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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 25. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 25.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Skfetil a«. denn, toi« Sättig Szalay im ungariscken Parlament sagte, .di« meisten unserer deutschen Redolteure find Juden", — >« Deutschland bekämpft man die Juden al« Fremde, weil man genug de« Deutschthum« im Land« zu haben glaubt Haben ja ohnehin in den Jahven 1871—1881 mehr al« 800,000 Deutsche ihr Vaterland »erlaste», so haß Fürst vitmarck in seiner jüngsten Monopolrede die Raffeneniigration nicht umgehen konnte und sie mit den direkten Steuern zn erklären versuchte. Aus da« »u«kunst«,nillel der Kolonien werden Juden und Deutsche, die birlang nur vorübergehend zur geordneten Kolonisation geschritten sind, durch den Gang der Wrltereignisie dringend hiiigewiesen. Sind denn Kolonisationen jetzt schwerer, alin den Tagen dir Kolonisation de» 16. und 17. Jahrhundert«. Zerstreute werden gar leicht zerstampft und zertreten. Zersprengt wie Ke deutsch redenden Glieder de« jüdische» Stamme« sitzen D'Utsch« in Polen, Eüdrußland, an der Wolga, in Palästina und in Amerika — überall sitzen Deutsche und Juden. Immer weiter droht Deutschland Uebervolkerung und wirt rschaftliche Verarmung, da« von seinen in die Ferne gesandte» Kindern deinen wirthschastichen Rückfluß nach Deulschlanl erhält. Handel-kolouie». zu deren Gründung sich jüdische Betriebsamkeit und Kapitalsanlage unter deutschem Schutze vorzüglich eignen würden, erscheinen un« in den Tagen, dr Europa bewaffnet bi« an die Zähne dasteht und Race an Race sich auf dem engen Boden mütterlicher Heimath zer.eibt, als dauerndes Palliativmittel für unsere heutigen Krisen. Die KolonisationSsrage wird gegenwärtig eifrig di-kutiri und es erscheint ungegenüber der hastigen Beriverfung derEIlingerfchen Pläne für jüdische Kolonisation nicht unangebi acht, hier mit dem bekannten Wort eine« volk-wirthschastlichen Schriftsteller« zu schließen: „Die erste Erwerbung von Kolonien hat stet« 'in bedeutende« Anlagekapital erfordert und eine direkte Verzinsung de» Gelbe« ist oft nicht erreicht worden, aber indirekt hat sich die Auslage immer renttrt." Dimitri Tolstoi. Eine Reminiscenz. So mag wohl durch die Straßen von Susa »nd Ekbatana. durch die Provinzen Persien« und Medien« der Ruf erschallt sein: „Haman, der Judenfeind ist todt l" wie jetzt durch Europa und die ganze Welt: „Jgnaliew, der Lügenvater, ist gestürzt!" „Endlich! Gelobt sei Gott!" sagt Domingo im Don 'Carlos, al« Alba in« Cadinet de« König« berufen vird. Wie wenig auch in politischer Beziehung mit der Ernennung des Grafen Tolstoi zum Minister de« Innern geändert sein mag, so viel steht fest, wir Juden Hab.-» Grund, aufzuathmen und ein freudige« „Gelobt sei Gott" aa«zurufen. Denn da« ist Über allen Zweifel sicher, einen «hrlicheren, unbestechlicheren und patriotischeren Mann al« Dii'.itri Tolstoi hat Rußland kaum auszuweiien und da» will für den Nachfolger eines Manne«, dem jene drei Eigenschaften am allerwenigsten uachzurühmen waren, schon sehr viel sagen. Gras Tolstoi war 1866 bi» 1880 Minister l«r Bolkrausklärung und hat al« solcher in allen von jüdischen Schülern besuchten Gymnasien eine etat-mäßige Proseffur für Religion«, unterricht eingeführt, der Robbinerschule in Wilna räumte er di« Rechte eine« kaiserlichen Gymnasium« ein und die in Polen von den jüdischen Gemeinden errichtete« Elementar»! schule« «ahm er in Staatsverwaltung. Auch saust zeigte er sich den Juden geneigt «nd den vestrebungen nach weltlicher > BildiMg unter ihnen förderlich. Welch eine» Begriff aber ' rin so hochstehender und gelehrter Staatsmann in jener noch gar nicht so fernen Zeit von Inden und deren äußerer Erscheinung h ttte, mag folgend« Reminiscenz einer selbsterlebten Begegnung lehren. Für die in der großen ruff. Fabrikstadt Lodz lebenden 30,000 Deutsche hatte der Minister in wohlwollender Weis« ein deutsche« Gymnasium« gegründet und dem Bezirk«schulrath v. Berg den Auftrag ertheilt, geeignete Lehrkräfte im An-land« zu gewinnen. > Acht deutsche Lehrer wurden engagirt, darunter der Schreiber dieser Erinnerung, der eben nach fröhlich bewegtem Studentenleben in Heidelberg zum Iloetor philosophiae und maxister liberalinm artiuin promovirt war. Ich lege Nachdruck auf den Titel, denn unter solchem vollzog der Minister die Vokation. Es war rin freudiges Schaffen an der ganzen Anstalt, unv wir Alle betrachteten un« al« — übrigen« sehr wohlsituirt« — Pioniere deutscher Eultur im Osten. Rach etwa 3 jähriger Wirksamkeit erhielten wir den Besuch Sr. Excellenz de« Minister« der BolkSauMärung Grafen Tolstoi. Der Minister hospitirte in jeder Unlerricht-stunde bei jedem Lehrer besonders. Mit freudigem Stolze konnte ich ihn in m'iner Elaste erwarten. Endlich kam er, von dem Anstalt« - Director und Herrn v. Berg begleitet. „Sie sind der Doctor N.?" Zu dienen Ew. Excellenz! „Sie sind Ebräer? " Zu dienen Excellenz! „Czemuz nie nosiie prsiki? Warum tragen Sie keine Peie«?" (Ohrlocken). Tableau! . . . Roch verblüffter al» ich mag der edle und hochgelehrte v. Berg gewesen sein. Er ermannte sich jedoch schneller al« ich tief errröthend zu der in merkbar unwilligem Tone gegebenen Antwort: „Im Vaterlande dieser Herren kennt man weder Peie«, noch irgend welche die Juden auszeichneude Tracht." Da« Examen ging glänzend, der Herr Minister belobte mich öffentlich: ich aber hatte die Lust verloren, Schüler zu unterrichten, in deren Gegenwart ich nach den Peie« befragt wurde. Ich forderte meine Entlaffung und ging 6 Wochen später nach Deutschland zurück. Bald daraus wurde da» deutsche Gymnasium in eine ruffische Gewerbeschule umgewandelt und auch di« übrigen deutschen Lehrer bi« auf einen, der eine polnische Schauspirlerin geheirathet hatte, verließen den mit Salz bestreuten Boden- Trotz alledem begrüßen wir den Grasen Dimitri Tolstoi auf seinem schwierigen und verhängnißvollen Posten mit dem Worte Domingo'«: Endlich! Gelobt sei Gott! 6. Offener Brief. (Fortsetzung statt Schluß.) Und der dritte Fall? Diese» Unternehmen, sagen Sie, wurde von ungarischen Juden vor zwei Jahren, zwei Meilen von Jaffa entfernt, begründet, und am End« der ersten Sai»

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