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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Gefahre» dem wüthenden Element entrissen wurde, fällt vielfach in die Hände zahlreich« Diebesscharren, die ungehindert ihrem Raubhandwerk obliegen. Man fleht nicht allein die Strolch« und echten Berbrechertypen volle Kisten urb Säcke u. s. w. fortschleppen, sogar die zur Wach« ausgestellten Soldaten betheiligen sich fleißig am Stehlen, wogegen sie die armen reitenden Leute oder ta» in Angst und Sorgen zuschauende Publikum vielfach in der rohesten, empörendsten Weise mit Kolbenstöben und Fußtritten traktirten. Wie viele Menschen umgekommen sind 'st augenblicklich noch nicht festzustellen. Ob daö Feuer durch Unvorsichtigkeit entstand ov« ruchloS angelegt wurde, ist noch nicht ermittelt. Wegen Verdachts der Brandstiftung foll.-n jedoch einige Verhaftungen erfolgt fein. lieber den in d« Nacht zum 8. d. M. stattgefundenen Brand der Stadt Smorgo n kann ein Coirespondent der „Zrkf. Ztg.* au» Kowno Folgendemiltheilen: Smorgon liegt an der LibauRoinny-Bahn zwischen Wilnr und Minsk. Der Brand ist aller Wahrscheinlichkeit nach aurch den Pöbel, in Folge Aufwiegelung desielbe» durch Agi atoren, angelegt worden. Juden au» jener Gegend batten schon vor längerer Zeit die Mittheilung gemacht, daß viele Leut«, deren Hau» brannte, die in der Eile geretteten Sachen mit ihren Kindern aus den jüdisch n Kirchhof in Sicherheit brachten, dann in die Stadt zurückkehlten, um noch Weitere» zu re:ten Die Säuglinge betteten sie auf den Bündeln. Inzwischen «schienen Kazappen aus dem Kirchhofe, begosien die gerettete.Habe inlt Petroleum und steckten auch dies« in Brand, wobei viel der Kinder mltvcrbrannten. «mcrika. Cinciooatl, 7. April. Der plötzlich am 3 April verstorbene Rabbiner l>r. Max Lilien ts al wurde im Jahre 1815 in München geboren, besuchte di.« dortige Universität und folgte im Jahre 1839, nachdem er im Jahre 1837 promovirt hatte, einem Rufe al» Direktor des damals neu gegründeten hebräischen Seminars in Riga. Durch feine Erfolge be» v« Leitung dieses Institute« lenkte er die Aufmersamkeit der rusifchen Regierung auf sich, die ihm auch in Folge desieir den Auftrag ertheüte, die westlichen Provinzen des Reiche» zu bereisen, um seine aselbst domicilirten Glaubensgenosien zur Eröffnung ähnlicher Anstalten und zur Leitung derselben nach dem von der russischen Regierung angeregten Plane zu bewegen. Diese sein« Misiion fiel so günstig und so zur Zusrievenheit der Regierung aus, daß Pr. Lilienthrl im Jahre 1842 vom Minister de» öffentlichen Unterricht» nach St. Petersburg berufen und dort al» Rath in denen Departement angestellt wurde. Aber schon im Jahre 1843 gab er diese Stellung wieder aus, da er sich mit gewisicn vom Kaiser Ricolau» angebahnlcn Reueruugen nich zu befreunden vermochte, und wandert« nach den Bereinigten Staaten au». In Rew-Pork angekonimen, wurde er von drei jüdischen Gemeinden al» Radb ner bestallt und erüfinete hier später ein jüdische» Pensionat, den« er bis zum Jahre >833 Vorstand, um alsdann einem Rufe al» Rabbiner nach Cincinnati Folgzu lersten, eine Stellung, die er bis zu seinem nunmehr erfolgten Tode bekleidete. Palästina. H. Jerusalem, 2ü. April. (Or. Corr.) Bor Kurzem sind eine Anzahl jüdischer Familien (29) au» Sana in Kiemen über Bombay hier angekommen. In Axdeida, dem Sana nächst gelegenen Hasen, wollte inan sie n ar nach dreimonatlicher Quarnntaine nach Port Said befördern; sie zogen e» deßhalb vor, sich nach Bombay einzuschiffen, von wo sie aus Kosten de« Hause» Saston nach Port Said befördert wurden. Dort in Alexandrien, ist der größte Theil vcn ihnen au» Mangel an Mittelit zurückgeblieben. Für die diesige» haben wie für'« Erste eine kleine Samnilung veranstaltet, jetzt sind sie sehr wohl im Stande sich zu ernähren, da sie fast alle geschickte Handwerk« find (u«eist Maurer). Wie sie angeben, sind sie auSgewandert, weil mau sie zwingen mollie, am Sabbaih zu arbeiten. Sie «zählen, daß die Juden in Sana den Arabern Frohndienste leisten wüsten, ein Zustand, der sich feit der Zeit des neuen Pascha zur Unerträglichkeit gesteigert Hab«. Derselbe scheint sich in Constantinopel über diese Auswanderung beklagt zu haben, denn man hat von dort au» an unfern Pascha die Ordre ergehen lasten, die Sache zu untersuchen. Die Einwanderer siud also vor Se. Sxcellenz be« schieden; ihr Bericht über da» Elend der Juden in Armen ist zu Protocoll genommen und Bericht an die kaiserl Re. ginung demgemäß erstattet worden. Wir zweifeln nicht, daß die Rathgeber dieser Krone, welche gleich ihrem Souverain von Wohlwollen für unsere GlaubenSgenosten beseelt sind, nicht anstehen werden, Uebelstlnden abzuhelsen. di« nur bestehen konnten, wenn sie nicht bekannt waren. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdeburg. Mit der Uebe»sendung einer Spende für die rust. Juden «hielten wir von einem höheren pr.uß. christl. Beamten folgenden Brief: „Gewiß darf ich hasten, daß Sie beifolgende . . Mark — mein Echerflein zur Linderung der Leiden der armen rust. Israeliten — nicht zurückweisen werden Wuth und Abscheu ersaßt Jeden, der überhaupt «in Herz hat, wenn man die Gräuel dieser christlichen Bcstien — verzeihen Sie den Ausdruck, aber er ist, glaube ich. einzig und allein am Platze — liest, und e» drängt sich Einem der Gedanke ans, daß nicht die Bekenntniste der einzelnen Religionen, sondern nur sittliche und menschenwürdige Erziehung den Menschen zu dem macht, was er sein soll. AU« Glaube ohne sittliche Grundlage ist unnütz." Gießen, 18. Mai. Die hiesi,e Freimaurer-Log« hat an Rabbiner I>r. Leoi folgende» Schreiben gerichtet: „Die Freimaurerei ist aus» Höchste empört über die jeden Rechter und jeder Gesittung hohnsprechcnde barbarische Mastenversolgung friedlicher Israeliten in Rußland und erhebt überall die Stimme de» Abscheus vor dieser höchsten Schinach unsre» Jahrhundert». Auch die hiesige Loge hat sich in diesem Sinne ausgesprochen und eine» Beitrag von ■ . . zur Unterstützung der ihrer Hab und Heimath beraubten Unglücklichen verwilligt, den ich Ihnen anbei zustclle, um gesällrge Empfangsbescheinigung bittend." Rordhaosen, 2». Mai. lOr.-Corr.) In unserer Richbargemeinde Bleicherode wird demnächst eine neue Synagoge — durch unseren Rabbiner — eingeweihl werden. Der Vorstand l»d den Präsidenten der Provinz, deir Landralh hier, den Bürgermeist«, das Magistrat«- und Stadtverordnetcn- Collegium und die christliche Geistlichkeit Bleicherode'» ein. Aur diese Einladungen kamen von all den Genannten Absagebri.se, Antworten, daß sie sich nicht betheiligen werden. — Al» vor Kurzem ei» begabter junger iSrael. Dichter Lichtenstein von hier in B. einen Vortrag über Bcrthold Aiterbach zu Gunsten der russischen Juden «»kündigte, da geruhte der Herr Bürgermeister, diesen Portrag zu verbieten. — Anläßlich der gestern stattgehabten Scelenfeier hi-lt unser Rabbin« eine Denkrede aus Jakob Rachod, die eine» sichtlich tiefen Eindruck machte. Trenlsktt (Ungirn). Der Nolhschrci unserer hart bedrängten rust. Glaudensbrüder drang auch zu uns und verhallte nicht ungehört. Schleunigst wählte die Gemeindevertretung 2 Hcrrcn ans ihrer Mitte, die di» edle Werk de» Sammeln» nnternabmen, da» auch bald ein erkleckliche» Ergebniß hatte. Auch die Frequentanten de» hiesigen Gymnasium«, angeregt durch eine Predigt bei ihrem Studenten-GottcSdienft, spendeten gern. Wien. Von Isidor Singer, dem Bers. der Broschüre: „Berlin, Wien und der AntisemitiSmu»,' «scheint soeben rin größere«, sehr intereffante» Buch: „Presse und Judent h u m*, besten Reinertrag den rust Juden gewidmet ist. E« ist den» edlen für die Verbesserung der Lage so opferfreudig tbä-

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