Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 29.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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298 führ«. Wie ich au» dem Berichte der »Bolf**ttuna* über da« erst Stiftungsfest der »Freien wissen?chaitltchen Bereinigung an der Universität Berlin" ersehe, war di« Verbindung, der ich wahrend meiner Studienzeit angrhörte, »Well auf dem Kommerse vertreten und sehr wahrscheinlich werden auch einige Bunde«brüder von mir — unter ihnen voraussichtlich auch einige Glaubensgenossen — an der grauenvollen Eabbathfahrt Theil genommen haben. Ja, in Droschken erster Klaffe fuhren sie durch die Hauptstraßen Berlin» in die schöne, freie Gottesnatur hinaus, während ihre Bäter in den provinzialen Synagogen ihre Gebete zuni Himmel sandten. Es gruselt einen ob dieser »protzigen Repräsentation." Gewiß, ich würde es meinen Commilitonen sehr verargt haben, wenn sie als Mitglieder einer specisisch jüdische Jntereffen verfolgenden Verbindung gerade den Sonnabend zum AutflugStag bestimmt hätten, oder wenn sie in einer kleinen Stadl in einer CultuSgemeinde, die noch am rituellen Judenthum festhält, eine Saobathkneipe veranstalten würden. Aber die »Freie wissenschaftliche Verbindung" ist eine Vereinigung, die eben nur wiffenschaftliche Zwecke verfolgt und deren Mit glieder zum mindesten zur Hälfte Richtjude» sind. Sollen die jüdischen Mitglieder, die, wenn sie auch, wie ich hoffe, ein warnie« Herz für Juden und Judenthum haben, doch zum größten Theil mit den Ceremonien gebrochen haben,*) wenn von Verein« wegen der Beschluß gefaßt wird, zur würdigen Feier de« Etistungrseste» eine Fahrt vurch die Hauptstraßen Berlin« zu machen, etwa unter Berufung aus ihr Juventdum dagegen protestiren?**) Sie wiffrn e» nur zu gut, daß der größte Theil der jüdischen Bevölkerung Berlin» keinen Anstoß daran nimmt, daß sie Sonnabend durch die Straßen fahren. Worin die »protzige Repräsentation" liegen soll, ist mir n»ersindlich. Wenn junge Leute, in deren Ädern da» Blut noch feurig sprudelt, eine kleine Reiiomniirfahrt machen, so ist darin Ausfluß eine« jugendlich heitern Temperament» und hat gar nicht» mit »protziger Repräsentation" »u schaffe».***) Sollte der Herr Eorrespondent nicht wissen. weshalb gerade der Sonnabend für solche Feste gewählt wird') Run. dann will ich e» ihm sagen. Gewöhnlich ist man an denl Tage nach dem Feste in einer sogenannten katzenjäinmerlichen Stimmung, die, wie man sagt, dem Eollegienbesuch nicht sehr iörderlich sein soll. Man fühlt da« Bedürsniß, sich von den Wonnen de» vorausgegangenen Tage» aus d»m Sopha auszuruhen, ohne eine Einbuße in seiner wissenschaftlichen Ausbildung zu ertahren. Und hierfür eignet sich eben nur der Sonntag, f) Daß ein (germanisch) gebogene» Trinthorn unter eine semitisch gebogene Rase komm!, da« scheint t ei» Herr» Korrespondenten besonder» unangenehm zu sei». Run, ich bin der unmaßgeblichen Ansicht, daß die jüdischen Student.», die einer wiffenschaftlichen Bereinigung angehare», auch di.- Pflicht haben, an den Kneipabenden dies r Vereinigung Theil zu nehme», da» gesellige Leben zu pstegen, selbst au, die Gefahr hin, daß da« Trinkhorn unter ihren Rasen keinen sehr ästhetischen Anblick gewährt. 8»iiii»i» huiimittruiii, der He»r Correspondent, dessen Artikel ich immer mit Behage» l>se, hätte gut daran gethan, da« »Studentenstücklein" »nt feinen Gloijen nicht zu versehe». Sein« »Berliner Briese", die so viel Jntercffantes bieten, würden vielleicht dadurch um ei» pikante« Geschichichen ärmer geworden sein, sie wären aber — und das ist doch schließlich die Hauptsache — sine iru ei »uidio geschrieben. K-1. •) Die Sadbalhtzeiligunj in der- ^ahilich »ichl sa mir nicht« dir »ichl« unirr die Leremonir» zu w.i'en (.-Heo.) **) Sie Hilten, »dnr sich zu schäm.,., r.chlz illg aut di» Lollision mit ihrem A>l>»ion«ge!<tz au|.u.rl|.u,i hi ch.n mich.,,, un» nahm man daraus keine XuNsicht, so w-,r .» ihr« Pfl chi. »,chl daran iheilzunehinrn. Lie Hilten dadurch, in der Ächtung ihrer äummn,tonen wahrlich »i ch t 1 verloren I (Ärd) '"I Aber e» ist und bleibt rin issentltcher 0h 11)u 1 8ch»bb»»l (J(<h) t) Äu« demselben gründe finden in den uietslen Lchulen >m Lämmer gerade am Sonnabend di» stlasienauoflüge statt; religii« gesinnt« litte,n werden ihr« stinder daran n > ch I Theunehme» lassen. sZied.) (MMKI, 11. Juni. Vorgestern, Sonntag, Nachmittag 4 Uhr fand da« Leichendegängniß de« leider zu früh dahingrschiede« nenLandrabbiner« l)r. Samuel Meyer sta:t, welche« sich zu einer Kundgebung der Liebe und Verehrung gestaltete, wie sie herzlicher und allgemeiner wohl selten in einer Gemeinde zu Tage getreten ist. E» war, al» drücke die ganze Schwere de« Verluste» nicht allein die Familie de» Verstorbenen, sondern jeden Einzelnen tief nieder, und es trieb Jeden, dem treuen Führer ein letzte« Liebeszeichen zu geben; die hiesigen Gemeindemitglieder waren daher vor der festgesetzten Stunde wohl vollzählig erschienen, um die irdische Hülle zur letzten Ruhestätte zu geleiten. Die dein Rabbinate unterstellten Gemeinden hatten Deputationen gesandt, denen sich noch viele Verehrer de» Verbliche ien anschloffen; von den L.hrern de« Bezirks mögen nur w«nige gefehlt haben; außer diesen waren von nah und fern Freunde und B kannte, deren er eine so große Zahl hatte, herbeigeeilt. Bon der Hochachtung und Anerkennung, die er sich auch in nichtjüdischen Kreisen zu erwerben verstanden hatte, zeugte die Betheiligung der vielen christlicheil Mitbürger, sowie ganz beson»er» die Gegenwart der Spitzen der Behörden bei der Trauerseier im Hause und in der Synagoge.*) Herr Landrabbiner Dr. Buchholz au» Emden sprach iih Trauerhau e warm empfundene Worte de« Schmerze- und de» Tröste» Der Trauerzug nahm hierauf den Weg zur Synagoge Dem Leichenwagen voran schritten hohe Po» lizeibeainte, zur Seite gingen Mitglieder de» israelitischen Wohl» thätigkeit»-Verein», in Tr >u. rmänlel gehüllt, bem Sarge folgten die Familienglieder, die Amlsbrüder de» Verstorbenen au« H i ldeSheiin, Emden, Magdeburg (Dr. Guttmann, Dr. Buchholz, l)r. Rahmer), der Director der hiesigen LehrerbilduiigSanstalt Dr. Prager, sowie der Vertreter de» durch Krankheit verhinderten Laild-Rabbiner» Profeffor Dr. Herzseld in Brannschweig. Herr Dr. Ralf, und die Lehrer und Stift-gelehrten der hiesigen Gemeinde; ihnen schlossen sich die Spitzen der Behörden, die Bürgervorsteher, der Vorstand und die Repräsentanten der hiesigen Synagogen-Aemelnde. sowie die Deputationen an. Ernst uno still beivegte sich der Zug durch die Meng«, die auf d.in ganz n Wege auf b.iden Seiten sich gesammelt hatte, bi» zu dem Hauptportale der Synagoge; die nächsten Angehörigen trugen die Ba >re in den Tempel bi« zur Kanzel, von der so oft sein belehrende» und eihebende«, begeisterte- und begeisternde» Wort an die Gemeinde erging. Schwarzer Flor verdeckte sie heute, wie auch den Platz, den er an Sonnabenden und Festtagen einnahm. Al» die Bahre »iederges.tzt war. erklang vom Shnagogenchor der erschütternde Gesang de» ».Herr, w.i» ist der 'Mensch, daß Du sein geoenist", wie er bei der Gedächtnißfeier am Versöhnung-t ige vorgel a» gen wird. Alsdann ergriff Herr Direktor Dr. Prager da« Wort und anknüpfend an den Ver» de» Hohenliedes: »Mein Freund ist dahliigegüiigen zu seinem Garten" schilderte er, selbst tief ergriffe», in ergreifendster Weise, wie auch in dem Verstorbenen ein Freund dahingegangcn, ein Freund der Arinen und Reiche», de» Guten und Edlen, ein Freund und Verfechter des Judenlhums, ein Freund und Hirte seiner Geineindr, ei» Freund der Menschheit. Al» er mit innigem Gebete schloß und unter einem Schlußgesange die Leiche zurückgetragen wurde, war wohl kein Herz unben'tgt und kein Äuge thränenleer. Um 5,'/, Uhr langte der Zug auf dem Friedhofe an. In der Halle ward auf besonder» Äu isch de» Vorstände» von Herrn Rabbiner Dr. Rahmer da» Trauer» gebet gesprochen. Herr Landrabbiner Dr. Guttmann schilderte al»v >nn sehr eingehend die Verdienste de» Verstorbenen und an» knüpfend an di« Worte de» letzte» Wochenabschnittes 4. B. M, Cap. 27, B. 10 und 17 legte er dar, welche Anforderungen die Gemeinde an einen Führer und Leiter zu stellen habe, und wie der Verstorbene diese Eigenschaften in so hohem Grade beseffen, daß sein« Gemeinde eine Mustergemeiiide geworden, daß seine Be- * jedoch »ermißt« man jtmmUlche christlich« Geist iche, was wir um deswillen at« «in Zeichen »er Zen tzeroortzedeu, we>i der üerstoi^ene toierunt genua gewesen und »en oerftoroeucn christlichen Geistlichen j'.els das letzt» Geleit milzugeden pflegte.