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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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> — 806 — I. Ein namhafter Prologdichter hatte einen Prolog angesagt. aber al» ihm nicht, wie er verlangte, IVO M. |ii Anasten — (nicht der Flüchtlinge, sondern) seiner Kaff» geMhlt wnrden, in letzter Stunde abgesagt. Für die von den jüdjschm Millionären und S^ott-men so viel sSlirtNt Sch^ftsttllec Berlin« aber gab e« bei dieser Woh'thättgkkik»vor>skliung nicht wi« au« Spanien, dem Land« der Kastanien, — Orden zu erwarten, dies« .Herren glänzltn also dutch »dwesinheit au» Beruf und die jüdischen Literaten wohl auch au« Neigung. Dt« Nokh unter den Flüchtlingen, da« Manko bei te» Htlf«- komit«'« ist grob «nd wieder meldet der Telegraph >on neuen Verfolgungen. Wer einmal einen Blick in da« Asyl für die russischen Flüchtlinge am schlesische» Bahnhose, Fruchtstraße 1, geworken, vergißt den Eindruck so leicht nicht wieder. <£4 ist ein große« Gehöft mit mehreren Speichern und Fabr.kräumrn, da« Herr Ad. Ehrlich mit höchst dantenSwerther Güte zum Berliner Eentralakyl hergegeben hat. Alle Einrichtungen in den beiden mit reinlichen Strohsäcken und Steppdecken, mit GesundheitSvorrichtnngen für De-insection u. s. w. ausgerüsteten Schlaffälen sind zweckmäßig. Für Bäder is: gesorgt, eine Hau»apotheke ist vorhanden, täglich inspiciren tie Aerzte, die Küche kocht vortrefflich, und Alle« wäre schön und gut, ivenn e« nicht bejainmernSwerthe Heimath-lose wäre,., für die hier gute Menschen aufopferungsvoll sorge». Am meisten drängen sich die zahlreichen armen Frauen mit ihren Kindern zu den Kieider-Depüt», wo sorgsam abgeschichtet alle Sorten von Kleidungsstücken lagern und von jüdischrn Wohlthätern im Schweiße ihres Angesicht« vertheiit werden. Den» die armen Petenten machen viel Lärm und Wirthschaft. Am liebsten nähmen ne Zolles doppelt und dreifach. Die Borrälh« genügen gerade, um d.n hübschen Kindern reine Hrmdchen (ein für Manch« seltene« Bergnügen). haltbare Oberkleidung und Schuh werk zutommen zu lasten und um die E -vachsenen ganz stattlich auözustaffiren. Hier und noch mehr an der Stelle, wo fr« Mnndvorräthe. al« da sind Erbsen, Bohnen, Zucker, Reis und Thee lagern, hat man «in erfreuliche« Bild. Außer dem nothivendigen Quantum Fleisch ist Alle« von humanen Menschen gespendet. Herzzerreißende Scene» aber spielen sich >.n einem anderen Raume, dem eigentlichen Bureau, ab. Da weinen, ja heulen die zur Rücksendung Bestiminten, welche da« Eomitü nicht befördern kann, da sie ohne von außerordentlichen Verfolgungen gelitten zu haben, aui Grund ihrer ständigen »ZoreS* au» Tauroqgen, Kowno u s. w. hierher geflüchtet sind. Man sollte mit Empfehlungen für diese nicht-Geflüchtet, n, sondern davon Geschlichenen vorsichtiger sein. Jevrn Tag komme» welche von ihnen von London, Pari« hilflos zurück und zu Vergnügungsreisen wird da» Geld in Europa nicht gesammelt. Alle schlechten und arniseligen Berufearten sind unter diesen Unglücklichen vertreten und so sehr man sie von« philanthropischen Standpunkt bedauern muß, so «eni; eignen sich diese Opfer alter ruflischer Staat«wei«heit zur Weiterbeförderung. Herr Dr. H. hat hier sein« lieb« Roth. Allein die Hauptleitung für die Versendung ruht nicht hirr, sondern in den Händen de« Centralkomitä'», in» Burrau der Köpnicker Straße, wo die Flüchtlinge ihr jetzige« Schicksal verkündigt erhalten. Hier im Asyl handelt e« sich zumeist um Verpflegung und dort in der großen Speisehille aus deal Hofe sind die freundlichen Dainen vom Verpfegung«- u » kömiti bereit« eifrig dabei, da« heutige Men«, bestehend in I Brühkartoffel und Klop«, herzurichten. U« '/, l Uhr wird I gegesten. Und da ist e» wirklich'ttne FkBid«. dt« Hungi rigtn an de« lang»«« reinlichen Tischen mit wahrem Bergnügen esst« zu sehdn. Mnwsitlich die graut« zeigen keine Spur vön ^rißüE. Zn der Thal, da« MittastGnahl ist vortrefflich, wt, wir un« überzeugen, da eine der anwesenden jungen Damen vom Lomitv un« zum Kosttn eingeladen. Morgen giebt e« Linsen und Fletsch, wie eine Tafel anzeig». Auf einer anderen Tafel steht: Wer zu spät kommt, bekommt nicht«. Dir munter ««.»schauenden Kinder sitzen wohlerzogen da neben den Müttern; Ehemänner neben ihren Frauen; sonst die Männer gesondert. Wir wünschen, daß e» ihnen Allen stet« noch so gut gehen soll. Doch »un erhebt sich einer zum „Benschen* und ein heiliger Schauer durchrieselt die Anwesenden, da wir di« Heimathloien hier laut und inbrünstig rufen hören: izd ton «d tbp ‘mn moai und danu rm-n U’rvrm '2i »d- Beim »ran n« i)d hh ruft eine der begeistert zuhörenden Frauen laut: Der Dank sür da» Eoniit» wird in da« Gebet eingeschaltet. Der schmucklose Raum wird für einen Augenblick zum Gotte» tempel, au» den leidgrsurchten Zügen strömt eine Anklage aus unsere mit Materialismus so „gesegnete" Zeit. Die Juden von Balta. Die jüngst erfolgte Berurtheilung einiger der ärgsten Th-ilnehmer an den Exceffen in Balta, lenkt die Aufmerksamkeit wieder aus diese in einen Schutt» und Trümmerhaufen verwandelte, noch vor Kurze,» so blühende Handelsstadt. Unwillkürlich drängte sich gleich beim Bekanntwerden der grauenvollen Vorgänge die Frage nach der Beschaffenheit der jüd. Einwohner Balta'« auf, man wollte ermessen, wie schiv«, und ungerecht sie die Schandthalrn der beutegierigen entmenschten Kazappen getroffen. Run sind wir in der Lage, diese Frage auf Grund der Artikelserie, vie unser ausgezeichneter Cultur- und Sittenschild.rec Karl Emil Franzo» unter der Ueberschrift: „Die Judenverfolgungen in Rußland* in der „R. g. P.* erscheinen läßt und vie in der bekannten Weise diese» Schriftsteller» mit einer v^n jeder Vertuschung und Schönfärberei in jeglicher Beziehung sich freihaltenden Feder geschrieben ist, beantworten zu können. Wir möchten nur an dieser Stelle dem Wunsche Ausdruck geben, vaß Herr Franzo» seine Artikel zu einer Broschüre vereinigen möge, sie wird dereinst ei» wichtiger, aus authentischen Quellen geschöpfter Beitrag zur Beurtheiiung der züngften Vergangenheit der rufflschen Geschichte sein und dem Geschichtsschreiber dieser blutgetränkten Epoche un'chätzbare» Material liefern. Zur Beurtheiiung des Bildungsstreben» der jüdischen Gemeinde Balta's sei hier die Thatsache erwähnt, daß e« da selbst eine von der Regierang autorifirte jüdische Volksschule mit ruffischer VortragSsprachc gab und außerdem noch mehrere nach dem Muster de, selben eingericht.te Privatschulen und daß etwa 60'/', ler schulpflichtigen israelitischen Jugend den ordnungsgemäßen Unterricht ngeoffen. Wie oorlheilhaft sich in letzterer Beziehung die Juden vor den griechisch orthodox-» Christen a»»zeich»e», erhellt au» dem Umstand«, daß z. B in der Stadt Petersburg nur 41*/», >» der Stadt Moskau, dem Eitze de» Altruffenthum», nur 12'/, der schulpflichtigen Kinder vie Schule besuche». Dieser starke Schulbesuch seiten« der (rufflschen) jüdischen Ingen) Baita'» berechtigt zu dem Echluffe, daß der Zustand der großen Maffe, speziell ihr Bildungsgrad ein für ruffische Verhältnifle außerordentlich günstiger ist. Franzo» ist in der Lage, un« hierbei au« eigner Anschauung die nüthig« Aufklärung zu geben. Er lernte i» Brody während seine» Aufenthalt» im Mai dort 59 männ-

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