Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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- 199 ber von Rutfanb Scheidend« mit seinem Herzen nach Palästina, — e« wäre tbm ein süßer Trost gewesen, sein ursprüngliche« Mutterland für die Stiefmutter etnzutauschen. Ader der Mann, dem man «egen seiner ftenntnift de« Orient« allein ein maßgebende« Urtheil »utraule, beschloß e» ander«; wem eigne Mittel »« nicht erlaubten, der wurde und wird «it enormen Kosten unter ein unsympathische« Volk geschickt, besten ftuttur und Sprache ihm gänzlich unbekannt sind, wo des Trost seine« Leben«, die Religiösität, von unseren Brüdern nur ai« Hunbug betrieben wird. Diejenigen Rumäneu und I husten aber, welche nur moralisch« Unterstützung suchend sich I an Sie oder die Körperschaft wandten, der sie angehören, I wurden kalt zurückgewiesen. — Vielleicht haben Eie Recht — I der Sie ein P h i l a n t r o p sein wollen, aber nicht ein I nationaler Jude — nur vergesien Ei» nicht, daß Ihre I Gesellschaft damit der Führerschaft in jüdischen Angelegen- | denen entsagt, denn die Grundidee de« Judenthum« ist die I unaufIMlidK verbindnitg von Nationalität und Religion. — I Tie Geschichte wird einst Rechenschaft von Ihnen fordern. I wenn diese groß« Gelegenheit, ein jüdische« Gemeinwesen zu I aründen, unbenutzt vorüdergehen sollte, al« dessen Mitglieder I unser« Rinder einst im Auslande ebenso selbstbewußt aus- I treten könnten wie Engländer oder Franzosen. — Aber sie I wird nicht unbenutzt vorübergehen, — Gottes Wege sind nicht I der Menschen Wege, und wenn Sie au» beschränktevi EgoiS» I nu« eine Bewegung bekämpfen, für die jede« jüdische» 'Itatri- Inen Herz erglühen muß, so wird die Lache vielleicht lang- I-emer, vielleicht nnt größere» Opfer», als nüthig wäre, aber I^usgeführt wird sie werden. Sie selbst aber iverden den Kuhm verloren haben, zu dem Ihre Vergangenheit Lie 5» berechtige» schien. Jerusalem, Anfang Eivan 5072.! l»e. L. Herzberg. Berichte und Correspoudeuzeu. Deutschland. Magdeburg. Der Besitzer einer hiesige» gut renommirte« iiigarrettensadrik erklärte sich un» bereit, eine Anzahl tüchtiger higarrettenarbeiter unter den russ. Flüchtlingen in seiner Fabrik gegen gutes Honorar anzustellen. W,r lenkten di« Aufmerksamkeit der detr. Eomitvs in Berlin. Lemberg, Broby hierauf und sind bereit» einige recht geschickte unverheiralhete Arbeiter hier eingetrossen, die ei» gute» Unterkommen gesunden Naben. Es iverden noch einige hier erwartet. Aut diese Weise koimle vielleicht auch in andern Städten eine größere Anzahl dieser Leute unlergebracht werden, wodurch da» lheuere tluswanderungSgeld gespart werde» könnte. Der hiesige Fabrikant ist mit der Geschicklichkeit, Haltung und Führung der beir. jüd. Arbeiter sehr zufrieden. Berlin. Betreff« der an» Rußland kommende» jüdischen Auswanderer und Flüchtlinge ist i» Preußen auf den größeren Stationen, speziell hier ein freiwillig-ärztlicher Dienst organifirt, welcher di« »kranke». Maroden und Verdächtige» eussondert und theil« unmittelbar in die Krankenhäuser, theil» in baS für die Zwecke de« Sentral-Eomitä« geschaffene, mit De«- miectionö-Vorrichtungen, Bad u. s. w. versehene Asyl bringt. Wenn auch durch alle diele Maßnahmen die Gefahr, welche die Zusammen Häufung von UOOO Menschen mit sich bringt, deren Zustand nach anderweite», un» zugegangenen Nachrichten immerhin höchst trauriger Art ist, kei»e«weg« au« der löelt geschafft ist, sondern immer wieder wie der Funke unter der Asche glimm», so geht doch au« dem Obigen hervor, daß »0» allen Setten eisrigst und hoffentlich mit Erfolg daran gearbeitet wird, d«>seiden nach Kräften entgegenzulrete». Hamburg, 12. Juni. (Dr.-Sort.) Nach jahrelangen Lerhai'.dluitgen, «eich« zwischen dem Borstande der deutsch- >«raeiitischen Gemeind« und der Commission für die Verlegung der Begräbnißplätz« «egen der Erwerbung eine« Friedhof« in Ohl«dorf geführt worden sind, ist endlich der Vertrag zur Lnsführnng reif geworden. Genau drei und »in halbe« Jahr find allein fett dem Lage verstrichen, an welchem der Senat di« Grundbedingungen desselben an dlo Bürgerschaft brachte uno doch haben dieselbe» nur geringe Veränderungen erlahren. Sofort bet Eröffnung der Verhandlungen hatte der Gemeindevorstand sich zu jedem Geldopfer bereit erklärt und aus alle pecuniären Bvrtheile Verzicht geleistet, um nur da« zu erreichen. wa« ihm da« Wichtigste schien: di« Gewährleistung der Unantastbarkeit der Gräber und die ewige Ruhe der Todten. Eine Eigenthum»eriv«rbung dem Wortlaute nach war von vorn herein anügeschlossen, da der Friedhof einen Theil de« Sentraikirchhos« zu bilden bestimmt ist; indessen wird er vollständig getrennt und mit einer lebenden Hecke oder einem eisernen Gitter umgeben und mit einem eigenen Ei»gang«thor versehen werden. Auch ist der Vertrag mit allen Sautele.i auSgestattet, welche da» Eigen» thum«recht sichern Der 8 l enthält die Bestimmung, daß der Begräbnißplätz der deutsch-i«raelischen Gemeinde, auch nachdem da« gelammte Terrain in Ohlrdorf aufgehört hat al« Friedhof zu dienen, nur im Falle dringender Nothwendigkeit unv nur im Wege der Gesetzgebung, nicht aber durch Berwaltnng«maßregeln, wieder soll entzogen werden können. Im 8 2 findet sich die Zusicherung, daß die einmal mit Särgen belegten Grabstellen während der Dann de« Fried- Hof« nicht wieder geräunit oder aus'» -Neue beleg: werden solle». E« sind 10 .Hektare in Aussicht genoiamen und für jede .Hektare M. 6000 an die Ltaatrkaffe zu z> hlen. Außerdem sind die Beerdigungögebührcn wie für j> de« Grab auf dem Eentralkirchhofe zu entrichten uno zwar: für die Beerdigung m fortlaufender Reih, M. I». in Gittergräbern .„ 20, ferner bei dem Ankauf eigener Gräber. für eiu Einzelgrab M. 10, „ zwei Grabstellen „ 120, . drei Grabstellen „ :I00, auch bat die Gemeinde die Aptirung» und Draurirungskosten, kurz alle die Lasten zu tragen, welche sonst der Eommune zusallen. Und dennoch giebt e» hier noch Leute, welche sich nicht darüber beruhigen können, daß nicht ein jörmlichcr Verkauf stattgefunden hat; ai« ob nicht da« Exp> opriationSverfahren mit viel größerer Leichtigkeit da« Eigenthum wieder entzöge! ganz abgesehen davon, daß die Lage de« Terrain«, mehr als eine Meile von der Ltadt entfernt, und der Friedhof zu einem Areal gehörig, das auf ewige Zeiten zur Aufnahme der Todten bestiinmt ist, schon an nun für sich die größte Sicherheit bietet: während unsere Vorfahren sich begnügten, einen Play inmitten der Ltavt gegen jährlich Kammerabgade zu erwerben, welcher ihnen j.-de» Augenblick wieder entzogen werden konnte. Die Einweihung de« neuen Friedhof» wird »ermuthlich schon gegen Ende dieses Jahie« nattsinden müsse», da der Begräbnißplätz in Ottensen, der einzige, weläier noch nicht gänzlich gefüllt ist, wohl kaum länger als bis Oetober ausreiche» wird. Die portugiesische Äeineinde, weiche »och ihre Todten (wie früher auch die deutschcn) in Altona bestatt,t, wünscht an den, Begräbnißpiatze unsercr Gemeinde sich zu betheiligen und auch dieker die Beerdigung zu übertragen: da die Zahl ihrer Mitglieder zu klein ist. ai« daß e« ihr inüglich wäre, «in eigene« Terrain vom Staate zu eriverben. Im Uebrigen ist die Miltheilung in der »Zeitung de» Judenthums'', e» beabsichtig« diese (ssenieinde wie ihre Lchwrstergemcinde in Altona sich auszulöse», unrichtig. Hamburg» de» 22. Juni. (Or.-Sorr.) Am Dienstag fand die Grundsteinlegung zu eineni neuen israelitischen Waisenhause für Knaben statt. Der Platz am Pagendamm, für diesen Zweck besonder» geeignet belegen, ist der Gemeind« vom Staate geschenkt und die Baugelder sind, insoweit der vorhandene Fond« nicht »»«reichend war, durch freiwillige Beiträge ausgebracht worden.