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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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dadurch gegen -bol ^Gesetz Lotte« und der Mensche-, gefrevelt werde. Dies« Red« war von mächtigem Eindrücke. Gerichtlich« Vernehmungen über den geschilderten Vorfall haben stattaefunden, von gerichtlichen Anklagen und Verfolgungen iudeß hört man noch nicht». — — Herr Rabbiner l)r Rothschild feiert am 17. Juni da« Fest der stlbernen Hochzrtt. LnsRhrinhelleu. ao. Mai. (Orjtforr.) In Berlin ist eine jüdisch« Lehrerin, welche einen Frcbei'schen Kindergarten gründen wollte, zurückgewtesen worden. Selbstredend sollte der Kindergarten alle« Eonsessionen dienen, denn wie sollen die kleinsten Kinder schon von konfessionellen Unterscheidung«lehren einen Begriff haben? Die Regiening wollte tndeß der jüdischen Lehrerin dir Aufnahme christlicher Kinder nicht gestatten. Da entsteht die Frage, ob man ein Volk, dem solche« geboten werden darf, noch sortschritllich und freisinnig nennen könne. Die Zeitungen bringen de» einfachen Bericht hierüber, da« Volk liest ihn, Einzelne mögen ihre Bedenken dabei haben, aber sie äußern sie nicht, schon au« dem Grunde nicht weil eine Jüdin davon betroffen worden ist. Der größte Thetl de« Volke« geht an solchen Vorkommniffrn gleichgültig vorüber und wundert sich nachher, wenn er von Maßregeln der Negierung betroffen wiro, denen ähnlich« Principien -u Grunde liegen. E» giebt aber nur Sine Wahrheit und Ein Recht für Alle. Oesterreich. I*. Wie». „Helfe, wer helfen kann!" da« ist die Devise der Gegenwart, und je mehr Kreise an da« Unterstützung«» werk herangezogen werden, um so lieber. Wien hat bereit« sein Lentrum für die Eolonisation de« heil. Lande», der Verein „Ahawath Zion" geht jetzt an« Werk, Mitglieder und Gelder zu sammeln. Freilich stehen noch nicht die finanziellen Größen aus seiner Seite, dagegen wollen jene Männer vorläufig sich dem Vereine anschließen, welche glühende Liebe zu Zion im Busen fühlen. Bi« einmal der Ferman de« Sultan« erwirkt wird, dann konunen wohl auch die anderen, die Wankenden, die Zweifler und zuletzt söhnen sich die Gegner mit der Idee der Eolonisation au«. Beseitigt man die Scheingründe der Oppor- Iunität«männer. dann vollzieht sich ein große« geschichtliche« Werk, dann ersteigt au« den Flammen Rußland« und au« den Wassern der Donau, in welche man unser arme« Volk ver'enkt hat. ein neue«, schöne« Judentham. ein Phönix nach ^i>00 Jahren — I wie <« der Prophet geschaut und vorhergesagl. An dieser Mission arbeitet gegenwärtig auch ein Großer »ichtjüdlschen Glauben«, Herr Lawrence Olifant. Vielleicht steht er bereit« schon am nächsten Morgen im Name» der rum. Judenheit vor dem Sultan, um die Einwanderung nach Palästina in großem Style und Organisirung der Gemeinde auf größtmöglicher autonomer Basi« zu gestalte». Herr Olifant wurde in Jassy beim Delegirtentag mit großer Auszeichnung einpfangen und wurde ihn, da« Mandat der Vertretung beim Sultan sowie 3 Mitglieder de« Gesammt- <omitä« deigegeben, uni nach erlangter Genehmigung nach Palästina abzugehen und den ersten Exodu« in geregelter Weise vor sich gehen zu laffen. Der Verein „Ahawath Zion" tritt mit einem Ausruf vor die Judenheit und ladet alle ein ohne Unterschied ihrer religiösen Anschauung. Wa» dem einen an Religiosität abgeht, soll die nationale und humanitäre Seite ersetzen. Alle sollen helfen wie Brüder. Gestern umstanden da« Verein«lokal iuffische Familien, welche Unterstützung für Palästina sich erbaten Leider etwa« vorzeitig. Auch in K a t t o w i tz hat sich lireitSein Verein „Ahawath Zion" mit gleichem Ziele gegründet, au« anderen Städten sind Anfragen wegen Anschluß an'« Eomitä eingelangt. Schier hätte ich zu berichten Unterlasten, daß unser Verein eine Pflicht der Pietät übte, indem er Sir Mose« Montefiore zum Ehrenpräsidenten einstimmig ernannte. Pest. In Angelegenheit der ruffischen Judenverfolgungen hatte der Leopoldstädter Klub eine au» den Herrm Theodor tzüttl, Ladi«lau» Szakäll, Dr. Paul Ullmann, und Ande» deren bestehende Deputation zun» Abgeordn« en der Leopold» stadt, Herrn Moriz Wahrmann entsendet, ur.i den Herrn Abgeordneten zu einer Interpellation an die Regierung im Jntereff« der verfolgten russischen Juden in der > «zeichneten Angelegenheit zu veranlassen. Herr llllahrmann, welcher heute die Deputation empfing, dankte zunächst den Herren für da« in ihn gesetzte Vertrauen, und versprach denselben nach besten Kräften gerecht zu werden. Seine Ansichten über die obschwebende Frage setzte er in folgender Slleise au«einander. De- Wunsch de« Klub« könne entweder durch Einreichung eine« Beichlußar trag« oder durch «ine Interpellation erfüllt werden. Erster'S verlangt der Klub wohl selbst nicht, und auch der Interpellation stehen Schwierigkeiten im Wege. Die Regierung zur Intervention auffordern, verstoße gegen da« internationale Recht, die Interpellation könne also, wie dle« in Wien geschah, nur damit motivirt werden, daß auch für Ungarn durch da« massenhafte Au«- wande.n der russischen Juden eine Gefahr .-ntstünde. Die» sei jedoch nicht 'er Fall. Au« diesem GesichiSpunkte sei somit die Frage keine brennende. Redner hält e« deshalb für da« Zweckmäßigste, wenn der Gedanke einer Interpellation besei. tigt unv bi« zu der ohnehin bald zur Verhandlung gelangenden Petition de« Szatmärer Komi tat« gewartet würde, bei welcher Gelegenheit er seinen Einfluß in der seinen eigenen Gefühlen und den Intentionen de« Klub! entsprechenden Weise zur Geltung bringen werde. Die Regierung habe übrigen« auch schon bl«her einen öffentlichen Beweis dessen gegeben, daß sie die russischen Zustände und die dortigen Judenverfolgungen mit größtem Bedauern betrachte, und erklärt habe, daß wir in einem freien Land leben, dessen Gesetze jedem anständigen Menschen die Niederlassung gestatten. Auf die Frage de» Abgeordneten Wai>rmann, ob die Deputation diese seine Ansicht theile, erklärte der Sprecher derselben, Herr Hüttl, der Klub sei hauptsächlich von menschenfreundlichen Intentionen geleitet und würde terhalb wünschen, baß Wahrmann in dieser Angelegenheit vorgehe. Ein Mt» glied der Deputation warf nun die Frage auf, in welcher Werse dem Wunsche de« Klub« entsprochen werden könnte, fall« die Szatmärer Petition in dieser S.ssion nicht mehr zur Verhandlung käme. In diesem Falle wäre eine Interpellation dennoch nothwendig. Herr Wahrmann erklärt hierauf, er würde e« in einem solchen Falle am zweckmäßigsten finden, daß die Angelegenheit privatim mit Pen leitend,'» Männern der Regierung in meritorischer Weise besprochen werde. Rutzlanv. Kowno. Ueber den Brand bringt die „Köln. Ztg." von dort folgenden Bericht vom 19. Mai: Noch ergriffen von dem Grausen »nd Entsetze» de« gestrigen HimmelsahrtStage», beeile ich mich. Ihnen Mtttheilung über da« gewaltige Brandunglück zu machen» da» unsere Stadt betroffen hat. Gegen drei Uhr Nachmittag« entstand in einer Tabaksabrik Feuer, da« bei einem scharfen Nordwind« mit riesiger Schnelligkeit um sich griff, so daß binnen einige» Siunden ein ganze« Viertel der sogenannten Altstadt in Hellen Flammen stand. Die Feuerwehr. der e« an umsichtiger, energischer Leitung fehlte, arbeitete wie gewöhnlich köpf- und planlos mir ihr n mangelhaften ärmliche» Einrichtungen. Es gelang daher bi« zum Grauen de« heutigen Tag,« nicht, die Wucht des Feuer« zu dämpfen; ti brennt bi« zur Stunde noch, aber da der Wind sich etwa« legte, so hofft man, daß da« Feuer aus den jetzigen Herd beschränkt bleibt. Wohl gegen 100 Häuser an der Front der Straße sind leergebrannt, abgesehen von den zahlreiche-. Holzwohnungen, welche auf den Hos gebar.l waren Ein unabsehbarer Komplexiiegt in Trümmern, alle die>e Ruinen gewähre» einen schauerlichen Anblick. Viele Waarenmagazine und AerkansSläden sind leer gebrannt, au« denen bei der überraschenden Schnelligkeit ve» Feuer« wenig gerettet werden konnte. Der Schaden wird sich aus einige Trillione» Rubel belaufen. Mehrere Tausend Menschen, meisten» ärmere Juden» familirn, sind obdachlos. Die dürftige Habe, die mit großen

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