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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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18S Gt»1t>>r1. Di« Spendenliste für di« russischen Flüchtling« in Stuttgart eröffnet Srtn« Hoheit PrtnzHermann vonSachseu-Ltsenach,Schwager Sr. Majestätne«König« Karl mit lOO M. Diese hohe Munifizenz muntert ,ur reichen Nacheiferung aus. — Unter dem 28. Mat d. I. hat die philosophische Facultät der Königliche» Eberhard-Karl-Untversität in Tübingen nach Ablauf von zehen Lustren da« Doctor-Dlplom dr« Kirchenrath« Rabbiner l)r, Wassermann. Ritter de« Friebricht-Orden lionnri, «-an,» erneuert. E« fungirten: al« Rector, Ir. Saxinger, al« Kanzler,, Gustav v. R u m e l i», al» Dekan der philosophischen Facultät, l> r A. ® o d ii, Professor der semitischen Sprachen. Da« Diplom hebt hervor, daß der Jubilar sich nicht nur um dt« würtember- Sjischen jüdischen Lultu«verhältnisse verdient gemacht habe, andern auch durch seine musterhasten Schriften in der poetischen Literatur sich aii»gez«ichnet habe — In Bucha» beging brr tsrael. Armenverein sein bojährtge« Jubiläum durch eine gotteedienstliche Feier. Die Festschrift mit der Festrede von Rabbiner Weimanu und dem Rechenschaftsberichte ist im Druck erschienen. Durch da» Unterstützu»g«wohnsitzgesetz ist die öffentliche Armeiiuiitersttttzung aut die politischen Gemeinden übergegange», dadurch sind die verschämten Armen in arg« Nothlage gekommen und um so mehr ist e« geboten, durch Privatarineiivereine die Dürftigen zu unterstützen. Die Rede mit dem Schristtexte: »Heiliget da« sünfjigst« Jahrl" ist nach Form und Inhalt geeignet, zum Werke der rettenden Menschenliebe auszumuntern. Oesterreich. Wien. Am I. Tage Schowuau« hielt Jellinek «ine jündende und alle Zuhörer tief erschütternde Rede, deren zeitgemäßer Text da« 0. Zehngebot nmn ns» bildet«. Wir wünschen. Jellinek möge in kürzester Zeit von seiner Augenkrankheit so weit geheilt sein, daß er im Stand« sei, seine anläßlich der Vorgänge in Rußland gehaltenen Reden herauszugeden, die unziveifeihaft «in bedeutende« Tapitel in der Literatur, dir jene schmachvolle Bewegung hervorgerusrn hat, einnehmen wird. Jellinek stellte in der SchowuauS-Preoigt die gewiß richtige Behauptung auf, daß unter allen 7 Millionen Juden gewiß kein Einziger sich finden werde, der au« bloßer Lust am Morden da« Leben seine« Nebenmenschen bedrohen würde. E« sei die» ein rühmlicher Vorzug und rin Zeichen der bedeutenden sitligenden Kraft de« Judrnthum» auf seine Anhänger; während da« Thristenthuin e» trotz seine« 2000jährigen Bestandes nicht verhindern konnte, daß rin großer Theil feiner Anhänger tief unter dem Thiere stehe und unschuldige Menschen mit teuflischer Lust hinmorde. Aber nicht nur derjenige sei, nach der Bibel und nicht minder nach den Grundgesetzen der Humanität, de« Mordes schuldig, der krn Mordstahl gegen leine» Nebenmenschen ziehe, sondern auch terjenige, »der ruhig dabei fleht, wenn unschuldige« Blut vergoffen wird." E« sei darum Pflicht der Machthaber und der Regierungen, wenn sie sich nicht in den Augen Gotte« und aller billig denkenden der Mitschuld an dem Hinmorden der ruff. Juten zeigen wollen, bei der ruffischen Regierung auf« Nachdrücklichste zu interoeniren. — Zum Schluffe sordet Jellinek »im Namen vieler edler Frauen"' die Gemeinde auf, Kleidungsstücke für die unglücklichen russ. Glaubengenossen, für die Halten Greise und Säuglinge herbeizuschaffen, damit die armen Opfer der ruff. Barbarei nicht den Unbillen der Witterung erliegen. E« bildete sich nämlich in unserer Stadt ein Comitä. bestehend au« den vornehmsten jüdischen Damen der Residenz (Baronin Bettiia v. Rothschild. Baronin Tharlotte Köaig«- warter (Anmerk: Diese edle Frau und begeisterte Anhängerin de« Judenthum« spendete au« ihrer Privatkaffe 2 0 0 0 fl. für unsere ruff. Glaubensgenossen,) Baronin TodeSco u. s. w., da« den obengenannten edlen Zweck verfolgt. Möge da« Beispiel dieser edlen Frauen in allen jüdischenGemeinden di« verdiente Nachahmung finden! Pest, 10. Juni. Da» Duell Wahrmann-Jstoczy wurde verschoben. Jstoczy ersuchte um Aufschub angeblich zur Ordnung privater Angelegenheiten. Jstoczy'« Freunde dringen in ihn, er solle Wahrmann irgend welche Benngthuung geben. Wahrmann'« Freunde erklären e« überhaupt für unzuläffig, daß derselbe sich schlage, einersett« au« prinzipiellen Gründen, weil da« parlamentarische Prinzip gefährdet märe, wenn der Vorgang Nachahmung fände, anderersett« weil Wahrmann fast ganz blind ist, (ein Ange ist seit Jahren total erblindet, da« ander« äußerst schwach). Aber beide Theile scheinen entschloffen zu sein, die Affatre auSzutragen. Muthmaßlich wird die Nachricht, daß da» Duell verschoben ist, nur tot* portlrt, um die Polizei, welche überall Wachen aufgestellt hat, irrezusühren. Pest, l l. Juni. Da« Duell findet heute oder morgen statt. Die Bürgerschaft denionstrlrt zu Gunsten Wahrmann«, und mehrere junge Leute stellte» dem halbbltnden Wöhrmann da« Anerbieten, sich statt seiner mii Jstoczy zu schlagen. Zwanzig Andrre beschlossen, nach stattgehabtei» Duell zwischen Wahrniann und Jstoczy Letzteren zu fordern. Pest, ll Juni. Telegramm. Da« Duell zwischen den Abgeordneten Wahrmann und Jstoczy wurde im Momente de« Beginntii« durch da« Erscheinen eine« Wachmanne» verhindert. Pest, >2. Juni. Nachdem die Polizei zweimal da» Duell verhindert batte, fand dasselbe gestern Nachmittag fünf Meilen unterhalb von Pest bei Er«zy statt. Bride Duellanten schaffen zweimal gleichzeitig aus zwanzig Schritt«. Beide blieben unverletzt. In Pest hatten sich vor Wahrmann» Wohnung Tausende von Menschen angesammelt. Die Kunde von dem Au«gange de« Duell« wurde mit stürmischen Eljenrusen begrüßt. (Die Ursache, warum Jstoczy den Aufschub de« Duell« verlangte, ist folgende: Jstoczy lebte im Konkubinat und besitzt vier uneheliche Kinder. Er wollte dies« vor dem Duell legitimiren. Vorgestern Nacht fand denn auä> in der Pester Theresienkirche die Trauung statt) Pest, g. Juni. Moritz Wahrmann hielt heute unmittelbar nach Jstoczy eine sehr wirkung»volle Rede. Während er erklärte, daß er selbst im Jnterreffe de« Staate», der vor Allem Magyarisch sein müffe, gegen jede« Einströmen fremder Elemente sei, wie« er darauf hin, daß eine Einwanderung ruffischer Juden überhaupt nicht stattfinde und auch nicht in Aussicht stehe Zur Tharakterisirung der Arti-Semiten citirt er au« »de« sogenannten Gelehrten Rohling'«" Schriften Stellen, welche gegen die Protestanten noch größere Schmähungen enthalten. Redner will auch der Regierung keine Weisung zur Intervention für die ruffischen Juden ertheilen, wie der judenfeindliche Antrag der äußersten Linken, um da« Land keinem moralischen Echec auSzusetzen. Redner schließt, indem er die Hoffnung ausspricht, trotz der gemeinen und schmutzigen Wühlereien von gewisser Seite werde e« in Ungarn keine Judenfrage geben. Zum Schluffe seiner Rede sagte W., den rechten Arm erhebend, »er hoffe al« Mensch, Ungar und Jude, daß die im Hause erfolgten Verhetzungen keine Konsequenzen haben werden, trotzdem der Boden dafür hinreichend mit Mist gedüngt sei." Wegen der letzten Stelle in Wahrniann'« Rede sendete Jstoczy die Abgeordneten Onody und Ezuhanyi zu Wahrmann, um ihn zu fordern. Wahrmann, dem die Forderung auf dem Corridor überbracht wurde, wie» dieselbe zurück. Jstoczy ging sodann im Corridor auf Wahrmann zu, insultirte ihn mit Schimpfworten und wollte denselben t h ä t l i ch mißhandeln. Der Abgeordnete Rohonczy intervenirte unter grober Aufregung. Wahrmaun verlangte vvm Minister- Präsidenten ausreichende SatifSaction. Dieser erklärte, e« handele sich um die Immunität eine« Abgeordneten, weßhalb auf mehrfache« Verlangen die Sitzung in eine geheime verwandelt wurde. Weder Wahrniann noch Jstoczy waren anwesend. Nach einstündiger Dabette wurde die Motion de» Minister-Präsidenten: »daß da« Haus über da« Factum der thätlichen Beleidigung einr« Abgeordneten durch einen anderen

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