Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 13 (1882)
- Issue
- 13. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1882-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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K worden ist. Di« Gemeinde umfaßte bei ihrer Gründnng i Jahr« 1611 «ine sehr grob« Anzahl Mitglieder, «eich« stch au« größtentheU« »ohlhabeaderr» Zuzüglern au» Hamburg und Amsterdam hier gebildet hatte, von der Landesregieruug vornherein unter specielle« Schutz genommen und mit besonderen Privilegien an«gestattet, standen die portogiestschen J«raeltten mit ihren christlichen Mitbürgern stet« auf gleicher Rangstufe der gesellschaftlichen Berbäl'nisse und thesitea mit ihnen gleich« Pflichten und gleich« Rechte, wie «. A. tm städtischen »rmenwefen. — Die Gemeinde, welch« bereit« an zuständiger Stelle Schritt« gethan haben soll, um ihre Auflösung herbeizuführen, besitzt ein beträchtliche« Vermöge», welche« sie, wie e« heißt, für eine milde Stiftung zu verwenden gedenkt. Allerding« bleibt abzuwarte», was die Gemeind« mit ihren belangreichen Grundstücken, der Synagoge nebst Inventar k. zu ihun beabsichtigt und in welcher Weis« sie ihre Angestellten, von denen einige, wie wir .hören auf Leben«zeit «ngagirt sein sollen, abfinde« wird. Die Altonaer portugiesisch« Israeliten - gemeind« Hot seit mehren Jahrhunderten weit über die Grenzen Deutschland« hinaus eine gewisse Berühmtheit erlangt. Sie ist die ältest« Gemeind«. Im Jahr« 1811, welche« al» da« Jahr der Gründung bezeichnet wird, wurden ihr vom Grasen Adolf von Schauenburg ein Stück Land in der jetzigen Küntgsstraße überwiesen und ihr dir Erlaubnis» eriheilt dort «inen Friedhof anzulegen. Zugleich wurde den Gemeinde- Mitgliedern gestattet, ihre Äcttesdienstlich-n Handlungen in einer zu diesem Zwecke zu erbauenden Synagoge vorzunehmen. Dieselbe stellte sich im Laus« der Zeit für die stet« wachsend« Gemeinde al« zu klein heraus und wurde daher beschlossen, ein neue« Gotteshaus zu errichten. Dasselbe,!n der Bäckerstraß« belegen, wurde am v. September 1771 eingeweiht. — Au« der Gemeind« sinv bereit« bedeutend« Leute hervorgegangen, namentlich bezügltch der Arzneiwissenschaft, won« al« hervorragend« Capariläten Joseph Daniel de Castro und Benjamin M u f s o p h i a ju nennen sind. Auch ein vor etwa 18 Jahren hier im Alter von ungefähr 80 Jahren verstorbene» Fräulein de Castro stand in ihrer Jugend mit Schiller und Göthe in lebhaftem BriefWechsel. 8o» Riederrhri». (Or.-Corr.) Eie haben berrit« in Ihrer vorigen Nr. au» Saarbrücken «inen Bericht über den Unwillen gebracht, den der Ausruf de« Herrn Institutsleiter vr. Plato in Köln in christlichen Kreise» hervorgerufen hat. Aber nicht allein in christlichen, sondern auch in jüdischen war man über die Taktlost,ikeit dies,« Herrn empört, so daß der Vorstand der Kölner Synagogengemeind« sich veranlaßt gesehen, in der „Kölnischen Zeitung" die für Alle verständlich« Erklärung zu veröffentlichen, daß nur Herr Vr. Frank al« Rabbiner der Synagogengemeind« ungestellt sei. womit der Vorstand recht taktvoll jede Verantwortung für die Ideen Plato'« zurückwte«. Auch in andern klerikalen Blättern wurde au» dem taktlosen Aufruf« Capital geschlagen, so der „Berliner Reichsbote" u. A. Herr Plato wünscht und strebt an, daß inan von dem Rabbiner (?) Plato reve, liinc iliae lacrymae, daher dieses Poltern in de,» Zeitungen. Möge Herr vr. Plato bleiben, was er eigentlich sein sollte, Leiter eines orthodoxen Lehrerseminar«, und diese» zu fordern haben all« diejenigen ein Recht, die von weit und breit um Spenden und Beiträge sür diese Anstalt angebettelt werden. Den russisch» n Jude» wird mit der Hülfe Gottes durch da« Zusammenwirken aller religiösen Parteien auch ohne solch« die gute Sache nur schädigenden Ausrufe geholfen werden. D«»ztg, 8. Mai. (Or.-Corr.) Der al« hervorragender Talmudist auch in weiteren Kreisen bekannte R. Lazar Auerbach feiert« am 5. Mai seinen achtzigsten Sieburtstag. Seine tiesinnrrliche, von der wärmsten Menschenliebe getragene Frömmigkeit, sein selbstlose«, »»neigennützige« Wirken im Dienste der Gesammtheit, der heilige Feuereifer, in dem er nicht bloß selbst Gute« stet« grübt, sondern auch Andere zur Wohlthätigkeit und zu edlen Werken hinzuiveisen verstanden, haben ihm die unbegrenzte Liebe und Verehrung seiner jüdischen Mitbürger erworben. "'Sa hatten'Herrn a*ch nicht blaß feine Kinder »nd Enkel »an Rah «nd Fern an diese» Tnge 'sich «m den Jnbilar geschaart. sondern e« wurden demselben von alle» Seiten von früher Morgenbi« zu später Abendstunde .di« herzlichsten Glückwünsche dargrbracht. Möge dem ehrwürdigen Gretse, dem Stolze der hiesigen Gemeinden, noch eine lang« Reih« glücklicher Tage vom Allgütigr« deschieden sein! — Auch am hiesigen Ort« ist nunmehr bereit« «in« Anzahl angesehenrr Mitbürger aller Sonfessionen zusammen-!>etreten. an dessen Spitz« der Oberbürgermeister, die voritzendru der Stadtverordneten - Versammlung »nd der Kaufmannschaft «. A. stehen, um ein Comits zu bilden, da« in Anschluß an de« Berliner Ausruf Sammlungen zur Linderung der Roth der in Rußland so schwer mißbandelte« Juden in unserer Bürgerschaft veranstalten will. Der Aufruf dürste in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Gtargird i. P , 18. Mai Unter den hier erscheinenden Blättern ist e« seit Jahren die „Stargarder Zeitung", welche stet« der Toleranz da« Wort geredet und der Jude» fich besonder« annahm, al« zur Zeit di« Wogen der Judenhetze in einigen Städten uuserer Provinz gar hoch gingen. — Die Früchte davon blieben nicht au-; die Eintracht zwischen den christlichen und jüdischen Bürgern wurde nicht gestört, und daß nun da» Mitleid mit den Juden in Rußland, das Gefühl für menschliches Elend, das durch verthiert« Menschen dort erzeugt wird, auch in den hiesigen Christen lebt, beweist ein Aufruf, der au« freiem Antrieb« au« chrtstlicher Feder geflossen und den die „Etarg. Ztg." veröffentlichte. Schließlich bemerke ich. daß berrit« eine Sammlung für dt« rufsifihen Juden in der hiesigen Gemeinde, sowie in den Gemeinden der Umgegend ftattgesunden und ein recht ersreuliche« Resultat gehabt. In der Gemeind« der Reichshauptstadt, in Berlin, geschieht steilich zu dem Zwecke Großes, viele Gemeinden wetteifern mit ihr, um da« Elend zu lindern. Warum aber greift man dort nicht auch zu dem Mittel, da« man zur Zeit sür die Szegrdiner Urberschwemmten ergriff, indem man ein großes Synagogenconcert veranstaltete, da« ja ein« so enorme Einnahme ergab. Wie in Berlin, würden sich auch in anderen Städten unsere« deutschen Vaterlandes Synagogengesangvereine, sowie Künstler und Sänger, jüdischer und nichtjüdischer Consesston. gewiß gern entschließen, ihr« Kräfte und Talente dem humanen Zwecke, der Rettung von Menschen au« Elend und Roth, zu widmen, wenn nur die Anregung dazu in passender Weis« geschieht. Mögen dies« Worte zur Realisirung der ausgesprochenen Idee beitragen, und mügedadurch wieder ein Beitrag zur Linderung de« grenzenlosen Unglück« sich erzielen.*) Darmstadt, im Mai. (Or.-Corr) Man ist hier noch mehr denn anderwärts erschreckt und erstaunt über die unerhörten Gränelthaten, welch« an unsere jüdischen Glaubensgenossen in Rußland verübt werden: Raub, Mord, Schändung, Verstümmlung, Riederbrennung ganz:r Dörfer. Selbst zu» Zeit der Kreuzzüge, wo die GlaubenSwuth die Welt gleichsani au« den Angeln hob, find solche bestialischen Grausamkeiten nicht vorgekommen. Wo ist der Bischof Johannsen von Worms, der den Kreuzzllglern die Hände hat abhauen lassen? Wo ist Heinrich I V., der die Juden in fest« Oerter sandte, um sie zu schützen? Man lese die Berichte au« Odessa, worin u. A. erzählt rvird, wie in Balta ein verthierter Russe einer Frau, die ihr Kind säugte, die Brust abschnitt und den Säugling blendete. Der Genius der Menschheit muß trauend sein Antlitz vor solchen Schandthatcn verbergen und zwar nicht blot deßhalb, «eil sie fich in unserem Jahrhundert ereignen konnten, sondern auch, weil sie bi»her ungestraft blieben, denn *) Sin derartiges großes und rinträgtichrs Wahtlhätigkeitsconkrrl fand ooiif« Woche i» Katterda« statt; heute Ndeu» »eranstattrt rin christlicher Gesaugwrtt» eia satche« hier in Viagdedur,; auch der hiesige Voaagogen-Selaagoerei» rüstet sich zur Veranstaltung «iaer «ntiase in der Eyaagoge a« 11. Juni. Ae».)