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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1882-01-01 · 13. Jahrgang Nᵒ 21. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
13 (1882)
Issue
13. Jahrgang Nᵒ 21.
Date
1882-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bit geringe Straf«, welch« di« Verbrecher getroffen, stehen doch wahrlich mit der Geöß« ihre« verbrechen« in keine» entsprechenden ausgletchendeu Verhältntffe, so daß der Gerechtlgteil Genüg« geschehe« wäre. — In hiesiger Stadt hat man uwsomehr Ursache über diese Vorgänge «rstanat »n sein, al« Kaiser »lexander III. mlitterlicherseit« »in Sprößlinq de« hie« sign, nlanchten Fürstenhaufe« ist, da« schon seit Jahrhunderten sein« gerechte humane und wohlwollend« Gesinnung gegen seine jüdischen Unterthanen bekundet Hai Hier lebt noch ein Onkel de« Kaiser«, der Prin» Alexander, ebenfall« ei» huma. nn, edelgesinnter Fürst; und Herr Or. Marx. Rabbiner der hies. i«r. Religionügesellschait, hat schon einigemal in Angelegenheit der ruffischen Juden bei demselben um »»dien, gebe« ten und sede«mal erhalten. Herr Dr. M. hat dem Prinzen di, unerhSrten Gräuelthaten. die an den ruffischen Juden ohne ihr verschulden verübt werden, in lebhaften Farben grschtl. dert und ihn gebeten, sein fürstliche« Wort für diese unglücklichen Menschen bei seinem Reffen, dem Kaiser, einzulegen. E« unterliegt gar keinem Zweifel, daß der Prinz der Bitte in der wohlwollendsten und eindringlichsten Weise entsprochen, allein, solange Jgnatiew da» EtaatSruder in Händen hat, werden alle diese Bemühungen sruchtlo« bleiben. — 9«liHin«. Jernsale» 20. April. Die jüdische Waisenanstalt zu Jerusalem darf sich jetzt de« Besitze« eine« eigenen Hause« rühmen. Die Möglichkeit zu dieser erfreulichen Thatsache gewährte die Spende einer hochherzigen Frankfurt«! Dame und die Mitwirkung ihrer edlen Vertreter, der Herren Rabbiner Dr. Horowitz, Adolph Barr - Goldschmidt au« Frankfurt a/M. und H. A. Franklin au« London. Seit Peffach bewohnen wir ein stattliche«, von einem brrühmten arabischen Architekten erbaute» Hau«, da« mit seltener Solidität — die Mauern sind über eine» Meter dick — und einer gewissen Eleganz erbaut ist. Daffelbe, zehn Minuten von der Stadt entfernt, aus der Rordseite der Jaffaer Straße gelegen, enthält neun hohe und geräumige Zimmer und einen zum Theil überdachten inneren Hof. auf denen die Kinder bei ungünstiger Witterung die frische Lust genießen können, zwei Eiftern.n, einen schönen Borgarten und einen großen Hofplatz »ebst einem kleinen Hintergebäude, von der vorderen Terrasse genießt man eine entzückende Au«- sicht auf die gegenüberliegende, jetzt im frischen Grün prangend«, mit stattlichen Landhäusern geschmückte Hügelkette, über welche ein wunderbar violetter Schleier gehüllt, da« Moabttergebirge emporragt. — Al« die Nachricht von dem abgeschlossenen Kaufe in der Stadt bekannt wurde, haben wohl einige Zeloten Thränen vergossen, aber bei dem weitau« größten Theil unserer Brüder war die Freude allgemein, daß ein solche« Besivthum in jüdische.Hände übergrgangen sei. Und daß die« geschehen, verdanken wir der umsichtigen und energischen Leitung unsere« Borstande«, de« Herrn M. Gottschalk Lewy, Ed. Mendt und Oe. D. Easscl. Bor Allem ist e» Herr Gottscha'.k Lewy. der ehrwürdige Vorsitzende desselben, der mit unermüdlichem Eifer und mit rührender Lieb« für die , verlassenen Waisen Jerusalem« sorgt. Er bereiste vor zwölf ' Jahren in Gemeinschaft mit dem Herrn Arthur Lewy und j unserm großen "nndtnian», Professor Grätz, da« heilige Land. Er sah die Roth der Kinder, deren Fürsorge un« durch die heilige Lehre dringend anempfohlen wird, und er ließ nicht ab, bi« er diese Anstalt im Berein mit edlen Männern, die er durch seinen Eifer zu begeistern wußte, in« Leben gerufen hatte. Und Gotte« Segen ruhte über seinem Werke. Bor anderthalb Jahren begannen wir die« Unternehmen mit vier Waisen in grmietheter Wohnung, heut habe ich uuter dem schützenden Dach« de« Berrin«hause« zehn liebe Kinder in . meiner Obhut. Aber die jüdische Vevolkerung Jerusalem» zählt mindesten» vierzehntausend Seelen, und die Sterblich- , krit ist ein« enorme. Oft muß ich mit wundem Herzen die jammernden Mütter mit ihren abgezehrten Kleinen von der Thür weisen, und selten vergeht eine llvoche, wo mir nicht Waisen au« Alexandria zugeschickt werde«, di« der Ruf unserer AustaU hergelockt bat. Ich kann sie nicht annehmen, ein Mal, weil jetzt keine Vakanz vorhanden ist, weil >hre Aufnahme überhaupt statuteuwidrig und sie auch gewähr lich da« reglement«mäßige Alter von neun Jahren überschritten habe«. Aber ich such« nach einem Mittel, um diese thevren Kinder vor der Mtifion zu retten. Unser Vorstand nsird wahrscheinlich gegen die Zulassung derselben zu unserer Aschkrn.ö-Elass« Nicht« «inwenden. Schon haben hervorragcnde Männer, zu denen auch unser edler Vorsitzender gehört, »em ehrenwerthen Herrn Pine« und mir eine namhafte Summe zur Auöbildung hiesiger Heranwachsender Waisen aavertraut. e« liegt mir sehr am Herzen, auch für die frenden Waisen, die in einer billigen Pension untergebracht, werden könnten, einen kleinen Fond« zu sammeln. Ihr aber, meine Brüder und Schwestern draußen, gedenkt Jerusalem« und seiner Verlassenen. Wa« man auch von den Fehlern der hiesigen Bevölkerung sagen mag, sie erträgt herrisch da« äußerst« Elend, während et» nur einer Untreue an ihrem Gott bedürfte, um Wohlthaten und Sorglosigkeit zu erkaufen. — Aber die Waisen, sie vermögen und wissen nicht zu ertragen. Ihrer gedenket, versucht e» durch die Entsagung leerer Vergnügungen oder befriedigender Genüsse da« Bewußtsein i i»er edlen Handlung zu eriverbrn. Der Kauf wird Euch nicht gereuen. vr. Hrrzberg, Direktor der jüdischen Waifenanstalt in Jerusalem. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdednrg. Die massenhafte Flucht der in Rußland verfolgten Juden droht in dem zunächst dethelligte» G'iizien ein« große Katastrophe fürchterlichen Eiend« heraufzubeschwören, da der Zustrom dort stärker wächst, al« der Abfluß der verfolgten durch die betreffenden Konnte'« bewerkstelligt werden kann. So wird au« Brody telegraphirt: „Da« Hilf«» komitö für russische Emigranten hat vorgestern seine Auslösung erklärt, weil sein« Vorstellungen bei den Eentralkomitö'« in Berlin wegen eine« raschen energischen Vorgehen« zur Bewältigung der unabsehbaren, in Brody stündlich anwachsenden und mit einer Katastrophe drohenden Zuflusse« erfolglo» bleiben. Dringend geboten sei e«, daß Drlegirle au« Berlin mit unumschränkten Vollmachten versehen, den Schauplatz de« schrecklichen Elend« in Brody rasch betreten und die vom Komitü gesammelten reichen Erfahrungen znr Verhütung eine« großen Unglück« au-nützen." E« dürste vielleicht gerathen sein, die Sammlungen direct an die um Hilfe flehenden Comitö'« in Lemberg (Vorsitzender: Moritz Laziru« u. Salomon Buber) und Brody zu senden: Berlin, 20. Mai. (Or. Eorr.) Zu Beginn dieser Woche traten in der Wohnung de« Herrn I. Herrmann mehrere Herren zusammen, um sich zu einem Verpflegung»-Eoin>»ä zu constituiren. Bisher waren die armen, unglücklichen, flüchtigen russischen Glauben«genossen, wenn ihnen nicht da« Glück zu Theil wurde, zu denen zu gehören, die da« Emi.-.rrnten- Eomitö für die Auswanderung bestimmt, auf die Privat-Wohlthätigkeit angewiesen. Die Menschen kamen hier an, murden nur theilweise vom Lokalcomitä mit Spcisemarken bedacht und die« sollte nun jetzt ganz aushören, sie mußten, in den Straßen sich herumtreidend, zusehen, wer sei» mitleidige« Herz öffnen und den einen oder anderen mit nach Hause nehmen würde. Daß etwa« Derartige« nicht länger in der Metropole geschehen durste, davon muh jeder durchdrungen sein, der noch ein jüdische« Herz hat. Man sagte sich, daß in dieser Sache an da« Herz der jüdischen Frau appellirt werden müßte, daß da« Herbtischaffen von Geld zu diesem Zweck nur von einem Frauen-Hils«-Verein durchgesührt werden könne. Ein solcher Verein hat sich nun auch hier gebildet und will derselbe die Mittel zu dem angegebenen edlen Zweck dadurch erreichen, daß von Frauen in jedem jüd. Hause wöchentliche oder monatliche Beiträge gesammelt werden. Nähere« über

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