Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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194 — btt Auffindung mir unverzüglich Meldung »u machen." — Der Minister des Innern Hit auch au alle Jurisdictionen eine Eirkular-Berordnung gerichtet, betreffs de, Hintauhaltung etwaiger Ausschreitung:» gegen die Juden. Der Minister ist überzeugt, dass in Ungarn leine Judenhetzen stattstnden werden, daß aber immerhin eine klein« Minorität die TiSza-ESzlarer Affaire für ihre Zwecke ausbeuten könnte. <k« werden da» her alle Jurisdictionen aufgefordert. All,« zu veranlaffen, um solche Ausschreitungen hintanzuhalten und üier etwa vorkommende Fälle sofort Bericht zu erstatten. RumLnte« Bukarest. Seit dem 27. November v. I. t,gt unsere Kammer. und nicht ein einziges NaturlisationSgesuch eines Juden ist während dieses halben Jahres bewilligt worden. Hier hält der Antisemitismus die Milte zwischen dem germanischen Pater und de», ruffischen Sohne. Man hat Vereine, deren Mitglieder sich verpflichten, bei Juden Nicht« zu!a»fen und sich bestreben, den Hausirhandel durch Nichtjuden betreiben zu lasse». Die Behörde», Menbahndirektionen u. s. w. verbieten ihren Angestellten das Kaufen bei Juden. Daneben wird auch ein wenig gebrannt — in jüngster Zeit besonder« in den Distrikten von Neant:u und Fulcin. Daher breitet der nationale Gedanke, nach Palästina zurückznkchren, sich immer weiter au«. Freilich der leuchtendste Stern an diesem Himniel soll sich als Sternschnuppe entpuppt haben. Sir Oliphant, der Vielgefeierte, wird nunmehr al« Bar- Kosiba bezeichnet, denn er hat in Konstantinopel seine« Buches wegen eine sehr schlimme Aufnahme gesunden, und in Folg« deffen erklärt, er könne niän« für die Juden chun, habe auch kein Geld, die voreilig bi« nach Konstantinop«! Gereisten zu unterstützen. Eine» schw ichen Hoffnungsschimmer bringt in diese« BerzweifelungSdunkel ein aus Odessa kommender Hinweis, daß die Pforte unter Palästina nur Jerusalem und seine Umgegend bi» zum todten Meere verstehe, während die fruchtbarsten Distrikte de» Landes, die Küste, der Boden um Tiberia» und da« Ostjordaniand schon ai« Syrien be>eichnet werde. Die dorthin Auswandernden brauchen also nur eine» Paß nach Syrien. Herrn Netter must entgegengebalien werden, daß man Ackerbauer al« die ersten Kolonisten hinsenden könne; die später Folgenden dürfen dann unter Leitung rer Erprobten leicht zu Landbauern werden. Vorläufig halte « die Neichen sich noch zurück. Der Mittelstand aber ist gewonnen. Au« Konstaatiasprl wird der »Köln Ztg." unterni 3. d. Mt«, geschrieben: »Die Frage der Judenansirdlung ist seit gestern in der Hauptsache entschieden. Die Pforte hat durch Decret Ländereien in den Gebiete« von Ada na, Aleppo und in Mesopotanten angewiesen und bestimmt, daß daselbst di« flüchtigen Juden ln Dörfern bi« zu je 20t) amilien angesiedell werden sollen. — Bon d,m Plan »ine« isenbahnbau,«, welche» wir früher erwähnten, ist in dem Decret nicht die Rede. Vermischte und neueste Nachri'hten. Berlin. Die Dinction de« hiesigen jüdischen Krankenhaus«« hat soeben ihren Jahresbericht für 1881 veröffentlicht, au« den, hervorgeht, daß diese Heilanstalt der« Wohlthätig. keitSsinn« von 182 Grmetndemitglirder» und den Bewilligungen der Gemeindebehörden die Errichtung eine« Er-acuations-Pa» villon« und eines ObductionShaufe« verdankt. Ersterer entspricht unter Berücksichtigung der lokalen BerMniffe. allen Anforderungen, welch« die neueste» Erfahrungen in der Krankenpflege an derartig« Bauanlagen stellen. In demselben befindet sich auch eine Einrichtung für Permanri.tbäder, welch« gestattet, einen Kranken beliebig lange Zeit bei Tag und Nacht in einem einer Badewanne ähnlichen Reservoir rmlerzubringen. Ebenso ist ein« Gartenhalle neu errichte«. Im vorigen Jahre wurden überhaupt 88» Krank« verpflegt, wovot» 545 geheilt, 1»0 grbeffert, 50 ungehetit entlassen und 01 gestorben sind, so daß am Jahresschluff« ein Bestand von 76 verblieb. Pose». Die von dem hiesigen Comitä für Unterstützung der verfolgten russischen Juden veranstalteten Sammlungen haben bisher einen Gesammtertrag von 31,228 Mk. ergeben. Davon sind hier 21,142 Mk. gesammelt, der Rest von 10,08« Mk. ist der Ertrag der in den anderen Städten der Provinz veranstalteten Sammlungen. Da» Lomitä hat 28,000 Mk. an die Lentralstelle in Berlin abgeliesert und den Rest zur Unterstützung der hier durchpaffirenden Flüchtlinge bestimmt. Bi« jetzt sind solche nur vereinzelt hier angelangt. Breslau. Der um die ruff. Auswanderer hochverdiente Herr Julius Wohlauer starb im AilSüben feine« Lieberwertes plötzlich am Bahnhöfe. BreSlau, 16 Juni. Der neue Fürstbischhof hat heute del, Rabbiner der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Tiktin, seine AntrittSvisite gemacht; letzterer hat auch mit dem früheren Fürstbischöfe Dr. Förster in gesellschaftlichem Berkehr gestanden. Leipzig. Der Borstand der vom scl. Jacob Nacho» begründeteil deulsch-iSr. »DarlehnSkaff« für Frauen und Jungfrauen" hat sich durch Eooptation von Frau Flora Meyer- N ach ob und Herrn Fritz Nachod erweitert, und wird, unter dem derzeitigen Borsitz der Frau Dr. Henriette Goldschmidt, sich mit allen Kräften bemühen, die Zwecke der DarlehnSkasse, treu den Gesinnungen und Absichten de« edlen Berklärten, auch fernerhin zu fördern. (Etwaig« Gesuche wegen Bewilligung von Darlehen, sowie alle daraus bezüglichen Eorrespondenzen, beliebe man an Frau Flo.a Meyer, Leipig, Leffingstr. 5 1. zu adreffiren. Stroßburg. ,11«. JSr." läßt sich von hier schreiben, da« einem jüd. Studenten nur seiner Religion wegen da» ihm bisher von der Negierung gewährte Stipendium entzogen und daß beschlossen worden sei, fortan keine jüd. Professoren anzustellen. (Wir erhoffen recht bald ein energische« Dementi - ren dieser Kunde. Red.) Au« Galizien. In Lemberg, Brody und in den Grenzbezirkc» Galizien» wurde mit der Repatriirung der zur Emigration untauglichen russischen Flüchtlinge begonnen. Denjenigen. welch« ohne zwingende» Anlab ihre», von Judenexcessen gar nicht betroffenen Heimatheort verlassen haben, werden die Neisekosten vergütet und ein Handgeld zur Wiederausnahme ihrer früheren Beschäftigung in Rubland gezahlt. Die Nepal, iirung geht bisher anstandslos vor sich Die russische» Grenzbehörden haben sich endlich entschlossen, den jüdischen Emigranten beim Verlassen des russischen Territoriums Pässe abzuverlangen. Man glaubt nun erwarte» zu dürsen, dass hierdurch di« Einwanderung cingedämmt werde» wird. Part». Der Fiscu» hat die rue de Srvign- 17 belegenc Mikivah als eine öffentliche Badeanstalt besteuert. Da« Eonsistorium reklamirte die Steuerfreiheit für diese religiöse Anstalt, indem e» daraus htnwirs, dah die Geineinde jährlich ein Beträchtliche« zu diese,» Zwecke zuschieße. Der Präfektenrath hat die Steuerfreiheit zugestande». Part«. Die Sammlunge» für di« Russen haben bi« zum 23. Mai 600 00 Frc«. ergebe». Die Ehristen betheilige» sich immer mehr. Emil Erckmann (der Schriftsteller) erinneu in seinem Anschreiben an die Hilfe, welche die in Amerika wohnenden franz. Juden 1870/71 geleistet haben I „Und ich hoff«, »ab all« Leute von Herz, alle Freunde de« Rechte«, des Fortschritte« und der Menschlichkeit sich dessen gleich mir erinnern werden." — Di« alljährlich« WohlthätigkeltSlotterie, deren Ziehung am 15. Mai stattgefunden, hat diesmal 80,000 Loose adgesetzt. — Herr Rönan gedenkt Ende September nach Palästina zu reisen, eine» Monat in Jerusalem zu bleiben und dann bi« nach Arabien zu gehen, wobei er den Sinai und seine Umgegend durchforschen will. Paris. Der grossen Eommtffion, welche die Regierung eingesetzt hat, »m zu prüfen, ob da« Prosta de« Sahara-