Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 27.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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9Q7 — lich« AUlchtllHg« au« valta kemreu, dt« d« verschtedevfteu Gesellschaftsklassen und Berussst-vd« aagehörten. Sttia tiiuigct gon diesen Flüchtlingen trug den ftafüur und die Ringellöck. chen, sonder« alle waren modern gekleidet, von diesen SS waren 19, s-mmtlich Knaben und Jüngllug«, de« deutsch-jüdischen Jargon«, der, wie Franzo« bemerkte, vor kaum SO Jahren noch dir ausschließliche Umgangssprache der russisch«» Juden gewesen, nicht mehr mächtig, weitere SS, Männer von 24 di« SO Jahren, wußten sich in beiden Sprachen gleich geläufig auszudrücken und nur 13, sämmtlich Männer über die Fünszig, verstanden wohl da« Russische, bedienten sich jedoch, da sie sich nur mühsam russisch au»drücken konnten, de« Jargon« al« Umgangesprache. Ihrem Berufe nach waren unter diesen 69 ein Lehrer der russlschiSraelitikchen Volksschule, 2 llniversitätsstudenten. 6 Gymnasiasten, 1 Apotheker, 2 Förster, s Hilsrdeamie, 2 vahndeamte, 3 Bahnconducleure. 2 Schmiede. :i Schlosser, 9 Ackerbauer, 8 Fabrikarbeiter, 4 Kaufleute, 3 Buchhalter, 6 ttommi«, l Buchbind, r. 1 Sattler, 1 Schuster und 3 Schneider. Diese Ziffern sind, ivie Franzo» benierkt, ein deutlicher Beweis für die Thatsache, die wohl den Leser de» Westen» überraschen wird, den. Kundigen aber nichts Neue« sagt, daß die Jude» der südrussischen Gouvernements aus ungleich höherer Culturstus» stehen, als ihr« GlaubcnSgenosien in Congreßpoleit und Galizien. Diese Jude», di« so ersolgreich an sich gearbeitet haben, hätten wahrlich ein besiere« Geschick verdient, al» e« ihnen zu Theil geworden ist. Baita ist heule eine Lrümmrrstätte und seine B, ivohner heimathlo«. Sehr interessant und überaus bezeichnend für da» russische Beamteiithum, das in deniselben Licht sich zeigt, wie e» Nicolau» Gogos in seinem „Revisor" gezeichnet, sind »nn die iveuern Schilderungen Franzo»' über die Ursachen der wüsten .Hetzen in Balt >. Al» im vorigen Jahre die Schandthaten zu Elisabethgrad die Juden Süarußlauds in die größte Angst versetzten und die ineistrn Gemeinden, uin vor räuberischen Angriffen geschützt zu sein, zu dem einzigen, Schutz veriprccheil» den. Mittet der Bestechung der Beamten griffen, wollte die lungere Generation Balta's, bi« aus ihre eigene Kraft vertraute, inerooit nichts wlffe». Aber die Vorsteher der Gemeinde traie» doch mit den Vertretern der Regierung in Btibindung. Der Preis den dl« Herrn für den Schutz der Juden forderleu, mar so enorm, daß der Vertreter derselbe», Herr PoSnanskl, die Verhandlungen abbrach. Die Gemeinde wandte sich nun durch einen andern angesehenen Kausmann, Herrn chlach«, mit ihrem Ansuchen an den Generalgouverneu>r Podolien» selbst. Der Gouverneuer, ein etwas beschränkter, aber unbestechlicher Mann, fragte telegraphisch bei de» Localbehör» den a», ob sie die Garan.ie sür die Sicherheit der Stadt udelnehmen konnten. Er erhielt hieraus die Antwort: »Unbedingt, nur den Fall erner Provocation der Juden ausgenommen." Dieser Begriff »Provocation" kam den Juden incht sehr geheuer vor. sie knüpste» daher nochmals mit den rocaldehorde» Verhandlungen an und es kam schließlich eine hinrguug zu Stand,. Einem von de» sauber» Beamten wurde» 6000 Rubel baar auSgezahlt, einem zweiten einige seiner Wechsel zurückgegeben und die Uebrigen nach Maßgabe ihre» Einstuffe» abgesunden. J.tzt waren die Herren natürlich von der Gelahr,, die de» Juden drohte, überzeugt, eS wurde M»lilarr »equirirt, deffen Euiquartirung und Beköstigung die Gemeinde übernahm und den Juden die Organisation einer bewaffnete» SicherheitSwache au» jüdischen jungen Männern gestauet. Di«,e Maßregeln halten Erfolg; während um Baita herum dir Grauet sich häuften, blieb die Ruhe dieser Stadt völlig ungestört. Dieser Erfolg steigerte da» Selbstgefühl der Gemeinde uno sie beschloß nun, obgleich die Stundung der Bauern seit Januar sich immer bedrohlicher genalleze, keine wettern Opfer sür Bestechung und Einquartirung zu bringen, sondern der eignen Kraft zu vertrauen. Di« Beamlen warteten vergeblich aus die Bitte der Gemeinde und ergriffe», da diese auöblied, selbst die Initiative, um die gewohnten Gelder eiuzuheiinsen. Denn schon am 20. Februar lud eiittr der Beamten einige reich« Jude« vor, theilte ihnen die Drobung der Bauern mU und schloß mit dem vor« schlag«: »Ich denk«, wir ordnen di«Sache in jeder Sieztehung so, wie im vorigen Jahr«. Di« Männer blieben aber stand« Haft, sie weigerten sich wettere Geldopfer zu bringen. Einige ängstlich« Juden veransta'teten jedoch privatim eine Eollect« und brachten 800 Rubel zusammen, die sie dem Beamten überreichten. Er nahm sie ohne Sträuben, lieh jedoch durch» blicken, daß er sie nur al« Anzahlung betrachte. Die Ge» meinde ließ sich aber zu weitern Zahlungen nicht herbeD Am 26. März fanden sich Morgen« an vielen Häusern geschriebene Proclamationen. welche sür den Ostersonntag eine „gänz« lich« Ausrottung* ankündigten. Diese Drohungen gingen offenbar nicht von den Bauern ai»«, die weder schreiben noch lesen tonnten. Sie rührten von den Beantten her, die sie al» Preffionsmittel benutzten, um die Juden zum Geldgeben gefügiger zu machen. Daß dem so war. wurde den Juden bald klar. Zwei Lage nachher, am 27. März, berief der erwähnte Beamte die jüdischen Rotabeln und befragte sie unter Hinweis auf jene Proclamationen, was sie endgiltig zu ihrem Schutze zu thun gedächten. Sie wollten sich selbst ver» theidigrn, war ihr« Antwort. Daittit ist'» nicht, erwiderte er ihnen. Ersten« würdet ihr selbst euch nicht zu schützen ver« mögen, und zweiten« wäre die Bewaffnungs-Organisation der Juden eine Gefahr sür die übrigen Bewohne, und könnte zu einer Ehristenhetze führen. Ich kann sie darum nicht gestatten." Die Juden blieben aber standhikt, sie Yachten, e« bedürfe einer ostentativen Organisation nicht, und an der Bertheidigung ihres Leben« und Eiqenthuins würden sie die Behörden nicht zu hinter» wagen. „Daß diese, beinerkt Franzo», zu Gunsten der Mordbrenner elnichreitcn können, hielten sie sür undenkbar — und die» war ihr Jrrthum. Balta stände (KUte noch blühend da. ive»» Polizei und Miltlair neutral geblieden wären." Franzo« bringt den Beweis hierfür. li. Berichte und Correspondeuzeu. Deutschland. Magdeburg. Herr l)r. R ü l s unternimmt e», >n einem Leitartiekel der jüngsten Rr. der „Jüd. Pr." den d,,S Gefühl unserer christl. Mitbürger verletzenden t a c t l o s e n „Ausruf" de» Herrn l»r. Plato (s. „Wochenschrift" Nr. 19 unter „Saarbrücken" (zu rechtfertigen, und zwar damit, duß er sagt: Herr Plato habe nicht» Unwahre» gesagt, „daß cs Christen sind, die au einen Welterlöser glauben, der vor 20 Jahrhunderten dem jüdischen Volke entstammte, welche die entsetzlichen Grausamkeiten begehen u. s. w." „Nun Juden waren es doch wohl nicht, bemerkt Herr l)r. R. mit unerbittlicher Logik hierzu, „welche Raub, Mord, Brandstiftung und Frauenschandung an nch selbst begangen haben'{ Ja «S sind Christen, wie «S Christel» waren, welche feit 1500 Jahren alle nur ervcntuche und ausgesuchteste Beschimpfungen und Verfolgungen auf uns gehäuft haben u. s. iv." Wir gestehen, daß diese Vertheidigung de« Herrn l>r. Rülf an der Spitze der No. 26 de» ge». Berliner Blatte» un« noch unangenehmer berührt ha« als Plaio's Aufruf. ES ist und bleibt mehr als taktlos, unseren jüdischen Mitbürgern zuzurufen: „Durch die kleinste Gaoe aber, mit öffentlicher Nennung Eures Namens und christlichen Bekenntnisse« dargereicht, rettet Ihr die Ehre de» christlichen Namens." Man giebl durch solche ungeziemende Provokationen gegnerischen Blätter» willkommen» Veranlassung zu Ausfällen gegen uns. So schreibt die neueste Nr. (36) de» „Daheiin" darüber: „Wahrlich. wer bricht da nicht in die Worte einer entrüsteten Zuschrift an un» aus: „Für solche Zwecke ist also unser Welterlöser gut genug; seine jüdische Abstammung ist ein passendes Object, um zu Geld gemacht zu werden! Die Begriffe über natioiiale Ehre sind verschieden. Die mernigen bewirken, daß ich ei» so geheischtes Alinosen nicht gebe und ich erlaube mir der Meinung zu sein, daß die Nation ed mach, « sollte wie ich. Für den rn» Elend Befindlichen haben wir, gleichviel