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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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so» brach «• zusammen. I» der That, di« Detail» find kvrrect — Ln Lebe« smrbe vorwiegend von ungarischen Juden a «gekauft und die Entfernung von Jaffa wird mehr oder weniger zwei Meilen betragen. — Aber die Hauptsache? Es kommt ja «ohl nicht viel darauf an. ob die Gründer ungarisch« oder ruffische Juden waren, und ob man zwei oder drei Stunden nach der jüdischen Niederlassung zu retten hat, aber ob da» Unternehmen wirklich schon am End« der ersten Saison ausgegeben werden mußte, ja ob e» überhaupt ausgegeben worden ist — da» zu wissen ist von der größten Wichtigkeit. — Jndeß, wie wäre r» möglich, daß bei einer solchen Corrcctheit in Nebensachen di« Hauptsache vernachlässigt würde? Ja, wer möchte eine Angabe bezweifeln, die durch die Unterschrift von Charles Netter beglaubigt ist? Wahrlich, Niemand. Sie glauben gewiß Alle», war Sie sagen. Aber Sie stützen sich vielleicht nicht inimer auf correctr Berichterstatter, denn welcher Mensch könnte mit eigenen Sinnen Alle» wahrnehmen, wa« er zu beobachten wünscht? Und Sie selbst hatten während Ihrer Besuche in Jaffa wahrscheinlich wichtigere Dinge zu thun, al» sich um die Zustände der in ihrer Nachbarschaft belegen«» jüdischen Eolonie zu bekümmern. Um so angenehmer wird e» Ihnen fein, wenn ich Ihnen nachträglich eine kurze Geschichte derselben gebe. Sie werden in Folge dessen gewiß nicht verfehlen, Ihren Jrrthum einzugrstehen und Ihren Fehler zu berichtigen, woran ja höher angelegte Naturen wie die Ihre eine besondere Freude haben. Im Jahre 1878, also vor vier, nicht vor zwei Jahren, wie Sie angeben, kaufte Herr David Gutmann in Verbindung mit sechs Genoffen da» in der Nähe des AudjeflusieS beiegene Terrain des Herrn Casiar, ca. 360 Hectaren, für den Preis von UI,400 Franken. Man hielt dies« Gegend allgemein für ungesund, und ich selbst, der ich damals Direktor von „Mikweh Israel" war, hatte Herrn Gutmann, al» er mich um Rath fragte, dringend vor den Ankauf gewarnt. Jndesien. der erste Erfolg schien meinen Befürchtungen und denen des Herr» Baron v. Ustinow, eines in Jaffa ansäffigen rnffischen Philanthropen, der ebenfalls sein entschiedene» Volum gegen die Wahl des Terrain» abgegeben hatte, zu widersprechen. Nach Ablauf der ersten Saison ivaren die Ansiedler, weit entfernt ihr Unternehmen verzweiselt auszugeden, mit dem Resultat ihrer Arbeiten znsriede», so zufrieden, daß sie, statt sich energisch der -tebauung ihrer Güter zu ividmen, alsbald varan ginge», die Eolonie durch den Ankauf eine» zweiten, noch größeren Grundstückes übermäßig an«zubehne.i. Eie kauften von Herr» Tajan für den Preis von 1-0,000 Franken ca I 300 Hektaren, einen Complex, der sich allerdings durch Güte des Bodens auszeichnet«, aber durch seine Lage in den Niederungen de» Audje eine größere Gefahr für die Gesundheit der Eoionisten bot. Dazu kan>, daß die Unlernehmer durch den zweiten Ankauf Verbindlichkeiten übernommen hatten, die ihre Kräfte überstiegen. Eie hatten sich verpflichtet, den Kaufpreis in verhällnißmäßig kurzen Terminen abzutragen und je näher die Zahltage herankainen, um so mehr steigerte sich ihre Unrutie. Während sie also bei Verkauf von Antheiien des erste» Gutes mit der strengsten Auswahl versahie» hatten, nahmen sie ,etzt einen Jeden, der den Prei« von 30 Napoleon für seinen Antheil von 10 Hect. zahlen konnte oder gor zu zahlen versprach, in ihrer Mitte aus und gewährten dadurch einer Menge von zweiselhasten Elementen den Zugang rn ihr bi» dahin wohlgeordnete» Gemeinwesen. Die neuen Ankömmlinge wollten sich der Autorität der ersten Unternehmer nicht fügen, sie baute» sich Lehmhütten am Audje und fingen an energisch ihre Felder zu bearbeiten. Aber der festeste Entschluß, die heißeste Begeisterung vermochten nicht« über die unerbittlichen Naturgewalten. Die giftigen Ausdünstungen der nahen Sümpfe zusammen mit dem Genuß de» von faulenden organischen Substanzen durchsetzten Fiußwaffer» erzeugten schleichende Fieber, de» Tage» arbeitete man in glüh-ndem Sonnenbrand und schlief de» Nacht» auf der kalte«, feuchten Erd«. Dazu kam eine höchst ungenügend« Ernährung, denn weit und brett war kein Dorf, alle Nahrungsmittel mußten drei Stunden weit von Jaffa auf Esel»- rücken htngeführt werden. So kam die Krankheit, so kam der Tod und mit dem Unglück allgemeine Verbitterung; jetzt sollten die Führer die Schul» tragen, denen doch l>i» dahin Niemand hatte gehorchen wollen. Statt sich zu fitmmttn, statt dt« gefährlich« Ntederlaffung im Thal auszugeber und sich auf da» Plateau zurückzuziehen, wo die Führer sich Häuser gebaut hatten, fing man an, dieselben und einander aus» Wüthendste zu bekämpfen und diesem wilden Hader gelang ,:«, vollen»» zu zerstören, wa» so vielversprechend angesangen hatte. Enttäuscht und verarmt begab sich der Rest der Eoionisten nach Jerusalem zurück, auch Herr Gulman», der mit eiserner Energie bi» zuletzt auSzuhalten hatte, zog e» wegen des Erlaßjahre» vor, seinen Wohnsitz wieder nach der Stadt zu verlegen. Die Bebauung von En Lebe» ist also vorläufig gescheitert, zum Theil wegen niangelhafter Leitung, noch mehr an» Mangel an Gehorsam, DiSciplin und Gemeindcsinn — eine Eolonie ist eben ein Staat im Kleinen, uno ein Staal kann nicht bestehen, wenn nicht da» Wohl des Ganzen dem »es Einzelnen vorangesetzt wird. Dazu kam entschiedener Capitalmangel. Die meisten Colonisten besaßen nicht» als die mühsam zusammen - gebrachten 30 Napoleons, mit denen sie ganz oder als Anzahlung ihren Antheil erkauft hatten, aber die Erde verlangte von ihren Belwneru mehr als Fleiß und Entsagung, sie vermag allerdings mit reichlichen Zinsen zurückzugeben, aber nichtanderes, als was sie von den Menschen erhalte» hat. Daist die traurige Geschichte von En LebeS, die für alle Zeiten als Bcivers dastehe:» ivird, daß die als bettelnde Faullenzer verschriene Bevölkerung Jerusalem'- im Stande ist, sich mit Todesverachtung in den Kampf zu stürzen, wenn es sich um die heilige nationale Sache handelt. Uebrigens ist dies Unternehmen noch nicht zu Ende Man hat vor einigen Monaten bei Jehudie in entschieden gesunder Gegend neuer Terrain zugekauft, dort sollen Häuser gebaut und Gärten angelegt und von dort au» die Oewirthfchaftang der Eolonie geleitet werden. Bon Ihren drei Fälle» ist also die erste Unternehmung gescheitert wegen schlechter Führung, die dritte, iveil man sich überhaupt keine Leitung gefallen lassen ivollte, — die zweite dagegen, die deutschen Eolonien, sind vollständig im Aufblühen begriffen. Aber rvarum erwähnen Sie mit kein-r Silbe Ihrer eigenen Niederlaffung von Mikiveh Israel, die doch »vohl geglückt ist. iveii sie nach zwölf Jahren nach fortbestehl? lieber eigene Berhällniffe pstegl man ja bester unterrichtet zu fein als über fremde. Oder sollten hier nnr UnglnckSsalle angesührl werden? Stand Ihre Ansicht voi» vorn ierein fest un» suchte» Sie nachträglich Gründe dafür aufzutreiben? Da» kann Einem pastire», ohne daß man es merkt, und wenn ich Ihre angeblichen Thalsachen mit den vagen Allgemeinheiten vergleiche, aus denen Sie vieielben erklären »vollen, so kani» ich mich de» Verdacht» nicht erwehren, daß Sie da« Opfer einer solchen Selbsttäuschung geworden sind — denn Ihre Gründe habe» mit den» Mißlingen dieser Ansiedlungen blutwenig zu thun, sie sollen an» Ende auch nnr beweffen, daß Eolonie», insbesondere jüdische Eolonien, in dresein Lande nicht gedeihen können, und darauf hin verlohnt es sich vielleicht, sie ein ander Mal zu prüfen. (Schluß folgt.) Berichte und Correspoudenze«. Deutschland. Magdeburg. Nach»-», vor einigen Wochen ein hiesiger christlicher Verein ,die Harmonie" ein Wohlthätigkeitsconcert zu Gunsten der verfolgten rusi. Juden im »Odeum" veranstaltet hatte, desien Ertrag sich auf c. 368 M. belief, veranstaltete am letzten Sonntag der hiesige trefflich geschulte ,Eh»agogen-Gesangverein" unter Leitung seine» Dirigenten Herrn Erdorann «in« Mat.nä« im Tempel zu gleichem Zwecke Hiesige jüdisch« und nichtjüdische geschätzt« Dilettanten hatten in uneigennützigster Weise ihre Mitwirkung dem edlen Zwecke

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