Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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.Wir sollen wir bejahlen?" erwiderte der Rabbiner, der gebückt, mit weißem Haar und Bart, auf einen Stecken gestützt, unter den Seinen stand, .hat man un« nicht beraubt? haben wir doch kaum da« Leben retten kSnnen! Gebt un« Speise und Trank au« Barmherzigkeit und laßt un« ruhen hier auf bloßer Erde, wir wollen Euch segnen und vor vem Abend den Ort verlassen." .Wir kennen Euch," rief Barbaschko .Ihr führt Schätze mit Euch, die Ihr dem armen Bolle erpreßt habt, kauft Euch io«, und dann auf der Stelle fort!" .Durchsucht un«," antworteten einzelne Stimmen au» derSchaar der Rinder Israel«, »überzeugt Euch, wir sind ärmer al« Ihr." .Betrügt, wen Ihr wollt," schrie Barbaschko, .un« bttrügt Ihr nicht!" Und wie aus ein Signal bewaffnete sich die aufgeregte Menge, die Männer griffen -um Dreschflegel und zur Sense, die Frauen und Kinder begnügten sich, die Steine auszuheben, die aus der Straß« lagen. Dann warfen sich all« zusammen aus die unglücklichen Vertriebenen, welche schreiend und jammernd die Flucht ergriffen. Doch wohin sollten sie fliehen? Die Straße vor ihnen war von ihre« Feinden gesperrt, der Rückweg war ihnen in derselben Weise abgeschnilten, nur «in Asyl bot sich ihnen, der von einer niedern Mauer umgebene Friedhof, der die Kirche umgab. Da« Thor, über dem da« Kreuz hoch in die Lust emporragte, war offen, hierher drängte man sie unter Stößen und Schlägen und einen Regen von Steine», um sie zur höheren Ehre Gotte« zu plündern und zu morden. Da, mit einem Male erschien oben auf den Stufen der Kirche rin alter Mann im schlichten, schwarzen Priesiergewande, deffen weiße« Haar im Winde flatterte und der ein Crucifix in der Hand hielt. »Halt! Ihr Rasenden!" rief er. .ist da« die Religion der Liebe, die ich Euch predige, seid ihr Tartaren oder Türken?" »Eie sollen ihr Geld herau«gcben," schrie die Meng« wie ein Mann. .Niemand soll Ihnen ein Haar krümmen," fuhr der Priester Ehristi mit erhobener Stimme, die wie ein kräftiger Orgelion in der Lust zitterte, fort, »seht hier den Heiland, der für die ganze Menschheit am Kreuze gestorben ist, für diese ebenso gut wie für un«, cr, der die Liebe ist und da« Erbarmen, er weiß nicht« von Euch, Ihr Heiden, Ihr Gotte»läfterer!" Die Menge zog sich erschreckt zurück und berathschlagte. Die armen Kinder J-rael« benutzten die Ruhe, welche für kurze Zeit eintrat, um sich hinter den Mauern de« Friedhose» zu bergen. Kaum hatte aber der Letzte von ihnen durch da« Thor den Gotte«acker betreten, begann von Neuem der Steinhagel. Hier sank rin jüdische« Weib verwundet aus den nächsten Grabhügel nieder, dort weinte ein Kind, dem da» Blut durch die schwarzen Locken herabrann. Da öffnete der greise Priester rasch entschloffen die Thüre der Kirche. „Hierher, Ihr Unglücklichen' Eure Brüder morden Euch, er aber, der die Liebe ist und der Schutz der Verfolgten, er nimmt Euch in seinem Hause auf." Die Menge blieb rrstaunt stehen, während die arme» gehetzten Juden in die Kirche flüchteten, deren Thüren sich mit'.eidig hinter ihnen schloffen. »Und nun zu Euch." fuhr der Priester zu den Bauern gewendet fort, »nicht Ihr seid da. zu richten, nur Gott allein. Fluch über Euch! Der Erlöser wendet sein Antlitz trauernd von Euch ab, die Kirche stößt Euch au», Ihr seid in Bann gethrn, so lange, bi» Ihr Reue und Leid erweckt und Buße thut für Euer verruchtes Beginnen." Mit zwei Bewegungen voll Würde und eben Zorne« schloß er da« Thor de« Friedhof-«. Die Meng« regte sich erst einige Zeit gar nicht, dann begann sie sich zu zerstreuen. In wenigen Augenblicken war der Platz vor der Kirche leer. Du sollst die Dürftigen speisen! Auch diese« Gebot de« Heilande« war lebendig im Herzen des alte» Pfarrer». Kaum war die Ruhe hergestellt, ließ er große Feuer zioischen den Gräbern de« Friedhöfe« anzünden, und der jüdisch.' Schächter begann da« Kalb, die Lämmer und da» Geflügel zu prüfen, welche der Pfarrer für die Hungernden schlachten ließ. Bald wurde ring-um gekocht und gebraten, und die Frauen au« den« Psarrhos brachten Milch und Waffer in Ein.ern herbei. E« kam Mittag und die Glocken schwiegen, e« kam der Abend, und sie schwiegen noch iinmer, ebensowenig ließen sich ihre schönen tröstenden Stimine», di« vom Himmel zu kommen schienen, am nächsten Morgen vernehuien. Die Gemeinde war in Bann gethan und sie empfand e» schwer und bitter. Man brachte ein Kind zur Teufe, der Pfarrer taufte e« nicht; mit Geigenklang und Flötenspiel kamen Brautleute, den ewigen Bund zu schließen, der Pfarrer segnete sie nicht; unter Wehklagen und Grabgesung brachte man einen Totzten, der Pfarrer begrub ihn nicht. Drei Tage und drei 'Nächte brachten die armen Verfolgten zioischen de» Gräbern zu, drei Tage und drei Nächte trotzten die Bauern, dann erschien der Richter und erklärte sich im Namen der Genieinde zu jeder Buße bereit. „Ich verlange nicht mehr vvn Euch," sagte d>r alte Pfarrer milde, ,al« daß Ihr die Gebote de- Heilandes erfüllt." Roch denselben Abend setzte sich ein gar sellsa, «er Zug in Bewegung. Ein halbe« Hundert Bauernivagcn au denen die armen wandernden Juden m,t Weib und Kind kauerte», umgeben von bew iffneten Bauern zu Pferde, die sie beschützten, an der Spitze der alte Pfarrer init dem Kreuz. So brachte man sie nach der Kreisstadt, wo ihre Glaubensgenossen sie liebevoll aufnahinen. Für ivie lange? Dann heißt e« weiter ziehen nach Spanien und über den Ocean, dorthin, wo da« Sternenbanner der Freiheit weht. Und wieder waiidern und wandern! *) Sacher. Masoch. •) filic lassen dieser »un de»! edlen Killer!>on Lacher. Masoch UN« zum Abdruck au« dein nächste Woche tisch.-inenden F u l l> tzesi seiner inlernalionalen Keaue „auf der Höhe" sreundlichst überlassenen zeitgemäflrn Erzählung ob»» den Schluß de« in -Ir. ltll begonnenen Bericht« über die russ. Flüchtlinge lolgen. Wa« Sacher < Maloch'« zartfühlender Dichlersinn »oetlsch verklärt. di« rauh« Äirkllchteil führt ei un» in aller Lraflhelt wieder oor. Möge <« oer rrrsslichen Kevu« durch weiier e Verbreitung von Wissenschaft gelingen. Bildung und Humanität die Besttaltlä» au« »er Menichenbrust zu bannen, und die Menschen zu lehren, „aus der Höhe" der weslnung zu wandeln. Mau »erat, auch da« Urlheil de« „l ö»l»ee» l«r.“ — im heutigen llttrraiurbl. (». 10«) Uder Sachei-Masoch. (Kedacliou.) \ Besitzer der ) werbienft»Medaille } S Sr 01. d. skalier« v. Oesterreich cvwwww\/a ns-iE i/WNAA'J Prerlgrkrtnt auf / ttkiiiliOni ) L»«s:ellung»n. \ »vwwa Schillchandkcktii, Thommantkl, Trauhimmcl etc. seiligi in anerkannt gediegener und «teganter »»«statiung die Kn»ftstt<k«r»t IsMor St Rosalie Reiter, Breslau, UnterlärL <»«„-> --».'Ni-,!! 3um Verhaus!! m-i »flerireu dieselbe« ein mm «4t«» und «l»i(|«MI »Owßti<t«r»i aus rolhbr. Sammet hier »»«gestelltes und jmittlftHtlt, Pracht»*ü«« nsne »mttz. [1444 I506J Fm Verlage dop. O). PpppelNNer« Buchhandluna ln Berlin, <).. Rr Ul, veue ArledrichSstraße, ist soeben erschien««» 3"Ö"in PTlS > M. Poppkia ikl'« Brrliller Bolkskalender für J-raelite» DC auf da» Fahr bü4U (tUSS). 41 MN literarisch»» »ail>en, Messe«, Märkten un» etnem Sedrnkdlatt »rrsehen. Prei« KN vt. ans Velinpapier durchschossen 7S Pf. Wandtalettder für «yttagoge«. Letzt- ». «efchlftgzimmer «ri 6M8. veiinpapier. Pr,»« 50 Bf g. vrkannte cermtt u. schön nn»»estMtt«t« Stalendrr