der Edlen für die AuSivanderer sind rnorni, denn ein großer Theil derselben wandert wieder ein. oder besser, wird wieder ei»ge>vandert und Herr L>r. Duschak, al» Obmann der hiesigen Filiale, steht bereit« in Perhandlung mit der Alliance in Wien wegen Bestreitung der Unkosten, die beträchtlich zu werden anfangen. Aas Ungarn. E» verlautet nunmehr, daß, wenn nicht alle Anzeichen täusche», wir unmittelbar vor der Enthüllung de« RäthselS stehen, das seit Monaten die Bevölkerung Ungarn« in Aufregung erhielt- Al» Thatsache kann gemeldet werden, daß vorgestern die Poruntersuchung geschloffen wurde, und die Untersuchungsrichter hoffen schon in den nächsten Tage» die Verbrecher den Händen der Gerechtigkeit übergebe» zu können. Die verschiedenen Journale publiziren die widersprechendsten Meldungen. Während man aus der einen Seite jede« Resultat rer bisherigen Untersuchung negirt, wird andererseits mit bedauerlicher Kühnheit hingestellt, daß ein Mord zu rituellen Zwecken stattgesunden habe. Ein Blatt geht sogar so weit, zu erklären, daß zweifellos der Mord in der Synagoge erfolgte und daß die Schächter die Mörder waren. Es kann nicht geleugnet werden, daß die letztere Meldung, obgleich derselben positiv« Grundlagen fehlen und dieselbe in den oberen Kreisen wenig Glauben findet, nach unten böse« Blut nrächt. Um die Gährung zu befördern, kolportirt man auch die Meldung, daß David Herschko, der verhaftete jüdische Flößer, autgesagt habe, er hätte die Kleider der Esther Solymoffy von einer alten Jüdin erhalten, di« in Tt«za-E«zlar wohnt. Rach diese« Singeständnlß brachte man Herschko nach Tl«za- Eözlar, wo demselben alle Judenfrauen oorgesührt wurden und er diejenige zu erkennen glaubte, welche ihm die Kleider gegeben. Die Frauensperson sei verhaftet worden. Diese Nachrichten und andere ähnliche werden in Fülle erzählt, doch fehlen bi« zur Stund« offizielle Meldungen, welche die Richtigkeit dieser Gerüchte erhärten würden. In richierlichen Kreisen wird die strengste Di«cretion bewahrt, und besonder» davor hütet man sich, jetzt, wie die« früher der Fall war, Namen zu nennen. Au« wohlinsormirten Kreisen verlautet jedoch, daß e« der Untersuchungs-Kommission gelungen wäre, folgende Resultate zu erzielen: l) Aus welche Weise die Kleider der Esther Solymoffy auf den fremden Leichnam ge» riethen und dieser in die Theiß gelangte. 2» Soll erwiesen sein, daß sehr viele Pertonen an dem Perbrechen theilnohmen. 3) Soll eruirt werden, welche Personen die Kosten bestritten, um die Komödie der L ichenbekl-ivung rc. durchzuführen. Um jedoch die U»ler!uchung ganz zum Abschluffe zu bringen und den Mord konstatiren zu können, fehlt nach wie vor die Leiche der Esther Solymoffy. Endlich hat eine der verhaftete» Personen eine Aussage gemacht, nach welcher die baldige Aufsindung der Leicht zweifellos erscheint. ES verlautet ferner, die verhafteten Flößer Halter, gestanden, die Leiche der falschen Esther Solymoffy sei au» dem Sp tal zu MarniaroS-Szigeth beschafft und ihnen vom Juden Smi'.ovic« übergeben worden. Schweden. R Stockholm (Or-Corr ) Unsere Gemeinde hat ihren oft und mit Recht gerühmten Wohithätigkelissinn auf's Neu« bewährt. Der Aufruf für unsere unglücklichen Glaubens» brüder in Rußland, unteizeichnet von den hervorragendsten Männern, fast ausschließlich Ehristen. h,t eine» glänzenden Erfolg zu verzeichnen. In Stockholin allein si id in »reitigen Tagen nnge'äbr 17,000 Kronen gesaminelt worden, sicherlich eine sehr bedeulcnve Summe in Anbetracht der Einirehnerzahl und der großen Listen, die unsere Gemeinde olmehin durch die hier wohnenden polnischen und ruffischen Familien zu tragen hat. Die Spenden fl> ße» noch immer reichlich und versprecheil im weiteren Fortgange namhafte Summen. Besonder« verdienen hierbei die Bemühungen de» für alle» Gute und Este begeisterten una aufopfernden Herr» Abraham Hirsch, sowie der Herren l>Oi. Seliginann und Rubenson hervorgehoben zu werden. Da« Lentral Comitö i» Berlin quittirt über den Empfang der ersten Sendung und schließt seine Zuschrift etwa mit folgenden Worten: „Zieht man die Grüße des durch barbarische Handlungen verursachten Elend» in Betracht, so können alle Sammlungen für die Opfer der Bersolgung nur einen geringen Theil de« entstandenen Schadens ersetzen. Aber jedes Lcherflein ist ein kräftiger Protest gegen den Ueberkall wehrloser Bürger, sowie gegen die Rechtlosigkeit einer ganzen Etage von Unterthanen. Darum verzeichnen wir mit Freude, daß auch ihr Land sich dem Proteste aller civilisirte» Nationen aiigrschloffe» hat." — Auch in Gothenburg zeigte sich eine rege Betheiligung an genannten Sammlungen und müffen wir bei dieser Gelegenheit dem Bedauern Ausdruck gebe», daß in der deutschen Uebersrtzung des schwedischen Aufrufs iruhümlich der Name eine« Mannes auSgelaffen wurde, deffen werkthätige Menschenliebe nicht minder als seine Gelehrsamkeit auch in weiteren Kreisen allgemeine Anerkennung genießt, nämlich de« Rabl iner» Dr. M. Wolfs in Gothenburg. Dem jüdischen Organisten unserer Synagoge, Herrn John Jaeobso», bewährter Componiit. Ritter des Basaorden«, ist für seinen zur Silberhochzeit des künigl. Paare« componirten Festmarich ein sehr schmeichelhafte« Handschreiben de» Königs, begleitet von einer Denkmedaille, zu Theil geworden. In Rumänien scheint doch jetzt anderer Wind zu wehen;Herr Simon Sach» hie: ist zum rumänischen Eonsul für Schweden und Norwegen ernannt worden. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.