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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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166 sich lieber für «inen Kaufmann, all für einen Handwerker aukzugeben, fein Handweek nach Möglichkeit |u verbergen und mit allerlei fremd und pomphaft klingenden Namen (inarchand tailleur, Kletdermagazin, S chuhwaarenfabrtk. Bazar u. dergl.) zu drapiren. An alle Glaubensgenossen, dt« es angeht, sei hiermit die dringende Mahnung gerichtet, sich bet der bevorstehenden Zählung ihre« eigentlichen Brrus« 1» erinnern und der Wahrheit di« Ehr«zu geben. D<r Handwerker halt« sein Handwerk hoch l Rur wer sich selb) und seine Arbeit achtet, hat Anspruch auf die Ächtung seiner Mitbürger! Wenn alle jüdischen Handwerker diese Mahnung heheizlgen, so werden sie damit nicht nur ihr« Pflicht gegen da« Gesetz und da« Vaterland erfüllen, sonve-n auch der Sach« de« Judenthum» dienen, indem, sie Zeugntß adlegen für da« Handwerk unter den Juden/ (Wie unsere Leser sich erinnern, hatten wir über diesen wichtigen Punkt bereit« a» der Spitz« de» laufenden Jahrgang» (in Nr. I unserer Wochenschrift) — .lso vor 5 Monaten — einen Leitartikel gan» im Sinne diese« Circular« gebracht. Red.) Au« veurhen in Oberschlesien. (Or.Eorr.) Zu dem in der Rr. 9 der Wochenschrist vom 1. Mär,, d. I. besprochenen Su«trttt de« Herrn Amtsrichter R. in N.ustadl 0/3. habe ich Einiger zur Steuer der Wahrheit und ,ur Rechtfertigung der dem Schein« nach eng-und hartherzigen Gemeind« anzuführen. Herr R. bezieht nicht, wie Herr l)e. Woissohn refertrt, einen Gehalt von 2400 M., sondern von 3000 M. und außerdem einen Wohnungsgeldzuschuß von 480 M. Erwägt man. daß die Gemeinde nur etwa 25 bl« 30 beitragend« Mitglieder zählt, so ist ein Steuersatz von Sv bi« 120 M. jährlich kür ein immerhin gut sttnirte« Mitglied nicht ein so exorbitanter, daß au» diesem Grunde der Austritt zu rechtfertigen wäre. Denn eine noch so kleine Gemeinde muß zu Cultut-, Krankenpflege und UnterstützungSzweclen der Glauben«- Senoffen einen Etat von mindesten« 3000 Mark jährlich haen und in der von den letzteren erhobene« exigideln Steuer ist di« sonst in jeder Gemeind« freiwillig zu Vereinszwecken auferlegte enthüllen. Darum, gemach! Audiatur et altera pars, sollte der Herr Amtsrichter vor seinem Austritte — auch in seinen eigenen Angelegenheiten — sich sagen und vielleicht auch jetzt sich noch zum Eintritte bewegen lassen, der seinen Nachkommen dir Zugehörigkeit zu der G nossenichaft sichert, welche in ihrer Einigkeit unv Treue zu einander Jahrtausende lang den Stürmen der Zeit Wider «and geleistet haben. Bei dieser Gelegenheit soll auf ein. Anomal«« in der Steuerschätzung hingewicsen werde». Rach den meisten Gemeindestaturen hat, bei Umzügen, der Zuziehende sowohl die Steuern seine» früheren, als auch seine» jetzigen Wohnorte» zu zahlen, wenn er nicht rechtzeitig vor der Etalberathung seinen Umzug, zu einem bestimmten Termine de« nächstfolgenden Jahre«, anzeigt. Nun kommt e«, namentlich bei Beamten oft vor, daß eine Versetzung von einem Orte zum andern unvorhergesehen erfolgt und die gedachte statutarisch« Bestimmung trifft sie, wie alle plötzlich zu einem Umzüge genöthigten Steuercontribuenten sehr hart. Aller» ing» wird eine »>nfichlSvoll« Verwaltung, bitfe Leute, durch Steuererlaß bezw. Repartirung der Steuerkraft für da» laufende Jahr zwischen dem Zuzug»- und dem Abzug«orte mildem. Jnd.ß «st da« Reklam'ren und Borstelligwerden nicht je««» Manne» Sache und gerade Eultu»gemeinden, welche ethische Zwecke verfolgen, sollten sich vor solchen Ungerechtigkeiten hü.en. vielleicht dient diese Anregung dazu, da« von dem Gem, indebund längst er- «vartete Normalstatut zu fördern. Nunmehr etwa« Lokale«: Der hiesige Verein pm roisn, zur Beförderung der Handwerke unter den iSralttischen Glaubensgenossen. zählt gegenwärtig 190 Mitglieder, hat nach dem letzten Jahresbericht ein vermögen von 3162 M. 97 Psg. und im verflossenen Geschäftsjahre 1118 M. 50 Pfg. eingenommen und 860 M. 50 Pfg. auSgegebei«. Die größte Ausgabe absorbtrte der Zuschuß für Handwerkslehrlinge, welch« in vreSlau da« Handwerk erlernen. Au« diesen nackten Thatssachen ist zu ersehe», daß der Sinn für da« Hmtdwerk und dessen Förderung bei de» Jude» reichlich vorhanden ist und hier «ollen wir erwähnen, daß in Benthe» 0/6. allein etwa 80 selbstständige jüdisch« Handwerksmeister extftire», die mitunter sogar schwunghaft da« Geschäft betreiben, da« sie oft mit der Kunst zu veredeln erfolgreich bemüht sind. So bat der hiesig« Steinsetzmeister und Bildhauer S. R ose n t hal für seine bei der letzten schlesischen Gewerbeau«stellunim Jahr« 1881 zu VreSlau kunstvoll angesertigten Marmorarbciten die Verdienstmedaille erhalten. Schließlich die N,ri,. daß auch hier eine „Commission zur Unterstützung der russische» Juden" unter der Leitung de« Herrn Amttrichter Levi sich gebfldet hat, daß unsere Nach. Karstadt Sletwitz zu dem gedachten Zwecke bereit« 3730 M. aufgrt'ammelt, daß «in werkthätige« jüdische« und chriitliche« Comitö in der Grenzstadt K a t t o w i tz sich gebildet und Hand in Hand miteinander erfolgreich durch Gewährung von Speisen, Kleidungsstücken und Geld an jede durchreisend« miserable Trupp« zu wirten bemüht ist. dal«, 12. Mat. (Or.-Cor.) Wa» un» in dieser traurigen Zeit einigermaßen beruhigen kann, da« sind die menschenfeindlichen Kundgebungen für unsere verfolgten Brüder in Rußland. Auch di« christliche Welt, so we«t sie nicht von dem Antisemitismus ergriffen worden, scheint sich immer deutlicher daraus zu besinnen, daß wir im Jahrhundert der Aufklärung leben, und daß d«e Menschlichkeit nicht bei den Scheivewänden aushören dürfe, «velche die Koniessionen zwischen einander aufgrrichtet. Auch im Culmer Kreis« hat. wie e« scheint, vir Menschlichkeit den engherzigen KonsessionaliSniu» glücklich überwunden. Bei der Bildung eine« HilfScomite« für diesen Krei» glaubten wir aniang» au» leicht erklärlicher Zurückhaltung un« nur auf Glaubensgenossen beschränken zu müssen, aber kaum hieß es, daß sich hier ein Coinit«; zu Gunsten der russischen Juden gebildet, so erklärte sich der Landrath, der GerichtSrath, der Bürgermeister und die angesehensten RlttergutSbesitzer de» Reiches gern bereit, in da» Comilü einzutreten und unsereni au die Bewohner deS Kreise» gerichteten Aufrute durch ihre Unterschrift e«nen besonder» Nachdruck zu geben. Der Aufruf hat seine Wirkung nicht verfehlt, die Zeichnungen haben bisher ein recht günstige» Resultat ergeben. Alzey, 19. Mai. (Or.-Corr.) Der von hier au» über die jüngste» Vorgänge ln dem benachbarten Flonheim in der „Frankfurter Zeitung" veröffentlichte Bericht ist in andere, politische und jüdisck« Zeitungen übergegangen. Cin ruhig in der WirthSstube sitzender jüdischer Handelsmann wird von einem christlichen Viktualienhändler angeredet: „Nächstens komnien wir auch hier an die Juden wie in Rußland; dort geschieht e» ung straft, so auch hier, daß wir die Juden abschlachten und auSplündern; 25 Mann sind schon dazu bereit, ich stelle mich an die Spitze mit einer rothen Fahne und Schärpe." Der Jude ging bald daraus ruhig seine« Wege», da folgte ihm der Händler nach und verletzte ihm von hinten el.en so derben Schlag auf den Kops, daß er für todt.hinfiel. Andere traten dazwischen, um ihn sortzutragen, da rief der Händler: „Lasset ihn liegen, er ist todt, nun gehen wir an dt« anderen Juden." E» stellt sich frelltch heran», daß der Handelsmann den Händler wegen einer alten, aber berechtigten Forderung verklagt hatte, inveß sind außer der Tha« auch die Motiv: und Aeußerungen de« Thäter« bedeutungsvoll. Dir döse Saat, welche Deutschland autgestreu«, geht auf, russische Vorbilder werden in Deutschland nachgeahmt. Bei einer am jüngsten Sonntage in Flonheim gehaltenen Grabrede fand der Rabbiner Dr. Rothschild auch «in zahlreiche» christliche« Publikum mit dem Bürgermeister de» Ott» an der Spitz«. Er nahm Veranlassung, den Lehrern der Jugend, den Predigern de» Volke», den Wächtern de« Gesetze» und jedem au» der Lersanimtung Vorhaltungen über die gemeinsamen Vorschriften der Nächstenliebe in beiden Religionen zu machen und forderte Jeglichen auf, da'ür Sorge zu tragen, daß Eintracht und Fried« der Bevölkerung nicht gestört und ,c-

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