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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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sich »tiuerii, sich diesem großen jüdischen Arbedwerk a>,zuschließen. Lin Wort zum Schluß. - Die Zeit drängt, e« ist k-tn« Stund« zu verlieren: wir bitten Sie daher, die Gemeinden mit dem größten Nachdruck aufzufordern, sich zur schnell» sten Ausführung der Schritte zu treiben. Für da» Central - Comitä: L- Siancuibbiu u. Ehrenpräsident. I. Derrnbourg, Bicepräsident. S. H. Goldschmidt. N. Leven. Isidor Löb. Secretär. L. Lehman. Schatzmeiste>'. Rückblicke und Ausblicke. Augenblicklich strahlt in Rußland audem „Ministerium für fremd« Kulte" ein iast jude »freundliches Aitlitz und, wenn es auch vielleicht »ur eine Maske i«in sollte, der allzu drückende Pessimismus der letzten Monat« entweicht da' mit auch von uns und hoffentlich noch mehr von de» eirhrimischen ruffischen Juden. Wir gewinnen wieder Zeit, u»S nach den inneren Triebfedern der Situation umzuseheu, wir brauchen nicht Hals über Kops uns auf eine M a s s e n - E m igration einzulaffen, die nur ei» Nothbehelf für den lag sein kann. Nur der Druck der Situation konnte darin rtwa die Losung der östlichen Judrnirage für einen Augenblick sehen laffen. Die social-ökonomische Kuitursrage, die heute bereits einen großen Theil der Jude» beschäftigt und der wir teutschen Juden uns jetzt, nachdem der antiseinitische Drache verreckt ist und nur die kleineren Ungethüme sich noch listig machen, mit voller Kraft widmen müssen, — wird durch die Seereise der 5—6000 Emizrirten nicht gelöst. Ein hervor' rogenoer Kenner Rußland« und durchaus nicht wohlmolle ider Beurtherler der russischen Juden veröffentlich jetzt eine Sieih« von Aussätze» über „Rußland und die Juden." ES ist der au» den „Greuzboten" Bielen bekannte, in Rußland ansässige Freiherr von der Brüggen. Die Broschüre dürfte Luisehen erregen, schon wegen d«S in ihr reich« lich zusammengetragenen Material» zur slavischen „Judenirc ge". ES sei ihr darum in diesem Blatte die gebührende Aufniertsamkeit gewidmet. Die russische Judenfrage, — hierin theilen wir den Sedankengang von der Brüggen's — besteht. In Rußland (mit Ausnahme der ehemals polnischen Gebiete ' ist der Jude noch nicht affimiliit, er führt ein Paria-Dasein und die klägliche Existenz jede« einzelner Juden dort ist ein Stück „Judensrage." Wa» sagt r.un der deutsch-russische Autor? Im Anfang seiner Schrift vor Allem Folgende»: „LS bedarf k>um >ines eingehenden Beweises, daß die gegenwärtige Judenverfolgung in Rußland unter Mitwirkung der Regierung vor sich gcht." „Jetzt, da an vielen Punkten des :>le>che» die Faust de» Bauern am Kragen und in der Börse des Juden gewese r ist halt« ich e« sogar im Interesse der Juden selbst für b-sser, daß sie au« den russischen Gebieten mit mö stichst sch-nendem Druck entfernt werden. Ein Mißjahr in Rußland würde sicherlich den Bauer mit ganz anderer Wuth aus den Juden ttetben al« Heuer und eine politische Umwälzung wäre ihm in erster Reih« verhängnißvoll." Da» ist sehr pessimistisch gedacht, mag aber richtig sein,solange die russische Juden!chast weder Recht noch Macht, noch tiefere Bildung besitzt, uw sich auch bet politischen Umwälzungen unter ihre» „Mitbürgern" behaupten zu könne». Den» im eigentlichen Rußland rxisbrt ja n Jude nur al» Contrebande und er besitzt in der llchat; nicht die Bildung (ebensowenig wie sie der Russe b>sitzt) um liberale Doktrinen vcrwirttichea zu können. „Allein — sagt von der Brüggen — e« ist ein Unterschied zwischen Rußland und den westlichen Gebieter, in welchen die 3utat von alieröher einheimisch sind. Hier ist rt eine alt eingebürgerte Bevölkerung, mit den anderen dort angesessenen Stänimen wirthschastlich, mannigfaltig verwachsen, von großer Zahl und großer, wenn auh vielleicht nicht immer, guter Bedeutung: eine Klaffe, welche eiüen erheblichen Theil der «irthschastlichen Interessen de« Lande» beherrscht, ein LolkSstamm, mit weichem zu leben und zü arbeiten eine lange Hebung die anderen BoltSangehörigen gelehrt hat. E« ist die wahre Heimath de» heutigen polnischen und deutschen Judenthum»." > Letztere» ist nämlich die fixe Idee unsere» Autor». Ihm I sind die CH fsämmtlicher jüdischen Firmen von Berlin, Ham- » bürg, ja Paris und London einst bei Taurogge» über die I Grenze gewandert und die wahre Wiege de« jetzigen deutschen I JustizministerS stand nach ihm in der .Heimath seine« „Elje" I oder „Behrele." Diese jüdischen Typen bezeichnet o. d. B. I als die geistige Aristokratie und da» sittliche Protelariat sie > sind ih,n unentbehrlich und doch möchte er al« polnischer Guts- I Herr die polnische Wirthschast am liebste» durch Handelsherren > au» der Alt Londoner City gehoben sehen. In solch.'» Pa- > radoxien l-ewrgl sich dieser geistreiche Schriftsteller, wenn er I da- „deutsche Judenlhum in seiner Heimaih" behandelt, wenn er I im Fall einer Mißernte sür da» deutsche, nach ihm ja ge- I rave vollständig assimilirte Judenthum Unruhen befürch- I tel. Wir erlaube» uns au« den sachlichen Aussühruaaen I v d. B'» den Schluß zu zieh-'», daß selbst die zum großen W Theil assimilirte» polnischen Juden nicht« zu sürchlen haben W und daß der Bewegung, nach der au» den alten jüdischen I Gebieten von Polen und Litthauen Schaaren von mittellosen W Juden über die Grenze strömen sollen, mit aller Kraft H von unserer Seile entgegengearbeit.t werden muß. In W der Thal haben wir denn auch vom Berliner Central-Asyl ■ Leute au« Tauroggen, Kowno u. f. w. s ä m m t l i ch. weil ■ sie Gebieten angehöien» in denen keine Bersolgungen statt- I fanden, z u r ü ckgeschickt. W Wir schließen diesen Artikel mit der ersreulichen Antwort, I die der Minister Tolstoi jüngst dem Herrn Poljakow, dem » Führer der Judendeputation — ivi« da« Petersburger Blau ■ „Wofchod" meldet, ertheili hat. Er sagte: I Die in der l>tzten Zeit gegen die Juden vorgenoinmenen I empörenden Bewalllaaten hätten ihn mit der aut richtigsten I Belrüdniß erfüllt; er werde, wie die Juden bald sehen wür- I den, diesen Schändlichkeilen ein End« zu machen wissen, I denn erkennekeinen Unterschiebt ivischenJuoen I und Richt-Iuden. Auch al« UiilernchtS-Minister habe I er die Schüler »ur nach stelßigen. fähigen, trägen und unsä- I higen unterschieden, ohne deren Religion und Nationalität I dabei irgendwie io Anschlag zu bringen. I Berichte und Correspolideuzeu. > Deutschland. I Frankfurt > M., 6. Juli. (Or.-Corr.» Gestatten Sie > mir. geehrter Herr Redakteur, eine Lanze ei'.zulegen sür die W armen jüdischen Studenten, die in dem letzten Briese (Rr. I V.) Ihr,« von mir sehr geschätzten Berliner Corresponoenten so arg mitgenommen sind, die — horribile dicin — rin Stud«»tenstückchen verübt haben. Der Herr Cvrrespondent hat schon einmal in einer sonst recht lesenSwerlhen Broschüre einen Pseil auf die jüdischen Amtsrichter abgeschoffen, nun ist e» nicht mehr al« billig, daß auch die Studenten — di« künftigen Amtsrichter — eine kleine Strafpredigt über sich ergehen lassen müssen. Die armen Studenten! Ein wahre« Kreuzfeuer wird gegen sie eröffnet; auf der einen Seil« jagt ihnen Herr Otto Glagau da« heiße Blei in den jugendlichen Leib, auf der andern Seite schwingt Ihr Herr Correspondenl die Zuchtruthe Uedrigen« will ich mich dem Herrn Correspondenten gegenüber legitimiren, er könnte mir sonst den Einwand machen, daß ein Unberufener sich in diese Dinge nicht hineinzumischen hat. Ich glaub« einigermaßen dazu berechtigt zu sei«, die Bertheidigung meiner Commilitonen zu

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