Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 26. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 26.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935096-5938087--4632-5376917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

209 — Die Summe der hier eiugegangenen Beiträte kür , dr« ruffischen Juden beläuft sich bi« jetzt auf 36,»6« ML. dazu hatten die Synagogengemeinde« der Provinz ül>er ein Drittel — 12,298 Ml. — beigesteuert. Rljetz, 22. Juni. Da« angeküudigte Fest de« silbernen j HochzeitSjubiläuin« unsere« Rabbiner« wurde würdig gefeint durch ein» schmeichelhafte Adresse und werthvolle Labe reiten« der Gemeinde, wie durch viele Gratulationen, kostbare Geschenke ilnd eine überreich« Blumeuspende von Rah- und Fernstehenden au« unfern und andern Orten, auch Lachen, dem Ort« der früheren Wirksamkeit unsere» Rabbiner«, von Collegeu und sonstigen Freunden, Juden und Christen, unter denen auch die hiesige Geistlichkeit nicht fehlte. — Eine liberal« Versammlung in Alzey hat an de» Abgeordneten Ludwig Bamberger, al» den Vertreter de« W< hlkreise« Alzey-Bingen,, folgende« Telegramm gesandt: Die heute dahier eigen« zu diesem Zweck versammelten hiesigen Mitgsjeder de« Verein» der Liberalen sprechen Ihnen ihr Zustimmung und Anerkennung für Ihr Auftreten im Reichstage au«. Gegenüber den Angriffen de« Reichskanzler« bleib:n Eie nach wie vor ein echt deutscher Bollbürger und der Mann unsere« Vertrauen«/ Rurich. An einein der letzten Eabbathe legte Herr Rabbiner Ile. Shodow«ki hierfelbft der Gemeinde die Pflicht an« Herz, ihr Scherstein zur Linderung der Roth ri nserer armen Brüder in Rußland beizutragen. Seine Worte waren von Erfolg gekrönt. Eine veranstaltete Eollekte ergeb die Summe von M. 700, woran sich auch Bankier I. E- Cohen, nachden, er schon früher M. 300 gespendet, mit M. 200 deiheiligte. In Osru herrscht große Aufregung wegen zweie, pro- 'testantisch getaufter unehelicher Rinder einer jüd. Muter — Wozu der Lärm? Piri«. Da« Comitä zur Unterstützung der Russ»n besteht au« 50 Senatoren, l5 Deputieren. 7 Stadträtben von Pari«, 22 Mitgliedern. der Akademie, Schriftstellern und Gelehrten, 2 Oberrobbinern und 3 protestantischen Geif.ltchen. Katholische Geistliche fehlen leider. Doch wird die« ausgewogen durch da« schöne Schreiben, mit welchem der Erzbischof Cardinal Guibert seinen Beitrag von 1000 Frc« b«gleitet hat. — Dev, Executivkomit^ von 15 Mitgliedern gehört Herr Astruc al» Sekretär an. Singegangen sind bisher 711,00 Frc« (568,800 M.) £«nk*n. Ein Herr Henry Wentivorth Monk erlö ßt den Aufruf zur Gründung einer „Israelitischen Bank/ 200 Millionen M. in einer Million Aktien & 200 M. sollen da« Grundkapital bilde», dessen ein« Hälfte zum Hilsespenden von verfolgten Israeliten, die ander.' zu Handelsoperationen dienen soll. Un« ist der Plan unsympathisch. Da« Geschäft ist conf ession«lo« und die Verquickung von Geschäft und Humanität widerwärtig. L»ud«n. Der Kommissar von Canada hat telegraphisch dem Lordmajor die Ankunft von 377 ruff. Flüchtlingen angezetgt. 104 bleiben in Städten, 273 sind nach Manitoll« zur Ansiedelung geschickt worden Petersburg, 23. Juni. Eine Cirtularverfügunz de» Minister« de« Innern, Grafen Tolstoi, an die Gonverneure gtebt demselben kund, daß di« Berantworlung kür iernere antisemitisch« Demonstrationen auf die Gouverneure falle, und daß jede derartige Demonstration die sofortig« Entlassung und gerichtliche Verfolgung derjenigen amtttchen Personen nach sich ziehen werde, deren erste Ausgabe die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sei. Odeff«. Auf Antrag de« Generaigouoerneur« sind durch Synodalverfügung 32 orthodoxen Priestern und Kirchendienern in den füdrussischen Eparchieen, welch« sich um die Beilegung der Judenexceff« im Mat 1881 besonder« verdient machten, Belohnungen verliehen worden. Der alte Pfarrer. Und wieder «andern! Nachdem man sie nach Egypten und au« Egypten nach Kanaa« geführt, nachdem man sie in der babylonischen Gefangenschaft gehalten und dann nach der Zerstörung Jerusalems über den ganzen Erdboden zerstreut, nachdem man sie in deutschen Städten gemordet und geplündert hatte, war ihnen endlich im Osten eine Heimath geworden. Sie wehrten sich um ihr Leben gleich den Anderen, in deren Mitte sie wohnten, gleich ihnen kannten fie die Armuth, die bittere Roth, da« Joch der Arbeit, aber sie suchten den Trost nicht in der Branntweinschänke, sondern bei ihrem Weibe, ihren Kindern, und sie waren zufrieden, denn der alte Wanderftab hatte Wurzeln geschlagen in der slavischen Erde und begann zu grünen. HUcr weiß, ob er nicht noch einmal Blüthen tragen sollte über Rachtk — Und jetzt wieder wandern. Eine roh« blöde Menge war eine« Tage« i» die schmutzige Gasse gedrungen, in der sie eng beisammen wohnten und hatte den ganzen Ameisenhaufen zerstört, die Männer getödtet oder mißhandelt, den Frauen Gewalt angethan, nicht einmal die Kinder verschont, die .Häuser in Trümmerbausen verwandelt, Geld und GeldeSwerth geraubt, und wenn nicht geraubt, verwüstet, vernichtet und vor Allem keinen Tropfen Branntwein übrig gelassen. Dann waren die Soldaten gekommen und hatten den Pöbel vertrieben, und die Kinder Israel« berathschlagten unter deni einzigen Dache, da« man ihnen gelassen, unter Gotte« blauem gestirnte» Himmel, und »och in derselben Nacht ergriffen sie den alten Wanderstab, und zogen davon, dem Westen zu. E« war eine traurige Wanderung, trauriger al» die durch die Wüste, denn bei jeden« Schritte drohten Haß, Verachtung und Verfolgung, und kein Wunder wollte geschehen, und kein Mose« war da. mit dem Stab« dein Felsen Wasser zu entlocken, und man ließ die annen Gehetzten nicht einmal au« den Brunnen trinken, die am Wege standen. Endlich ein schwarzgelber Pfahl mit dem Doppelaar, die galizische Grenze! Schon glaubten sie sich gerettet, da traten ihnen Gen«- darmen und Zollwächler entgegen, man verlangt von ihnen, den Verttiebenen, Pässe, inan durchsucht sie, die Geplünderten, die nur da» nackte Leben gerettet, nach verborgenen, verbotenen Schätzen. Ihre Demuth, ihre Geduld überwindet auch diese« neue Hinderniß, und sie dürfe» die Grenze überschreiten. Ein freundliche« Doif, rin Kirchthurm, mit rothem, leuchtendem Dache. Sie ziehen zwischen den Strohhütten, den lebenden Zäune», den fruchttragenden Obstbänmen dahin und machen auf dem Platz vor der Kirche beim Brunnen Halt. Die Bauern umringen sie neugierig, sie leisten ihnen keinen Beistand, ober sie thun ihnen auch nicht» zu Leid«, und ei» blonder Knabe, schön wie ein Engel, nur mit einem Hemdche» bekleidet, erklettert sogar einen in hellen, Roth glühenden Baum und bringt ihnen Kirschen, die er für sie gepflückt. Da erscheint Barbaschko, der Taugenichts, der Pferdedieb, den die ganze Gegend sürchtet, und mischt sich unter die gaffend« Meng«. „Da steht Ihr und schaut", rief er „und wartet, bi» sie Euch die Brunnen vergifte, und die Kinder geschlachtet haben. Ist e« nicht eine Sünde, diese Verfluchten, die Christum gekreuzigt und die nian wie Wölfe und Füchse au» ihren Schlupfwinkeln verjagt hat, hier unter un« aufzunehmen und zu dulden V Fort mit ihnen, ehe wir fl« aber weiter reisen lassen, müssen sie Lüsegrld zahlen." So sprach der Elende, und seine Wort« fanden mehr und mehr Anklang, die Menge begann zu flüstern, zu murren und nahm endlich ein« drohende Haltung an. „Hier dürft Ihr nicht bleiben." sprach der Richter zu den armen Gehetzten, „aber Ihr habt nicht« zu befürchten und könnt ruhig Eure Straß« ziehen, wenn Ihr Kopf für Kops einen Silberrubel bezahlen wollt."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.