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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Emopa'« wird geblendet. «U drm erbeutete» Veld« wird müdem Rerept Skobelew'« : „Mrhängen nur Juden auf', dt« Krteg«aklion vorbereitet und eine« Tag« beg nnt der Hunnen« zug gen Westen. Diese Kombination scheint un« die wahrscheinlichste, im anderen Falle erscheint der >e«potische Wahnsinn, der 4 Millionen menschlicher Wesen der allmählichen Brrnichlung preitgeben will, bloß, weil sie Inden sind, noch unerträglicher, weil unverständlicher. Wie s hnell-bei der ökonomischen Lag« Europa'» heute gehetzt, beleit tgt und zugeschlagen wird, wie schnell da« Her, de« Volke» vergiftet wird, auch wir wissen e« längst. Noch aber hat der De»poti«mu« sein Leichentuch nicht au«gebreitet und e« söl und darf nicht dahin kommen, — denn „der Gott, der Eifer wachsen ließ, er wollte keine Knechte*. Offener Brief an Herrn SharleS Netter. Jerusalem, End« Mai. Mein Herr! Sticht ohne große« Widerstreben gebe ich dem dringenden Wunsche meiner hiesigen sfeind« nach, di« mich gebeten haben, auf Ihren in den jildischen Blättern erschienenen Brief zu antworten, denn ich weiß, daß Sie meine Entgegnung einem Rest persönlichen Grolle« zuschreiben werden, und daß diese Annahme nur zu leicht dahin führen dürste, eine Diecuffion zu erbittern, die sich ohne Boreing«' nonimenheit und ohne Hintergedanken auf rein sachlichem Gebiete bewege» sollte. Da e« sich aber hier um eine Leben»- frag« unserer Nation handelt, so darf ich meine Etimnie nicht zurückhalten. ohne Berrath an der heiligen Sache zu üben. Denn e« hat ja jede« Ding seine Zeit, Sprechen sowohl wie Schweigen, ein Mal ist Handeln, da« andere Mal Unterlasten eine Sünde. Gestatten Sie mir also zu untrrsuchen, ob Sie den Thatsachen entsprechend urtheilen, wenn Sie die Lolonisation Palästina'« durch Juden verwarfen — vielleicht gelingt e« mir, Eie zu bestimmen, aus dem bisher befolgten Wege einzuhalten und jsthre unschätzbare Mitwirkung für diese große Sache zu gewinnen. Denn ein persönliche« Motiv dagegen zu stimmen, kann für Sie nicht maßgebend sein. Im Gegenrheil; wem ander» gebührte der Ruhm, den Abschluß einer achtzrhnhundertjährigen Geschichtsperiode anzebrhntzu haben, al« dem Unternehmer der ersten jüdischen Ackerbauschule im heiliger. Lande ¥ Wa« mich betrifft. >o verspreche ich, mich Ihren besteren Gründen zu unterwerfen, fall« ««Ihnen in einer vielleicht folgenden Entgegnung gelingen sollte, mich zr. überzeugen. Die Argumente, welche Sie gegen iric Eolonisation Palästina'« anführen, sind zweierlei Art. Sie erzählen in aller Kürze, welche Versuche in neuerer Zeit gemacht seien, wobei Sie merkwürdiger Weise Ihr eigener Unternehmen, gänzlich mit Stillschweigen Übergehen — und Sie geben un« dann di« Gründe dieser, ivie Sie sagen, mißlungene t Ansiedelungen. Sie waren, wie gesagt, kurz bei Aufzählung dieser Thatsachen, vielleicht zu kurz; e» wird Ihnen also recht sein, wenn wir ein wenig bei denselben verweilen. Ich habe großen Respeet vor Thatsachen und ich laste mir gei n eine Beweisführung gefallen, die daraus gebaut ist. Uber vor diesen rhatkachen? Ich glaub« wirklich, «» ist besser, dieselben auf ihren Gehalt zu untersuchen, ehe wir un« aus eine Di«euffion «tnlaffen. Denn wenn Ihre Angabe der Wirklichkeit entspricht, so lohnt e« sich freilich noch, die in ihren neitn Paragraphen enthaltene Begründung zu prüfen, sollte die« aber nicht gsuz der Fall sein, so scheint mir Ihre Theorie nicht aus sesten Füßen zu stehen. Der erste ncuerdtng« in diesem Land« gemachte Lolonisation»versuch geschah, wie Sie anführen, vor fünfzehn Jahren durch Amerikaner, und ehe noch achtzehn Minate verfloffeu, habe sich der Lonsul der Bereinigten Staate» genöthigt gesehen, den Rest seiner Land«leute in ihr« Hein,ath zurück zu besördem. Ich habe bei Herrn Floyd, dem einzigen Amerikaner, der von jene» Tolonisten im Lande geblieben ist. Ertundiaungen eingezogen, und er hat dies« Thatsache vollkommen bestätigt. Rach den Ursachen befragt, erzählte er, der Letter ihre« Unternehmen« sei ein gewiss«« Kr. «dam« gewesen, der zuerst ganz unpaffende« Land in der Nähe von Mikoeh Israel billig für keine eigene Rechnung angekauft Hab«, un, e« zu exorbitantem Preise an keine Freunde zu verkaufen. — Al« man die« Grundstück ausgab. um ein andere« zu erwerben, auf dem heut zu Tage die blühend« deutsche Lolonie bei Jaffa existirt, habe er die Geschäfte aus dieselbe niederträchtig« Weise fortgeführt. — Dabei sei dieser wackere Lhes selten nüchtern gewesen, da er täglich wenigsten« eine Flasch, Lognac consumirte. — Und ein Unternehmen, da« in solchen Händen ruht, sollte gedeihen? Da« wäre ja ein wahre« Wunder gewesen! Merkwürdig ist nur, daß sich die Sache ein und ein halbe« Jahr gehalten hat. Die Aktiengesellschaft möchte ich sehen, die ihr Wohl und Weh« einem Gauner und GLuser anvertraute, ohne sich in kürzester Frist bankerut erklären zu müsten. Ich sehe. Sie sind mit mir einverstanden. Jene Sinzelnheiten waren Ihnen entfallen. Natürlich. Sie schrieben ja Ihren Brief von Pari» au«, wo e» unmöglich war, Ihr Gedächtniß über Dinge aufzufrischen, die sich vor langen Jahren in Jaffa ereignet haben. Also dieser Fall beweist Nicht«, gar Nicht» gegen die Soloaisation Palästina'«; gehen wir also zu Ihrer zweiten Thatsache über. Die zweite Lo'.onie, sagen Sie, wurde vor zwölf Jahren theil« bei Jaffa, theil» bei Laiffa von Würtenbergern angelegt. Nachdem die Mitglieder dieser be.den Gemeinden die niitgebrachtcn Mittel erschöpft hatten, führten Sie, vermittelst in Deutschland und Amerika ge ammelter Almosen, eine zweifelhafte Existenz. Ich habe über diese Thatsache Erkundigungen eingezogen, und ich fand sie vollkommen bestätigt. genau so wie die erste. Dl» Leute erklären, daß sie anfang», unbekannt mit der Sprache und Sitte de« Lande«, ein saure« Leben geführt hätten, daß sie leider in Folge de« ungesunden, in der Nähe von Sümpfen gelegenen Terrain« in ihren beiden Jaffaer Colonien — denn dort rxistiren zwei deutsche Aasieolunge», wie Sie sich erinnern, — zuerst eine hohe Mortalitat-ziffer gehabt hatten, die nacb und nach durch die Eullur de- Lande« und besonder» durch Anpflanzungen von EucalyptuS-Bäumen auf da« normale Maß herabgegangen sei; sie gebe» auch zu, Unterstützungen von ihren Ä a»ben«brüdern erhalten zu haben, wollen dieselbeir aber nur für ihre Schulen verwendet haben, die allerdings für den Orient Außerordentliche« leisten. Die Thatsache ist also nicht wegzuleugncn, die Leute führten fr üher eine unsichere Existenz. Mehr sagen Sie ja nicht. Ihr Geist ist noch immer so befangen von den trüben Eindrücken, die Sie ohne Zweifel vor zehir oder zwölf Jahren in Jaffa erhielten, daß sie, gänzlich an die Gegenwart vergeffend, alsbald zu ihrem driiten Beispiel übergehen. Un« Andere intereffirt aber auch die Gegenwart ein wenig, und wir fragen: Ja, aber wie geht er denn jetzt diesen Deutschen? Nu» jetzt, da ist e« freilich etwa« Andere«. Da sind die Leute über den Berg, wie man zu sagen pflegt. Wenn man die beide» freundlichen deutschen Dörfer bei Jaffa und da« dritte bei taiffa durchwandert, die sich dreist jedem Städtchen in der Heimath an die Seite stellen dürfen, wenn man die sauberen, mit Ziegeln gedeckten Stein-Häuser, die wohlgepflegten Gärtchen mustert, die stattlichen Gemeind« - Häuser, die Schul- und Betsäl« und die komfortablen Hüte!« besucht, wenn man die Landwirthschast und Viehzucht in Gedeiheii und einem immer zunehmenden Wcinexport organistrt findet, dann sucht unser fragende« Auge verwundert da» Ihrige, Herr Netter. — Warum verweile» Sie bei einer längst überwundenen Vergangenheit, ohne der glücklichen Gegenwart mit einem Wörtchen zu gedenken? Ich weiß e« nicht. Vielleicht hatten Sie während Ihre« Aufenthalt« in Jaffa keine Zeit, ihre deutschen Nachbarn zu besuchen. In diesem Fall fragen Sie doch bet den früheren deutschen Lonsul, Herrn ». Münchhausen, der gegenwärtig in Kiew weilt, an. der jetzige hat wohl noch nicht Muß« gehabt, sich durch den Augenschein zu

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